Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Pierre Chanal
Pierre Chanal wurde am 18. November 1946 in Saint-Étienne, Frankreich, geboren. Sein Leben nahm eine dunkle Wendung, als sich aus militärischer Disziplin höchste Gewalt entwickelte. Chanal war kein gewöhnlicher Soldat: Er war ein körperlich starker und sportlicher Mann, der sich im französischen Heer hocharbeitete. Doch hinter der Fassade des vorbildlichen Militärs verbarg sich ein Verbrechen, das ganz Frankreich in den 1980er Jahren erschütterte.
Tatzeitraum und Verdachtsfälle
Zwischen 1980 und 1987 verschwanden in der Region um den Truppenübungsplatz Mourmelon-le-Grand im Nordosten Frankreichs mehrere junge Männer. Insgesamt wurden acht junge Männer vermisst oder tot aufgefunden, die alle ähnliche Hintergründe hatten. Meist waren sie als Wehrpflichtige unterwegs oder als Reisende auf dem Weg zu oder von einem Militärlager. Die Polizei klassifizierte diese Fälle zunächst als Desertionen, bis ein Zusammenhang immer wahrscheinlicher wurde.
Laut Ermittlungen und Ermittlermeinungen ist Pierre Chanal der Verdächtige für all diese verschwundenen und getöteten Männer, auch wenn nicht alle Fälle vor Gericht abgeschlossen wurden.
Die Opfer und Fallübersicht
Patrick Dubois – verschwunden am 4. Januar 1980
Ein 19-jähriger Soldat, der das Lager verließ und nie zurückkehrte. Zunächst als Desertion abgetan, wird sein Verschwinden heute im Kontext des Chanal-Falls betrachtet.
Serge Havet – Verschwunden am 20. Februar 1981
Ein 20-jähriger Artilleriesoldat. Es gab nur Spuren, die zu Vermisstenmeldungen führten; eine Leiche wurde nie gefunden.
Manuel Carvalho – Verschwunden am 7. August 1981
Ein weiterer 19-jähriger Soldat, dessen Spur abrupt endet. Auch hier gibt es keine eindeutigen Rückfunde.
Pascal Sergent – Verschwunden am 20. August 1981
Ein weiterer 19-jähriger Wehrpflichtiger, der nie heimkehrte.
Olivier Donner – Verschwunden, Leichenfund 1982
Der Schlüsselpunkt der Serie. Seine Leiche wurde am 31. Oktober 1982 bei Mailly-le-Camp gefunden. Die Todesumstände waren gewaltsam und dieser Fund brachte erstmals eine offizielle Mordermittlung ins Rollen.
Patrice Denis – verschwunden im August 1985
Ein Zivilist, der in der Region unterwegs war und später nicht wieder gesehen wurde. DNA-Spuren aus Chanals Besitz wurden später mit Denis in Verbindung gebracht.
Patrick Gache – Verschwunden am 30. April 1987
Ein weiterer junger Mann, dessen Verschwinden zu den sogenannten „Mourmelon-Fällen” gerechnet wird. Spurenvergleiche deuteten auf Chanal als Verdächtigen hin.
Trevor O’Keeffe – tot aufgefunden am 8. August 1987
Ein 19-jähriger irischer Tramper, dessen Leiche halb verscharrt aufgefunden wurde. Er gilt als offiziell bestätigter Mordfall, der Chanal angelastet wurde.
Am 9. August 1988 fiel Chanal schließlich auf, als er mit seinem grünen VW-Campingbus in der Nähe von Mâcon von Gendarmen kontrolliert wurde. Im Fahrzeug fand man den 20-jährigen ungarischen Tramper Palázs Falvay gefesselt und misshandelt vor. Dieser berichtete, er sei von Chanal vergewaltigt worden, nachdem er ihm als Anhalter mitfahren wollte. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs wurden außerdem Haare, Spermaspuren, Kleidung und pornografisches Material gefunden und als belastende Spuren sichergestellt. Chanal wurde daraufhin festgenommen und 1990 wegen der Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung von Palázs Falvay zu zehn Jahren Haft verurteilt.
DNA & erneute Ermittlungen
Nachdem Chanal im Fall Falvay im Gefängnis saß, entwickelte sich die Technik der DNA-Analyse rasant weiter. Spuren, die man zuvor nicht eindeutig zuordnen konnte, gelang es später, mit den vermissten Männern, insbesondere Patrick Gache und Patrice Denis, zu verbinden. Dies führte dazu, dass Chanal wegen Mordes an mehreren der „Mourmelon-Fälle“ offiziell erneut vor Gericht gestellt werden sollte.
Prozessbeginn und Tod 2003
Im Jahr 2003 begann endlich ein neuer Prozess, in dem sich Chanal für mehrere Verdachtsfälle verantworten sollte, darunter der Mord an Trevor O’Keeffe. Doch bevor der Prozess richtig beginnen konnte, schnitt sich Chanal in seiner Haft die Oberschenkelarterie auf, was zu seinem Tod führte. Damit endete das Verfahren und er blieb rechtlich für die Mehrzahl der Verdachtsfälle unschuldig, obwohl viele Strafrechtler und Ermittler davon überzeugt sind, dass er in alle acht Fälle verwickelt war.