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Olaf Däter – Der „Oma-Mörder von Bremerhaven“
Im Juni 2001 erschütterte eine kurze, aber besonders brutale Mordserie die norddeutsche Stadt Bremerhaven. Innerhalb von nur zehn Tagen tötete ein ehemaliger Krankenpfleger fünf hochbetagte Frauen und versuchte, eine weitere zu ermorden. Der Täter war Olaf Däter, geboren am 25. September 1969 in Bremerhaven. Sein Fall gilt als einer der bekanntesten Serienmorde im deutschen Pflegeumfeld und löste bundesweit Diskussionen über Gewalt gegen ältere Menschen sowie über mangelhafte Leichenschauen aus.
Olaf Däter wuchs in Bremerhaven auf. Er wurde unehelich geboren und bereits im Alter von einem Jahr von seinem Stiefvater adoptiert. Seine Kindheit verlief nach außen hin weitgehend unauffällig. Er lebte mit mehreren Geschwistern zusammen und hielt auch im Erwachsenenalter engen Kontakt zu seinen Eltern, die ihn wiederholt finanziell unterstützten. Nach der Schule erlangte er die Mittlere Reife und wollte ursprünglich Krankenpfleger werden. Da er zunächst keinen Ausbildungsplatz erhielt, verpflichtete er sich für mehrere Jahre bei der Bundeswehr.
Während seiner Zeit bei der Bundeswehr diente Däter in einer Sanitätseinheit und stieg bis zum Rang eines Oberfeldwebels auf. Seine Kameraden beschrieben ihn später als autoritär, streng und pedantisch. Nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn erhielt er schließlich doch die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Cuxhaven zu absolvieren. In dieser Zeit heiratete er, doch die Ehe hielt nur etwa ein Jahr.
Nach Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Däter in der Altenpflege. Sein beruflicher Werdegang verlief jedoch problematisch. In Cuxhaven verlor er seine Stelle, nachdem festgestellt worden war, dass er Geld von Patienten unterschlagen hatte. Diese Vorstrafe verschwieg er später bei einer neuen Bewerbung. Trotz dieser Vorfälle erhielt er eine Stelle in Bremerhaven, wo er zeitweise sogar in leitender Position in der Pflege arbeitete. Auch dort kam es jedoch zu Unregelmäßigkeiten. Kurz vor Beginn der späteren Mordserie wurde er erneut fristlos entlassen, da wieder Geld von Patienten verschwunden war.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich Olaf Däter in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Er hatte Schulden im fünfstelligen Bereich und führte einen Lebensstil, den er sich eigentlich nicht leisten konnte. Besonders seine Vorliebe für teure Autos und seine kostspielige Beziehung zu einer Prostituierten belasteten seine Situation zusätzlich. Ermittler gingen später davon aus, dass diese Schulden sowie der Wunsch nach Geld eine zentrale Rolle für die folgenden Taten spielten.
Im Juni 2001 begann die Mordserie. Däter suchte gezielt ältere Frauen auf, die er aus seiner Arbeit als Pfleger kannte oder die ihm zumindest vertrauten. Viele der späteren Opfer waren ehemalige Patientinnen. Diese vertraute Beziehung verschaffte ihm einen entscheidenden Vorteil: Die Frauen ließen ihn ohne Misstrauen in ihre Wohnungen.
Er griff sie dort überraschend an. Seine Vorgehensweise war brutal und gleichzeitig erschreckend simpel. Er brachte seine Opfer zu Boden und setzte sein Körpergewicht ein, um sie zu ersticken. Dazu kniete er sich auf ihre Brust oder ihren Oberkörper. Die hochbetagten Frauen hatten kaum eine Chance, sich zu wehren. Durch den Druck kam es zu schweren inneren Verletzungen und schließlich zum Tod durch Ersticken.
Ursprünglich waren die Taten als Raubüberfälle geplant. Däter suchte nach Bargeld, ließ jedoch häufig Schmuck und andere Wertgegenstände zurück. Die erbeuteten Summen waren vergleichsweise gering. Dennoch setzte er seine Taten fort.
Ein entscheidender Grund dafür, dass die Mordserie zunächst unentdeckt blieb, waren die Leichenschauen. Bei den ersten vier Todesfällen stellten die Ärzte natürliche Todesursachen fest. Da es sich um hochbetagte Frauen handelte und äußerlich kaum Spuren erkennbar waren, wurden keine weiteren Ermittlungen eingeleitet. Erst nach Däters Festnahme und Geständnis wurde klar, dass es sich bei diesen Todesfällen tatsächlich um Mord handelte.
Der Wendepunkt kam beim sechsten Überfall. Däter griff darin erneut eine ältere Frau in ihrer Wohnung an und würgte sie, bis sie bewusstlos wurde. Er ging davon aus, dass sie tot sei, und verließ den Tatort. Kurz darauf rief der Sohn der Frau sie telefonisch an. Däter nahm den Anruf entgegen und legte sofort wieder auf. Dieses ungewöhnliche Verhalten machte den Sohn misstrauisch. Er fuhr zur Wohnung seiner Mutter und fand sie schwer verletzt, aber noch am Leben.
Nachdem die Frau wieder zu Bewusstsein gekommen war, konnte sie den Täter eindeutig identifizieren: Es war Olaf Däter, der ehemalige Pfleger, dem sie vertraut hatte.
Noch am selben Tag wurde der Täter in Bremerhaven festgenommen. Die Polizei fasste ihn vor der Wohnung seiner Eltern. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits eine weitere Frau ermordet. Besonders zynisch erschien den Ermittlern später ein Detail aus seinem Verhalten nach den Taten. Mit dem geraubten Geld finanzierte er einen privaten Rundflug über die ostfriesischen Inseln und Helgoland, zu dem er seine Freundin und deren Kind einlud.
Nach seiner Festnahme gestand Olaf Däter die Taten. Erst durch dieses Geständnis konnten die zuvor als natürliche Todesfälle eingestuften Fälle neu bewertet werden. Insgesamt stellte sich heraus, dass er innerhalb von zehn Tagen fünf Frauen ermordet und eine weitere schwer verletzt hatte.
Der Prozess gegen den Täter fand vor dem Landgericht Bremen statt. Am 22. November 2001 wurde er wegen fünffachen Mordes und eines Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, wodurch eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen ist.
In den Ermittlungen gab Däter an, dass er vermutlich weitergemacht hätte, wenn er nicht gestoppt worden wäre. Er hatte seine Opfer gezielt ausgewählt: alte Frauen, die ihm vertrauten und sich kaum verteidigen konnten.
Der Fall Olaf Däter sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Mordserie machte auf drastische Weise deutlich, wie verletzlich ältere Menschen sein können – insbesondere, wenn sie jemandem aus dem Pflegebereich vertrauen. Gleichzeitig löste der Fall eine Debatte über die Qualität der Leichenschauen in Deutschland aus, da mehrere der Morde zunächst unentdeckt geblieben waren.
Olaf Däter gilt heute als einer der bekanntesten deutschen Serienmörder der frühen 2000er-Jahre. Seine Mordserie dauerte nur zehn Tage, löste jedoch eine nachhaltige Diskussion über Gewalt gegen Pflegebedürftige und strukturelle Schwächen im Gesundheitssystem aus.
Olaf Däter lebt noch und verbüßt weiterhin seine lebenslange Haftstrafe in einer deutschen Justizvollzugsanstalt.