Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Herbert Richard Baumeister
Herbert Richard „Herb“ Baumeister wurde am 7. April 1947 in Indianapolis, Indiana, geboren. Nach außen hin führte er über Jahrzehnte ein scheinbar erfolgreiches und unauffälliges Leben. Er war verheiratet, Vater von drei Kindern und baute in den 1980er-Jahren mit der Second-Hand-Ladenkette „Sav-A-Lot” ein florierendes Geschäft auf. In der Öffentlichkeit galt Baumeister als exzentrisch, aber harmlos – ein wohlhabender Familienvater in einem großen Haus am Stadtrand.
Hinter dieser Fassade führte er jedoch ein Doppelleben, das erst Mitte der 1990er-Jahre ans Licht kam. Baumeister frequentierte regelmäßig Bars der Schwulenszene in Indianapolis und Umgebung. Dort lernte er Männer kennen, von denen viele später als vermisst gemeldet wurden. Rückblickend stellten Ermittler fest, dass sich zahlreiche Vermisstenfälle über Jahre hinweg auffällig ähnelten: Junge bis mittelalte Männer, häufig aus der LSBTI*-Community, verschwanden plötzlich, ohne Spuren eines neuen Lebens oder freiwilligen Untertauchens zu hinterlassen.
Der Wendepunkt kam mit dem Anwesen „Fox Hollow Farm” des Baumeisters in Westfield, Indiana. Das weitläufige Grundstück umfasste rund 18 Acres Wald- und Freifläche. Bereits im Jahr 1994 wurde erstmals Verdacht geschöpft, als Baumeisters Sohn dort einen menschlichen Schädel fand. Baumeister erklärte, es handele sich um ein medizinisches Sammlungsstück seines Vaters. Diese Erklärung reichte den Behörden damals aus, was zu einem folgenschweren Zögern führte.
Erst 1996, nachdem ein Zeuge Baumeister mit einem der verschwundenen Männer in Verbindung gebracht hatte, intensivierten die Ermittler ihre Nachforschungen. Kurz darauf durchsuchte die Polizei die Fox Hollow Farm. Was sie fanden, übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen: Tausende menschliche Knochen und Knochenfragmente, teils verbrannt, teils im Boden verteilt. Die Überreste stammten von mehreren Männern, die über Jahre hinweg dort getötet und entsorgt worden waren.
Noch bevor er festgenommen werden konnte, floh Baumeister nach Kanada. Er wurde am 3. Juli 1996 tot im Pinery Provincial Park in Ontario aufgefunden. Er hatte sich mit einer Schusswaffe das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief erwähnte er finanzielle Probleme und persönliche Krisen, jedoch nicht die Taten oder die auf seinem Grundstück gefundenen Überreste. Durch seinen Suizid entzog er sich einer strafrechtlichen Aufarbeitung.
Die Ermittlungen gingen dennoch weiter. Forensiker sicherten über 10.000 Knochenfragmente von der Fox Hollow Farm. Mithilfe von DNA-Analysen konnten bislang mindestens acht Opfer eindeutig identifiziert werden. Aufgrund der Menge der Überreste und der Zahl der Vermisstenfälle gehen die Ermittler davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegt. Seriöse Schätzungen gehen von bis zu 25 getöteten Männern aus. Eine exakte Zahl wird vermutlich nie feststehen.
Zudem gilt Baumeister als Hauptverdächtiger im Fall des sogenannten „I-70-Stranglers“. Dieser Serienmörder tötete zwischen 1980 und 1991 mehrere junge Männer entlang der Interstate 70 in Indiana und Ohio. Diese Verbindung konnte jedoch nie endgültig bewiesen werden und ist bis heute Gegenstand kriminalistischer Diskussionen.
Herb Baumeister wurde nie verurteilt. Aufgrund der Funde auf der Fox Hollow Farm und der gesicherten Identitäten mehrerer Opfer gilt er dennoch als einer der schwerwiegendsten Serienmordfälle in der Geschichte Indianas. Sein Fall steht exemplarisch für Täter, die jahrelang unentdeckt bleiben konnten, weil sie ein gesellschaftlich akzeptiertes Leben führten, und deren Verbrechen erst nach dem Tod vollständig sichtbar wurden.