TRUE CRIME – SERIENKILLER

Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin

„„Schachbrett-Mörder“, "Der Irre vom Bitza-Park"“

Geboren am 09.04.1978 in Mytischtschi.

NationalitätRussisch
LandRussland
AufrufeDieser Artikel wurde bereits 19x gelesen

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von2001
Aktiv bis2006
Bestätigte Opfer48
AktionsradiusBizewski-Park, Moskau
OpfergruppenHäufig ältere, sozial isolierte, alkoholkranke oder obdachlose Menschen

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiEr lockte seine Opfer häufig unter dem Vorwand eines gemeinsamen Trinkens in abgelegene Bereiche des Bizewski-Parks und tötete sie dort, unter anderem durch Schläge mit einem Hammer oder durch Stürze in Schächte.
HauptmotivePitschuschkin wollte nach eigenen Angaben möglichst viele Menschen töten und die Zahl von 64 Opfern erreichen – entsprechend den 64 Feldern eines Schachbretts. Auch Macht & Kontrolle waren Motive.
Festnahmejahr2006
UrteilLebenslange Freiheitsstrafe
HaftformGefängnis
Bei den aufgeführten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Sie über einen solchen Link etwas kaufen oder ein Abo abschließen, erhalten wir gegebenenfalls eine kleine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. ❤️
Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin – der „Schachbrett-Mörder“
Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin wurde am 9. April 1974 in Mytischtschi im Moskauer Gebiet der damaligen Sowjetunion geboren. Später lebte er mit seiner Mutter in Moskau in der Nähe des Bizewski-Parks. Dieser weitläufige Park im Süden der Stadt sollte später zum zentralen Schauplatz seiner Mordserie werden. Pitschuschkin wurde international als „Schachbrett-Mörder” bzw. als „Bizewski-Maniac” bekannt. Der Name „Schachbrett-Mörder“ geht auf seine eigenen Angaben zurück: Er wollte möglichst viele Menschen töten und die Taten auf einem Schachbrett festhalten. Zunächst sprach er von 62, später von 63 Opfern und erklärte, sein ursprüngliches Ziel habe darin bestanden, alle 64 Felder eines Schachbretts mit einem Mord zu verbinden. Gerichtlich nachgewiesen und abgeurteilt wurden jedoch 48 Morde und drei Mordversuche. Somit muss zwischen der tatsächlichen Verurteilung und Pitschuschkins weitergehenden Angaben unterschieden werden. Die meisten der ihm zur Last gelegten Tötungen ereigneten sich zwischen 2001 und 2006 im Bizewski-Park. Seine Opfer waren häufig ältere, sozial isolierte, alkoholkranke oder obdachlose Menschen. Pitschuschkin nutzte dabei seine Ortskenntnisse und seine Fähigkeit, das Vertrauen seiner späteren Opfer zu gewinnen. Am 14. Juni 2006 wurde seine Mordserie beendet. Wenige Tage später nahmen Ermittler ihn fest. Im Oktober 2007 wurde er vom Moskauer Stadtgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe in einer Strafkolonie des besonderen Regimes verurteilt.

Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin wuchs nach der Trennung seiner Eltern zunächst bei seiner Mutter Natalja und seinem Großvater auf. Sein Vater verließ die Familie, als Alexander noch kein Jahr alt war. Im Jahr 1976 zog seine Mutter mit dem damals zweijährigen Alexander von Mytischtschi nach Moskau in den Stadtteil Sjusino in die Chersonskaja-Straße. Dort lebte die Familie in unmittelbarer Nähe des später für Pitschuschkins Verbrechen bedeutsamen Bizewski-Parks. Im Alter von etwa vier Jahren stürzte Pitschuschkin von einer Schaukel und erlitt dabei eine Kopfverletzung, wie seine Mutter angibt. Er musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Nach diesem Unfall bemerkte seine Mutter Sprachprobleme: Er verwechselte unter anderem die Laute „Sch“ und „S“ und machte entsprechende Fehler beim Schreiben. Deshalb besuchte er später ein spezielles logopädisches Internat. Als Kind galt Pitschuschkin als eher ruhig und zurückgezogen. Gleichzeitig entwickelte er früh ein ausgeprägtes Interesse für Schach und Dame. Sein Großvater spielte eine wichtige Rolle in seiner Erziehung und brachte ihm unter anderem das Schachspielen bei. Der Großvater wurde für Alexander zu einer wichtigen Bezugsperson. Nach dem Besuch des Internats absolvierte Pitschuschkin eine Berufsausbildung zum Tischler. Über seine spätere Jugendzeit existieren unterschiedliche Darstellungen, weshalb einzelne häufig erzählte Episoden nicht als gesicherte Tatsachen übernommen werden sollten. Insbesondere lässt sich aus der dokumentierten Kopfverletzung nicht ableiten, dass sie seine spätere Neigung zu Gewalt oder seine späteren Morde verursacht habe. Eine solche Kausalität ist nicht belegt.

Am 27. Juli 1992 beging der damals 18-jährige Alexander Pitschuschkin sein erstes bekanntes Tötungsdelikt. Das Opfer war sein Mitschüler Michail Odijtschuk aus dem Moskauer Berufsbildungszentrum Nr. 66. Laut späteren Aussagen Pitschuschkins hatte er Odijtschuk zuvor vorgeschlagen, gemeinsam Menschen zu töten. Beide hielten sich deshalb wiederholt im Bizewski-Park auf und suchten nach geeigneten Orten. Odijtschuk nahm die Idee jedoch offenbar nicht in gleicher Weise ernst und begann, sich von Pitschuschkin zurückzuziehen. Daraufhin entschied Pitschuschkin, seinen Mitschüler selbst zu töten. Am Abend des 27. Juli trafen sich die beiden im Bizewski-Park. Pitschuschkin hatte ein Seil dabei und hatte Odijtschuk zuvor gebeten, ebenfalls eines mitzubringen. An einem Kanaldeckel griff er seinen Begleiter an und strangulierte ihn mit dem Seil. Anschließend warf er die Leiche in den Kanalschacht. Die Leiche Odijtschuks wurde nie gefunden. Pitschuschkin erklärte später, er habe daraus den Eindruck gewonnen, dass ein Mord unentdeckt bleiben könne. Nach diesem ersten bekannten Tötungsdelikt vergingen neun Jahre, bevor er erneut einen Menschen tötete. Während seines späteren Prozesses bezeichnete Pitschuschkin diesen Mord als besonders prägend und sagte, er sei für ihn „wie die erste Liebe“ gewesen. Diese Äußerung ist als seine eigene Aussage einzuordnen und nicht als unabhängige Erklärung seiner Motive.

Nach dem Mord an Michail Odijtschuk im Jahr 1992 vergingen neun Jahre, in denen Pitschuschkin keine weiteren bekannten Tötungsdelikte beging. Erst im Frühjahr 2001 begann die Mordserie, für die er später international bekannt wurde. Am 17. Mai 2001 tötete er den 52-jährigen Jewgeni Pronin im Bizewski-Park. Pronin war ein Mann aus seinem Umfeld. Pitschuschkin lud ihn unter einem Vorwand zu einem gemeinsamen Trinkabend in den Park ein. Er gab an, den Tod seines Hundes betrauern zu wollen und deshalb nicht allein trinken zu wollen. Nachdem beide Alkohol getrunken hatten, führte Pitschuschkin Pronin an einen abgelegenen Ort und stieß ihn in einen Kanalisationsschacht. Pronin starb dort. Mit diesem Mord begann eine Serie, die sich in den folgenden Jahren fast ausschließlich im Bizewski-Park und seiner unmittelbaren Umgebung abspielte. Pitschuschkin suchte seine Opfer häufig unter Menschen, die er aus seinem Umfeld kannte oder denen er im Alltag begegnete. Viele von ihnen waren alkoholabhängig, sozial isoliert oder lebten unter schwierigen Bedingungen. In der Anfangsphase nutzte Pitschuschkin Alkohol, um seine Opfer in abgelegene Bereiche des Parks zu locken und ihre Widerstandsfähigkeit herabzusetzen. Die Leichen entsorgte er wiederholt in Kanalisationsschächten. Dieses Vorgehen erschwerte die Aufklärung der einzelnen Fälle zunächst, da vermisste Personen nicht ohne Weiteres mit einem Serienmörder in Verbindung gebracht wurden. Im Laufe des Jahres 2001 nahm die Zahl der Tötungen deutlich zu. Nach den späteren Ermittlungen und der Anklage wurden allein im Jahr 2001 elf Menschen von Pitschuschkin getötet. Damit hatte sich aus dem Mord von 1992 innerhalb weniger Monate eine fortgesetzte Mordserie entwickelt. Die Ermittler erkannten zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, dass hinter den einzelnen Vermisstenfällen ein gemeinsamer Täter stand. Pitschuschkin konnte seine Taten deshalb über einen längeren Zeitraum fortsetzen.

Im Jahr 2001 setzte Pitschuschkin seine Tötungen in rascher Folge fort. Die meisten seiner Opfer waren Männer, die er im Umfeld des Bizewski-Parks kennengelernt oder denen er dort begegnet war. Häufig handelte es sich um Menschen mit Alkoholproblemen oder schwierigen sozialen Verhältnissen. Pitschuschkin nutzte zunächst vor allem Alkohol, um seine späteren Opfer in eine hilflose Lage zu bringen. Unter verschiedenen Vorwänden lud er sie zu gemeinsamen Trinkabenden ein und führte sie anschließend in abgelegene Bereiche des Parks. Bei mehreren Taten stieß er die betrunkenen Männer in Schächte des Abwassersystems. Andere Opfer tötete er durch Schläge oder Strangulation. Im Laufe der Mordserie änderte er seine Vorgehensweise. Ab 2001 setzte er zunehmend einen Hammer als Tatwaffe ein. Spätere Ermittlungen ergaben, dass er seine Opfer zunächst mit Alkohol betäubte und sie anschließend mit dem Hammer auf den Kopf schlug. Auch im Jahr 2002 setzte Pitschuschkin die Mordserie fort. Ein Teil der Taten ereignete sich weiterhin im Bizewski-Park, wobei die Opfer überwiegend aus seinem persönlichen oder sozialen Umfeld stammten. Bei mehreren Angriffen überlebten die Opfer entgegen seiner Annahme. Von besonderer Bedeutung war dabei ein Vorfall aus dem Jahr 2002: Eine Frau überlebte einen Angriff und konnte aus einem Abwasserschacht entkommen. Auch weitere Opfer überlebten spätere Angriffe. Diese Überlebenden wurden später für die Ermittlungen von Bedeutung, da sie Angaben über den Täter und seine Vorgehensweise machen konnten. Die Zahl der Tötungen nahm dennoch weiter zu. Pitschuschkin entwickelte sich zunehmend zu einem Täter, der seine Opfer gezielt in abgelegene Bereiche führte und sie dort mit erheblicher Gewalt angriff. Dabei wurde der Bizewski-Park immer mehr zum Mittelpunkt seiner Mordserie.

Mit zunehmender Dauer der Mordserie änderte Alexander Pitschuschkin auch die Art und Weise, wie er seine Opfer tötete. Während er anfangs versuchte, die Leichen in den Abwasserschächten des Bizewski-Parks zu verstecken, ging er später zunehmend brutaler und offener vor. Er lockte seine Opfer weiterhin häufig mit dem Vorwand eines gemeinsamen Trinkens in abgelegene Bereiche des Parks. Nachdem sie durch den Alkohol beeinträchtigt waren, griff er sie meist von hinten an. Als Tatwaffe verwendete er vor allem einen Hammer. Bei mehreren Taten schlug er wiederholt auf den Kopf seiner Opfer ein. Ab etwa 2005 verzichtete Pitschuschkin zunehmend darauf, die Leichen zu verstecken. Stattdessen ließ er sie am Tatort zurück. Bei einigen Opfern steckte er nach den tödlichen Schlägen eine Wodkaflasche oder einen Holzstab in die entstandenen Kopfwunden. Dieses Vorgehen wurde später als besonders charakteristisch für die letzte Phase seiner Mordserie beschrieben. Nicht alle Angriffe endeten tödlich. Drei Menschen überlebten nachweislich Angriffe Pitschuschkins. Ihre Aussagen waren für die Ermittlungen von großer Bedeutung, da sie bestätigten, dass Pitschuschkin nicht ausschließlich bereits verstorbene oder verschwundene Personen als Opfer auswählte. Mit der zunehmenden Zahl der Taten richtete er seine Auswahl außerdem immer stärker auf Menschen aus seinem eigenen Umfeld. Unter den späteren Opfern befanden sich Bekannte, Nachbarn und Arbeitskollegen. Dadurch unterschied sich die spätere Phase deutlich von den ersten Taten, bei denen er häufig sozial isolierte Menschen aus dem Parkumfeld angesprochen hatte.

Die Opfer von Alexander Pitschuschkin waren überwiegend Männer. Unter ihnen befanden sich zahlreiche ältere Männer, aber auch Frauen und mindestens ein Kind. Die 48 Morde, für die Pitschuschkin im Jahr 2007 verurteilt wurde, ereigneten sich hauptsächlich im Bizewski-Park in Moskau. Pitschuschkin kannte nach eigenen Angaben viele seiner Opfer. Bei zahlreichen Taten handelte es sich um Menschen, denen er zuvor begegnet war oder zu denen bereits eine persönliche Bekanntschaft bestand. Er nutzte diese Bekanntschaften, um die Betroffenen dazu zu bewegen, ihn in den Park zu begleiten. Ein häufig wiederkehrendes Element war Alkohol. Pitschuschkin bot seinen späteren Opfern Getränke an und führte sie anschließend in abgelegene Bereiche des Parks. Bei vielen Taten befanden sich die Opfer deshalb in einem alkoholisierten Zustand, als er sie angriff. Eine einheitliche Opfergruppe lässt sich dennoch nicht feststellen. Neben Männern aus seinem persönlichen Umfeld tötete Pitschuschkin auch Frauen und ein Kind. Entscheidend war offenbar weniger ein bestimmtes Alter oder Geschlecht, sondern seine Fähigkeit, Kontakt zu Menschen herzustellen und sie an Orte zu führen, an denen er ungestört handeln konnte. Drei weitere Menschen überlebten Angriffe Pitschuschkins. Ihre Aussagen waren später für die Ermittlungen und das Gerichtsverfahren von großer Bedeutung. Insgesamt wurde Pitschuschkin wegen 48 vollendeter Morde und drei Mordversuchen verurteilt. Die von ihm selbst genannte Zahl von 62 bzw. 63 Todesopfern konnte dagegen nicht vollständig gerichtlich nachgewiesen werden.

Bei Alexander Pitschuschkin lässt sich für die gesamte Mordserie kein eindeutig festgelegtes Motiv auf einen einzigen Grund reduzieren. Im Prozess und in späteren Aussagen schilderte er verschiedene Beweggründe. Diese Angaben sind als Aussagen des Täters zu betrachten und nicht mit unabhängig festgestellten Tatsachen gleichzusetzen. Eine zentrale Rolle spielte demnach der Wunsch, möglichst viele Menschen zu töten. Pitschuschkin erklärte, er habe ursprünglich ein vollständiges Schachbrett mit 64 Tötungen füllen wollen. Auf einem Schachbrett befinden sich 64 Felder, und jedem Feld sollte ein Opfer entsprechen. Daher stammt die Bezeichnung „Schachbrett-Mörder“. Pitschuschkin stellte seine Taten außerdem als eine Art persönliche Herausforderung dar. Laut seiner späteren Darstellung entwickelte sich das Töten für ihn zu einer Tätigkeit, die er immer wieder ausführen wollte. Den ersten Mord bezeichnete er rückblickend als einschneidendes Erlebnis und erklärte, dass er danach den Wunsch verspürt habe, weitere Menschen zu töten. Ein weiteres Motiv war laut seinen eigenen Aussagen die Kontrolle über Leben und Tod. Er beschrieb das Gefühl, über das Leben eines anderen Menschen entscheiden zu können, als wesentlichen Antrieb. Dabei ging es ihm nicht nur um die Tötung selbst, sondern auch um die Macht, die er dadurch über seine Opfer erhielt. Die Vorstellung eines vollständig gefüllten Schachbretts wurde allerdings nicht verwirklicht. Pitschuschkin wurde wegen 48 Morden und drei Mordversuchen verurteilt. Seine Angaben zu weiteren Tötungen, die über die Verurteilungen hinausgehen, konnten nicht vollständig bestätigt werden. Die psychologischen und psychiatrischen Beurteilungen während des Strafverfahrens sind von seinen eigenen Aussagen zu unterscheiden. Sie beschreiben, wie Fachleute sein Verhalten und seine Persönlichkeit einschätzen, liefern aber keine einfache Erklärung dafür, weshalb er die Mordserie begann. Eine gesicherte einzelne Ursache für seine Taten ist daher nicht feststellbar.

Die einzelnen Tötungsdelikte im Bizewski-Park wurden über Jahre nicht als zusammenhängende Mordserie erkannt. Erst als die Zahl der Leichen zunahm und die Taten wiederkehrende Merkmale aufwiesen, entstand bei den Ermittlern der Verdacht, dass ein einzelner Täter für mehrere Fälle verantwortlich sein könnte. Eine entscheidende Entwicklung erfolgte in der letzten Phase der Mordserie. Pitschuschkin hatte inzwischen aufgehört, alle Leichen in den Schächten des Parks zu verstecken. Dadurch wurden die Ermittler auf die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Taten aufmerksam. Zum Verhängnis wurde ihm schließlich die 36-jährige Marina Moskaleva, eine Arbeitskollegin Pitschuschkins. Am 14. Juni 2006 wurde ihre Leiche im Bizewski-Park gefunden. Vor ihrem Verschwinden hatte Moskaleva ihrem Sohn eine Nachricht hinterlassen, in der sie mitteilte, dass sie mit Pitschuschkin spazieren gehen werde. Außerdem hatte sie seine Telefonnummer hinterlassen. Diese Nachricht lieferte den Ermittlern erstmals einen direkten Hinweis auf Pitschuschkin. Hinzu kam ein Metro-Ticket, das bei Moskaleva gefunden wurde. Die Polizei wertete daraufhin die Aufnahmen der Überwachungskameras der betreffenden Metrostation aus. Auf den Bildern waren Moskaleva und Pitschuschkin gemeinsam zu sehen. Damit hatten die Ermittler konkrete Beweismittel, um seine Angaben, er habe mit dem Verschwinden der Frau nichts zu tun, zu widerlegen. Am 16. Juni 2006 wurde Alexander Pitschuschkin festgenommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden sie unter anderem ein Schachbrett, auf dessen zahlreichen Feldern Daten vermerkt waren. Die Ermittler brachten diese Eintragungen mit den Tötungen in Verbindung, die Pitschuschkin später einräumte. Nach seiner Festnahme begann Pitschuschkin, über die Taten zu sprechen. Zunächst gestand er die Tötung Moskalevas und machte anschließend umfangreiche Angaben zu weiteren Tötungsdelikten. Dadurch wurden im Verlauf der Ermittlungen zahlreiche bereits ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle erneut untersucht. Die Ermittlungen führten zu einer Anklage wegen 48 Morden und drei Mordversuchen. Darüber hinaus räumte Pitschuschkin weitere Tötungen ein, die jedoch nicht in gleicher Weise nachgewiesen werden konnten und deshalb nicht Bestandteil des späteren Schuldspruchs waren.

Nach seiner Festnahme begann Alexander Pitschuschkin, ausführlich über seine Taten zu sprechen. Er beschrieb den Ermittlern zahlreiche Tötungen und führte sie zu den Orten, an denen die Verbrechen stattgefunden hatten. Seine Aussagen wurden mit den vorhandenen Ermittlungsakten, Zeugenaussagen und den jeweiligen Tatorten abgeglichen. Pitschuschkin gab an, er habe die Menschen häufig unter dem Vorwand, gemeinsam etwas zu trinken, in den Bizewski-Park gelockt. Bei den Vernehmungen konnte er in zahlreichen Fällen konkrete Angaben zu den späteren Opfern und den Tatorten machen. Dadurch konnten die Ermittler einzelne ungeklärte Todesfälle mit seinen Angaben in Verbindung bringen. Besonders auffällig war seine Darstellung der Zahl seiner Opfer. Zunächst sprach er von 61 bzw. 62 getöteten Menschen, später nannte er auch die Zahl 63 und erklärte, sein ursprüngliches Ziel habe darin bestanden, 64 Menschen zu töten und damit jedes Feld eines Schachbretts mit einem Opfer zu verbinden. Diese Angaben wurden jedoch nicht vollständig bestätigt. Für den späteren Prozess konnten die Ermittler 48 Morde und drei Mordversuche ausreichend belegen. Nur diese Taten führten schließlich zur Verurteilung. Bei einigen weiteren von Pitschuschkin behaupteten Tötungen fehlten dagegen ausreichende Beweise, oder seine Angaben konnten durch die Ermittlungen nicht eindeutig bestätigt werden. Deshalb wurden diese Fälle nicht allein aufgrund seines Geständnisses als weitere Morde gewertet. Dennoch waren seine Aussagen von erheblicher Bedeutung für die Ermittler. Pitschuschkin konnte Details zu zahlreichen Taten nennen, die zuvor nicht oder nur unvollständig aufgeklärt worden waren. Dadurch war es möglich, seine Angaben mit den jeweiligen Ermittlungsakten und den vorhandenen Spuren abzugleichen. Für die Rekonstruktion der Mordserie ist es deshalb entscheidend, zwischen eingeräumten und gerichtlich nachgewiesenen Taten zu unterscheiden. Pitschuschkins eigene Angabe von mehr als 60 Opfern konnte nicht bestätigt werden. Der historisch und juristisch gesicherte Umfang seiner Mordserie bleibt bei 48 Morden und drei Mordversuchen.

Der Prozess gegen Alexander Pitschuschkin begann im Mai 2007 vor dem Moskauer Stadtgericht. Das Verfahren wurde teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Am 24. Oktober 2007 verkündete das Gericht das Urteil. Pitschuschkin wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Verteidigung legte gegen das Urteil Rechtsmittel ein. Im Jahr 2008 bestätigte der Oberste Gerichtshof Russlands die lebenslange Freiheitsstrafe. Anschließend wurde Pitschuschkin in eine Strafkolonie für lebenslang verurteilte Gefangene überstellt, wo er seine Strafe bis heute verbüßt.

Nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wurde Alexander Pitschuschkin in das russische Strafvollzugssystem für Gefangene, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurden, überstellt. Er verbüßt seine Strafe unter besonders strengen Haftbedingungen. Seitdem befindet er sich weitgehend in Einzelhaft beziehungsweise unter Bedingungen, die den Kontakt zu anderen Gefangenen stark einschränken. Sein Alltag ist von den festen Regeln des Strafvollzugs bestimmt. Besuche und andere Kontakte zur Außenwelt unterliegen den für lebenslang Verurteilte geltenden Beschränkungen. Auch während seiner Haft gab Pitschuschkin weiterhin Interviews und äußerte sich zu seinen Verbrechen. Dabei sprach er wiederholt über seine damaligen Taten und die Zahl der Menschen, die er nach eigener Darstellung getötet hat. Seine späteren Behauptungen über weitere, nicht gerichtlich nachgewiesene Tötungen änderten jedoch nichts am rechtskräftig festgestellten Umfang seiner Verurteilung. Pitschuschkin verbüßt weiterhin seine lebenslange Freiheitsstrafe in Russland. Eine Entlassung auf freien Fuß ist nach der verhängten Strafe nicht vorgesehen.

Auch nach seiner Verurteilung machte Alexander Pitschuschkin Angaben zu weiteren Tötungen, die über die gerichtlich festgestellten Fälle hinausgingen. Bereits während der Ermittlungen hatte er eine deutlich höhere Zahl von Opfern genannt als die später nachgewiesenen 48 Morde. Er gab an, insgesamt mehr als 60 Menschen getötet zu haben. Als Ziel seiner Mordserie nannte er die Zahl 64, entsprechend den Feldern eines Schachbretts. Diese zusätzlichen Angaben konnten jedoch nicht im erforderlichen Umfang durch unabhängige Beweise bestätigt werden. Auch Jahre nach seiner Verurteilung tauchten immer wieder Berichte auf, in denen es hieß, Pitschuschkin sei bereit, über weitere Tötungen zu sprechen. Dabei wurden insbesondere elf weitere mögliche Fälle genannt. Die russischen Behörden prüften bzw. thematisierten diese Angaben, doch sie wurden nicht Bestandteil seines rechtskräftigen Schuldspruchs. Für die historische Einordnung ist deshalb eine klare Trennung notwendig: 48 Morde und drei Mordversuche sind gerichtlich festgestellt. Die darüber hinausgehenden Tötungen beruhen auf Pitschuschkins Aussagen und konnten nicht entsprechend nachgewiesen werden.

Die Bezeichnung „Schachbrett-Mörder“ geht auf Pitschuschkins eigene Darstellung seiner Mordserie zurück und wurde anschließend von den russischen Medien aufgegriffen. Er erklärte, er habe ursprünglich 64 Menschen töten wollen – einen für jedes Feld eines Schachbretts. Nach jeder Tat habe er das entsprechende Feld auf seinem Schachbrett markiert. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler ein Schachbrett mit zahlreichen markierten bzw. nummerierten Feldern. Pitschuschkin behauptete später, 62 oder 63 Menschen getötet zu haben. Die Zahl der markierten Felder wurde in den damaligen Berichten unterschiedlich angegeben. Entscheidend ist deshalb nicht die behauptete Opferzahl, sondern dass ein Schachbrett mit entsprechenden Markierungen als Beweismittel gefunden wurde. Der Name „Schachbrett-Mörder” ist somit keine offizielle Bezeichnung der Justiz, sondern ein von den Medien übernommener Begriff, der unmittelbar auf Pitschuschkins selbst beschriebenes Ziel zurückgeht. Neben dieser Bezeichnung wurde Pitschuschkin in Russland auch als „Bizewski-Manege” oder „Bizewski-Maniac” bezeichnet – benannt nach dem Bizewski-Park, der zum zentralen Schauplatz seiner Mordserie wurde.

Fallbeschreibungen

1
Quellen
1. The Washington Post – „Russian Is Found Guilty In String of 48 Slayings“ (24. Oktober 2007)
2. The Guardian – „'Chessboard killer' convicted of 48 murders“
3. The Guardian – „'Chessboard killer' jailed for life“ (29. Oktober 2007)
4. The Guardian – „'Chessboard killer' goes on trial in Russia“ (14. September 2007)
5. The Guardian – „Russian 'chessboard' killer guilty of 48 murders“ (25. Oktober 2007)
6. The Guardian – „The animal lover who killed humans to let them into another world“ (24. Oktober 2007)
7. Reuters – „Russia's 'chessboard killer' ready to confess to 11 more murders, penal service says“ (5. April 2025)