TRUE CRIME – SERIENKILLER

Norbert Hans Poehlke

„„Der Hammermörder““

Geboren am 15.09.1951 in Stuttgart. Gestorben am 22.10.1985.

NationalitätDeutsch
LandDeutschland
AufrufeDieser Artikel wurde bereits 9x gelesen

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von1984
Aktiv bis1985
Bestätigte Opfer6
OpfergruppenFamilie, Männer

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiErschießen
HauptmotiveFinanzielle Motive
Bei den aufgeführten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Sie über einen solchen Link etwas kaufen oder ein Abo abschließen, erhalten wir gegebenenfalls eine kleine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. ❤️
Norbert Hans Poehlke: Der „Hammermörder“
Norbert Hans Poehlke wurde am 15. September 1951 in Stuttgart geboren. Er wurde Polizeibeamter im mittleren Dienst des Landes Baden-Württemberg und arbeitete zuletzt als Polizeiobermeister bei der Hundestaffel in Stuttgart-Mühlhausen. Zwischen Mai 1984 und Oktober 1985 beging er eine Serie von Gewaltverbrechen, bestehend aus vier Banküberfällen und sechs Tötungsdelikten. Drei der Opfer waren Männer, deren Fahrzeuge er für seine Banküberfälle benötigte. Die drei weiteren Todesopfer waren seine Ehefrau und seine beiden Söhne. Die ersten drei Morde ereigneten sich im Raum Ludwigsburg und Heilbronn. Poehlke erschoss die Opfer jeweils, um an ihre Fahrzeuge zu gelangen. Anschließend nutzte er die gestohlenen Wagen bei Banküberfällen. Bei den Überfällen setzte er einen Vorschlaghammer ein, um die Sicherheitsverglasungen der Bankschalter zu zerstören. Dadurch erhielt er den Spitznamen „Hammermörder“, obwohl er keines seiner Opfer mit dem Hammer tötete. Im Oktober 1985 geriet Poehlke selbst in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Bevor die Polizei ihn festnehmen konnte, tötete er seine Ehefrau und seinen älteren Sohn in ihrem gemeinsamen Haus in Strümpfelbach. Anschließend floh er mit seinem jüngeren Sohn nach Italien. Dort tötete er am 22. Oktober 1985 auch seinen Sohn und anschließend sich selbst. Da er vor seiner Festnahme starb, kam es zu keinem Strafprozess gegen ihn. Die Zuordnung der Taten zu seiner Person beruht auf den nach seinem Tod ausgewerteten Spuren und den anschließenden Ermittlungen. Dabei kamen die Ermittler zu dem Ergebnis, dass Poehlke für die gesamte Mord- und Raubserie verantwortlich war.

Norbert Hans Poehlke wuchs mit seiner Schwester in Geisingen auf. Seine Eltern waren nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge aus Ostpreußen nach Schwaben gekommen. Die Familie lebte dort unter einfachen Verhältnissen. Im Jahr 1968 ließen sich seine Eltern scheiden. Anschließend zogen Norbert und seine Schwester mit ihrer Mutter nach Strümpfelbach bei Backnang, wo Poehlke später mit seiner eigenen Familie leben sollte. Nach der Schule begann er eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Kaelble. Diese Ausbildung beendete er jedoch nicht. Anschließend arbeitete er zunächst als Hilfsarbeiter. Danach entschied er sich für eine Laufbahn bei der Polizei und besuchte die Polizeischule in Stuttgart. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Ingeborg kennen. Anschließend trat er in den Polizeidienst des Landes Baden-Württemberg ein und wurde Polizeibeamter im mittleren Dienst. Ab 1982 arbeitete er als Polizeiobermeister bei der Hundestaffel der Landespolizeidirektion Stuttgart II in Stuttgart-Mühlhausen. Damit verlief sein beruflicher Weg zunächst in eine Richtung, die kaum mit seiner späteren Rolle als Tatverdächtiger einer Mord- und Raubserie in Verbindung gebracht wurde. Gerade seine Tätigkeit als Polizeibeamter sollte für die späteren Ermittlungen von besonderer Bedeutung sein.

Norbert Poehlke heiratete seine spätere Ehefrau Ingeborg, die er während seiner Ausbildung bei der Polizei kennengelernt hatte. Auch sie war zuvor im Polizeidienst tätig gewesen, arbeitete später jedoch nicht mehr als Beamtin, sondern kümmerte sich um die Familie. Das Ehepaar hatte drei Kinder: zwei Söhne und eine Tochter. Die Familie lebte in einem Einfamilienhaus in Strümpfelbach, das Poehlke und seine Frau gemeinsam aufgebaut hatten. Im März 1984 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Die dreijährige Tochter starb an einem Gehirntumor. Dies ereignete sich nur wenige Wochen vor Beginn der späteren Mord- und Raubserie. Zum Zeitpunkt des Beginns seiner Straftaten war Poehlke verheiratet und Vater zweier Söhne. Nach außen hin führte seine Familie ein unauffälliges bürgerliches Leben, während er gleichzeitig als Polizeibeamter tätig war.

Poehlke hatte zuvor einen Lottogewinn von über 30.000 D-Mark erzielt. Mit diesem Geld konnte er den Bau eines Hauses für seine Familie finanzieren. Die Immobilie stellte sich jedoch als erhebliche finanzielle Belastung heraus. Später stellte sich heraus, dass sich Poehlke beim Hausbau finanziell übernommen hatte. Sein Einkommen als Polizeibeamter reichte nicht aus, um den gewünschten Lebensstandard und die entstandenen finanziellen Verpflichtungen dauerhaft aufrechtzuerhalten. Sein Konto war deutlich überzogen und er hatte hohe Schulden. Die späteren Banküberfälle dienten laut kriminalistischer Rekonstruktion dazu, seine finanzielle Situation zu verbessern und an zusätzliches Bargeld zu gelangen. Der finanzielle Druck wird deshalb als zentrales Motiv der Raubserie eingeordnet. Damit lässt sich die Entwicklung unmittelbar vor dem ersten Mord nachvollziehen. Aus einem bis dahin unbescholtenen Polizeibeamten mit Familie und Eigenheim wurde innerhalb kurzer Zeit ein Täter, der versuchte, seine finanzielle Situation durch schwere Gewaltkriminalität zu lösen.

Am 3. Mai 1984 beging Norbert Poehlke seinen ersten bekannten Mord. Das Opfer war der 47-jährige Siegfried Pfitzer, ein Ingenieur und Handelsreisender aus Aschaffenburg. Pfitzer hielt sich aus geschäftlichen Gründen im Raum Ludwigsburg auf und parkte seinen weißen BMW auf dem Parkplatz beim Gruppenklärwerk Häldenmühle bei Marbach am Neckar. Dort wurde er von Poehlke erschossen. Anschließend nahm Poehlke den BMW des Getöteten an sich und fuhr damit zur Volksbank in Erbstetten. Dort überfiel er die Bank und erbeutete rund 4.800 D-Mark. Damit verband Poehlke erstmals einen Mord unmittelbar mit einem anschließenden Bankraub. Der Mord an Pfitzer diente dabei der Beschaffung eines Fahrzeugs für die weitere Tat.

Am 21. Dezember 1984 tötete Poehlke sein zweites Opfer. Der 37-jährige Richard Wethey, ein Vertreter aus England, war auf dem Weg in die Schweiz und hielt mit seinem Wagen auf dem Waldparkplatz Rohrthäle bei Großbottwar. Poehlke erschoss ihn und nahm sein Fahrzeug an sich. Eine Woche später verwendete er den Wagen bei einem Banküberfall auf die Volksbank in Cleebronn. Dabei schlug der Täter mit einem Vorschlaghammer die Sicherheitsverglasung des Kassenbereichs ein und erbeutete rund 79.000 D-Mark. Die Tat führte zu einer erneuten Fahndung nach dem weiterhin unbekannten Täter. Die Polizei erkannte zunehmend Gemeinsamkeiten zwischen den Morden und den Banküberfällen.

Am 22. Juli 1985 tötete Poehlke sein drittes Opfer. Der 26-jährige Elektriker Wilfried Schneider aus Beilstein hielt mit seinem Fahrzeug auf einem Wanderparkplatz an der Landesstraße zwischen Ilsfeld und Flein an. Poehlke erschoss Schneider und nahm dessen Fahrzeug an sich. Anschließend fuhr er damit nach Spiegelberg, um die dortige Raiffeisenbank zu überfallen. Der Überfall scheiterte jedoch. Der Täter erschien mit einem Vorschlaghammer in der Bank, woraufhin der Filialleiter die Mitarbeiter warnte. Als der Alarm ausgelöst wurde, flüchtete Poehlke ohne Beute. Damit endete das bisherige Muster erstmals ohne erfolgreichen Bankraub. Die drei Tötungsdelikte wurden zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Poehlke in Verbindung gebracht.

Am 27. September 1985 überfiel Poehlke die Raiffeisenbank in Rosenberg im Ostalbkreis. Bei dieser Tat wich er erstmals deutlich von seinem bisherigen Vorgehen ab. Er betrat die Bank ohne Vorschlaghammer und war zunächst unmaskiert. Anschließend setzte er eine Sturmhaube auf, bedrohte die Anwesenden mit einer Pistole und erbeutete etwa 11.000 D-Mark. Für seine Flucht benötigte er diesmal kein zuvor gestohlenes Fahrzeug. Stattdessen nahm er das Auto eines Bankkunden und fuhr damit davon. Die Zeugenaussagen nach dem Überfall ermöglichten es der Polizei, ein Phantombild des Täters anzufertigen. Es zeigte einen kräftig gebauten Mann mit markanten Gesichtszügen und einem auffälligen Gang. Erst später wurde erkannt, dass die Beschreibung große Ähnlichkeiten mit Poehlke aufwies. Der Überfall in Rosenberg sollte für die weiteren Ermittlungen von entscheidender Bedeutung werden. Insbesondere die veränderte Vorgehensweise und die Zeugenaussagen lieferten neue Ansatzpunkte für die Fahndung.

Nach dem Überfall in Rosenberg konzentrierten sich die Ermittlungen zunehmend auf die Frage, ob der unbekannte Bankräuber aus dem Kreis der Polizei oder des Sicherheitsgewerbes stammen könnte. Das Phantombild und die Beschreibung des Täters führten schließlich zu einem überraschenden Verdacht. Die Beschreibung des Bankräubers wies auffällige Ähnlichkeiten mit Norbert Poehlke, einem Polizeiobermeister der Stuttgarter Hundestaffel, auf. Dabei fiel auch auf, dass Poehlke aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit mit polizeilichen Abläufen und Fahndungsmethoden vertraut war. Die Polizei überprüfte daraufhin Poehlkes persönliche und finanzielle Verhältnisse. Dabei ergaben sich Hinweise auf erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Außerdem wurde festgestellt, dass Poehlke über Kenntnisse und Möglichkeiten verfügte, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Raubüberfälle von Vorteil gewesen sein konnten. Ein entscheidender Hinweis ergab sich schließlich aus der ballistischen Untersuchung. Die bei den Tötungsdelikten verwendete Waffe konnte mit einer Dienstwaffe bzw. einer Waffe aus Poehlkes Besitz in Verbindung gebracht werden. Damit verdichtete sich der Verdacht gegen den Polizeibeamten erheblich. Die Ermittler begannen daraufhin, Poehlkes Lebensumstände, seine Dienstzeiten, seine Bewegungen und die bisherigen Tatorte miteinander abzugleichen. Noch bevor es zu einer Festnahme kam, sollte sich der Fall jedoch auf tragische Weise weiterentwickeln.

Am 13. Oktober 1985 eskalierte der Fall. Norbert Poehlke tötete in seinem Wohnhaus in Strümpfelbach seine Ehefrau Ingeborg und seinen 16-jährigen Sohn. Anschließend bereitete er seine Flucht vor. Er nahm seinen zwölfjährigen Sohn mit und fuhr mit ihm nach Italien. Zu diesem Zeitpunkt suchte die Polizei bereits nach ihm, da sich der Verdacht im Zusammenhang mit der Raub- und Mordserie gegen ihn verdichtet hatte. Poehlke reiste mit seinem Sohn bis nach Tarvisio in Norditalien. Dort mietete er ein Hotelzimmer. Am 22. Oktober 1985 tötete er seinen Sohn und anschließend sich selbst. Die italienischen Behörden fanden die beiden Leichen kurze Zeit später in dem Hotelzimmer. Damit endete die Fahndung nach Poehlke, bevor die deutschen Ermittler ihn festnehmen konnten. Durch seinen Tod kam es zu keinem Gerichtsverfahren gegen ihn. Die Ermittler mussten deshalb die Verbindung zwischen Poehlke und den zuvor begangenen Taten anhand der vorhandenen Spuren und Beweismittel rekonstruieren.

Nach Poehlkes Tod mussten die Ermittler anhand der vorhandenen Spuren die Verbindung zwischen ihm und der Mord- und Raubserie rekonstruieren. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Tatwaffe. Aus ihr waren die tödlichen Geschosse abgegeben worden, die den drei männlichen Mordopfern zugeordnet werden konnten. Nachdem die Waffe nach Poehlkes Tod sichergestellt worden war, konnten die Ermittler eine entscheidende Verbindung zwischen ihm und den Tötungsdelikten herstellen. Hinzu kamen die zahlreichen Übereinstimmungen zwischen den einzelnen Taten. Die Fahrzeuge der getöteten Männer waren jeweils nach den Morden verschwunden und bei den anschließenden Banküberfällen verwendet worden. Auch die Vorgehensweise bei den Banküberfällen wies wiederkehrende Merkmale auf. Besonders bedeutsam war schließlich die Tatsache, dass Poehlke als Polizeibeamter über Kenntnisse der polizeilichen Ermittlungsarbeit verfügte. Nach seinem Tod konnten die Ermittler seine persönlichen Umstände, seine Bewegungen und die vorhandenen Spuren mit den einzelnen Taten abgleichen. Die Gesamtheit dieser Erkenntnisse führte zu dem Schluss, dass Norbert Poehlke für die drei Morde an Siegfried Pfitzer, Richard Wethey und Wilfried Schneider sowie die damit verbundenen Banküberfälle verantwortlich war. Eine Verurteilung vor Gericht konnte wegen seines Todes nicht mehr erfolgen.

Der Fall Poehlke löste sowohl innerhalb der Polizei als auch in der Öffentlichkeit große Bestürzung aus. Besonders ungewöhnlich war, dass der Täter selbst Polizeibeamter war und seine beruflichen Kenntnisse mit den begangenen Straftaten in Verbindung gebracht werden konnten. Für die Ermittlungsbehörden stellte der Fall zudem eine besondere Herausforderung dar. Die Aufklärung musste nach Poehlkes Tod ohne Befragung oder Gerichtsverfahren gegen den Hauptverdächtigen erfolgen. Die Verantwortlichkeit wurde deshalb anhand der vorhandenen Beweismittel und einer kriminalistischen Rekonstruktion festgestellt. Poehlkes Fall blieb über die Jahrzehnte hinweg Gegenstand von Dokumentationen und kriminalhistorischen Darstellungen. In der deutschen Kriminalgeschichte ist er insbesondere deshalb bekannt, weil sich hinter dem „Hammermörder“ schließlich ein Polizeibeamter verbarg. Die Bezeichnung „Hammermörder” bezieht sich auf seine Banküberfälle. Poehlke verwendete bei mehreren Überfällen einen Vorschlaghammer, um sich Zugang zu den Bankschaltern zu verschaffen. Seine Opfer tötete er hingegen mit einer Schusswaffe.

Als wesentliches Motiv der Raubserie gilt Geldnot. Poehlke hatte sich beim Bau seines Eigenheims finanziell übernommen und war hoch verschuldet. Die Banküberfälle sollten laut späteren Ermittlungen dazu dienen, seine finanzielle Situation zu verbessern. Ein persönliches Motiv gegenüber den drei ermordeten Männern ließ sich hingegen nicht feststellen. Sein Modus Operandi war zunächst auffallend gleichförmig: Er suchte sich Männer aus, die mit ihren Fahrzeugen allein unterwegs waren. Auf abgelegenen Park- oder Rastplätzen erschoss er sie und nahm anschließend ihre Fahrzeuge an sich. Diese verwendete er bei den nachfolgenden Banküberfällen. Dabei trat er teilweise in Polizeiuniform auf und verwendete einen Vorschlaghammer, um die Sicherheitsverglasung der Bankschalter zu zerstören. Bei den drei Morden kam keine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer zum Vorschein. Die Männer wurden vielmehr wegen ihrer Fahrzeuge zu Opfern. Der Hammer war somit charakteristisch für die Banküberfälle, nicht jedoch für die Tötungen selbst.

Fallbeschreibungen

1
Quellen
1. Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg
2. ZDF / ZDFinfo
3. SWR Kultur
4. Zeitgenössische Berichterstattung der Ludwigsburger Kreiszeitung