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Eric Edgar Cooke – Der erste Serienmörder von Perth
In den frühen 1960er-Jahren wurde die sonst so ruhige Stadt Perth von einer Reihe scheinbar völlig unzusammenhängender Gewalttaten erschüttert. Menschen wurden nachts auf der Straße erschossen, ein junges Paar starb bei einem brutalen Einbruch und mehrere Personen wurden von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Die Polizei stand vor einem Rätsel, denn die Taten wirkten chaotisch, die Opfer hatten nichts gemeinsam und die Methoden unterschieden sich stark voneinander. Erst später wurde klar, dass all diese Verbrechen von einem einzigen Mann begangen wurden: Eric Edgar Cooke, einer der berüchtigtsten Serienmörder Australiens.
Eric Edgar Cooke wurde am 25. Februar 1931 in Perth, Western Australia, geboren. Seine Kindheit war von Gewalt und Instabilität geprägt. Sein Vater, Edward Cooke, war alkoholkrank und galt als äußerst brutaler Mann, der seine Familie regelmäßig misshandelte. Körperliche Züchtigung gehörte für die Kinder zum Alltag, und Eric wuchs in einem Klima der Angst auf.
Hinzu kam, dass Cooke mit einer Lippen- und Gaumenspalte geboren wurde. Obwohl diese operativ behandelt wurde, litt er weiterhin unter Sprachproblemen und einem auffälligen Aussehen. In der Schule wurde er deshalb häufig verspottet und ausgegrenzt. Zeitzeugen berichteten später, er sei ein zurückgezogenes und unsicheres Kind gewesen, das kaum Freunde hatte. Bereits als Jugendlicher geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Er begann mit Einbrüchen, Diebstählen und kleineren Straftaten, die sich im Laufe der Jahre häuften.
Cooke trat 1949 der Royal Australian Navy bei. Seine militärische Karriere war jedoch von kurzer Dauer. Disziplinprobleme, Diebstahl und andere Verstöße führten schließlich zu seiner Entlassung.
1953 heiratete er Barbara Ann Thomas, mit der er später sieben Kinder bekam. Nach außen hin führte er ein relativ unauffälliges Leben als Arbeiter und Familienvater. Seine Nachbarn beschrieben ihn später als ruhig und höflich – nichts deutete darauf hin, dass er nachts ein Doppelleben führte. Doch hinter dieser Fassade entwickelte sich eine zunehmend obsessive Kriminalität.
Cooke begann in den späten 1950er-Jahren eine lange Serie von Verbrechen. Er brach in Häuser ein, stahl Autos und sammelte gestohlene Waffen. Dabei beging er immer riskantere Taten. Nach seiner Festnahme ergaben Ermittlungen, dass er für mehr als 250 Einbrüche verantwortlich war. Besonders auffällig war seine Faszination für Schusswaffen. Viele der bei Einbrüchen gestohlenen Waffen nutzte er später bei Angriffen. Was ihn jedoch von vielen anderen Kriminellen unterschied, war seine extreme Unberechenbarkeit.
In den Jahren zwischen 1958 und 1963 kam es in Perth zu einer Häufung mysteriöser Gewalttaten. Einige Opfer wurden erschossen, andere erstochen. Zwei junge Frauen starben, nachdem sie von einem Auto erfasst worden waren. Wieder andere wurden nachts auf offener Straße attackiert. Die Polizei vermutete zunächst keinen Serienmörder, da die Verbrechen kein klares Muster aufwiesen. Männer und Frauen wurden gleichermaßen angegriffen. Die Opfer waren Teenager und Erwachsene. Die Tatorte lagen in verschiedenen Stadtteilen. Die Tatmethoden wechselten zwischen Schusswaffen, Messerangriffen und Fahrerflucht. Gerade diese Vielfalt machte Cooke zu einem besonders schwer zu fassenden Täter. Im Laufe der Ermittlungen wurden ihm mindestens acht Morde zugeschrieben. Die Opfer waren für Cooke im Grunde zufällige Ziele. Viele hatten ihn nie zuvor gesehen.
Besonders tragisch ist, dass zwei Männer bereits wegen Verbrechen verurteilt wurden, die in Wahrheit von Cooke begangen wurden. So wurde der gehörlose Mann Darryl Beamish beispielsweise wegen der Ermordung von Evans und Walker verurteilt. Auch John Button erhielt eine Haftstrafe für einen Mord, den Cooke später gestand. Erst Jahre später wurden beide Männer rehabilitiert. Der Fall gilt heute als eines der bekanntesten Justizversagen in der australischen Geschichte.
Cookes Verbrechensserie endete 1963, als es Ermittlern mithilfe ballistischer Untersuchungen gelang, mehrere Schießereien miteinander in Verbindung zu bringen. Ein gestohlenes Gewehr führte zu ihm. Er wurde am 1. August 1963 verhaftet. Während der Verhöre begann er überraschend offen zu sprechen. Er gestand eine lange Liste von Straftaten, darunter mehrere Morde, Schussangriffe und zahlreiche Einbrüche. Viele Ermittler waren schockiert über die Gleichgültigkeit, mit der er über seine Taten berichtete.
Im Jahr 1964 wurde er vor Gericht gestellt. Der Prozess erregte in ganz Australien große Aufmerksamkeit. Die Beweislage war erdrückend. Neben seinem Geständnis gab es ballistische Beweise und weitere Indizien. Das Gericht verurteilte ihn schließlich zum Tode durch den Strang. Cooke akzeptierte das Urteil weitgehend und legte kein ernsthaftes Berufungsverfahren ein. Am 26. Oktober 1964 wurde Eric Edgar Cooke im Fremantle Prison hingerichtet. Er war 33 Jahre alt. Seine Hinrichtung markierte ein historisches Ereignis, denn er war der letzte Mensch, der im Bundesstaat Western Australia hingerichtet wurde.
Bis heute betrachten Kriminologen Cooke als einen der ungewöhnlichsten Serienmörder Australiens. Im Gegensatz zu vielen Serienkillern folgte er keinem klaren Muster. Seine Opfer wurden zufällig ausgewählt, seine Methoden wechselten ständig und viele seiner Taten wirkten impulsiv. Diese Unberechenbarkeit machte ihn besonders gefährlich und erschwerte den Ermittlern jahrelang die Arbeit.