Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Charles Cullen
Charles Edmund Cullen wurde am 22. Februar 1960 in West Orange geboren. Er wuchs in schwierigen familiären Verhältnissen auf: Sein Vater starb früh und seine Mutter kam bei einem Autounfall ums Leben, als er noch ein Jugendlicher war. In den 1970er-Jahren trat er kurzzeitig in die US Navy ein, wurde jedoch nach mehreren Suizidversuchen entlassen. Später absolvierte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger und begann seine berufliche Laufbahn im Gesundheitswesen.
Zwischen 1988 und 2003 arbeitete Cullen in mehr als zehn Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in den US-Bundesstaaten New Jersey und Pennsylvania. Während dieser rund 15-jährigen Tätigkeit verübte er eine Serie von Morden an Patienten. Er nutzte seine Position als examinierter Krankenpfleger, um seinen Opfern gezielt tödliche Medikamentendosen zu verabreichen. Zu den von ihm verwendeten Substanzen gehörten unter anderem Digoxin (ein Herzmedikament), Insulin sowie weitere Herz- und Blutdruckmedikamente. Cullen injizierte diese Mittel eigenmächtig und ohne medizinische Indikation. In mehreren Fällen manipulierte er die Medikamentenbestände oder nutzte elektronische Zugangssysteme, um die Präparate unauffällig zu entnehmen.
Die meisten Opfer waren Patienten in Krankenhäusern, darunter viele ältere oder schwer erkrankte Personen. Ermittlungen ergaben jedoch, dass sich viele von ihnen nicht in einer unmittelbar tödlichen Situation befanden. Cullen wurden offiziell 29 Morde nachgewiesen. Er selbst gestand im Laufe der Ermittlungen über 40 Tötungen. Aufgrund von Indizien, verdächtigen Todesfällen und fehlenden toxikologischen Untersuchungen gehen Strafverfolgungsbehörden davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegen könnte. Schätzungen reichen bis zu 400 möglichen Opfern. Eine exakte Zahl ließ sich jedoch nie abschließend belegen.
Obwohl es in mehreren Kliniken Unregelmäßigkeiten und interne Untersuchungen gab, fiel sein Vorgehen über Jahre hinweg nicht konsequent auf. Anstatt ihn strafrechtlich anzuklagen, wurde Cullen häufig entlassen oder zum Rücktritt bewegt. Aufgrund von Personalmangel, Angst vor Imageschäden und rechtlichen Risiken informierten einige Einrichtungen nachfolgende Arbeitgeber nicht umfassend über bestehende Verdachtsmomente. Dadurch konnte er wiederholt neue Anstellungen im Pflegebereich antreten.
Der entscheidende Durchbruch gelang im Jahr 2003 im Somerset Medical Center in Somerville, New Jersey. Dort wurden ungewöhnliche Todesfälle und Medikamentenabweichungen festgestellt. Eine Kollegin, die Krankenschwester Amy Loughren, arbeitete mit den Ermittlern zusammen und half dabei, belastende Informationen zu sichern. Am 12. Dezember 2003 wurde Cullen schließlich verhaftet.
Im Jahr 2006 bekannte er sich vor Gericht schuldig. Er wurde zu 18 lebenslangen Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Seine Strafe verbüßt er im Staatsgefängnis von Trenton.
Als Motiv gab Cullen an, er habe Patienten „von ihrem Leid erlösen” oder ärztliche Fehler verhindern wollen. Ermittler und Staatsanwälte bewerteten diese Aussagen jedoch als widersprüchlich und nicht belegt. Es existieren keine Beweise dafür, dass alle Opfer im Sterben lagen oder um Sterbehilfe gebeten hatten.
Der Fall erlangte internationale Bekanntheit und gilt als einer der gravierendsten Medizinskandale in der Geschichte der USA. Die Ereignisse wurden unter anderem im Sachbuch „The Good Nurse” von Charles Graeber dokumentiert und 2022 unter dem gleichen Titel verfilmt.
Aufgrund der möglichen Opferzahlen zählt Charles Cullen zu den tödlichsten bekannten Serienmördern der Vereinigten Staaten. Seine Taten führten zu intensiven Diskussionen über Kontrollmechanismen im Gesundheitswesen, Meldepflichten zwischen Kliniken und Patientensicherheit.