Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Francisco Acevedo
Der mutmaßliche Serienmörder von Yonkers blieb über Jahre hinweg unentdeckt. Als die erste Leiche gefunden wurde, ahnte niemand, dass dies der Beginn einer Mordserie war, die sich über fast ein Jahrzehnt erstrecken sollte. Drei Frauen, nackt, mit gefesselten Händen auf dem Rücken und dem Gesicht nach oben, wurden in grotesken Posen im Süden von Yonkers abgelegt. Zwei von ihnen wurden in einem abgelegenen Industriegebiet gefunden, die dritte Jahre später in einem Motel im Osten der Stadt.
„Es war unheimlich“, erinnerte sich John D’Alessandro, ein pensionierter Kriminalbeamter. „Wir wussten sofort: Das hier ist kein gewöhnlicher Täter. Das ist ein Serienmörder.“ Doch der Täter blieb ein Phantom. Sieben Jahre lang. Zwei Jahrzehnte lang.
Erst die moderne Forensik brachte Bewegung in einen Fall, der längst zu den ungelösten Albträumen der Stadt gehörte. Der Name, der schließlich auftauchte, überraschte selbst die Ermittler: Francisco A. Acevedo Jr., 42 Jahre alt, Familienvater und Arbeiter – ein Mann, den niemand je mit drei grausamen Morden in Verbindung gebracht hätte.
Acevedo soll zwischen 1989 und 1996 drei Frauen brutal geschlagen, vergewaltigt und erwürgt haben: Maria Ramos (26), Tawanda Hodges (28) und Kimberly Moore (30). Zwei der Opfer waren Prostituierte aus der Bronx, das dritte war eine junge Frau aus Greenburgh, ehemalige Turnerin und Schülerin der Woodlands High School.
Die Tatorte unterschieden sich, das Muster jedoch nicht. Alle drei Leichen waren sorgfältig arrangiert. Die Ermittler sprachen von „sexuellem Posieren“, einem seltenen Verhalten, das nur bei etwa einem Prozent aller Mörder vorkommt. Der Durchbruch kam im Jahr 2009: Acevedo saß wegen einer Trunkenheitsfahrt in der Green Haven Correctional Facility ein und gab im Rahmen eines Bewährungsantrags eine DNA-Probe ab. Wenige Wochen später meldete sich das forensische Labor: Übereinstimmung. Volltreffer. Nach fast 20 Jahren hatte die Polizei ihren Mann.
Was sie fanden, passte jedoch nicht zum Bild des Monsters. Acevedo lebte mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen in Bay Shore. Er war untersetzt, Brillenträger und 1,73 Meter groß. Kein genialer Täter, kein charismatischer Psychopath. „Man sucht nach einem Monster“, sagte Detective John Geiss. „Und findet einen Familienvater.
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Die Ermittler mussten sich eingestehen, dass sie jahrelang am falschen Ort gesucht hatten. Das klassische FBI-Profil – weiß, hochintelligent, charismatisch – hatte sie in die Irre geführt. Acevedo hatte einen durchschnittlichen IQ. Aber er kannte die Straße. Seine Vergangenheit war von Gewalt geprägt. Bereits 1986 hatte er in Connecticut ein junges Mädchen entführt, gefesselt, vergewaltigt und misshandelt. Er erhielt eine zehnjährige Haftstrafe, kam jedoch acht Monate vor dem ersten Mord in Yonkers wieder frei. In den folgenden Jahren arbeitete er als Hilfsarbeiter, Koch, Bäcker und Spüler. Er zog durch Connecticut, Mount Vernon und Long Island.
Hinter der Fassade des ruhigen Nachbarn häuften sich die Anzeigen wegen häuslicher Gewalt. Er schlug seine Frau und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis. Doch nichts führte die Ermittler nach Yonkers. Bis die DNA-Spuren sprachen. Acevedo wurde in allen drei Mordfällen angeklagt. Er plädierte auf „nicht schuldig”. Seine Anwältinnen versuchten, die DNA-Beweise auszuschließen. Sollte er verurteilt werden, droht ihm lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung.
Für den ehemaligen Ermittlungsleiter Frank LoCascio war es bis zuletzt schwer zu fassen: „Francisco Acevedo? Dieser Name sagte niemandem etwas. Genau das machte ihn so gefährlich.
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Ein Mann, den niemand bemerkte. Ein Täter, der fast zwanzig Jahre lang unsichtbar blieb.