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Nicolai Bonner (ניקולאי בונר)
Im Frühjahr 2005 erschütterte eine Serie brutaler Gewalttaten den Norden Israels. Innerhalb weniger Wochen wurden im Raum Haifa vier Menschen getötet, Tatorte in Brand gesetzt und weitere schwere Delikte begangen. Im Zentrum der Ermittlungen stand ein Mann mit sowjetischen Wurzeln: Nicolai Bonner.
Bonner wurde 1972 in einem Dorf in der damaligen Moldauischen SSR geboren. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater galt als alkoholkrank und war häufig arbeitslos, seine Mutter arbeitete in einer Fabrik. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1981 kam der neunjährige Bonner in ein Kinderheim. Später schlug er sich als Gelegenheitsarbeiter in verschiedenen Regionen der ehemaligen Sowjetunion durch und saß Anfang der 1990er-Jahre wegen kleinerer Delikte ein Jahr im Gefängnis.
Im Jahr 2000 wanderte er im Rahmen des israelischen Rückkehrgesetzes mit seiner Frau nach Israel aus, wo er die Staatsbürgerschaft erhielt. Zunächst lebte das Paar in Haifa. Bonner arbeitete als Bau- und Fabrikarbeiter und galt als unauffällig. Nach dem Tod seiner Frau im Januar 2003 geriet sein Leben jedoch aus dem Gleichgewicht. Er verlor seine Anstellung, begann mehr zu trinken und lebte zeitweise auf der Straße. Zwar erhielt er zwischenzeitlich Unterstützung durch seine Schwester, doch Ende 2004 kehrte er ohne feste Perspektive nach Haifa zurück.
Die Mordserie begann im Februar 2005, sein erstes Opfer war die 52-jährige Prostituierte Rita Wolman, die er Anfang des Monats kennengelernt hatte. In ihrer Wohnung kam es nach gemeinsamem Alkoholkonsum zu einer Eskalation. Er schlug die Frau, fügte ihr tödliche Verletzungen zu, vergewaltigte sie, während sie im Sterben lag, und setzte anschließend ihr Bett in Brand, um Spuren zu verwischen. Am nächsten Tag ließ er sich wegen eigener Verletzungen im Krankenhaus behandeln, ein Detail, das später für die Ermittler von Bedeutung war.
Im März traf er den 34-jährigen Alexander Levant in dessen Wohnung. Auch hier führte gemeinsamer Alkoholkonsum zu einem Gewaltausbruch. Bonner schlug Levant zu Tode, entwendete Gegenstände aus der Wohnung und setzte anschließend das Haus in Brand. Wenig später tötete er in einer verlassenen Ruine den 32-jährigen, obdachlosen Valeri Soznov nach einem Streit und verbrannte die Leiche.
Ende April bzw. Anfang Mai folgte der vierte Mord: Der ebenfalls obdachlose 39-jährige Alexander Kars wurde in einem verlassenen Gebäude zunächst mit einer Eisenstange misshandelt und anschließend mit einem Kabel stranguliert. Wenige Tage später griff Bonner den 42-jährigen Sergei Bluestein an, den er seit Längerem kannte. Auch hier kam es unter Alkoholeinfluss zu massiver Gewalt und einer versuchten Strangulation mit einem Kabel. Bluestein überlebte schwer verletzt als einziges Opfer und berichtete der Polizei von einem Mann namens „Nicolai“.
In Kombination mit Zeugenaussagen aus der Obdachlosenszene und der Krankenhausakte vom Februar führte diese Aussage die Ermittler auf Bonners Spur. Er wurde am 29. Mai 2005 festgenommen. Er legte Geständnisse in den vier Mordfällen ab, zog diese später jedoch wieder zurück und behauptete, sie seien unter Druck entstanden. Die Staatsanwaltschaft stützte sich jedoch nicht allein auf seine Aussagen, sondern auch auf forensische Spuren und Indizien.
Im Mai 2007 verurteilte das Bezirksgericht Haifa Nicolai Bonner wegen vierfachen Mordes sowie weiterer Delikte, darunter Vergewaltigung, Brandstiftung und Beweisvernichtung, zu viermal lebenslanger Haft, ergänzt durch zusätzliche Haftjahre. Die Richter sahen in ihm keinen schuldunfähigen Täter, sondern einen strafrechtlich verantwortlichen Mann mit Persönlichkeitsstörung.
Der Fall gilt bis heute als einer der seltenen dokumentierten Serienmordfälle in Israel. Bonner verbüßt seine Strafe weiterhin in israelischer Haft.