TRUE CRIME – SERIENKILLER

Dennis Lynn Rader

„„BTK Killer“ - Bind, Torture, Kill“

Geboren am 09.03.1945 in Pittsburg, Kansas.

NationalitätUS amerikanisch
LandUSA
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Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von1974
Aktiv bis1991
Bestätigte Opfer10

Modus Operandi & Motive

HauptmotiveSexuelle Fantasien, das Streben nach Kontrolle und die Suche nach Aufmerksamkeit.
Festnahmejahr2005
UrteilZehn aufeinanderfolgende lebenslange Freiheitsstrafen
HaftformGefängnis
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Dennis Lynn Rader – Der BTK-Killer>
Dennis Lynn Rader, auch bekannt als „BTK-Killer“, ist einer der bekanntesten Serienmörder der Vereinigten Staaten. Zwischen 1974 und 1991 ermordete er zehn Menschen im Raum Wichita im Bundesstaat Kansas. Die Taten wurden erst im Jahr 2005 aufgeklärt, obwohl Rader über Jahrzehnte hinweg unerkannt geblieben war. Die Bezeichnung „BTK“ geht auf Rader selbst zurück. Sie steht für „Bind, Torture, Kill“ (fesseln, foltern, töten) und beschreibt die Gewalt, mit der er seine Opfer behandelte. Neben den Morden machte ihn auch sein Verhalten nach den Taten bekannt. Er nahm Kontakt zu Medien und Ermittlern auf und versuchte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Nach langjähriger Ermittlungsarbeit wurde er am 25. Februar 2005 in Park City, Kansas, festgenommen. Am 27. Juni desselben Jahres bekannte er sich vor Gericht in zehn Mordfällen schuldig. Damit endete eine Mordserie, die die Region Wichita über Jahre hinweg verunsichert hatte. Doch auch nach seiner Verurteilung blieb der Fall Gegenstand weiterer Ermittlungen. Die Behörden prüften später mögliche Verbindungen zu ungeklärten Verbrechen außerhalb der zehn abgeurteilten Fälle. Solche Verdachtsmomente müssen jedoch klar von den Taten getrennt werden, für die Rader die strafrechtliche Verantwortung übernommen hat.

Dennis Lynn Rader wurde am 9. März 1945 in Pittsburg im US-Bundesstaat Kansas geboren. Er war der älteste von vier Söhnen von Dorothea Mae Rader, geborene Cook, und William Elvin Rader. Sein Vater hatte in der Marine gedient und arbeitete später bei einem Energieversorger in Kansas. Seine Mutter arbeitete als Buchhalterin. Während seiner Kindheit zog die Familie nach Wichita, wo Rader den größten Teil seiner Jugend verbrachte. Die Familie war religiös geprägt und mit der Zion Lutheran Church verbunden. Rader wurde in dieser Gemeinde getauft. Religion und kirchliches Leben sollten auch in seinem späteren Erwachsenenleben eine Rolle spielen. Neben biografischen Angaben existieren auch spätere Aussagen Raders über seine Kindheit. Er erklärte rückblickend, sich von seinen Eltern, insbesondere von seiner Mutter, vernachlässigt gefühlt zu haben. Diese Schilderung gibt seine persönliche Wahrnehmung wieder und lässt sich nicht ohne Weiteres als objektive Beschreibung der gesamten familiären Verhältnisse übernehmen. Aus den verfügbaren Informationen ergibt sich kein eindeutiges Bild, das seine späteren Verbrechen erklären könnte. Weder die familiäre Situation noch das religiöse Umfeld erlauben Rückschlüsse auf seine spätere Entwicklung zum Serienmörder. Dafür müssen die belegten Ereignisse seines weiteren Lebens und die später dokumentierten Straftaten getrennt betrachtet werden.

Dennis Rader besuchte zunächst die Riverview School und anschließend die Wichita Heights High School in Kansas, welche er 1963 abschloss. Danach begann er ein Studium an der Kansas Wesleyan University in Salina. Er blieb dort jedoch nur etwa ein Jahr, bevor er die Hochschule wieder verließ. Über seine Jugend existieren unterschiedliche rückblickende Schilderungen. Einige Bekannte beschrieben ihn als eher stillen und unauffälligen jungen Mann. Andere Berichte erwähnen Verhaltensweisen, die im Nachhinein als beunruhigend bewertet wurden. Besonders häufig wird von Tierquälerei berichtet. Da die Einzelheiten dieser Erzählungen jedoch nicht in allen Quellen gleich gut dokumentiert sind, sollten sie nicht als vollständig gesicherte Chronologie dargestellt werden. In späteren Aussagen sprach Rader selbst über Fantasien, die Fesselung, Kontrolle und Gewalt miteinander verbanden. Diese Schilderungen geben Einblick in seine rückblickende Darstellung seiner damaligen Gedankenwelt. Sie belegen jedoch nicht, dass seine späteren Verbrechen bereits in der Jugend zwangsläufig feststanden. Im Juni 1966 trat Rader in die US Air Force ein. Während seines Militärdienstes wurde er an verschiedenen Standorten eingesetzt, unter anderem in den Vereinigten Staaten und in Ostasien. Im August 1970 wurde er aus dem Dienst entlassen und kehrte anschließend nach Kansas zurück, um sein ziviles Leben aufzubauen. Die dokumentierten Stationen seiner Jugend zeigen zunächst eine gewöhnliche schulische Laufbahn mit anschließendem Studienabbruch und Militärdienst. Berichte über frühere Auffälligkeiten gehören zwar zur späteren Auseinandersetzung mit seiner Biografie, müssen aber von gesicherten Lebensdaten und nachträglichen Deutungen getrennt bleiben.

Nach seiner Rückkehr aus dem Militärdienst baute Dennis Rader in Kansas ein ziviles Leben auf. Er arbeitete zunächst in einem Lebensmittelgeschäft und anschließend von 1972 bis 1973 als Monteur bei der Coleman Company in Wichita. Parallel dazu setzte er seine Ausbildung fort und erwarb 1973 am Butler County Community College einen Abschluss im Bereich Elektronik. Später studierte er an der Wichita State University und schloss das Studium 1979 mit einem Bachelor of Science in „Administration of Justice” ab. Am 22. Mai 1971 heiratete Rader Paula Dietz in der Christ Lutheran Church. Das Paar bekam zwei Kinder: Sohn Brian wurde 1975 geboren, Tochter Kerri 1978.
Die Familie lebte in Park City, einem Vorort von Wichita, und führte über Jahre hinweg ein nach außen hin geregeltes Familienleben. Im November 1974 begann er bei ADT Security Services in Wichita zu arbeiten. Das Unternehmen installierte Sicherheitssysteme und Alarmanlagen. Rader war zunächst mit Installationsarbeiten befasst und übernahm später auch Aufgaben in leitender Funktion. Er blieb bis Juli 1988 bei ADT. 1989 arbeitete er im Zusammenhang mit der US-Volkszählung. Zwei Jahre später wechselte er in den öffentlichen Dienst von Park City. Dort war er als Compliance Supervisor tätig. Zu seinen Aufgaben gehörten die Durchsetzung kommunaler Vorschriften, die Bearbeitung von Beschwerden und bestimmte Bereiche der Tierkontrolle. Diese beruflichen Stationen und sein Familienleben vermittelten nach außen das Bild eines Mannes mit geregeltem Alltag. In dieser Zeit beging Rader die Morde, für die er später verurteilt wurde. Seine Ehe endete im Juli 2005, wenige Monate nach seiner Festnahme. Die Gegenüberstellung seines geordnet wirkenden Alltags und seiner geheim gehaltenen Verbrechen wurde später zu einem zentralen Aspekt der öffentlichen Wahrnehmung des Falls. Sie erklärt jedoch nicht von selbst, wie es zu den Taten kam. Dafür müssen die dokumentierten Verbrechen und Raders eigenes Verhalten gesondert betrachtet werden.

Neben Beruf und Familie war Dennis Rader viele Jahre lang in seiner Kirchengemeinde aktiv. Er gehörte der Christ Lutheran Church in Wichita an und übernahm dort organisatorische Verantwortung. Im Januar 2005 wurde er zum Vorsitzenden des Gemeinderats gewählt. Darüber hinaus engagierte er sich als Leiter einer Cub-Scout-Gruppe und betreute damit Kinder und Jugendliche im Rahmen der amerikanischen Pfadfinderorganisation. Seine Rolle in der Gemeinde verschaffte ihm Vertrauen und Ansehen bei einem Teil seines Umfelds. Rückblickend beschrieben ihn Gemeindemitglieder als zuverlässig und hilfsbereit. Andere Menschen, die mit ihm zu tun hatten, erinnerten sich hingegen an einen kontrollierenden, kleinlichen und einschüchternden Mann. Das Bild, das nach seiner Festnahme aus den verschiedenen Zeugenaussagen entstand, war daher keineswegs einheitlich. Auch in seiner Tätigkeit für die Stadt Park City trat Rader als strenger Vertreter kommunaler Vorschriften auf. Er kontrollierte Grundstücke und ahndete Verstöße gegen örtliche Regeln. Einige Nachbarn empfanden sein Vorgehen als übertrieben und berichteten später von Schikanen. Diese Beschwerden waren zunächst Teil der Erfahrungen mit einem kommunalen Mitarbeiter. Erst nach seiner Festnahme wurden sie im Zusammenhang mit seinem übrigen Verhalten betrachtet. Während Rader nach außen hin kirchliche Aufgaben übernahm, sich um seine Familie kümmerte und beruflich eingebunden war, verbarg er seine Verantwortung für die Mordserie. Über Jahre hinweg bestanden sein gesellschaftliches Leben und seine Verbrechen nebeneinander, ohne dass sein Umfeld das gesamte Ausmaß seiner Taten erkannte. Die Vorstellung eines vollkommen unauffälligen Familienvaters greift allerdings zu kurz. Die später bekannt gewordenen Erinnerungen zeigen, dass manche Menschen ihn bereits vor seiner Festnahme als herrisch oder schikanierend wahrgenommen hatten. Allein diese Eigenschaften hätten seine Verbrechen jedoch nicht erkennen lassen. Sie verdeutlichen jedoch, dass die öffentliche Wahrnehmung Raders zu Lebzeiten unterschiedlich war. Somit bestand sein Doppelleben nicht einfach aus einer makellosen Fassade und einem vollständig unsichtbaren zweiten Ich. Vielmehr gelang es ihm, seine geheim gehaltenen Gewalttaten über Jahre hinweg von den Rollen zu trennen, die er in Familie, Beruf und Gemeinde ausübte.

Am Morgen des 15. Januars 1974 drang Dennis Rader in das Haus der Familie Otero in Wichita, Kansas, ein. Bewaffnet zwang er die anwesenden Familienmitglieder unter seine Kontrolle. Seine Opfer waren Joseph Otero, dessen Ehefrau Julie sowie die beiden jüngsten Kinder, Josephine und Joseph Jr. Er fesselte die vier Familienmitglieder und brachte sie in einen Raum. Joseph Otero und sein neunjähriger Sohn Joey starben durch Ersticken mit Plastiktüten. Julie Otero wurde stranguliert. Die elfjährige Josephine wurde von Rader an einem Rohr im Keller erhängt. Während der Tat waren die drei älteren Kinder der Familie nicht zu Hause. Als sie später zurückkehrten, entdeckte der älteste Sohn Charlie die Leichen. Der Mord an vier Mitgliedern einer Familie erschütterte Wichita und markierte den Beginn der später als BTK-Mordserie bekannt gewordenen Verbrechen. Die Ermittler standen zunächst vor einem Fall, bei dem der Täter keine erkennbare Verbindung zur Familie zu haben schien. Rader hatte die Tat vorbereitet und die Telefonleitung des Hauses unterbrochen. Die Umstände deuteten darauf hin, dass er gezielt vorging und von Beginn an die Kontrolle über die Situation an sich bringen wollte. Rader bekannte sich im Jahr 2005 zu den vier Morden. Damit wurde die Tat an der Familie Otero zum Ausgangspunkt der Aufarbeitung seiner Verbrechen. Erst Jahrzehnte später sollte sich herausstellen, dass es sich nicht um einen isolierten Fall handelte, sondern um den Beginn einer Serie von zehn Morden, für die er schließlich verurteilt wurde.

Am 4. April 1974 suchte Dennis Rader das Haus der 21-jährigen Kathryn Bright in Wichita auf. Er war bereits zuvor auf sie aufmerksam geworden und hatte sie beobachtet. Bei seiner späteren Aussage vor Gericht erklärte er, dass er sie als mögliches Opfer ausgewählt und den Überfall vorbereitet habe. Rader drang durch eine rückwärtige Tür in das Haus ein und wartete auf ihre Rückkehr. Als Kathryn gemeinsam mit ihrem 19-jährigen Bruder Kevin eintraf, hatte er mit dessen Anwesenheit nicht gerechnet. Er gab vor, gesucht zu werden und ein Fahrzeug sowie Geld zu benötigen. Anschließend brachte er beide Geschwister unter seine Kontrolle und fesselte sie. Rader versuchte zunächst, Kevin zu strangulieren. Doch dieser konnte sich aus den Fesseln befreien und sich zur Wehr setzen. Im Verlauf der Auseinandersetzung schoss Rader mehrfach auf ihn. Obwohl Kevin dabei schwer verletzt wurde, überlebte er den Angriff. Währenddessen kämpfte Kathryn gegen ihren Angreifer. Rader versuchte, sie zu strangulieren, konnte sie nach eigener Darstellung jedoch auf diese Weise nicht töten. Schließlich griff er zu einem Messer und stach mehrfach auf sie ein. Kathryn Bright erlag ihren Verletzungen. Kevin gelang es, das Haus zu verlassen und zu fliehen. Als Rader bemerkte, dass sein Opfer entkommen war, befürchtete er, die Polizei könne bereits unterwegs sein. Er versuchte, Spuren zu beseitigen, und floh anschließend vom Tatort. Der Mord an Kathryn Bright war einer von zehn Tötungsdelikten, zu denen sich Rader 2005 vor Gericht schuldig bekannte. Zugleich unterschied sich dieser Fall von den Morden an der Familie Otero: Diesmal überlebte ein direkt angegriffenes Opfer, das später über den Angriff berichten konnte. Kevin Brights Überleben war für die spätere Rekonstruktion der Tat von großer Bedeutung.

Nach mehrjähriger Unterbrechung seiner Mordserie tötete Dennis Rader am 17. März 1977 Shirley Vian in ihrem Haus in Wichita. Ursprünglich hatte er eine andere Person im Blick. Als er diese an ihrem Wohnort nicht antraf, suchte er in der Nachbarschaft nach einem neuen Opfer. Dabei begegnete Rader einem Jungen, den er nach eigenen Angaben unter einem Vorwand nach Fotos fragte. Er beobachtete, wohin der Junge ging, und folgte ihm schließlich bis zu dessen Wohnhaus. Dort gab er vor, Fotos zur Identifizierung zeigen zu müssen. Anschließend drang er bewaffnet in das Haus ein. Shirley Vian befand sich mit ihren drei Kindern in der Wohnung. Rader erklärte ihr, dass er sie fesseln wolle und die Kinder möglicherweise auch einschließen müsse. Er brachte die Kinder ins Badezimmer, versperrte die Türen und versuchte, sie dort festzuhalten. Die Kinder begannen zu weinen und zu schreien. Danach fesselte Rader Vian. Laut seiner späteren Schilderung vor Gericht war sie während des Überfalls so verängstigt, dass ihr übel wurde. Er gab ihr Wasser und setzte die Tat anschließend fort. Er zog ihr einen Beutel über den Kopf und strangulierte sie mit einer Schnur. Die Kinder überlebten. Während Rader noch im Haus war, machten sie durch Schreien und Schlagen gegen die Badezimmertür auf sich aufmerksam. Als das Telefon klingelte und Rader damit rechnen musste, dass jemand nach der Familie sehen würde, verließ er das Haus und nahm seine mitgebrachten Gegenstände mit. Der Mord an Shirley Vian war der sechste der zehn Tötungsdelikte, zu denen sich Rader später schuldig bekannte. Der Fall zeigte erneut, dass er nicht nur seine Opfer, sondern auch anwesende Familienangehörige in seine Gewalt brachte. Für die Ermittlungen war es von Bedeutung, dass die drei Kinder überlebten, da sie den Überfall miterlebt hatten.

Am 8. Dezember 1977 ermordete Dennis Rader die 25-jährige Nancy Jo Fox in ihrer Wohnung in Wichita. Er hatte sie zuvor beobachtet und als potenzielles Opfer ausgewählt. Im Gegensatz zur Tat an Shirley Vian brachte er dieses Mal keine Kinder oder weitere Familienangehörige in unmittelbare Gefahr. Rader drang in Fox’ Wohnung ein und wartete dort auf ihre Rückkehr. Als sie nach Hause kam, überwältigte er sie, fesselte sie und strangulierte sie. Anschließend verließ er die Wohnung und ließ die Leiche zurück. Am folgenden Morgen rief er die Polizei an. Er meldete, dass sich in Nancy Fox’ Wohnung eine Leiche befinde. Dieser Anruf war ungewöhnlich, denn damit machte der Täter die Ermittler selbst auf das Verbrechen aufmerksam. Die Polizei fand die Tote und nahm die Ermittlungen auf. Der Anruf führte jedoch zunächst nicht zur Identifizierung Raders. Die Ermittler konnten den Anrufer damals nicht als den Mörder identifizieren. Erst nach seiner Festnahme im Jahr 2005 wurde klar, dass Rader die Polizei selbst auf den Tatort hingewiesen hatte. Der Mord an Nancy Fox war das siebte der zehn Tötungsdelikte, zu denen sich Rader später vor Gericht schuldig bekannte. Der Fall zeigte erneut, wie er seine Taten vorbereitete und anschließend versuchte, die Kontrolle über die Wahrnehmung der Verbrechen zu behalten. Mit dem Anruf versetzte er sich selbst in die Rolle eines Hinweisgebers, ohne dass die Ermittler zu diesem Zeitpunkt seine tatsächliche Beteiligung erkannten.

Nach dem Mord an Nancy Fox vergingen mehrere Jahre, bis Dennis Rader erneut tötete. Am 27. April 1985 wurde die 53-jährige Marine Hedge aus Park City Opfer seiner Taten. Sie wohnte nur wenige Straßen von Rader entfernt. Wie er später vor Gericht angab, hatte er sie zuvor beobachtet und gezielt ausgewählt. Rader näherte sich seinem Opfer nach eigener Darstellung erst, nachdem er eine andere Verpflichtung erfüllt hatte. Er wechselte seine Kleidung und nahm ein Taxi nach Park City. In der Nacht drang er in Hedges Haus ein und strangulierte sie. Anschließend transportierte er ihre Leiche in seinem Auto. Er fotografierte sie und legte den Körper schließlich in einem Straßengraben ab. Dort wurde die Leiche am 5. Mai 1985 entdeckt. Der Fall zeigte, dass Rader seine Taten auch nach einer mehrjährigen Pause fortsetzte. Während er weiterhin seinem Beruf nachging und in seiner Gemeinde aktiv war, hatte er ein neues Opfer ausgewählt und die Tat vorbereitet. Die zeitliche Lücke zwischen den Morden bedeutete also nicht, dass seine Gewaltbereitschaft dauerhaft beendet war.

Am 16. September 1986 ermordete Rader die 28-jährige Vicki Wegerle in ihrem Haus in Wichita. Um Zutritt zu erhalten, gab er sich als Telefontechniker aus. Wegerle ließ ihn hinein, woraufhin er sie überwältigte, fesselte und strangulierte. Ihr zweijähriger Sohn befand sich ebenfalls im Haus und blieb körperlich unverletzt. Zunächst geriet Wegerles Ehemann in den Fokus der Ermittlungen. Er wurde jedoch entlastet. Der Mord blieb über Jahre ungeklärt und wurde zunächst nicht mit der BTK-Serie in Verbindung gebracht. Erst im März 2004 meldete sich Rader erneut bei der Zeitung The Wichita Eagle. In seiner Nachricht beanspruchte er den Mord an Wegerle für sich, übermittelte eine Kopie ihres Führerscheins und Fotos, die mit der Tat in Verbindung standen. Damit lieferte er den Ermittlern einen entscheidenden Hinweis auf seine Beteiligung an einem weiteren ungeklärten Mord. Die beiden Fälle verdeutlichen, dass Rader nach längeren Pausen erneut zuschlug und dabei unterschiedliche Methoden nutzte, um Zugang zu seinen Opfern zu erhalten. Während er bei Marine Hedge die Nähe zu ihrem Wohnort ausnutzte, verschaffte er sich bei Vicki Wegerle unter einer falschen beruflichen Identität Zutritt zum Haus.

Dennis Rader verübte den Mord an Dolores E. Davis am 18. oder 19. Januar 1991. Die 62-jährige Frau lebte allein in ihrem Haus in Wichita, Kansas. Ihr Tod blieb das letzte bekannte Tötungsdelikt der späteren BTK-Mordserie. Rader hatte Davis bereits zuvor beobachtet und ihr Haus ausgekundschaftet. Am Abend der Tat näherte er sich dem Gebäude, nachdem er seine Kleidung gewechselt und seine Ausrüstung vorbereitet hatte. Da er keinen geeigneten Zugang fand, griff er zu einem Betonblock und warf ihn durch die Glasscheibe einer Terrassentür. Durch den Lärm aufgeschreckt, kam Davis aus ihrem Schlafzimmer. Rader erklärte ihr, er sei auf der Flucht und brauche Nahrung, Wärme und ein Auto. Mit dieser Geschichte versuchte er, die Situation zu kontrollieren. Zunächst legte er ihr Handschellen an und sprach mit ihr, bevor er sie später erneut fesselte. Anschließend durchsuchte er Teile des Hauses und nahm persönliche Gegenstände an sich. Schließlich erdrosselte er Davis mit einer Strumpfhose. Wie er später vor Gericht einräumte, hatte er die Tat im Voraus geplant. Danach wickelte er den Leichnam in eine Decke, brachte ihn zum Auto der Frau und legte ihn in den Kofferraum. Rader fuhr mit Davis’ Wagen zunächst an verschiedene Orte. Nachdem er das Fahrzeug wieder zu ihrem Haus gebracht hatte, nahm er die Leiche erneut an sich und transportierte sie in den nordöstlichen Teil des Sedgwick County. Dort legte er ihn unter einer Brücke ab. Davis galt zunächst als vermisst. Ihr Leichnam wurde am 1. Februar 1991, also mehrere Tage nach der Tat, entdeckt. Die Ermittler stellten damals keinen gesicherten Zusammenhang zu den früheren BTK-Morden her. Dass Rader für ihren Tod verantwortlich war, wurde erst nach seiner Festnahme im Jahr 2005 bekannt. Am 27. Juni 2005 bekannte sich Rader vor Gericht schuldig, zehn Morde begangen zu haben, darunter auch den Mord an Dolores E. Davis. Der Fall markiert das Ende der zehn Taten, für die er rechtskräftig verurteilt wurde. Ob er darüber hinaus weitere Menschen getötet hat, ist nicht belegt.

Bereits wenige Monate nach den Morden an der Familie Otero meldete sich der Täter selbst zu Wort. Im Oktober 1974 erhielt die Zeitung The Wichita Eagle-Beacon einen Brief, in dem der Verfasser die Verantwortung für die vier Tötungsdelikte übernahm. Er nannte Details, die nicht öffentlich bekannt gewesen waren. Damit lieferte er den Ermittlern einen Hinweis darauf, dass er tatsächlich mit den Verbrechen in Verbindung stand. In den folgenden Jahren setzte der Täter seine Kommunikation fort. Er schickte Briefe und andere Botschaften an Medien und Polizei, in denen er sich weiterer Morde bezichtigte und mit seinen Taten prahlte. Aus diesen Schreiben entwickelte sich auch die Bezeichnung BTK – abgeleitet von „Bind, Torture, Kill“, also „Fesseln, Foltern, Töten“. Der Täter wollte einerseits unerkannt bleiben und andererseits Aufmerksamkeit erlangen sowie die Ermittler herausfordern. Im Jahr 1978 gab die Polizei bekannt, dass sie von einem Serienmörder ausging. Damit hatten die Botschaften den Fall in eine neue Phase gebracht: Die Ermittler wussten nun, dass sie es mit einem Täter zu tun hatten, der seine Taten gezielt kommentierte und offenbar Gefallen daran fand, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Schreiben enthielten jedoch keinen ausreichenden Hinweis auf seine Identität. Nach den späten 1970er-Jahren verstummte der Absender für längere Zeit. Auch nach dem Mord an Vicki Wegerle im September 1986 blieb eine weitere vergleichbare Botschaft zunächst aus. Die Ermittlungen liefen weiter, doch es fehlte ein Name, der die verschiedenen Taten sicher miteinander verband und zur Identifizierung des Täters führte. Erst im März 2004 meldete sich BTK erneut. Die Zeitung The Wichita Eagle erhielt eine Sendung mit Fotos von Vicki Wegerle sowie einer Kopie ihres Führerscheins. Diese Unterlagen stellten eine Verbindung zu einem Mord her, der bis dahin nicht eindeutig der BTK-Serie zugeordnet werden konnte. Für die Ermittler war dies ein entscheidender neuer Ansatz.

In den folgenden Monaten versuchte die Polizei, den Kontakt aufrechtzuerhalten und den Absender zu weiteren Nachrichten zu bewegen. Der Täter schickte unterschiedliche Sendungen an Medien und hinterließ Gegenstände, die mit früheren Verbrechen in Verbindung standen. Offenbar wollte er wieder als BTK wahrgenommen werden und ging dabei zunehmend das Risiko ein, Spuren zu hinterlassen. Im Februar 2005 sandte er schließlich eine Diskette an den Fernsehsender KSAS-TV. Er ging offenbar davon aus, auf diesem Weg kommunizieren zu können, ohne seine Identität preiszugeben. Doch die Ermittler untersuchten die auf der Diskette gespeicherten Dateiinformationen und konnten Hinweise auf den Namen „Dennis“ sowie auf die Christ Lutheran Church finden. Die Verbindung führte zu Dennis Rader, der in der Gemeinde eine leitende Funktion innehatte. Damit hatten die Ermittler erstmals einen konkreten Verdächtigen, dessen Identität sich weiter überprüfen ließ. Die Diskette allein bewies jedoch noch nicht, dass Rader der gesuchte Täter war. Zusammen mit den bereits vorhandenen Spuren und den anschließenden DNA-Untersuchungen brachte sie die Ermittlungen jedoch entscheidend voran. Nach mehr als drei Jahrzehnten, in denen BTK die Polizei mit seinen Taten und Botschaften beschäftigt hatte, wurde ausgerechnet sein erneuter Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen, zu einem wesentlichen Faktor seiner Enttarnung.

Die jahrzehntelange Suche nach dem BTK-Killer endete am 25. Februar 2005. Dennis Rader wurde in Park City, einem Vorort von Wichita, festgenommen. Bis zu diesem Tag hatte er ein Leben geführt, das nach außen hin wenig mit den seit 1974 die Region beschäftigenden Verbrechen zu tun zu haben schien. Er war Familienvater, Kirchenmitglied und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Die Ermittler waren Rader durch seine eigene Kommunikation auf die Spur gekommen. Die im Februar 2005 an einen Fernsehsender geschickte Diskette enthielt Dateiinformationen, die auf die Christ Lutheran Church und einen Nutzer namens „Dennis“ hinwiesen. Weitere Nachforschungen führten zu Rader, der in der Gemeinde eine leitende Funktion innehatte. Doch die digitalen Spuren allein reichten nicht aus, um den Verdacht abschließend zu bestätigen. Deshalb verglichen die Ermittler vorhandene biologische Spuren aus früheren Tatorten mit einer DNA-Probe, die aus den medizinischen Unterlagen von Raders Tochter gewonnen worden war. Das Ergebnis ergab eine familiäre Übereinstimmung. Zusammen mit den übrigen Erkenntnissen lieferte es eine entscheidende Grundlage für die Festnahme. Rader wurde am 25. Februar 2005 angehalten und in Gewahrsam genommen. Bei der anschließenden Vernehmung gestand er die Morde. Damit wurde aus dem Verdächtigen, der die Polizei über Jahrzehnte mit Briefen und Botschaften herausgefordert hatte, der Täter, der für die zehn bekannten und später gerichtlich bestätigten Tötungsdelikte verantwortlich war. Am 28. Februar 2005 wurde er wegen zehn Morden angeklagt. Nun erfuhr die Öffentlichkeit auch, dass zwei Taten, die zuvor nicht eindeutig der BTK-Serie zugeordnet worden waren, zu den bekannten Verbrechen gehörten: die Morde an Marine Hedge im Jahr 1985 und an Dolores E. Davis im Jahr 1991.

Am 27. Juni 2005 erschien Rader vor dem Gericht im Sedgwick County. Er verzichtete auf einen Prozess und bekannte sich in allen zehn Anklagepunkten schuldig. Während der Verhandlung schilderte er die einzelnen Taten und übernahm Verantwortung. Damit wurden die Morde nicht nur strafrechtlich aufgearbeitet, sondern es gelangten auch zahlreiche Einzelheiten des Tatablaufs erstmals in zusammenhängender Form in die Öffentlichkeit. Die Strafzumessung fand am 17. und 18. August 2005 statt. Angehörige der Opfer schilderten die Folgen der Verbrechen und wandten sich direkt an den Täter. Am 18. August verhängte Richter Gregory Waller zehn aufeinanderfolgende lebenslange Freiheitsstrafen. Die Mindestverbüßungszeit betrug 175 Jahre ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung auf Bewährung. Eine Todesstrafe war nicht möglich, da Kansas die Todesstrafe erst 1994 wieder eingeführt hatte und die Taten lange davor begangen worden waren. Mit dem Urteil endete das Strafverfahren gegen Dennis Rader. Seine Identität als BTK-Killer war geklärt und seine zehn bekannten Morde gerichtlich abgeurteilt. Damit war jedoch nicht automatisch bewiesen, dass er niemals weitere Verbrechen begangen hatte. Solche möglichen zusätzlichen Taten müssen bis zu einer belastbaren Beweisführung von den zehn gerichtlich bestätigten Morden getrennt bleiben.


Dennis Rader führte über Jahrzehnte ein nach außen hin geordnetes und unauffälliges Leben. Er war Ehemann, Vater, Kirchenmitglied und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Gleichzeitig plante und beging er schwere Gewalttaten. Dieser Gegensatz ist eines der auffälligsten Merkmale des Falls. Er macht deutlich, wie wenig sich Raders öffentliches Auftreten dazu eignete, seine Verbrechen vorherzusehen.

In seinem Schuldbekenntnis im Juni 2005 erklärte Rader, dass seine Morde mit sexuellen Fantasien verbunden gewesen seien. Die Taten waren für ihn keine spontanen Gewaltausbrüche. Er beobachtete mögliche Opfer, beschäftigte sich mit deren Gewohnheiten und plante seine Vorgehensweise. Dabei spielten Fesselung, Unterwerfung und die Kontrolle über andere Menschen eine zentrale Rolle. Rader selbst bezeichnete seine Verbrechen als „Projekte“. Durch diese Wortwahl erschienen die Taten wie Aufgaben, die er vorbereitete und anschließend ausführte. Die sachliche Bezeichnung steht in einem erschreckenden Gegensatz zum Leid der Opfer. Sie verdeutlicht zugleich, wie sehr Rader versuchte, die Geschehnisse nach seinen Vorstellungen zu organisieren. Seine Planung und sein Verhalten während der Taten sprechen für ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle. Er wollte bestimmen, wann und wie er sich seinen Opfern näherte, wie er sie überwältigte und wie die Situation endete. Diese Einordnung beschreibt wiederkehrende Verhaltensmuster, stellt jedoch keine psychiatrische Diagnose dar.

Ein weiteres Merkmal war Raders Bedürfnis, seine Taten öffentlich wahrnehmbar zu machen. Mit Briefen, Rätseln und Botschaften wandte er sich an die Polizei und die Medien. Er wollte einerseits unerkannt bleiben, andererseits aber auch als Täter wahrgenommen werden, der die Ermittler herausfordern konnte. Dieses Verhalten brachte einen grundlegenden Widerspruch mit sich: Einerseits versuchte Rader, seine Identität zu verbergen. Andererseits suchte er Anerkennung für seine Taten und den Kontakt zur Öffentlichkeit. Seine Botschaften dienten daher nicht nur dazu, die Ermittler zu verhöhnen. Sie waren auch ein Mittel seiner Selbstinszenierung. Die erneute Kontaktaufnahme im Jahr 2004 zeigt, wie gefährlich dieses Bedürfnis für ihn selbst wurde. Indem er erneut Nachrichten verschickte und schließlich eine Diskette übermittelte, hinterließ er digitale Spuren, die zu seiner Identifizierung beitrugen.

Im Jahr 2005 ließ die Verteidigung Rader durch den Psychologen Robert Mendoza untersuchen. In den Medien wurde über diese Untersuchung berichtet und dabei auf narzisstische, zwanghafte und antisoziale Persönlichkeitsstörungen beziehungsweise entsprechende Persönlichkeitsmerkmale hingewiesen. Diese Befunde werden häufig herangezogen, um Raders Verhalten zu beschreiben. Dabei ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Eine Persönlichkeitsstörung erklärt nicht automatisch, warum jemand andere Menschen ermordet, und bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Täter nicht für seine Handlungen verantwortlich ist. Die Untersuchung war auch kein Beleg dafür, dass Rader wegen einer schweren psychischen Erkrankung schuldunfähig gewesen wäre. Er bekannte sich zu allen zehn Morden schuldig und wurde entsprechend verurteilt. Sein Auftreten während des Schuldbekenntnisses fiel vielen Beobachtern durch seine ruhige, beinahe nüchterne Darstellung der Taten auf. Rader schilderte Details, die für die Angehörigen der Opfer äußerst belastend waren, ohne dabei durchgehend eine erkennbare emotionale Erschütterung zu zeigen. Aus diesem Auftreten allein lässt sich jedoch keine bestimmte psychische Diagnose ableiten.

Aus den verfügbaren Informationen lässt sich kein vollständiges psychologisches Erklärungsmodell für Raders Taten ableiten. Seine eigenen Aussagen, die dokumentierten Tatabläufe und die Ergebnisse der psychologischen Untersuchung zeigen jedoch ein wiederkehrendes Muster: sexuelle Fantasien, das Streben nach Kontrolle und die Suche nach Aufmerksamkeit. Diese Faktoren dürfen jedoch nicht als Entschuldigung verstanden werden. Ebenso wenig lässt sich aus Raders Familienleben, seinem religiösen Engagement oder seiner beruflichen Laufbahn eine einfache Ursache für seine Verbrechen ableiten. Es gibt keinen belastbaren Grund, eine einzelne Erfahrung aus seiner Kindheit oder einen bestimmten Lebensumstand als alleinige Erklärung anzusehen. Fest steht, dass Rader seine Taten über Jahre plante, wiederholt ausführte und anschließend versuchte, die öffentliche Wahrnehmung der Mordserie mitzubestimmen. Seine spätere Enttarnung war zum Teil die Folge genau dieses Verhaltens. Sein Wunsch, als BTK wahrgenommen zu werden, wurde schließlich zu einem entscheidenden Faktor bei seiner Identifizierung.

Mit der Festnahme von Dennis Rader im Februar 2005 endete die jahrelange Ungewissheit darüber, wer hinter den BTK-Morden steckte. Für die Angehörigen der Opfer bedeutete die Aufklärung jedoch nicht, dass die Folgen der Verbrechen verschwanden. Viele von ihnen hatten über Jahre mit Verlust, offenen Fragen und der Ungewissheit über die letzten Stunden ihrer Familienmitglieder gelebt. Dies wurde besonders deutlich während der Gerichtsverhandlung im August 2005, als Angehörige die Gelegenheit nutzten, ihre Erfahrungen und ihre Wut zum Ausdruck zu bringen. Sie richteten sich an den Mann, der ihre Familien zerstört hatte, und machten deutlich, dass ein Urteil zwar eine strafrechtliche Konsequenz darstellte, den erlittenen Verlust aber nicht rückgängig machen konnte. Für Charlie Otero, dessen Eltern und zwei Geschwister 1974 ermordet worden waren, bedeutete Rader Aussage vor Gericht eine erneute Konfrontation mit dem Verbrechen. Er erfuhr Einzelheiten über den Tod seiner Familie, die ihm bisher nicht bekannt gewesen waren. Die Schilderungen machten deutlich, dass selbst nach Jahrzehnten neue Informationen den Schmerz wieder verstärken können. Auch Kevin Bright, der den Angriff Raders im April 1974 überlebt hatte, musste sich mit den Folgen auseinandersetzen. Seine Schwester Kathryn war getötet worden, während er selbst schwer verletzt entkommen konnte. Bei der späteren Gerichtsverhandlung sprach er über die Tat und machte deutlich, dass die Erinnerung daran geblieben war. Andere Angehörige verloren ihre Mutter oder einen anderen nahestehenden Menschen, während sie selbst noch Kinder waren. Stephanie Kline, die Tochter von Vicki Wegerle, schilderte, welche Bedeutung der Verlust für ihr Leben und das ihres Bruders hatte. Die Ermordung eines Elternteils bedeutete für die Kinder nicht nur Trauer, sondern auch den Verlust einer wichtigen Bezugsperson für ihre weitere Entwicklung. Die Aussagen der Angehörigen machten deutlich, dass die Folgen der Morde weit über den eigentlichen Tatzeitpunkt hinausreichten. Die Familien mussten mit Erinnerungen, unbeantworteten Fragen und der öffentlichen Aufmerksamkeit umgehen, die der Fall über Jahrzehnte hinweg auf sich zog. Dabei gab es keinen einheitlichen Weg, um mit dem Geschehen fertigzuwerden.

Auch die eigene Familie von Dennis Rader wurde durch seine Festnahme und das Bekanntwerden der Taten grundlegend erschüttert. Seine Ehefrau Paula Dietz und die beiden Kinder hatten laut späteren Aussagen seiner Tochter nichts von den Morden gewusst. Nach außen hin führten sie ein gewöhnliches Familienleben. Im Juli 2005 wurde die Ehe geschieden. Für Raders Tochter Kerri Rawson bedeutete die Erkenntnis, dass ihr Vater für zehn Morde verantwortlich war, einen tiefen Einschnitt. In späteren Interviews beschrieb sie, wie die Festnahme das bisherige Bild ihrer Familie zerstörte und wie schwer es für sie war, mit der öffentlichen Verbindung zu den Verbrechen umzugehen. Dabei ist es wichtig, die Verantwortung klar zu trennen: Die Verbrechen waren Raders eigene Taten. Dass seine Angehörigen mit den Folgen leben mussten, macht sie nicht zu Mitverantwortlichen. Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass seine Ehefrau oder seine Kinder vor seiner Festnahme von den Morden wussten.

Bei der Strafzumessung im August 2005 hatten die Angehörigen erstmals die Möglichkeit, ihre Stimme in einem Verfahren zu erheben, das zuvor vor allem von Raders Taten und seinen Botschaften geprägt gewesen war. Durch ihre Aussagen wurde der Blick auf die Menschen hinter den Namen in den Ermittlungsakten gelenkt. Rader erhielt zehn aufeinanderfolgende lebenslange Freiheitsstrafen mit einer Mindestverbüßungszeit von 175 Jahren. Damit war sichergestellt, dass er nicht wieder in Freiheit gelangen würde. Für die Hinterbliebenen bedeutete dies eine strafrechtliche Antwort auf die Morde, jedoch keine Wiederherstellung des verlorenen Lebens. Der Fall zeigt somit auch die Grenzen der Strafjustiz auf: Ein Urteil kann zwar Verantwortung feststellen und einen Täter dauerhaft von der Gesellschaft ausschließen. Den Angehörigen kann es jedoch weder ihre verlorenen Familienmitglieder zurückgeben, noch kann es ihnen garantieren, dass die seelischen Folgen der Verbrechen irgendwann vollständig verschwinden.

Mit der Verurteilung von Dennis Rader im Jahr 2005 wurden zehn Morde juristisch aufgearbeitet. Doch die Frage, ob er tatsächlich nur zehn Menschen getötet hatte, blieb bestehen. Jahrzehnte später begannen Ermittler, weitere ungeklärte Fälle daraufhin zu untersuchen, ob es Verbindungen zu Rader geben könnte. Dabei ist eine klare Unterscheidung notwendig: Die zehn Morde, zu denen sich Rader schuldig bekannte, sind gerichtlich bestätigt. Andere Fälle weisen möglicherweise auffällige Parallelen auf oder enthalten Hinweise, die die Ermittler näher untersuchen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Rader auch für diese Verbrechen verantwortlich war.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall der 16-jährigen Cynthia Dawn Kinney, die am 23. Juni 1976 aus einer Wäscherei in Pawhuska im US-Bundesstaat Oklahoma verschwand. Sie wurde zuletzt in der Wäscherei gesehen. Zurück blieben persönliche Gegenstände und eine angefangene Mahlzeit. Was anschließend mit ihr geschah, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Im Jahr 2023 nahm das Sheriffbüro von Osage County den Fall erneut in den Blick und bezeichnete Dennis Rader, auch bekannt als „BTK-Killer”, als Hauptverdächtigen. Die Ermittler verwiesen dabei auf Aufzeichnungen aus Rader Besitz, in denen er sich mit dem Beobachten möglicher Opfer in einer Wäscherei beschäftigte. Außerdem untersuchten sie ein Rätsel, das Rader im Jahr 2004 an die Medien geschickt hatte. Bei einer späteren Auswertung wurden darin Begriffe identifiziert, die mit Kinney und dem Ort ihres Verschwindens in Verbindung gebracht wurden. Diese Hinweise erregten Aufmerksamkeit, da sie zeitlich und thematisch zu dem ungeklärten Fall passen könnten. Im August 2023 durchsuchten Ermittler auch das frühere Grundstück Raders in Park City, Kansas, und sicherten Gegenstände zur weiteren Untersuchung. Dennoch ist Vorsicht geboten. Der zuständige Staatsanwalt erklärte im Jahr 2023, dass die ihm vorgelegten Informationen zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichten, um Rader wegen des Verschwindens anzuklagen. Auch aus den öffentlich bekannten Hinweisen ergibt sich kein abschließender Beweis dafür, dass er Kinney entführt oder getötet hat. Der Fall muss deshalb als ungeklärt behandelt werden.

Im Zuge der Ermittlungen wurden auch andere ungeklärte Verbrechen in Kansas und den benachbarten Bundesstaaten auf mögliche Verbindungen zu Rader geprüft. Dazu gehörte der Fall von Shauna Beth Garber, einer 22-jährigen Frau aus Missouri. Frühere Berichte stellten einen möglichen Zusammenhang mit Rader her. Spätere Berichte ordneten den Fall jedoch einem anderen Täter zu. Garber darf daher nicht als weiteres bestätigtes Opfer des BTK-Killers gezählt werden. Dass die Ermittler solche Fälle überprüfen, ist angesichts der bekannten Taten Raders nachvollziehbar. Er hatte seine Opfer über Jahre hinweg beobachtet, seine Vorgehensweise geplant und seine Verbrechen teilweise erst lange danach öffentlich gemacht. Solche Verhaltensmuster können Anlass sein, alte Ermittlungsakten erneut zu prüfen. Sie ersetzen jedoch keine konkreten Beweise. Auch Aufzeichnungen, Zeichnungen oder rätselhafte Formulierungen aus Raders Besitz müssen im jeweiligen Zusammenhang bewertet werden. Nicht jede Notiz über ein mögliches Opfer beweist, dass daraus eine tatsächliche Tat wurde. Ebenso wenig kann allein aus der Ähnlichkeit zwischen zwei Fällen auf denselben Täter geschlossen werden.

Der Fall Dennis Rader zeigt, dass eine Verurteilung nicht zwangsläufig alle Fragen einer Mordserie beantwortet. Neue Hinweise können Ermittler dazu veranlassen, ungeklärte Fälle erneut zu untersuchen. Für die betroffenen Familien kann diese Arbeit die Chance bieten, nach Jahrzehnten doch noch Antworten zu erhalten. Gleichzeitig ist es wichtig, die gesicherten Erkenntnisse nicht durch Spekulationen zu verwischen. Rader bekannte sich zu zehn Morden schuldig und wurde dafür verurteilt. Weitere Taten dürfen ihm jedoch erst dann zugerechnet werden, wenn die Beweislage dies hergibt. Ob er über diese zehn Morde hinaus weitere Menschen getötet hat, lässt sich anhand der öffentlich bestätigten Erkenntnisse nicht abschließend beantworten. Der Fall Cynthia Dawn Kinney und andere ungeklärte Verbrechen zeigen, dass die Ermittler weiterhin nach Antworten suchen. Bis zu einer belastbaren Klärung bleiben dies jedoch offene Fragen – es gibt keine zusätzlichen nachgewiesenen Opfer des BTK-Killers.

Am 18. August 2005 wurde Dennis Rader zu zehn aufeinanderfolgenden lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Damit erhielt er die höchstmögliche Strafe für seine Taten. Er muss insgesamt mindestens 175 Jahre verbüßen, bevor er überhaupt für eine Entlassung auf Bewährung infrage käme. Eine Todesstrafe war ausgeschlossen. Zwar hatte Kansas die Todesstrafe im Jahr 1994 wieder eingeführt, doch die zehn Morde, für die Rader verurteilt wurde, lagen zeitlich davor. Eine rückwirkende Anwendung der Todesstrafe war nicht möglich. Nach der Urteilsverkündung wurde Rader in die El Dorado Correctional Facility im Bundesstaat Kansas gebracht. Dort verbüßt er seine Strafe bis heute. Die Haftanstalt ist auf Gefangene mit langen und schweren Strafen ausgelegt. Rader steht unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und wird von der allgemeinen Gefängnisbevölkerung getrennt untergebracht. In den Jahren nach seiner Verurteilung berichteten Medien wiederholt über seine Haftbedingungen. Dabei ging es unter anderem um die strengen Einschränkungen seines Alltags und die erlaubten persönlichen Gegenstände. Solche Berichte spiegeln jedoch teilweise nur den damaligen Stand wider. Ohne aktuelle Bestätigung lassen sich daraus keine verlässlichen Aussagen über jeden Aspekt seines heutigen Tagesablaufs ableiten. Die für Rader angegebene Bewährungsberechtigung liegt im Jahr 2180, sodass eine Entlassung zu Lebzeiten angesichts seines Geburtsjahres 1945 praktisch ausgeschlossen ist. Die zehn aufeinanderfolgenden lebenslangen Freiheitsstrafen stellen sicher, dass er für die gerichtlich bestätigten Morde dauerhaft in Haft bleibt. Auch zwei Jahrzehnte nach dem Urteil beschäftigt der Fall weiterhin Öffentlichkeit und Ermittler. Im August 2025 jährte sich die Verurteilung zum zwanzigsten Mal. Der Fall wird nach wie vor in Dokumentationen, Interviews und journalistischen Rückblicken behandelt. Dabei stehen nicht nur die Verbrechen selbst, sondern auch die Frage im Mittelpunkt, wie Rader über Jahrzehnte unentdeckt bleiben konnte. Für die Ermittlungsbehörden ist es zugleich wichtig, mögliche weitere Taten nicht vorschnell anzunehmen. Die zehn Morde, zu denen sich Rader schuldig bekannt hat, sind gerichtlich bestätigt. Andere ungeklärte Fälle können untersucht werden, müssen aber bis zu einer belastbaren Beweisführung getrennt von diesen zehn Taten betrachtet werden. Mit seiner Inhaftierung endete die unmittelbare Bedrohung durch Dennis Rader. Die Folgen seiner Verbrechen für die Angehörigen der Opfer und die betroffenen Gemeinden sind damit jedoch nicht verschwunden. Der Fall bleibt ein Beispiel dafür, wie lange ein Täter unentdeckt bleiben kann und wie entscheidend es ist, gesicherte Beweise von Vermutungen zu unterscheiden.


Quellenverzeichnis
Sedgwick County District Court – Gerichtsprotokoll und Schuldbekenntnis von Dennis Rader
Federal Bureau of Investigation (FBI) – Ermittlungen im BTK-Fall
Kansas Department of Corrections – Angaben zu Haft und Strafmaß
The Wichita Eagle – Berichterstattung und Chronologie der Mordserie
The Associated Press – Prozess, Geständnis und Verurteilung
CNN – Berichte zu den Ermittlungen und den Opfern
Los Angeles Times – Hintergrundberichte zum Fall
The Washington Post – Festnahme und Strafverfahren
ABC News – Interviews mit Angehörigen und Berichte zum Fall
Netflix Tudum – My Father, the BTK Killer (2025)