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Joseph James DeAngelo Jr.
Visalia Ransacker, East Area Rapist, Original Night Stalker, Golden State Killer
Geboren: 08.11.1945 in Bath, New York, USA
Nationalität: US amerikanisch Land: USA
Tatzeitraum & Opfer
Aktiv von1973
Bis1986
Bestätigte Opfer13
AktionsradiusVentura County, Orange County, Santa Barbara County
OpfergruppenMeist Frauen
Modus Operandi & Motive
Modus OperandiPsychologische Kontrolle über die Opfer
HauptmotiveMacht- und kontrollorientierter Sexualstraftäter mit eskalierender Gewaltstruktur
Rechtliches
Festnahmejahr2018
UrteilMehrere lebenslange Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung
HaftformHochsicherheitsgefängnis in Kalifornien
Quelle: Sacramento County Sheriff’s Office, Mug Shot, daher gemeinfrei.
Quelle: Sacramento County Sheriff’s Department
Quelle: Ventura County Sheriff’s Office / California investigators
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Joseph James DeAngelo Jr.
Joseph James DeAngelo, Jr., geboren am 8. November 1945 in Bath, New York, gilt als einer der berüchtigtsten Serienverbrecher der amerikanischen Kriminalgeschichte. Über Jahrzehnte hinweg blieb seine Identität unbekannt, obwohl seine Taten mehrere kalifornische Regionen in Angst versetzten. Erst 2018 wurde der Mann identifiziert, der zuvor unter verschiedenen Täterbezeichnungen geführt worden war: „Visalia Ransacker“, „East Area Rapist“, „Original Night Stalker“ und schließlich unter dem Sammelbegriff „Golden State Killer“.
DeAngelo wuchs in einer Militärfamilie auf und verbrachte Teile seiner Jugend in Kalifornien. In den 1960er-Jahren diente er in der United States Navy, unter anderem während des Vietnamkriegs im westlichen Pazifik. Nach seiner Rückkehr begann er ein Studium der Kriminalwissenschaften an der California State University in Sacramento, welches er 1972 mit einem Bachelor-Abschluss beendete. Anschließend schlug er eine Laufbahn im Polizeidienst ein.
DeAngelo arbeitete zwischen 1973 und 1976 als Polizeibeamter in Exeter, einer Kleinstadt im kalifornischen Tulare County. Anschließend wechselte er zur Polizei in Auburn im Placer County. Dort blieb er bis 1979 im Dienst. Seine Karriere endete abrupt, nachdem er wegen Ladendiebstahls festgenommen worden war: In einer Drogerie hatte er einen Hammer und ein Abwehrspray für Hunde gestohlen. Nach diesem Vorfall wurde er aus dem Polizeidienst entlassen. Während DeAngelo offiziell als Polizist arbeitete, begann im Hintergrund eine Serie von Verbrechen, die später zu den rätselhaftesten Serienfällen der USA gehören sollte.
Zwischen 1974 und 1975 verübte ein unbekannter Täter eine außergewöhnliche Einbruchserie im kalifornischen Visalia. Dabei wurden mehr als hundert Häuser nachts durchsucht und verwüstet. Der Täter entwendete oft nur Gegenstände von geringem Wert und hinterließ in den Wohnungen ein ungewöhnliches Chaos. Die Polizei gab ihm später den Namen „Visalia Ransacker“. Am 11. September 1975 eskalierte die Serie erstmals tödlich. Als der College-Professor Claude Snelling versuchte, seine Tochter vor einer Entführung zu schützen, wurde er von dem Täter erschossen. Jahrzehnte später wurde dieser Mord Joseph DeAngelo zugeschrieben.
Kurz darauf verlagerte sich das Verbrechensmuster. Ab 1976 kam es in der Region Sacramento zu einer Serie nächtlicher Überfälle auf Frauen. Der Täter drang in die Häuser ein, bedrohte seine Opfer mit einer Waffe und fesselte sie mit Schnüren oder Schuhbändern. Oft zwang er die Opfer, sich nicht zu bewegen, während er ihre Wohnungen durchsuchte. Die Ermittler bezeichneten ihn als „East Area Rapist“.
Die Angriffe folgten einem wiederkehrenden Muster: Der Täter spähte seine Opfer offenbar über einen längeren Zeitraum aus, kannte ihre Fluchtwege und nutzte häufig offene Fenster oder Terrassentüren. In vielen Fällen fesselte er die männlichen Partner der Opfer und legte Gegenstände auf deren Rücken, um ihre Bewegungen zu bemerken. Jede Regung hätte tödliche Konsequenzen haben können. Insgesamt wurden ihm mindestens fünfzig Vergewaltigungen zugeschrieben.
Ende der 1970er-Jahre änderte sich das Muster erneut. Zwischen 1979 und 1986 kam es in mehreren südkalifornischen Countys zu einer Serie brutaler Morde. Die Ermittler bezeichneten den Täter als „Original Night Stalker“. Mehrere Paare wurden in ihren Häusern angegriffen und getötet. Insgesamt fielen dreizehn Menschen dieser Mordserie zum Opfer.
Lange Zeit erkannten die Ermittler nicht, dass hinter den Einbrüchen, Vergewaltigungen und Morden derselbe Täter steckte. Erst Jahrzehnte später konnten die Fälle durch DNA-Vergleiche miteinander in Verbindung gebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Täter bereits seit Langem verschwunden und lebte offenbar ein unauffälliges Leben.
Joseph DeAngelo arbeitete viele Jahre lang als Mechaniker in einem Vertriebszentrum der Supermarktkette Save Mart in Nordkalifornien. Nach außen hin führte er ein ruhiges Leben, er war verheiratet und Vater von drei Töchtern. Seine Nachbarn beschrieben ihn später als zurückgezogen, aber nicht auffällig.
Der entscheidende Durchbruch gelang erst im Jahr 2018, als Ermittler erstmals in großem Umfang eine Methode nutzten, die als genetische Genealogie bekannt wurde. Dabei wurden DNA-Spuren von Tatorten mit öffentlich zugänglichen genealogischen Datenbanken verglichen. So konnten entfernte Verwandtschaftsbeziehungen rekonstruiert werden. Über mehrere Generationen hinweg erstellten die Ermittler einen Familienstammbaum, der schließlich zu Joseph James DeAngelo Jr. führte.
Der damals 72-jährige Mann wurde am 24. April 2018 vor seinem Haus in Citrus Heights, Kalifornien, festgenommen.
Während der folgenden Ermittlungen bestätigten DNA-Vergleiche seine Verbindung zu den jahrzehntealten Tatorten. Die Behörden legten ihm schließlich eine Serie von Verbrechen zur Last, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckte: mindestens 13 Morde, rund 50 Vergewaltigungen und über 120 Einbrüche.
Im Jahr 2020 bekannte sich DeAngelo in einem umfassenden Schuldbekenntnis schuldig. Im Gegenzug verzichtete die Staatsanwaltschaft auf die Todesstrafe. Im August desselben Jahres wurde er zu mehreren lebenslangen Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.
Joseph James DeAngelo, Jr. ist noch am Leben und verbüßt seine Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Kalifornien.
Weitere dokumentierte Hinweise
1
Die Mordserie
Zwischen 1975 und 1986 beging der spätere „Golden State Killer“, der amerikanische Serienmörder Joseph James DeAngelo Jr., eine Reihe von Mordtaten, die sich über mehrere kalifornische Countys erstreckten. Die Taten wurden zunächst verschiedenen Tätern zugeschrieben. Erst Jahrzehnte später stellte sich durch DNA-Beweise heraus, dass sie alle auf denselben Mann zurückgingen. Die Mordserie entwickelte sich aus einer bereits bestehenden Serie von Einbrüchen und Vergewaltigungen. Während DeAngelo zuvor vor allem als „East Area Rapist“ bekannt war, begann ab 1979 eine neue Phase seiner Verbrechen, die schließlich mit mehreren brutalen Doppelmorden eskalierte.
11. September 1975 – Mord an Claude Snelling
Ort: Visalia, Tulare County, Kalifornien
Der erste Mord, der später Joseph DeAngelo zugeschrieben wurde, ereignete sich während der Phase des sogenannten „Visalia Ransacker“. In der Nacht des 11. Septembers 1975 versuchte der Täter, eine junge Frau aus ihrem Schlafzimmer zu entführen. Ihr Vater, Claude Snelling, ein College-Professor, wurde durch Geräusche geweckt, stellte den Eindringling im Garten zur Rede und wurde von diesem erschossen. Es kam zu einem kurzen Gerangel, bei dem der Täter eine Waffe zog und Snelling erschoss. Anschließend flüchtete der Täter in die Dunkelheit. Erst Jahrzehnte später konnte dieser Mord eindeutig mit DeAngelo in Verbindung gebracht werden.
30. Dezember 1979 – Ermordung von Dr. Robert Offerman und Debra Manning
Ort: Goleta, Santa Barbara County, Kalifornien
Nach einer Phase zahlreicher Vergewaltigungen in Nordkalifornien verlagerte der Täter seine Aktivitäten nach Südkalifornien. Am Abend des 30. Dezembers 1979 drang er in das Haus von Robert Offerman, einem 44-jährigen Arzt, und dessen Freundin Debra Alexandra Manning ein. Beide wurden im Schlafzimmer überrascht, gefesselt und schließlich erschossen. Diese Tat markierte den Beginn einer Mordserie, die später dem „Original Night Stalker“ zugeschrieben wurde.
13. März 1980 – Mord an Charlene und Lyman Smith
Ort: Ventura, Ventura County, Kalifornien
Nur wenige Monate später kam es zum nächsten Angriff. Der Täter drang nachts in das Haus von Lyman Smith (43) und Charlene Smith (33) ein. Beide wurden gefesselt. Anschließend erschlug er sie mit einem Gegenstand. Die extreme Brutalität der Tat ließ die Ermittler vermuten, dass der Täter seine Vorgehensweise verändert hatte.
19. August 1980 – Mord an Keith und Patrice Harrington
Ort: Dana Point, Orange County, Kalifornien
Im Sommer 1980 setzte sich die Mordserie fort. Der Täter brach nachts in das Haus des jungen Ehepaars Keith Harrington (24) und Patrice Harrington (27) ein. Beide wurden im Schlafzimmer überrascht. Der Täter erschlug sie mit einem stumpfen Gegenstand. Die Tat wies deutliche Parallelen zu den vorherigen Angriffen auf: nächtliches Eindringen, Fesselung der Opfer und ein langer Aufenthalt des Täters im Haus.
6. Februar 1981 – Mord an Manuela Witthuhn
Ort: Irvine, Orange County, Kalifornien
Am 6. Februar 1981 wurde die 28-jährige Manuela Witthuhn in ihrem Haus überfallen. Sie war allein zu Hause, als der Täter in die Wohnung eindrang. Die Frau wurde gefesselt und anschließend brutal erschlagen. Ermittler stellten fest, dass der Täter das Wohngebiet offenbar über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet hatte.
27. Juli 1981 – Mord an Cheri Domingo und Gregory Sanchez
Ort: Goleta, Santa Barbara County, Kalifornien
Nur wenige Monate später kam es erneut zu einem Doppelmord. Die 35-jährige Cheri Domingo und ihr Freund, der 27-jährige Gregory Sanchez, hielten sich in einem Haus in Goleta auf, als der Täter eindrang. Es kam offenbar zu einem heftigen Kampf zwischen Sanchez und dem Täter. Schließlich wurden beide Opfer erschlagen. Anschließend wurde das Haus teilweise durchsucht.
4. Mai 1986 – Mord an Janelle Cruz
Ort: Irvine, Orange County, Kalifornien
Die letzte bekannte Tat des „Golden State Killers” ereignete sich im Mai 1986: Die 18-jährige Janelle Lisa Cruz war allein zu Hause, als der Täter nachts in das Haus eindrang. Die junge Frau wurde brutal angegriffen und ermordet. Nach diesem Mord endete die Serie plötzlich. Über drei Jahrzehnte hinweg blieb der Täter unerkannt.
Die Mordserie des „Original Night Stalker“ wurde lange Zeit getrennt von der des „East Area Rapist“ untersucht. Erst später konnten Ermittler mithilfe von DNA-Analysen feststellen, dass beide Serien von derselben Person begangen worden waren.
Insgesamt konnten Joseph James DeAngelo später zugeschrieben werden:
• 13 Morde
• mindestens 50 Vergewaltigungen
• über 120 Einbrüche
Die Taten erstreckten sich über einen Zeitraum von zwölf Jahren und mehrere Regionen Kaliforniens. Der entscheidende Durchbruch gelang im Jahr 2018 durch den Einsatz der modernen DNA-Genealogie. Dabei verglichen Ermittler DNA-Spuren von Tatorten mit genealogischen Datenbanken und rekonstruierten einen umfangreichen Familienstammbaum. Die Spur führte zu Joseph James DeAngelo Jr., einem ehemaligen Polizeibeamten, der zum Zeitpunkt der Festnahme als pensionierter Mechaniker in Citrus Heights lebte. Am 24. April 2018 wurde der damals 72-Jährige festgenommen. Im Jahr 2020 bekannte sich DeAngelo in mehreren Mordfällen schuldig und wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt.
2
Einbrüche und Vergewaltigungen
Die ersten bekannten Straftaten begannen Mitte der 1970er-Jahre in Visalia, einer Stadt im kalifornischen Tulare County. Zwischen 1974 und 1975 meldeten Bewohner eine Serie ungewöhnlicher nächtlicher Einbrüche. Der Täter drang in die Häuser ein, während die Bewohner schliefen. Oft wurden die Wohnungen vollständig durchsucht und verwüstet. Auffällig war, dass er häufig Gegenstände von geringem oder gar keinem Wert entwendete, darunter Schmuckstücke, Münzen und persönliche Dinge. Diese scheinbar sinnlosen Diebstähle verwirrten die Ermittler. Die Polizei gab dem unbekannten Täter später den Namen „Visalia Ransacker“.
Am 11. September 1975 eskalierte die Serie erstmals tödlich. In dieser Nacht versuchte der Täter, eine junge Frau aus ihrem Schlafzimmer zu entführen. Ihr Vater Claude Snelling wurde durch Geräusche geweckt, stellte den Eindringling im Garten zur Rede und wurde dabei von diesem erschossen. Während des kurzen Gerangels zog der Täter eine Waffe und schoss auf Snelling. Der Mann starb später im Krankenhaus. Der Täter konnte entkommen. Nach diesem Mord endete die Einbruchserie in Visalia plötzlich.
Eine neue Serie beginnt – Der „East Area Rapist“ (1976–1979)
Im Sommer 1976 begann in der Region Sacramento eine Serie von Verbrechen, die bald landesweit Aufmerksamkeit erregte. Am 18. Juni 1976 drang ein maskierter Täter in ein Haus in Rancho Cordova ein und vergewaltigte eine junge Frau. Es war der erste bekannte Angriff des Täters, der später als „East Area Rapist” bekannt wurde. Die Angriffe folgten bald einem wiederkehrenden Muster.
Der Täter drang nachts durch Fenster oder Terrassentüren in Häuser ein. Offenbar hatte er die Wohngebiete zuvor sorgfältig ausgespäht. Lebte ein Paar im Haus, fesselte er zuerst den Mann und zwang ihn, sich bäuchlings auf den Boden zu legen. Oft legte er Gegenstände, wie etwa Geschirr oder Gläser, auf dessen Rücken. Jede Bewegung hätte die Gegenstände herunterfallen lassen und den Täter alarmiert. Anschließend führte er die Frau in einen anderen Raum und vergewaltigte sie. Während der Angriffe sprach der Täter häufig mit sich selbst oder flüsterte Drohungen. Mehrfach berichteten Opfer, dass er scheinbar über persönliche Probleme oder angebliche finanzielle Schwierigkeiten sprach. Zwischen 1976 und 1979 wurden mindestens 50 Frauen Opfer dieser Überfälle. Die Angriffe erstreckten sich über mehrere Countys in Nordkalifornien. Der Täter zeigte dabei ein hohes Maß an Planung: Fluchtwege waren vorbereitet, Wohngebiete waren zuvor beobachtet worden und er nutzte oft dunkle Grünflächen oder Kanäle zur Flucht.
3
Kriminalpsychologische Täteranalyse
Die kriminalpsychologische Bewertung von Joseph James DeAngelo, Jr. basiert auf Erkenntnissen aus Ermittlungsakten, Gerichtsunterlagen und Aussagen von Opfern sowie auf kriminalistischen Analysen der kalifornischen Strafverfolgungsbehörden. Seine Taten zwischen 1974 und 1986 zeigen ein deutlich strukturiertes Täterprofil, das in der forensischen Psychologie als das eines hochgradig kontrollierten, organisierten Serienverbrechers beschrieben wird. Die Analyse konzentriert sich auf mehrere zentrale Aspekte:
– Planung und Kontrolle,
– Tatmuster,
– Persönlichkeitsstruktur sowie
– mögliche Motivlagen.
Organisierte Täterstruktur
Die Ermittlungen ergaben, dass DeAngelo seine Taten mit außergewöhnlicher Sorgfalt plante. Viele Tatorte befanden sich in ruhigen Wohngebieten, die eine gute Fluchtmöglichkeit boten. Die Ermittler stellten außerdem fest, dass der Täter seine Umgebung häufig mehrere Tage oder sogar Wochen lang beobachtet hatte, bevor er zuschlug. Hinweise darauf waren beispielsweise wiederholt gemeldete verdächtige Personen, nächtliche Geräusche oder Spuren im Umfeld der Häuser. Dieses Verhalten entspricht dem Profil eines organisierten Serientäters, der seine Opfer gezielt auswählt und seine Umgebung sorgfältig analysiert.
Typische Merkmale dieser Täterstruktur bei DeAngelo waren die vorherige Ausspähung der Wohngebiete. Hinzu kamen die Vorbereitung möglicher Fluchtwege, das Mitführen von Werkzeugen und Fesselmaterial, ein kontrolliertes Verhalten während der Tat sowie eine gezielte Manipulation der Opfer. All diese Faktoren zeigen, dass die Taten nicht impulsiv, sondern systematisch vorbereitet wurden.
Kontrolle und Machtausübung
Ein zentrales Element seines Vorgehens war die psychologische Kontrolle über die Opfer. Mehrere Opfer berichteten, dass der Täter sie nicht nur körperlich fesselte, sondern auch psychischen Druck ausübte. Besonders auffällig war eine Methode, bei der er Gegenstände, beispielsweise Geschirr, auf den Rücken eines gefesselten männlichen Opfers legte. Bewegte sich das Opfer, fielen die Gegenstände herunter und alarmierten den Täter. Diese Technik erfüllte mehrere Funktionen. Zum einen ermöglichte sie die Kontrolle über mehrere Opfer gleichzeitig, zum anderen übte sie durch die permanente Bedrohung psychologischen Druck aus und minimierte das eigene Risiko. Kriminalpsychologen sehen darin ein deutliches Zeichen eines Täters, der Macht und Dominanz als zentrales Motiv erlebt.
Eskalation der Gewalt
Die Entwicklung der Tatreihe zeigt eine klare Eskalation der Gewalt. Die frühesten bekannten Delikte bestanden überwiegend aus Einbrüchen, die als „Visalia Ransacker” bezeichnet werden. Es folgte eine Phase sexueller Gewalt mit zahlreichen Vergewaltigungen. Schließlich eskalierte das Verhalten in eine Serie von Morden. Dieses Eskalationsmuster ist in der Serienkriminalität nicht ungewöhnlich. Es deutet darauf hin, dass der Täter zunehmend stärkere Formen der Kontrolle und Gewalt benötigte. Die Ermittler stellten außerdem fest, dass sich der Täter im Laufe der Jahre immer mehr Zeit an den Tatorten nahm und seine Opfer teilweise über längere Zeit kontrollierte.
Verhalten während der Taten
Ein weiteres auffälliges Merkmal war sein Verhalten während der Überfälle. Mehrere Opfer berichteten, dass der Täter während der Tat leise mit sich selbst sprach, gelegentlich flüsterte oder murmelte und emotional instabil wirkte. In einigen Fällen äußerte er angebliche finanzielle Probleme oder sprach von persönlichen Belastungen. Kriminalpsychologen interpretieren solche Aussagen jedoch nicht als tatsächliche Offenbarung der Lebenssituation, sondern eher als Teil einer emotionalen Inszenierung während der Tat.
Täterbiografie und mögliche Einflussfaktoren
Die bekannte Biografie DeAngelos zeigt mehrere kriminalpsychologisch relevante Faktoren. Er diente in den 1960er-Jahren in der US-Marine während des Vietnamkriegs. Kriegserfahrungen werden in einigen Studien mit einem erhöhten Risiko für posttraumatische Belastungsstörungen und aggressive Verhaltensmuster in Verbindung gebracht. Es gibt allerdings keine gesicherten Belege dafür, dass dies direkt zu seinen späteren Verbrechen führte. Ein weiterer wichtiger Faktor war seine Tätigkeit als Polizeibeamter. Durch diese Ausbildung verfügte DeAngelo über umfassende Kenntnisse polizeilicher Ermittlungsarbeit, über Wissen zur Spurensicherung und über ein Verständnis typischer Polizeistrategien. Viele Ermittler gehen davon aus, dass ihm dieses Wissen half, über Jahre hinweg unerkannt zu bleiben.
Persönlichkeitsmerkmale
Mehrere mögliche Persönlichkeitsmerkmale werden in den kriminalpsychologischen Analysen beschrieben.
Kontrollorientierung:
Seine Taten zeugen von einem starken Bedürfnis nach Kontrolle über Menschen und Situationen.
Planungsfähigkeit:
Die sorgfältige Vorbereitung der Angriffe deutet auf eine hohe kognitive Organisation hin.
Emotionale Distanz:
Die extreme Gewalt gegenüber den Opfern bei gleichzeitig kontrolliertem Verhalten deutet auf eine geringe Empathiefähigkeit hin.
Doppelleben:
DeAngelo gelang es über Jahrzehnte, ein scheinbar normales Familienleben zu führen, während seine Verbrechen unentdeckt blieben. In der Kriminalpsychologie wird dieses Muster häufig als „funktionales Doppelleben“ bezeichnet.
Rückzug nach 1986
Nach dem Mord an Janelle Cruz im Jahr 1986 wurde die Serie abrupt beendet. Der genaue Grund dafür ist bis heute nicht eindeutig geklärt. In den Ermittlungsakten werden verschiedene mögliche Faktoren diskutiert: das zunehmende Risiko durch DNA-Spuren, familiäre Veränderungen, das zunehmende Alter des Täters oder veränderte Lebensumstände. Gesicherte Beweise für den konkreten Auslöser existieren jedoch nicht.
Dieser Fall gilt heute als eines der bekanntesten Beispiele für einen Serienverbrecher, der über Jahrzehnte hinweg unerkannt blieb und dessen Identität erst mithilfe moderner DNA-Technologie aufgeklärt werden konnte.
4
Seltene oder wenig bekannte Fakten aus Ermittlungsakten zum „Golden State Killer“
Im Verlauf der jahrzehntelangen Ermittlungen gegen den Serienverbrecher Joseph James DeAngelo Jr., der später als „Golden State Killer“ bekannt wurde, sammelten die Ermittler eine Vielzahl von Details, die erst viele Jahre später öffentlich wurden oder lange Zeit kaum Beachtung fanden. Einige dieser Informationen stammen aus Polizeiberichten, Gerichtsakten oder Aussagen von Ermittlern und Opfern. Sie liefern zusätzliche Einblicke in das Verhalten des Täters.
Der Täter beobachtete seine Opfer teilweise über Wochen
Mehrere Ermittlungsberichte legen nahe, dass DeAngelo seine Opfer oft über längere Zeiträume ausspähte, bevor er zuschlug. In manchen Wohngebieten berichteten Anwohner Tage oder Wochen vor einer Tat von unbekannten Männern, die nachts durch Gärten liefen, offenen Gartentoren, verschobenen Gegenständen oder verdächtigen Telefonanrufen. Ermittler gehen heute davon aus, dass DeAngelo seine späteren Opfer häufig systematisch beobachtete, um ihre Gewohnheiten und Tagesabläufe zu analysieren.
Er versteckte Waffen und Werkzeuge in Wohngebieten
Einige Ermittlungsakten deuten darauf hin, dass der Täter vor den Taten Werkzeuge oder Fluchtutensilien versteckt hat. An mehreren Tatorten wurden Gegenstände gefunden, die nicht dem Haushalt der Opfer zuzuordnen waren. Die Ermittler vermuteten daher, dass der Täter sogenannte „Staging Points“ in der Umgebung angelegt hatte, also Orte, an denen er Werkzeuge und andere Utensilien wie Waffen, Schnüre oder Kabel, Handschuhe und Taschenlampen vorübergehend deponierte, um sie später während eines Angriffs zu benutzen.
Der Täter rief Opfer manchmal vor oder nach der Tat an
Ein weniger bekanntes Detail aus den Ermittlungsakten betrifft anonyme Telefonanrufe. Einige Opfer gaben an, dass sie Tage oder Wochen nach der Tat Anrufe erhielten, bei denen ein Mann entweder flüsterte oder schwer atmete. In mehreren Fällen äußerte der Anrufer auch kurze Drohungen. Die Ermittler vermuten, dass es sich dabei um den Täter handelte, der seine Opfer möglicherweise erneut einschüchtern oder die Kontrolle über sie aufrechterhalten oder sich an ihrer Angst psychologisch befriedigen wollte.
DeAngelo konnte sich extrem leise bewegen
Opferberichte zeigen, dass der Täter außergewöhnlich leise und vorsichtig agierte. Mehrere Betroffene gaben an, den Täter erst bemerkt zu haben, als dieser bereits im Schlafzimmer stand. In einigen Fällen hatte er Möbel verschoben, Türen geöffnet und Gegenstände durchsucht, ohne dass die Bewohner davon wach wurden. Die Ermittler vermuteten, dass er möglicherweise bereits zuvor in den Häusern gewesen war oder zumindest die Raumaufteilung kannte.
Er aß teilweise in den Häusern der Opfer
Ein ungewöhnliches Detail, das sich bei mehreren Tatorten zeigte, war, dass der Täter Lebensmittel aus den Küchen der Opfer konsumierte. In einigen Fällen stellten die Ermittler fest, dass Lebensmittel fehlten, Geschirr benutzt worden war oder Lebensmittelverpackungen geöffnet worden waren. Dieses Verhalten ist in der Serienkriminalität nicht ungewöhnlich und kann darauf hindeuten, dass sich der Täter zunehmend sicher fühlte und längere Zeit im Haus verbrachte.
Die Polizei hatte bereits in den 1970er-Jahren eine Vermutung
Ein wenig bekanntes Detail ist, dass einige Ermittler bereits in den späten 1970er-Jahren vermuteten, dass der Täter möglicherweise über polizeiliche Erfahrung verfügt. Diese Vermutung basierte auf mehreren Beobachtungen: dem sehr vorsichtigen Verhalten an Tatorten, den kaum verwertbaren Spuren, dem guten Verständnis von Polizeitaktiken und der gezielten Flucht über dunkle Grünflächen oder Kanäle. Wie sich später herausstellte, war diese Theorie bemerkenswert zutreffend, da DeAngelo tatsächlich als Polizeibeamter gearbeitet hatte.
Er nutzte häufig Fahrradfluchtwege
Ein weiteres Detail aus den frühen Ermittlungen betrifft mögliche Fluchtwege mit dem Fahrrad. Mehrere Zeugen berichteten, dass sie nach einigen Taten eine Person auf einem Fahrrad beobachtet hatten, die sich schnell aus Wohngebieten entfernte. Die Polizisten vermuteten, dass der Täter das Fahrrad nutzte, um leise zu fliehen, keine Motorgeräusche zu verursachen und sich schneller durch Grünflächen zu bewegen.
Die DNA-Spuren wurden jahrzehntelang aufbewahrt
Für die spätere Aufklärung des Falls war es entscheidend, dass die Ermittler biologische Spuren aus den 1970er- und 1980er-Jahren sorgfältig archiviert hatten. Diese konnten später mithilfe moderner DNA-Technologie untersucht werden. Erst durch diese archivierten Beweise war es möglich, den Täter schließlich mittels genetischer Genealogie zu identifizieren.
Er führte ein scheinbar völlig normales Leben
Ein weiterer Punkt, der die Ermittler später besonders überraschte, war DeAngelos unauffälliges Alltagsleben. Er lebte jahrzehntelang in einem Vorort von Sacramento und arbeitete als Mechaniker in einem Vertriebszentrum einer Supermarktkette. Seine Nachbarn beschrieben ihn später als eher ruhig, gelegentlich reizbar, aber insgesamt unauffällig. Dieses Verhalten zeigt ein typisches Muster vieler Serienverbrecher: die Fähigkeit, ein funktionierendes Doppelleben zu führen.
5
Warum die Polizei den „Golden State Killer“ über 40 Jahre lang nicht identifizieren konnte
Die Verbrechensserie des später als „Golden State Killer“ bekannten Serienmörders Joseph James DeAngelo Jr. gehört zu den längsten ungelösten Serienverbrechensfällen in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Zwischen den ersten Taten Mitte der 1970er-Jahre und seiner Festnahme im Jahr 2018 lagen mehr als vier Jahrzehnte. Mehrere Faktoren trugen dazu bei, dass der Täter so lange unerkannt blieb. Erst eine Kombination aus moderner DNA-Technologie und neuen Ermittlungsansätzen führte schließlich zu seiner Identifizierung.
Getrennte Ermittlungen in verschiedenen Regionen
Ein wesentlicher Grund für die lange Dauer der Ermittlungen war, dass die Verbrechen in mehreren Countys Kaliforniens stattfanden. Die Taten wurden zunächst von verschiedenen Polizeibehörden untersucht, darunter Behörden in Sacramento County, Contra Costa County, Ventura County, Orange County und Santa Barbara County. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren war die Zusammenarbeit zwischen diesen Behörden deutlich weniger vernetzt als heute. Informationen wurden nur begrenzt ausgetauscht und viele Ermittler gingen davon aus, dass sie es mit verschiedenen Tätern zu tun hatten. So wurde der Täter zunächst unter unterschiedlichen Namen geführt: „Visalia Ransacker“, „East Area Rapist“ und „Original Night Stalker“. Erst Jahre später konnte durch DNA-Analysen nachgewiesen werden, dass es sich um denselben Täter handelte.
Fehlende DNA-Technologie in den 1970er-Jahren
Als die meisten Taten begangen wurden, gab es die moderne forensische DNA-Analyse noch nicht. Zwar konnten Ermittler bereits damals biologische Spuren sichern, doch diese konnten erst Jahrzehnte später ausgewertet werden. Die erste erfolgreiche Anwendung der DNA-Forensik in den USA erfolgte erst Ende der 1980er-Jahre. Das bedeutete, dass viele wichtige Beweismittel zunächst keinen unmittelbaren Ermittlungswert hatten. Erst in den 1990er-Jahren konnte DNA schließlich zur Verbindung mehrerer Tatorte verwendet werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Täter jedoch längst verschwunden.
Er verfügte über polizeiliche Erfahrung
Ein weiterer Faktor war der berufliche Hintergrund von Joseph DeAngelo. Er arbeitete zwischen 1973 und 1979 als Polizeibeamter in Kalifornien. Dieses Wissen könnte ihm dabei geholfen haben, typische Ermittlungsverfahren zu verstehen und Fehler zu vermeiden. Später stellten Ermittler fest, dass der Täter Handschuhe verwendete, die Tatorte möglichst spurenarm verließ, Fluchtwege sorgfältig vorbereitete und Wohngebiete mit guten Rückzugsmöglichkeiten auswählte. Diese Vorgehensweise erschwerte die Identifizierung erheblich.
Hohe Mobilität
Die Tatorte lagen über ein großes Gebiet verteilt. Einige der späteren Morde fanden sogar hundert Kilometer von den ursprünglichen Tatorten entfernt statt. Dadurch verloren die Ermittler wichtige Zusammenhänge aus den Augen. Ein Täter, der in mehreren Regionen aktiv war, ließ sich deutlich schwerer eingrenzen als jemand, der nur in einer Stadt operierte.
Fehlende Zeugen und nächtliche Tatzeiten
Die meisten Angriffe ereigneten sich mitten in der Nacht. Der Täter drang in Häuser ein, während die Bewohner schliefen. Dadurch gab es kaum Zeugen, die ihn eindeutig beschreiben konnten. Die vorhandenen Täterbeschreibungen waren oft widersprüchlich. Zwar existierten mehrere Phantombilder, doch keines führte zu einer Identifizierung.
Jahrzehntelange Pause der Taten
Nach dem Mord an Janelle Cruz im Jahr 1986 endete die Serie abrupt. Da die Taten aufhörten, verlor der Fall zunehmend an Priorität. Viele Ermittler gingen davon aus, dass der Täter entweder gestorben, ins Ausland gezogen oder wegen anderer Straftaten im Gefängnis saß. Diese Unsicherheit erschwerte weitere Ermittlungen.
Erst im Jahr 2018 gelang der entscheidende Fortschritt durch eine neue Ermittlungsstrategie. Dabei nutzten die Ermittler die Methode der genetischen Genealogie. Dabei wurde die DNA vom Tatort mit öffentlich zugänglichen genealogischen Datenbanken verglichen. Die DNA führte zunächst nicht direkt zum Täter, sondern zu entfernten Verwandten. Durch die Rekonstruktion eines umfangreichen Familienstammbaums konnten die Ermittler schließlich mehrere mögliche Verdächtige identifizieren. Einer davon war Joseph James DeAngelo. Nachdem die Ermittler heimlich eine DNA-Probe von ihm gesichert hatten, bestätigte der Abgleich die Übereinstimmung mit den Spuren vom Tatort. Am 24. April 2018 wurde DeAngelo in Citrus Heights, Kalifornien, festgenommen.
Bedeutung des Falls
Der Fall des „Golden State Killers” gilt heute als Meilenstein der modernen Kriminaltechnik. Er zeigt, dass selbst jahrzehntealte Verbrechen noch aufgeklärt werden können, wenn archivierte Beweise mit neuen Technologien untersucht werden. Mehr als 40 Jahre nach den ersten Taten konnte der Serienverbrecher identifiziert werden, der über ein Jahrzehnt hinweg mehrere kalifornische Regionen terrorisiert und anschließend jahrzehntelang ein scheinbar unauffälliges Leben geführt hatte.