TRUE CRIME – SERIENKILLER

Michail Wiktorowitsch Popkow

„„Angarsk Maniac“, „Werwolf““

Geboren am 07.03.1964 in Norilsk.

NationalitätRussisch
LandRussland
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Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von1992
Aktiv bis2010
Bestätigte Opfer91
OpfergruppenFast ausschließlich Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiKontakt zu einer überwiegend allein stehenden Frau, Aufbau einer scheinbar normalen beziehungsweise vertrauensvollen Situation, Verbringung an einen abgelegenen Ort, körperlicher Angriff und Tötung, Zurücklassen oder Verbergen des Körpers.
HauptmotiveKombination aus Gewaltbereitschaft, Kontrollbedürfnis
Festnahmejahr2012
UrteilLebenslange Freiheitsstrafe
HaftformRussische Strafkolonie
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Michail Wiktorowitsch Popkow
Michail Wiktorowitsch Popkow wurde am 7. März 1964 in Norilsk in der damaligen Sowjetunion geboren. Später zog seine Familie nach Angarsk im Gebiet Irkutsk, wo Popkow den größten Teil seines Lebens verbrachte. Er arbeitete viele Jahre bei der sowjetischen bzw. später russischen Miliz und war in Angarsk unter anderem im Polizeidienst tätig. Nach außen hin führte er das Leben eines berufstätigen Polizeibeamten, Ehemanns und Vaters. Hinter dieser Fassade entwickelte sich jedoch eine Mordserie, die nach späteren Ermittlungen 1992 begann und sich über nahezu zwei Jahrzehnte erstreckte. Die Taten ereigneten sich überwiegend in Angarsk und der näheren Umgebung. Die Opfer waren fast ausschließlich Frauen. Zu den später festgestellten Opfern gehörte auch ein Polizeikollege. Popkow wurde am 23. Juni 2012 festgenommen, nachdem Ermittler bei der erneuten Untersuchung älterer Fälle eine DNA-Spur mit ihm in Verbindung bringen konnten. Nach seiner Festnahme machte er umfangreiche Angaben zu weiteren Tötungsdelikten. Es folgten mehrere Gerichtsverfahren. Bereits im Jahr 2015 wurde Popkow wegen 22 Morden und zweier versuchter Tötungen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Weitere Verfahren folgten in den Jahren 2018, 2021, 2023 und 2025, der bislang letzte Fall betraf den Doppelmord an zwei 27-jährigen Frauen im Jahr 2008, das entsprechende Urteil wurde am 4. März 2026 rechtskräftig. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungs- und Gerichtsberichterstattung werden Popkow 91 Opfer sowie drei versuchte Tötungen zugerechnet. Unter den 91 Opfern befanden sich 90 Frauen und ein Mann. Popkow verbüßt seine Strafe in einer russischen Strafkolonie des besonderen Regimes.

Michail Popkow verbrachte seine ersten Lebensjahre nicht bei seinen Eltern. Nach seiner Geburt in Norilsk zog die Familie nach Angarsk, während Michail zunächst bei seinen Großeltern in Norilsk blieb. Erst später holten ihn seine Eltern nach Angarsk. Über seine Kindheit und Jugend sind nur begrenzt belastbare Informationen bekannt. Popkow selbst beschrieb seine Herkunftsfamilie später als ganz normal. Er hatte eine jüngere Schwester. In Angarsk besuchte er die Schule und galt als guter Schüler. Während seiner Jugend interessierte er sich besonders für Sport. Er betrieb unter anderem Skilanglauf und Biathlon. Nach dem Schulabschluss besuchte er ein Technikum und absolvierte eine technische Ausbildung. Anschließend leistete er seinen Wehrdienst in der sowjetischen Armee ab. Nach seiner Rückkehr nach Angarsk arbeitete er zeitweise gemeinsam mit seinem Vater auf einem Friedhof. Später begann er seinen beruflichen Werdegang bei der Miliz. Aus der verfügbaren Quellenlage ergibt sich kein belastbarer Nachweis dafür, dass bestimmte Erlebnisse seiner Kindheit unmittelbar zur Entwicklung seiner späteren Gewaltkriminalität geführt hätten. Rückwirkende psychologische Deutungen müssen deshalb von nachgewiesenen Tatsachen getrennt werden.

Nach seinem Militärdienst kehrte Popkow nach Angarsk zurück. Er arbeitete zunächst in verschiedenen Bereichen, bevor er in den Dienst der Miliz eintrat. In Angarsk war er bei der Polizei tätig, unter anderem im Bereitschaftsdienst. Später war er als operativer Mitarbeiter eingesetzt. Durch seine berufliche Tätigkeit erwarb er genaue Kenntnisse der Stadt, des Umlandes und der örtlichen polizeilichen Strukturen. Popkow heiratete und gründete eine Familie. Mit seiner Ehefrau Jelena hatte er eine Tochter. Nach außen hin führte er somit über Jahre hinweg das Leben eines gewöhnlichen Familienvaters und Polizeibeamten. Seine berufliche Stellung sollte später eine besondere Bedeutung für den Fall bekommen. Popkow kannte nicht nur die örtlichen Gegebenheiten, sondern auch die Arbeitsweise der Ermittlungsbehörden aus eigener Erfahrung.

Spätere Ermittlungen ergaben, dass Popkows Mordserie bereits im Jahr 1992 begonnen hatte, somit früher als zunächst angenommen. Die ersten Fälle konnten über viele Jahre nicht mit einem gemeinsamen Täter in Verbindung gebracht werden. Erst nach Popkows Festnahme und der erneuten Untersuchung älterer Ermittlungsakten wurde deutlich, dass sich die Tötungsdelikte über einen langen Zeitraum erstreckten. Popkow war bereits in dieser frühen Phase Angehöriger der Miliz. Mehrere später untersuchte Taten fielen in die Zeit seiner beruflichen Tätigkeit. Nicht jeder von Popkow geschilderte Fall konnte jedoch mit derselben Beweissicherheit rekonstruiert werden. Deshalb muss zwischen dem von ihm selbst angegebenen Beginn der Mordserie und den später gerichtlich festgestellten Fällen unterschieden werden.

Die meisten Opfer von Popkow waren Frauen. Den späteren Ermittlungen zufolge gerieten häufig Frauen in seinen Fokus, die abends oder nachts allein unterwegs waren. Ein wiederkehrendes Element war sein Fahrzeug. Popkow konnte die Frauen ansprechen und ihnen anbieten, sie nach Hause zu bringen. Anstatt das ursprüngliche Ziel anzusteuern, brachte er sie in bestimmten Fällen an abgelegene Orte. Sein Auftreten als Polizeibeamter konnte dabei zusätzlich Vertrauen erzeugen. Für eine Frau, die nachts unterwegs war, konnte die Begegnung mit einem Polizeibeamten zunächst wie eine gewöhnliche Hilfestellung wirken. Allerdings waren nicht alle Opfer völlig zufällig ausgewählt. In einzelnen Fällen kannte Popkow die Frauen bereits aus seinem beruflichen oder persönlichen Umfeld. Ein einheitliches persönliches Beziehungsmuster bestand jedoch nicht. Die Gemeinsamkeit lag daher weniger in einer bestimmten sozialen Gruppe als in der Situation, in der Popkow Kontakt zu seinen späteren Opfern herstellen konnte.

Die lange Unentdecktzeit hatte mehrere Ursachen. Die einzelnen Tötungsdelikte ereigneten sich an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Zuständigkeitsbereichen des Gebiets Irkutsk. Die Fälle aus Angarsk und den angrenzenden Gebieten wurden zunächst weitgehend getrennt voneinander bearbeitet. In den 1990er-Jahren standen den Ermittlern außerdem wesentlich weniger technische Möglichkeiten für den überregionalen Abgleich von Daten zur Verfügung als heute. Zudem galten mehrere Opfer zunächst als vermisst. Ihre Leichen wurden teilweise erst lange nach ihrem Verschwinden gefunden. Dadurch entstand zwischen dem letzten bekannten Kontakt und der späteren Entdeckung der Leiche zusätzlicher Ermittlungsaufwand. Später wurden ältere Ermittlungsakten erneut ausgewertet. Dabei rückten Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen ungeklärten Tötungsdelikten zunehmend in den Mittelpunkt. Die entscheidende Wende brachte schließlich die Verbindung von kriminalistischer Ermittlungsarbeit mit moderner DNA-Analyse.

Im Rahmen der erneuten Ermittlungen wurde eine große Zahl möglicher Tatverdächtiger beziehungsweise Personen von kriminalpolizeilichem Interesse überprüft. Popkow wurde schließlich in diesen Kreis aufgenommen. Im März 2012 wurde er zunächst als Zeuge vernommen und erklärte sich bereit, eine biologische Probe abzugeben. Die anschließende DNA-Untersuchung brachte den entscheidenden Durchbruch. Das genetische Material konnte mit Spuren aus früheren, ungeklärten Fällen in Verbindung gebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Popkow nicht mehr in Angarsk. Er war mit dem Zug in Richtung Wladiwostok unterwegs. Am 23. Juni 2012 wurde er während der Zugfahrt im Fernen Osten festgenommen. Die Festnahme verlief ohne Widerstand. Damit endete die jahrelange Ungewissheit über den Täter zahlreicher ungeklärter Tötungsdelikte in der Region.

Nach seiner Festnahme wurde Popkow intensiv zu den ungeklärten Tötungsdelikten befragt. Im Verlauf der Ermittlungen machte er Angaben zu zahlreichen Fällen und gestand weitere Tötungen ein. Teilweise konnte er Tatorte und Einzelheiten so genau beschreiben, dass dies den Ermittlern bei der Überprüfung alter Fälle half. Seine Aussagen wurden jedoch nicht automatisch als Beweis für jeden von ihm genannten Mord übernommen. Die Ermittler mussten sie mit vorhandenen Akten, Zeugenaussagen und kriminaltechnischen Erkenntnissen vergleichen. Dies war besonders wichtig, da Popkow im Laufe der Jahre unterschiedliche Angaben zu seiner Verantwortung gemacht hatte. Einige Fälle konnten durch zusätzliche Beweismittel bestätigt werden, während andere nicht dieselbe Beweissicherheit erreichten. Dennoch wurden seine Aussagen zu einem wichtigen Bestandteil der weiteren Ermittlungen. Sie führten die Behörden zu alten Fällen und ermöglichten die erneute Untersuchung von Tatorten.

Das erste große Verfahren gegen Popkow betraf 22 Morde an Frauen sowie zwei versuchte Tötungen. Die Taten ereigneten sich überwiegend zwischen 1994 und 2000 im Raum Angarsk und den angrenzenden Gebieten. Am 14. Januar 2015 wurde er vom Irkutsker Gebietsgericht schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Opfer waren Frauen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Lebenssituationen. Ein einheitliches soziales Profil ließ sich nicht feststellen. Die konkrete Ausführung der einzelnen Taten unterschied sich teilweise. Die Ermittlungen ergaben jedoch wiederkehrende Elemente bei der Kontaktaufnahme und dem späteren Vorgehen. Mit diesem Urteil war die Mordserie jedoch noch nicht vollständig aufgearbeitet. Weitere Ermittlungen liefen bereits bzw. wurden anschließend wieder aufgenommen.

Popkow gab später an, bereits 1992 einen Mord an einer Frau namens Natalja Wigowskaja begangen zu haben. Er schilderte den Fall wie folgt: Er habe die Frau am Abend getroffen und mit ihr zum Bereich des Irkutsker Stausees gefahren. Die Einzelheiten des Tatablaufs beruhen dabei auf seiner späteren Darstellung und müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Der Fall ist für die Rekonstruktion der Mordserie von Bedeutung, da er den von Popkow angegebenen Beginn der Tötungen auf das Jahr 1992 zurückführt. Er gehört jedoch nicht zu den 22 Morden, wegen derer Popkow im Januar 2015 verurteilt wurde.

Im Verlauf der späteren Ermittlungen wurden zahlreiche weitere Tötungsdelikte aus den 1990er Jahren untersucht. Einige dieser Fälle waren bereits Jahre zuvor als ungeklärte Morde oder Vermisstenfälle registriert worden. Andere wurden erst durch Popkows Angaben wieder aufgegriffen. Dabei überprüften die Ermittler Tatorte, alte Akten, Zeugenaussagen und kriminaltechnische Spuren. Teilweise konnten Leichen geborgen beziehungsweise bislang ungeklärte Fundorte bestimmten Opfern zugeordnet werden. Die Fälle unterschieden sich hinsichtlich Tatort, Tatmittel und genauer Ausführung. Ein bei allen Taten verwendetes Tatwerkzeug konnte nicht festgestellt werden. Die spätere Aufarbeitung zeigte jedoch, dass Popkow über viele Jahre hinweg wiederholt Frauen getötet hatte.

Nach dem ersten Urteil im Jahr 2015 wurden weitere alte Fälle untersucht. Popkow hatte inzwischen weitere Tötungen eingeräumt. Die Ermittler überprüften seine Angaben und öffneten zahlreiche alte Akten erneut. Die daraus resultierenden Ermittlungen führten zu einem zweiten umfangreichen Strafverfahren. Im Dezember 2018 wurde Popkow erneut zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Verfahren erweiterte den Umfang der ihm gerichtlich zugerechneten Taten erheblich. Damit wurde die Aufarbeitung der Mordserie erneut deutlich erweitert.

Auch nach dem zweiten großen Verfahren wurden weitere ungeklärte Fälle überprüft. Die Ermittler werteten dazu alte Vermisstenfälle, Ermittlungsakten und Angaben Popkows aus. Erst viele Jahre nach ihrer Begehung konnten einzelne Tötungsdelikte mit ihm in Verbindung gebracht werden. Im Jahr 2021 wurde Popkow wegen zweier weiterer Morde verurteilt. 2023 folgte ein weiteres Verfahren wegen drei Morden. Damit zeigte sich erneut, dass die Ermittlungen selbst nach den beiden großen Verfahren von 2015 und 2018 nicht abgeschlossen waren.

Im Mai 2011 traf Popkow im Park hinter dem Kulturhaus „Sowremennik“ in Angarsk eine 36-jährige Frau, die er zuvor nicht kannte. Zwischen beiden kam es zu einem Streit. Laut späteren gerichtlichen Feststellungen schlug Popkow die Frau zunächst und griff anschließend zu einer Axt. Die Frau starb an ihren Verletzungen. Anschließend brachte er den Körper in ein leerstehendes Gebäude in Form eines Turms, übergoss ihn mit einer brennbaren Flüssigkeit und setzte ihn in Brand. Popkow legte später ein Geständnis ab und schrieb eine Selbstanzeige. Am 28. August 2025 wurde er wegen Mordes schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte eine zusätzliche Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Unter Einbeziehung der vorherigen Urteile blieb es bei der lebenslangen Freiheitsstrafe.

Im August 2008 hielt Popkow mit seinem privaten Fahrzeug auf dem Moskauer Trakt bei der Einfahrt nach Angarsk an, um einen technischen Defekt bzw. einen Reifenschaden zu beheben. Dabei traf er auf zwei 27-jährige Frauen, die ihm zuvor unbekannt waren. Nach den späteren gerichtlichen Feststellungen kam es zu einem Konflikt. Popkow tötete zunächst eine der Frauen mit einem Seil. Anschließend tötete er auch die zweite Frau auf dieselbe Weise. Die beiden Leichen waren bereits im Jahr 2008 gefunden worden. Der Fall konnte damals jedoch keinem Täter zugeordnet werden. Popkow gestand die beiden Taten später. Am 1. Dezember 2025 verurteilte ihn das Amtsgericht Angarsk wegen des Doppelmordes zu weiteren zehn Jahren Freiheitsstrafe. Unter Einbeziehung seiner früheren Urteile blieb es bei lebenslanger Freiheitsstrafe. Die Verteidigung legte Berufung ein. Am 4. März 2026 bestätigte das Irkutsker Gebietsgericht das Urteil. Damit wurde der Schuldspruch rechtskräftig.

Nach außen hin führte Popkow viele Jahre lang ein unauffälliges Familienleben. Er war verheiratet und hatte eine Tochter. Menschen aus seinem Umfeld beschrieben ihn als freundlich und hilfsbereit. Gerade deshalb fiel es seiner Familie später schwer, seine Taten zu begreifen. Die Diskrepanz zwischen seinem öffentlichen Auftreten und den ihm zugerechneten Verbrechen ist eines der auffälligsten Merkmale des Falls. Während er als Ehemann, Vater und Polizeibeamter auftrat, führte er gleichzeitig ein verborgenes Leben als Täter schwerster Gewaltverbrechen. Sein familiäres Umfeld hatte über viele Jahre keinen offensichtlichen Anlass, ihn mit einer Mordserie in Verbindung zu bringen.

Popkows beruflicher Hintergrund verlieh dem Fall eine besondere Dimension. Als ehemaliger Angehöriger der Miliz bzw. Polizei kannte er die örtlichen Gegebenheiten sowie die grundlegenden Abläufe polizeilicher Ermittlungen. Er kannte die Stadt und ihr Umland und wusste, wie Vermisstenfälle und Tötungsdelikte grundsätzlich bearbeitet wurden. Seine berufliche Stellung bedeutete somit einen Wissensvorsprung gegenüber einem gewöhnlichen Täter. Ein belastbarer Nachweis dafür, dass Popkow sämtliche Ermittlungen gezielt manipulierte oder seine dienstliche Stellung systematisch zur Vertuschung seiner Taten einsetzte, liegt jedoch nicht vor. Sein Polizeihintergrund bleibt dennoch ein wesentlicher Bestandteil des Falles.

Eine einzige Ursache für Popkows Mordserie lässt sich nicht feststellen. Popkow selbst machte im Laufe der Jahre unterschiedliche Angaben zu seinen Motiven. Teilweise behauptete er, Frauen hätten ihn provoziert oder gedemütigt. Solche Aussagen spiegeln lediglich seine persönliche Sicht wider und stellen keine objektive Erklärung der Taten dar. Später beschrieb er auch ein Bedürfnis nach Kontrolle und Macht über seine Opfer. Psychiatrische Untersuchungen ergaben, dass Popkow nicht als psychotischer Täter mit aufgehobenem Realitätsbezug eingestuft werden kann. Er wurde als zurechnungsfähig beurteilt. Sein Verhalten war vielmehr durch Planung und bewusste Entscheidungsfähigkeit geprägt. Eine einzelne psychiatrische Diagnose kann die Mordserie deshalb nicht erklären.

Zwischen Popkow und den meisten seiner Opfer bestand keine längere persönliche Beziehung. Die Frauen waren überwiegend Personen, zu denen er nur kurzzeitig Kontakt hatte. Eine Ausnahme war sein ehemaliger Polizeikollege Jewgeni Schkurichin, den er 1999 tötete. Somit beschränkte sich die Opfergruppe nicht ausschließlich auf Frauen. Ein einheitliches soziales oder berufliches Umfeld der Opfer konnte nicht festgestellt werden. Auch Popkows spätere Versuche, einzelne Taten mit dem Verhalten seiner Opfer zu erklären, ändern daran nichts.

Popkow wurde in der Öffentlichkeit vor allem als „Angarsker Maniac“ bzw. international als „Angarsk Maniac“ bekannt. Die Bezeichnung verweist auf die Stadt Angarsk, mit der ein großer Teil seines Lebens und seiner Verbrechen verbunden ist. Der Begriff „Maniac” ist keine medizinische Diagnose, sondern eine journalistische bzw. öffentliche Bezeichnung. Auch der Beiname „Werwolf“ wurde im Zusammenhang mit Popkow verwendet. Er sollte den Gegensatz zwischen seinem nach außen hin unauffälligen Leben und seiner verborgenen Existenz als Täter verdeutlichen. Eine offizielle polizeiliche oder psychiatrische Bezeichnung ist „Werwolf“ jedoch nicht.

Nach seiner Festnahme arbeitete Popkow in erheblichem Umfang mit den Ermittlern zusammen. Er machte Angaben zu zahlreichen Taten und führte die Ermittler zu Orten, die für die Aufklärung alter Fälle von Bedeutung waren. Seine Aussagen mussten jedoch weiterhin überprüft werden. Popkow gestand einige Taten ausdrücklich, während er andere Fälle anders darstellte oder nicht in gleicher Weise anerkannte. Auch nach den ersten Verurteilungen machte er weitere Angaben. Dadurch wurden zusätzliche Ermittlungsverfahren ausgelöst. Seine Aussagen waren für die Aufklärung der Mordserie von erheblicher Bedeutung, konnten aber nicht in jedem Fall als alleinige Beweisgrundlage dienen.

Popkow verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einer russischen Strafkolonie des besonderen Regimes. Auch nach den späteren Urteilen blieb diese Strafe bestehen. Im April 2026 wurde er nach Angaben russischer Behörden aus dem Raum Irkutsk in eine Strafkolonie des besonderen Regimes in Mordwinien verlegt. Während seiner Haft machte Popkow weiterhin Angaben zu früheren Taten. Dadurch blieb er auch Jahre nach seiner Festnahme Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Bei der Darstellung der Opferzahl von Popkow muss zwischen verschiedenen Kategorien unterschieden werden. Im Laufe der Ermittlungen machte Popkow Angaben zu zahlreichen Tötungen. Nicht jede dieser Angaben kann jedoch automatisch mit einem gerichtlich festgestellten Mord gleichgesetzt werden. Daneben wurden weitere ungeklärte Tötungsdelikte daraufhin überprüft, ob ein Zusammenhang mit Popkow bestehen könnte. Ein Ermittlungsverdacht oder eine eigene Aussage des Beschuldigten ist jedoch kein unabhängiger Schuldnachweis. Deshalb müssen gerichtlich festgestellte Taten, von Popkow eingeräumte weitere Fälle und lediglich vermutete Zusammenhänge voneinander getrennt werden. Für den aktuellen Stand des Falles ist entscheidend, dass die russischen Ermittlungsbehörden Popkow 91 Opfer und drei versuchte Tötungen zurechnen. Unter den 91 Opfern befinden sich 90 Frauen und ein Mann. Dabei darf die Zahl nicht so verstanden werden, dass jeder einzelne dieser Fälle in demselben Verfahren und unter identischen Beweisbedingungen abgeurteilt wurde. Die 91 ergeben sich aus der über mehrere Verfahren und Ermittlungsabschnitte gewachsenen Gesamtzurechnung.

Der Fall Michail Popkow zählt zu den außergewöhnlichsten Serienmordfällen der jüngeren russischen Kriminalgeschichte. Seine Bedeutung ergibt sich nicht allein aus der hohen Zahl der ihm zugerechneten Opfer. Die Taten erstreckten sich über nahezu zwei Jahrzehnte und blieben teilweise sehr lange ungeklärt. Viele Fälle wurden zunächst getrennt voneinander behandelt. Erst die Zusammenführung alter Ermittlungsakten, moderne forensische Untersuchungsmethoden und Popkows eigene Angaben ermöglichten eine umfassendere Rekonstruktion. Besonders ungewöhnlich war sein beruflicher Hintergrund. Popkow war selbst Angehöriger der Miliz und kannte dadurch die Region sowie die Arbeitsweise der Ermittlungsbehörden aus eigener Erfahrung. Der Fall verdeutlicht, wie schwierig die Erkennung einer langfristigen Mordserie sein kann, wenn die einzelnen Fälle verschiedenen Zuständigkeitsbereichen zugeordnet sind und die technischen Möglichkeiten des damaligen Ermittlungsapparats begrenzt sind. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall die Bedeutung moderner forensischer Methoden. Eine DNA-Spur führte schließlich zu dem Mann, der selbst jahrelang Teil des Polizeiapparats gewesen war. Die Aufklärung endete jedoch nicht mit seiner Festnahme. Weitere alte Fälle wurden untersucht und führten noch Jahre später zu neuen Verfahren. Aktuell werden Popkow 91 Opfer und drei versuchte Tötungen zugerechnet. Der Fall ist deshalb nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Opferzahl, sondern auch wegen der langen Ermittlungsdauer, der späteren forensischen Rekonstruktion und der Tatsache, dass der Täter selbst jahrelang als Polizeibeamter tätig war, von Bedeutung. Für eine sachliche historische Darstellung ist dabei die klare Trennung zwischen gerichtlich festgestellten Taten, eigenen Angaben Popkows und lediglich vermuteten Fällen entscheidend.