Carlos Eduardo Robledo Puch
„„Ángel de la Muerte“, „Ángel Negro““
Geboren am 19.01.1952 in Buenos Aires, Argentinien.
Tatzeitraum & Opfer
Aktiv von1071
Aktiv bis1972
Bestätigte Opfer11
AktionsradiusBueno Aires
Modus Operandi & Motive
Modus OperandiWiderstand verhindern, Zeugen auszuschalten, jedoch lässt sichdas nicht mehr sicher feststellen
Rechtliches
Festnahmejahr1972
UrteilLebenslange Freiheitsstrafe mit zusätzlicher unbefristeter Verwahrung
HaftformGefängnis
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Carlos Eduardo Robledo Puch ist einer der bekanntesten Serienmörder Argentiniens. Zwischen 1971 und Anfang 1972 beging er im Großraum Buenos Aires eine Reihe schwerer Straftaten, darunter elf Tötungsdelikte, für die er später verurteilt wurde. Seine Verbrechen standen vielfach im Zusammenhang mit Raubüberfällen, an denen teilweise weitere Personen beteiligt waren. In der argentinischen Öffentlichkeit wurde Robledo Puch als „Engel des Todes” bekannt. Dieser Beiname steht in starkem Kontrast zu seinem jugendlichen Erscheinungsbild, das in zeitgenössischen Berichten häufig hervorgehoben wurde. Hinter dieser medial geprägten Figur steht ein Kriminalfall, dessen Verlauf durch wechselnde Komplizen, eine Serie schwerer Gewalttaten und eine langwierige juristische Aufarbeitung bestimmt wurde. Am 27. November 1980 verurteilte ihn ein Gericht in San Isidro zu lebenslanger Freiheitsentziehung mit zusätzlicher unbefristeter Freiheitsentziehung. Die Verurteilung umfasste elf Tötungsdelikte sowie weitere Straftaten. Robledo Puch bestritt später seine Verantwortung für die Morde. Für die Einordnung des Falls ist es deshalb entscheidend, zwischen den gerichtlichen Feststellungen, seinen späteren Aussagen und nicht bewiesenen Verdachtsmomenten zu unterscheiden.
Carlos Eduardo Robledo Puch wurde am 19. Januar 1952 in Argentinien geboren. Er war das einzige Kind von Víctor Elías Robledo Puch und Aída Josefa Habendak. Die Familie lebte im Großraum Buenos Aires, insbesondere in den Stadtvierteln Olivos und Vicente López. Sein Vater arbeitete im Automobilbereich, seine Mutter führte den Haushalt. Sie verfügte über Kenntnisse in Chemie und Englisch. In biografischen Berichten wird sie als Frau beschrieben, die sich intensiv um ihren Sohn kümmerte. Auch Carlos’ Kindheit wird häufig mit einem eher zurückhaltenden und stillen Auftreten verbunden. Über seine frühen Lebensjahre existieren unterschiedliche Darstellungen, unter anderem hinsichtlich des genauen Wohnorts und des Zeitpunkts, zu dem die Familie nach Olivos zog. Diese Einzelheiten lassen sich nicht in allen Quellen widerspruchsfrei nachvollziehen und werden deshalb hier nicht weiter präzisiert. Aus den bekannten Angaben über seine Familie lässt sich keine gesicherte Erklärung für seine späteren Verbrechen ableiten. Eine rückblickende Deutung seiner Kindheit als zwangsläufige Ursache seiner Entwicklung wäre spekulativ und würde über die belegbaren Tatsachen hinausgehen.
Während seiner Schulzeit besuchte Carlos Robledo Puch mehrere Bildungseinrichtungen, darunter das Instituto Cervantes in Vicente López. Seine schulische Laufbahn verlief unruhig: Schwierigkeiten im Unterricht und wiederholte Schulwechsel prägten diese Jahre. Am Instituto Cervantes lernte er Jorge Antonio Ibáñez kennen, der später zu seinem wichtigsten Komplizen werden sollte. Beide interessierten sich für Motorräder und Autos. Aus ihrer Bekanntschaft entwickelte sich eine gemeinsame kriminelle Tätigkeit, die zunächst von Eigentumsdelikten bestimmt war. Im September 1970 brachen Robledo Puch und Ibáñez in eine Juwelierhandlung in Olivos ein. Sie erbeuteten Schmuck und Geld. In den folgenden Monaten begingen sie weitere Diebstähle, darunter auch den Diebstahl von Motorrädern. Die beiden gingen zunehmend planvoll vor und suchten nach Möglichkeiten, an Geld und Wertgegenstände zu gelangen. Diese frühen Straftaten markieren den dokumentierten Einstieg in eine Serie von Überfällen. Im Jahr 1971 eskalierte die Gewalt: Aus den Eigentumsdelikten wurden Taten, bei denen Menschen getötet wurden. Die ersten dieser Tötungsdelikte werden im folgenden Kapitel anhand der einzelnen Tatabläufe behandelt.
Das Vorgehen von Carlos Robledo Puch war vor allem durch nächtliche Einbrüche und bewaffnete Raubüberfälle geprägt. Gemeinsam mit wechselnden Komplizen drang er in Geschäfte, Supermärkte, Nachtlokale und Autohäuser ein, um Bargeld und andere Wertgegenstände zu erbeuten. Ihr Ziel war es, Bargeld und andere Wertgegenstände zu erbeuten. Die Taten konzentrierten sich überwiegend auf den Norden des Großraums Buenos Aires. Bei mehreren Überfällen trafen die Täter auf Nachtwächter oder andere Beschäftigte, die sich in den Gebäuden aufhielten. Robledo Puch erschoss zahlreiche dieser Menschen, teilweise während sie schliefen oder ohne dass sie zuvor eine unmittelbare Gefahr für ihn dargestellt hatten. Der Einsatz von Schusswaffen und die extreme Gewalt machten die Überfälle besonders folgenschwer. Die genauen Abläufe unterschieden sich jedoch von Tat zu Tat. Ein Teil der Verbrechen wurde gemeinsam mit Jorge Ibáñez begangen. Nach dessen Tod trat Héctor Somoza als weiterer Komplize in Erscheinung. Da die Beteiligung der beiden Männer nicht bei allen Taten gleich war, müssen die jeweiligen Rollen im Zusammenhang mit den einzelnen Fällen betrachtet werden. Als mögliches Motiv für die Tötungen kommt die Absicht in Betracht, Widerstand zu verhindern oder Zeugen auszuschalten. Ob dies tatsächlich bei jedem Mord der ausschlaggebende Beweggrund war, lässt sich allerdings nicht sicher feststellen. Ebenso wäre es nicht gerechtfertigt, sämtliche Taten allein aus einer vermuteten Freude an der Gewalt zu erklären. Eine Besonderheit bildeten die beiden Tötungsdelikte an jungen Frauen im Juni 1971. Sie standen im Zusammenhang mit Entführungen und sexualisierter Gewalt durch Ibáñez und unterschieden sich somit vom wiederkehrenden Muster der Überfälle auf Gewerbebetriebe. Diese Fälle werden deshalb gesondert behandelt. Insgesamt lässt sich das Vorgehen Robledo Puchs anhand der Tatabläufe nachvollziehen. Seine persönlichen Beweggründe bleiben dagegen teilweise ungeklärt. Eine seriöse Einordnung muss diese Grenze beachten und darf Vermutungen nicht mit nachgewiesenen Tatsachen gleichsetzen.
Am 15. März 1971 drangen Carlos Robledo Puch und Jorge Ibáñez in das Lokal „Enamour” in Olivos ein. Während sie nach Geld und Wertgegenständen suchten, stießen sie auf die schlafenden Männer Manuel Godoy und Pedro Mastronardi. Beide wurden erschossen. Mit dieser Tat begann die Mordserie, für die Robledo Puch später verurteilt wurde. Bereits dieser Überfall verdeutlichte das brutale Muster, das sich bei weiteren Taten wiederholen sollte. Den Eindringlingen waren die Männer offenbar nicht unmittelbar gefährlich geworden. Dennoch endete die Begegnung für beide tödlich. Die Täter setzten ihren Raubzug fort und entkamen mit ihrer Beute. Anfang Mai 1971 überfielen Robledo Puch und Ibáñez ein Geschäft für Autoersatzteile im Raum Vicente López. Dort trafen sie auf José Bianchi, der dort als Wachmann tätig war, sowie auf dessen Frau und das gemeinsame Kind. Bianchi wurde erschossen, seine Frau durch Schüsse schwer verletzt. Sie überlebte den Angriff. Während des Überfalls verübte Ibáñez sexualisierte Gewalt an ihr. Auch das Kind überstand die Tat. Der Fall unterschied sich in mehreren Punkten von dem Überfall auf Enamour: Diesmal trafen die Täter auf eine Familie und begingen neben dem Mord auch schwere Gewalt gegen eine Überlebende. Die Quellen nennen für die Tat überwiegend den 3. Mai 1971, vereinzelt wird jedoch auch der 9. Mai genannt. Das genaue Datum ist daher in den verfügbaren Darstellungen nicht vollständig widerspruchsfrei überliefert.
Am 24. Mai 1971 drangen Robledo Puch und Ibáñez in den Supermarkt „Tanti” in Olivos ein. Dort trafen sie auf den Nachtwächter Juan Scattone, den Robledo Puch erschoss. Anschließend setzten die Täter den Raub fort. Berichte über den Fall schildern zudem, dass sie vor ihrer Flucht Whisky tranken. Diese Einzelheit wurde später zu einem besonders häufig wiederholten Bestandteil der Darstellung der Mordserie. Nach diesen drei Tatkomplexen zeichnete sich ein gefährliches Muster ab: Die Überfälle dienten der Beschaffung von Geld und Wertgegenständen, während Menschen, denen die Täter begegneten, getötet oder schwer verletzt wurden. Die folgenden Verbrechen sollten zeigen, dass sich die Gewalt nicht mehr nur gegen Beschäftigte in Geschäften richtete.
Im Juni 1971 richtete sich die Gewalt von Carlos Robledo Puch und Jorge Ibáñez erstmals gegen zwei junge Frauen. Im Gegensatz zu ihren vorherigen Überfällen auf Geschäfte standen bei diesen Taten Entführung und sexualisierte Gewalt im Mittelpunkt. So wurde am 13. Juni 1971 die 16-jährige Virginia Rodríguez im Raum Olivos von den beiden Männern angesprochen und in einem Fahrzeug mitgenommen. Sie fuhren mit ihr zur Panamericana in Richtung Pilar. Dort vergewaltigte Ibáñez die junge Frau. Anschließend wurde Virginia erschossen. In den veröffentlichten Tatrekonstruktionen werden die tödlichen Schüsse Robledo Puch zugeschrieben. Elf Tage später, am 24. Juni 1971, wurde Ana María Dinardo Opfer der Täter. Sie hatte die Diskothek Katoa in Olivos besucht und wurde nach dem Verlassen des Lokals von den Männern angesprochen. Sie nahmen sie in einem Fahrzeug mit und fuhren ebenfalls zur Panamericana. Auch in diesem Fall kam es zu sexualisierter Gewalt. Anschließend erschoss Robledo Puch Dinardo.
Die beiden Taten weisen deutliche Parallelen auf. Beide Frauen wurden in Olivos angesprochen, in ein Fahrzeug gesetzt und an der Panamericana getötet. In beiden Fällen wird Ibáñez sexualisierte Gewalt und Robledo Puch die Ausführung der tödlichen Schüsse zugeschrieben. Damit unterscheiden sich die Morde von den Überfällen auf Gewerbebetriebe, bei denen die Opfer häufig Nachtwächter oder Beschäftigte waren. Die Taten an Virginia Rodríguez und Ana María Dinardo zeigen eine weitere Dimension der von den beiden Männern ausgehenden Gewalt. Über die konkreten Abläufe hinaus lassen sich die persönlichen Beweggründe nicht zweifelsfrei bestimmen.
Die Zusammenarbeit zwischen Carlos Robledo Puch und Jorge Ibáñez endete am 5. August 1971 auf tragische Weise. Die beiden waren in Buenos Aires unterwegs, als es im Stadtteil Núñez zu einem Verkehrsunfall kam. Robledo Puch saß am Steuer. Ibáñez, der erst 17 Jahre alt war, kam bei dem Zusammenstoß ums Leben. Die Behörden behandelten den Vorfall als Verkehrsunfall. Robledo Puch wurde nicht wegen vorsätzlichen Mordes an seinem Komplizen verurteilt. Damit unterscheidet sich dieser Fall grundlegend von den elf Tötungsdelikten, für die er später rechtskräftig verurteilt wurde. Der Tod Ibáñez' gab dennoch Anlass zu Spekulationen. Angehörige des jungen Mannes äußerten später den Verdacht, Robledo Puch habe den Unfall absichtlich herbeigeführt oder den Tod seines Freundes auf andere Weise verursacht. Auch sein Verhalten nach dem Zusammenstoß wurde in späteren Berichten thematisiert.
Ein belastbarer gerichtlicher Nachweis für einen vorsätzlichen Mord liegt jedoch nicht vor. Die Vermutungen der Angehörigen müssen deshalb als solche gekennzeichnet bleiben. Weder der Unfall selbst noch das Verhalten Robledo Puchs nach dem Zusammenstoß reichen aus, um eine gezielte Tötung als gesicherte Tatsache darzustellen. Mit Ibáñez’ Tod verlor Robledo Puch seinen bisherigen Komplizen. Nach einer Unterbrechung setzte er seine kriminellen Aktivitäten später mit einem anderen jungen Mann fort: Héctor Somoza. Mit ihm beging er die nächsten Raubüberfälle und Tötungsdelikte.
Nach einer mehrmonatigen Unterbrechung nahm Carlos Robledo Puch im November 1971 seine Raubüberfälle wieder auf. Sein neuer Komplize war Héctor Somoza. Gemeinsam verübten sie innerhalb weniger Tage drei Überfälle, bei denen jeweils ein Wachmann getötet wurde. Am 15. November 1971 drangen die beiden in den Supermarkt Rolón in Boulogne ein. Sie suchten nach Bargeld und hofften, die Einnahmen des Geschäfts zu finden. Dabei stießen sie auf den Nachtwächter Raúl Del Bene, der sich in einem Raum aufhielt. Robledo Puch erschoss ihn. Anschließend durchsuchten die Täter weiter die Räumlichkeiten, fanden jedoch offenbar nicht die erhoffte Beute.
Nur zwei Tage später, am 17. November, überfielen Robledo Puch und Somoza das Autohaus Pasquet an der Avenida del Libertador. Dort trafen sie auf den Wachmann Juan Carlos Rozas, den Robledo Puch erschoss. Anschließend stahlen die Täter rund 90.000 Pesos sowie einen Chevrolet, den sie später zurückließen.
Am 25. November 1971 folgte der nächste Überfall. Diesmal drangen die beiden in das Autohaus Puigmarti y Cía. in Martínez ein. Sie überraschten den Nachtwächter Bienvenido Serapio Ferrini. Auch er wurde von Robledo Puch getötet. Die Täter erbeuteten Geld aus dem Betrieb und entkamen zunächst unerkannt.
Die drei Taten weisen ein wiederkehrendes Muster auf. Die Täter suchten nachts nach Bargeld und Wertgegenständen und töteten die anwesenden Wachleute. Während sich die Überfälle für die Täter finanziell unterschiedlich auszahlten, endeten sie für die drei Männer tödlich.
Mit diesen Morden setzte Robledo Puch seine Serie fort. Somoza blieb zunächst an seiner Seite. Die Zusammenarbeit sollte jedoch nur wenige Monate dauern und bei einem weiteren Überfall im Februar 1972 ein gewaltsames Ende finden.
In der Nacht zum 3. Februar 1972 brachen Carlos Robledo Puch und Héctor Somoza in die Eisenwarenhandlung „Masseiro Hermanos” in Carupá ein. Sie wollten den Tresor öffnen und Bargeld erbeuten. Im Gebäude befand sich jedoch der 58-jährige Nachtwächter Manuel Acevedo. Robledo Puch erschoss ihn. Anschließend machten sich die Täter daran, den Tresor zu öffnen. Während dieser Arbeit kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern. Robledo Puch schoss auf Somoza und tötete ihn. Weshalb es zu dieser Eskalation kam, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Spätere Darstellungen berichten von einem Scherz Somozas, doch dieser angebliche Auslöser lässt sich nicht als gesicherte Tatsache behandeln.
Nach der Tat versuchte Robledo Puch, die Identifizierung seines Komplizen zu erschweren. Dazu verbrannte er mit einem Schneidbrenner Somozas Gesicht und Hände. Danach verließ er den Tatort. Dabei übersah er jedoch ein entscheidendes Detail: Somozas Personalausweis befand sich noch in dessen Kleidung. Die Polizei konnte den Toten anhand des Dokuments identifizieren. Im Zuge der anschließenden Ermittlungen stießen die Beamten auf Robledo Puch, der mit Somoza bekannt gewesen war. Am 4. Februar 1972 wurde er festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war er 20 Jahre alt. Mit seiner Festnahme endete die Serie der Tötungsdelikte, für die er später verurteilt wurde. Die Ermittler standen nun vor der Aufgabe, die einzelnen Überfälle und Morde aufzuklären und seine Beteiligung an den jeweiligen Taten nachzuweisen.
Nach seiner Festnahme im Februar 1972 begannen die Ermittler, die einzelnen Raubüberfälle und Tötungsdelikte miteinander in Verbindung zu bringen. Um seine Beteiligung an den einzelnen Verbrechen nachzuweisen, mussten die Aussagen und Spuren aus den verschiedenen Tatorten ausgewertet werden. Dabei ging es nicht nur um die Tötungsdelikte, sondern auch um zahlreiche Raubüberfälle und weitere Straftaten. Das Gerichtsverfahren zog sich über mehrere Jahre hin. Am 27. November 1980 verkündete die erste Kammer des Berufungsgerichts in San Isidro schließlich das Urteil. Zu diesem Zeitpunkt war Robledo Puch 28 Jahre alt und bereits seit mehr als acht Jahren inhaftiert. Das Gericht befand ihn in elf Fällen des Tötungsdelikts für schuldig. Juristisch wurde zwischen zehn qualifizierten und einem einfachen Tötungsdelikt unterschieden. Darüber hinaus umfasste das Urteil eine versuchte qualifizierte Tötung, zahlreiche Raubdelikte, Sexualdelikte, zwei Entführungsdelikte sowie weitere Straftaten. Die Strafe lautete auf lebenslange Freiheitsentziehung mit zusätzlicher unbefristeter Freiheitsentziehung. Diese besondere argentinische Strafmaßregelung verdeutlichte die außergewöhnliche Schwere der abgeurteilten Verbrechen. Eine direkte Übertragung dieser Strafe in deutsche Strafrechtsbegriffe wäre allerdings ungenau, da sich die rechtlichen Kategorien und ihre Folgen unterscheiden. Mit dem Urteil wurde Robledo Puch für elf Tötungsdelikte strafrechtlich verantwortlich gemacht. Der Tod Jorge Ibáñez’ gehörte jedoch nicht zu diesen elf Tötungsdelikten. Ein vorsätzlicher Mord an seinem früheren Komplizen war nicht gerichtlich festgestellt worden. Die Verurteilung beendete die juristische Aufarbeitung der zentralen Mordserie, nicht jedoch die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Fall. Robledo Puch bestritt später seine Verantwortung für die Taten. Seine Einwände und die Frage nach den Beweggründen für die Verbrechen wurden deshalb auch lange nach dem Urteil immer wieder diskutiert.
Nach seiner Festnahme legte Carlos Robledo Puch Aussagen zu den ihm vorgeworfenen Verbrechen ab. Lisardo Moure, der damals als Justizsekretär in San Isidro tätig war, erinnerte sich Jahrzehnte später daran, dass Robledo Puch elf Tötungsdelikte gestanden und die Ermittler anschließend zu den Tatorten begleitet hatte. Bei den Rekonstruktionen habe er die Abläufe detailliert beschrieben. Moure erklärte in späteren Interviews, dass ihn vor allem die Genauigkeit dieser Schilderungen beeindruckt habe. Seiner Darstellung zufolge nannte Robledo Puch Einzelheiten, die zu den vorgefundenen Spuren passten und noch nicht öffentlich bekannt gewesen seien. Diese Erinnerungen des damaligen Ermittlungsbeteiligten sind ein wichtiger Bestandteil der überlieferten Fallgeschichte. Sie ersetzen jedoch nicht die eigenständige Prüfung der jeweiligen Beweise. In späteren Jahren stellte Robledo Puch die damaligen Aussagen grundlegend anders dar. So behauptete er, von der Polizei misshandelt und mit Elektroschocks gefoltert worden zu sein. Außerdem erklärte er, die Ermittler hätten ihm gedroht, seinen Eltern etwas anzutun, falls er die Taten nicht gestehe. Da er diese Vorwürfe erst rückblickend erhob, dürfen die von ihm geschilderten Umstände nicht ohne weitere Belege als vollständig nachgewiesener Ablauf dargestellt werden.
In einem Interview aus dem Jahr 2008 bestritt Robledo Puch, jemanden getötet zu haben. Zugleich räumte er ein, zahlreiche Raubdelikte begangen zu haben. Er bezeichnete das damalige Verfahren als inszeniert und behauptete, die Beweise seien gegen ihn konstruiert worden. Auch in späteren Äußerungen versuchte er, die Verantwortung für die Tötungsdelikte anderen Personen zuzuschreiben. Diese Aussagen stehen im deutlichen Gegensatz zu den frühen Geständnissen, wie Moure sie schilderte, sowie zum Urteil von 1980, in dem Robledo Puch wegen elf Tötungsdelikten sowie weiterer Straftaten verurteilt wurde. Seine späteren Bestreitungen und Vorwürfe gehören zur Geschichte des Falls, heben die gerichtliche Verurteilung aber nicht auf. Für die Einordnung ist es deshalb entscheidend, zwischen den dokumentierten Verfahrensereignissen, den Erinnerungen beteiligter Ermittler und den späteren Behauptungen des Verurteilten zu unterscheiden. Was Robledo Puch Jahrzehnte nach den Taten über seine damaligen Aussagen erklärte, ist Teil seiner eigenen Darstellung und nicht automatisch eine Widerlegung der gerichtlichen Feststellungen.
Im Vorfeld des Gerichtsverfahrens wurde Carlos Robledo Puch wiederholt psychiatrisch untersucht. Eine zentrale Rolle spielte dabei der argentinische Gerichtsmediziner und forensische Sachverständige Osvaldo Raffo, der im Auftrag der Anklage mit der Begutachtung betraut war. Laut Berichten führte er 25 persönliche Gespräche mit dem Angeklagten und erstellte ein ausführliches Gutachten. Raffo beschrieb Robledo Puch darin als psychopathisch, grausam und gefährlich. Er war überzeugt, dass sich dessen Verhalten nicht allein durch die familiären Verhältnisse oder äußere Einflüsse erklären lasse. Er sah in ihm eine Persönlichkeit, von der seiner damaligen Beurteilung nach auch künftig eine erhebliche Gefahr ausgehen könne. Das Gutachten wurde im Verfahren zu einem wichtigen Bestandteil der Auseinandersetzung über Robledo Puchs psychische Verfassung. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob seine Persönlichkeit und sein Zustand eine besondere Unterbringung erforderlich machten. Die psychiatrische Einschätzung war jedoch von der strafrechtlichen Beweisführung zu unterscheiden. Über die Schuld an den einzelnen Taten entschied das Gericht anhand des gesamten Verfahrensstoffs.
Eine weitere psychiatrische Einschätzung aus dem Jahr 1987 beschrieb unter anderem Robledo Puchs religiös-messianische Selbstdarstellung. Demnach sah er sich als jemand, der anderen Menschen einen besonderen Glauben und eine vermeintliche Aufgabe vermitteln sollte. Auch diese Beurteilung ist im zeitlichen und fachlichen Kontext zu betrachten. Die damaligen Gutachten vermitteln einen Eindruck davon, wie Sachverständige Robledo Puch in den Jahren nach seiner Festnahme einschätzten. Ihre Begriffe und Schlussfolgerungen sind jedoch historische, fachliche Bewertungen. Sie dürfen nicht ohne Weiteres als moderne psychiatrische Diagnosen übernommen werden. Ebenso wenig lassen sich aus ihnen allein die konkreten Motive ableiten, die bei den einzelnen Tötungsdelikten ausschlaggebend waren.
Auch nach seiner Verurteilung saß Carlos Robledo Puch Jahrzehnte lang im Gefängnis. Bereits 1973 unternahm er einen Fluchtversuch, der landesweit Aufmerksamkeit erregte. Gemeinsam mit dem Mitgefangenen Rodolfo Sica gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis von Olmos. Während Sica an der Gefängnismauer zurückblieb, schaffte Robledo Puch den Sprung ins Freie. 68 Stunden lang war er auf der Flucht, bevor die Polizei ihn wieder festnahm.
1981 wurde er in das Gefängnis von Sierra Chica verlegt, in dem er viele Jahre verbrachte. Im Mai 2019 musste er wegen einer schweren Lungenentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Nach seiner Entlassung kam er zunächst in eine Gefängniseinheit mit medizinischer Versorgung in Olmos und später in die Einheit 26 desselben Gefängniskomplexes. Im Laufe der Jahre stellte Robledo Puch mehrfach Anträge auf Entlassung. Diese blieben erfolglos. Auch der Oberste Gerichtshof Argentiniens bestätigte im Jahr 2015 die Ablehnung eines Rechtsmittels gegen die verweigerte bedingte Entlassung.
Im November 2024 bot sich ihm eine weitere Möglichkeit, seine Haftbedingungen zu verbessern. Ein Gericht erlaubte seine grundsätzliche Aufnahme in das Programm „Casas por Cárceles“, das einen offeneren Vollzugsrahmen vorsieht. Die Umsetzung hing allerdings von einem freien Platz und seiner Zustimmung ab. Robledo Puch lehnte den Wechsel laut damaligen Berichten ab. Er gab an, sich an seine bisherige Umgebung gewöhnt zu haben und Veränderungen zu fürchten.
Im September 2026 wurde bekannt, dass er mit Jorge Alfonso einen neuen Anwalt eingeschaltet hatte. Dieser kündigte an, erneut die Freilassung seines Mandanten zu beantragen. Als mögliche Unterkunft wurde eine Einrichtung für ältere Menschen in San Nicolás genannt. Der Anwalt begründete seinen Vorstoß damit, dass Robledo Puch bereits mehr als fünf Jahrzehnte in Haft verbracht habe und seine Strafe aus seiner Sicht als erfüllt anzusehen sei.
Dies bedeutete jedoch nicht, dass eine Entlassung bereits bewilligt worden war. Laut den zuletzt überprüften Berichten befand sich Robledo Puch weiterhin in der Gefängniseinheit 26 in Olmos. Ob sein neuer Antrag Erfolg haben würde, war damit noch offen. Seine Haftgeschichte ist geprägt von gescheiterten Entlassungsversuchen, einer außergewöhnlich langen Gefangenschaft und wiederholten Diskussionen über seine weitere Unterbringung. Solange keine gegenteilige gerichtliche Entscheidung vorliegt, ist zwischen einem angekündigten Antrag und einer tatsächlich bewilligten Freilassung zu unterscheiden.
Carlos Eduardo Robledo Puch ist einer der bekanntesten Serienmörder Argentiniens. Innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums zwischen 1971 und Anfang 1972 beging er eine Reihe schwerer Straftaten, bei denen elf Menschen ihr Leben verloren. Am 27. November 1980 wurde er wegen dieser Tötungsdelikte sowie zahlreicher weiterer Straftaten zu lebenslanger Freiheitsentziehung mit zusätzlicher unbefristeter Freiheitsentziehung verurteilt. Der Fall ist geprägt von einem wiederkehrenden Muster bewaffneter Raubüberfälle, bei denen Menschen getötet wurden. Zugleich zeigen die Taten an Virginia Rodríguez und Ana María Dinardo, dass sich die Gewalt nicht allein auf Überfälle gegen Gewerbebetriebe beschränkte. Da sich die einzelnen Verbrechen in ihren Abläufen und Umständen unterschieden, können sie nicht auf ein einziges, für alle Taten gleichermaßen belegtes Motiv reduziert werden.
Auch der Tod von Jorge Ibáñez gehört zur Geschichte des Falls. Zwar wurde später der Verdacht geäußert, Robledo Puch könne für den Tod seines damaligen Komplizen verantwortlich gewesen sein, doch dafür wurde er nicht wegen eines vorsätzlichen Mordes verurteilt. Der Fall darf deshalb nicht als zwölftes gerichtlich festgestelltes Tötungsdelikt in die Bilanz aufgenommen werden. Ebenso ungewöhnlich ist die spätere Entwicklung: Robledo Puch bestreitet die Morde seit Jahren, während die Verurteilung Bestand hat. Mehrere Versuche, eine vorzeitige Entlassung zu erreichen, blieben erfolglos. Seine jahrzehntelange Haft hat den Fall immer wieder in die öffentliche Diskussion zurückgebracht.
Was die Taten letztlich antreibt, lässt sich nicht mit einer einzigen Erklärung beantworten. Die historischen psychiatrischen Einschätzungen liefern zwar Einblicke in die damalige Beurteilung seiner Persönlichkeit, ersetzen aber keine gesicherte Erklärung für jedes einzelne Verbrechen. Eine sachliche Betrachtung muss sich deshalb auf die nachgewiesenen Taten, das Urteil und die klar gekennzeichneten offenen Fragen beschränken. Die Bilanz des Falls ist eindeutig: Elf Tötungsdelikte wurden gerichtlich festgestellt und Robledo Puch dafür sowie für zahlreiche weitere Straftaten verurteilt. Darüber hinausgehende Verdachtsmomente und spätere Behauptungen müssen von diesen gesicherten Tatsachen getrennt betrachtet werden.
Quellen
Clarín – Berichte zur Mordserie und zum Gerichtsverfahren
TN (Todo Noticias) – Chronologie der Taten und biografische Hintergründe
Página/12 – Hintergrundberichte zum Fall und zu Robledo Puchs späterer Haft
La Nación – Interviews und Berichte über seine späteren Aussagen und Entlassungsbemühungen
Gerichtsentscheidungen aus San Isidro – Urteil vom 27. November 1980 und strafrechtliche Einordnung
Argentinische Justiz- und Gefängnisberichte – Haftverlauf, Fluchtversuch und spätere Entlassungsanträge
