TRUE CRIME – SERIENKILLER

Werner Pinzner

Geboren am 27.04.1947 in Hamburg. Gestorben am 29.07.1986.

NationalitätDeutsch
LandDeutschland
AufrufeDieser Artikel wurde bereits 21x gelesen

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von1984
Aktiv bis1985
Bestätigte Opfer5
AktionsradiusHamburg, Kiel, München

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiErschießen
HauptmotiveAuftragskriminalität
Festnahmejahr1986
Urteilohne, vorher verstorbenen
Bei den aufgeführten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Sie über einen solchen Link etwas kaufen oder ein Abo abschließen, erhalten wir gegebenenfalls eine kleine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. ❤️
Werner Pinzner
Werner Pinzner wurde am 27. April 1947 als Sohn eines Rundfunkmechanikers und einer Verkäuferin in Hamburg geboren. Er wuchs im Stadtteil Bramfeld im Nordosten der Stadt auf. Schon als Schüler hatte er Probleme mit Autoritäten und geriet früh mit dem Gesetz in Konflikt. Er brach die Schule ohne Abschluss ab und beendete auch eine begonnene Ausbildung zum Schlachter nach etwa einem Jahr. 1964 ging Pinzner für knapp ein Jahr zur See. Anschließend arbeitete er unter anderem als Fahrer. Eine spätere Verpflichtung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr scheiterte aufgrund seiner Vorstrafen. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr hielt er sich mit verschiedenen Tätigkeiten über Wasser, darunter als Gerüstbauer, Fliesenleger und Schlachter. 1971 wurde seine Tochter Birgit geboren. Zu diesem Zeitpunkt war Pinzner bereits verheiratet, die Ehe wurde später geschieden. 1974 lernte er seine zweite Ehefrau Jutta kennen.

Im August 1975 nahm das Leben von Pinzner eine entscheidende Wendung. Er überfiel gemeinsam mit zwei Komplizen einen Supermarkt. Dabei wurde der Marktleiter erschossen. Pinzner wurde später zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Ermittler konnten ihm allerdings nicht nachweisen, dass er den tödlichen Schuss selbst abgegeben hatte. Während dieser Zeit wurde seine erste Ehe geschieden. Jutta besuchte ihn in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel und schrieb ihm Briefe. 1976 heirateten beide während seiner Haft in Fuhlsbüttel, das im Volksmund „Santa Fu“ genannt wird. Anschließend nahm Jutta auch Pinzners Tochter zu sich.

Während seiner Haftzeit kam Pinzner mit Drogen in Kontakt und knüpfte Verbindungen zu Mithäftlingen, die Kontakte zum Hamburger Rotlichtmilieu hatten. Später erhielt er die Möglichkeit, das letzte Jahr seiner Haft im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Vierlande zu verbringen. Dort verfügte er über ein Schließfach, in dem er einen Revolver der Marke Arminius im Kaliber .38 Special versteckte. Die Waffe besaß eine ungewöhnliche Laufkonstruktion mit zehn Zügen und Rechtsdrall. Diese Besonderheit sollte später für die Ermittlungen eine wichtige Rolle spielen.

Während seiner Zeit als Freigänger beging Pinzner weitere schwere Straftaten. So überfiel er im Juni 1984 gemeinsam mit seinem Bekannten Armin Hockauf einen Geldboten und erbeutete 70.000 Deutsche Mark. Wenige Wochen später erhielt er von Josef Peter Nusser, genannt „Wiener Peter“, den Auftrag, einen Mann einzuschüchtern. Laut späteren Ermittlungen entschloss sich Pinzner jedoch, den Mann zu töten. Das Opfer war der Kieler Bordellbesitzer Jehuda Arzi, der auch unter dem Namen Hans Jenö Müller bekannt war. Noch im Juli 1984 wurde Pinzner vorzeitig aus der Haft entlassen.

Nach seiner Entlassung bewegte sich Pinzner zunehmend im Hamburger Rotlichtmilieu. Bereits Anfang der 1980er-Jahre hatte er dort Kontakte zu Personen aufgebaut, die später für seine kriminelle Entwicklung von Bedeutung werden sollten. Dazu gehörten Armin Hockauf und Josef Peter Nusser, der als „Wiener Peter“ zu den einflussreichen Personen des Hamburger Kiezes zählte. Das Rotlichtmilieu befand sich zu dieser Zeit in einem tiefgreifenden Wandel. Während der Einfluss von Prostitution sich veränderte, gewann der Kokainhandel zunehmend an Bedeutung und die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen gewalttätigen Gruppen wurden heftiger. Pinzner galt als skrupellos und war deshalb für Personen aus diesem Umfeld als ausführender Gewalttäter interessant. Nach späteren Ermittlungen entwickelte sich daraus seine Tätigkeit als Auftragsmörder.

Der erste Mord, den man Pinzner im Zusammenhang mit dieser Mordserie zurechnet, war die Tötung von Jehuda Arzi. Arzi war früher Bordellbesitzer und im Drogenhandel tätig. Er wurde am 7. Juli 1984 in Kiel erschossen. Pinzner hatte den Auftrag erhalten, Arzi zunächst einzuschüchtern. Nach späteren Ermittlungen entschloss er sich jedoch zur Tötung. Der Mord wurde erst im Zuge der späteren Ermittlungen gegen Pinzner mit ihm in Verbindung gebracht. Arzi gilt somit als erstes Opfer der später bekannt gewordenen Auftragsmordserie.

Als Nächstes wurde Peter Pfeilmaier getötet. Im Hamburger Milieu war er als „Bayern-Peter“ bekannt. Er war Bordellbetreiber beziehungsweise Teilhaber von Bordellgeschäften und bewegte sich ebenfalls im Hamburger Rotlichtmilieu. Laut späteren Ermittlungen sollte Pinzner ihn im Interesse von Personen aus seinem geschäftlichen Umfeld beseitigen. Pfeilmaier wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1984 in Hamburg-Bramfeld getötet. Er wurde durch einen Kopfschuss getötet. Pinzner hatte ihn unter einem Vorwand zu einem vermeintlichen Drogengeschäft gelockt. Die Tat wurde gemeinsam mit einem Komplizen vorbereitet. Anschließend erhielt Pinzner die versprochene Beteiligung an einem Bordell nicht, sondern sollte als Wirtschafter im Bordell „Hammer Deich“ arbeiten.

Im November 1984 wurde Dietmar Traub, genannt „Lackschuh“, getötet. Traub war Bordellbetreiber und gehörte ebenfalls zum Umfeld des „Wiener Peter“. Laut späteren Ermittlungen war sein zunehmender Kokainkonsum für seinen Geschäftspartner zu einem Problem geworden. Außerdem wollte sich Traub teilweise aus den gemeinsamen Geschäften zurückziehen. Pinzner folgte ihm nach München. Gemeinsam mit einem Komplizen lockte er ihn unter dem Vorwand eines Drogengeschäfts in ein Waldgebiet bei München. Dort wurde Traub erschossen. Die Tat wurde später als weiterer Auftragsmord Pinzner zugerechnet.

Am Ostermontag, dem 8. April 1985, wurden in Hamburg-Schnelsen zwei weitere Männer getötet. Die Opfer waren Waldemar Dammer, genannt „Neger-Waldi“, und sein Wirtschafter Ralf Kühne, genannt „Corvetten-Ralf“. Dammer war Bordellbetreiber und stand im geschäftlichen Wettbewerb mit Personen aus dem Umfeld des „Wiener Peter“. Laut späteren Ermittlungen war Dammer zuvor in einen Streit mit Nusser beziehungsweise dessen Umfeld verwickelt gewesen. Pinzner und ein Komplize erhielten den Auftrag, Dammer zu töten. Sie gingen zu seinem Haus in Hamburg-Schnelsen. Dort wurden Dammer und Kühne erschossen. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass nicht Pinzner selbst, sondern sein Komplize die beiden Männer erschossen hatte. Damit waren insgesamt fünf Tötungen verbunden, bei denen Pinzner als Auftraggeber beziehungsweise Beteiligte beteiligt war.

Die Ermittlungen zu den Morden führten schließlich zu einem wichtigen kriminaltechnischen Zusammenhang. An mehreren Tatorten wurden Geschosse mit charakteristischen Spuren gefunden. Sie stammten von einem Arminius-Revolver im Kaliber .38 Special mit zehn Laufzügen und Rechtsdrall. Die ungewöhnliche Waffe hinterließ somit eine Art kriminaltechnische Signatur. Dadurch konnten die Ermittler verschiedene Tötungsdelikte miteinander in Verbindung bringen. Nach dem fünften Mord im Mai 1985 wurde die Sonderkommission 855 eingerichtet. Ihre Aufgabe war es, die Mordserie und die Strukturen des Hamburger Rotlichtmilieus aufzuklären.

Im Verlauf der Ermittlungen richtete sich der Verdacht zunehmend gegen Werner Pinzner. Ein wichtiger Hinweis kam aus dem Hamburger Milieu. Der Bordellbetreiber Gerd Gabriel wurde ein wichtiger Zeuge und gab den Ermittlern Informationen über Pinzner und dessen Verbindung zum „Wiener Peter“. Gleichzeitig sah sich die Polizei der Gefahr ausgesetzt, dass Personen aus dem Milieu Pinzner selbst beseitigen könnten. Deshalb sollte der Zugriff möglichst überraschend erfolgen.

Werner Pinzner wurde schließlich am 15. April 1986 festgenommen. Eine Spezialeinheit überwältigte ihn am Morgen in seiner Wohnung an der Steilshooper Allee in Hamburg. Die Polizei hatte dabei bewusst einen Überraschungsangriff vorbereitet. Pinzner befand sich anschließend in Untersuchungshaft. Während der Vernehmungen begann er, über die Tötungen und die Strukturen dahinter zu sprechen. Er stellte sich als ausführender Täter dar, der Aufträge für andere Personen übernommen hatte.

Im Verlauf seiner Vernehmungen machte Pinzner umfangreiche Angaben zu den Tötungsdelikten. Dabei sprach er auch über weitere Taten, die über die fünf später zentral behandelten Auftragsmorde hinausgingen. Seine Angaben konnten jedoch nicht in jedem Fall unabhängig bestätigt werden. Deshalb ist zwischen den fünf Tötungen, die ihm in der späteren Aufarbeitung zugerechnet wurden, und weiteren, von ihm selbst behaupteten Taten zu unterscheiden. Eine höhere Opferzahl sollte daher nicht ohne entsprechenden Beleg als gesicherte Tatsache dargestellt werden.

Bei der Aufarbeitung spielte Josef Peter Nusser, auch bekannt als „Wiener Peter“, eine zentrale Rolle. Spätere Ermittlungen ergaben, dass er zu den Auftraggebern mehrerer Tötungen gehörte. Die Motive lagen insbesondere in den Macht- und Geschäftsinteressen innerhalb des Hamburger Rotlichtmilieus. Konkurrenten oder Personen, die für bestimmte Geschäfte zum Problem geworden waren, sollten beseitigt werden. Pinzner fungierte dabei als ausführender Täter. Deshalb richteten sich die Ermittlungen auch gegen die Hintermänner der Mordserie.

Die Aufarbeitung des Falls endete jedoch nicht mit einem gewöhnlichen Strafprozess gegen Pinzner. Am 29. Juli 1986 wurde er erneut zur Vernehmung ins Hamburger Polizeipräsidium am Berliner Tor gebracht. Er hatte angekündigt, weitere Angaben zu den Tötungen machen zu wollen. An der Vernehmung nahmen unter anderem der ermittelnde Staatsanwalt Wolfgang Bistry, Pinzners Rechtsanwältin Isolde Oechsle-Misfeld, seine Ehefrau Jutta sowie Polizeibeamte und eine Protokollführerin teil.

Die Waffe, die Pinzner bei diesem Termin verwendete, war zuvor ins Polizeipräsidium gelangt. Seine Anwältin hatte sie in das Gebäude gebracht und auf einer Toilette deponiert. Anschließend brachte Jutta Pinzner den Revolver in den Vernehmungsraum. Während der Vernehmung zog Pinzner die Waffe und schoss auf den Staatsanwalt Wolfgang Bistry. Anschließend erschoss er seine Ehefrau Jutta und nahm sich das Leben. Bistry wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und erlag am folgenden Tag seinen Verletzungen.

Nach Pinzners Tod konnte kein reguläres Strafverfahren mehr gegen ihn abgeschlossen werden. Es kam deshalb zu keinem rechtskräftigen Urteil, das seine Verantwortung für die ihm zugerechneten Tötungen festgestellt hätte. Dennoch bildeten seine eigenen Aussagen, die kriminaltechnischen Erkenntnisse und die Ermittlungen der Polizei die Grundlage für die spätere Aufarbeitung des Falles.

Die Ereignisse vom 29. Juli 1986 lösten einen politischen und justiziellen Skandal in Hamburg aus. Insbesondere die Sicherheitsvorkehrungen im Polizeipräsidium sowie der Umgang mit dem Untersuchungshäftling Pinzner wurden stark kritisiert. Zentraler Diskussionspunkt war die Frage, wie eine Schusswaffe in den Vernehmungsraum gelangen konnte. Auch die weitreichenden Vergünstigungen und Kontakte, die Pinzner während seiner Untersuchungshaft weiterhin unterhalten konnte, wurden kritisch hinterfragt.

Die politischen Folgen waren erheblich. Am 6. August 1986 traten Hamburgs Innensenator Rolf Lange und Justizsenatorin Eva Leithäuser zurück. Damit wurde der Fall nicht nur zu einem der bekanntesten Kriminalfälle Hamburgs, sondern auch zu einem Beispiel für die damaligen Sicherheits- und Justizprobleme im Umgang mit schwerkriminellen Beschuldigten.

Auch nach Pinzners Tod wurden die Ermittlungen gegen sein Umfeld fortgeführt. Seine Rechtsanwältin Isolde Oechsle-Misfeld wurde wegen ihrer Beteiligung an der Beschaffung der Waffe strafrechtlich verfolgt und später verurteilt. Auch Personen aus dem Umfeld der Waffe wurden vor Gericht gestellt. Josef Peter Nusser, der „Wiener Peter“, wurde schließlich wegen mehrerer Auftragsmorde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Fall Werner Pinzner ist bis heute Teil der Hamburger Kriminalgeschichte. Er verband die Auseinandersetzungen des Hamburger Rotlichtmilieus der 1980er-Jahre mit Auftragsmorden, organisierter Kriminalität, umfangreichen polizeilichen Ermittlungen und einem außergewöhnlichen Gewaltverbrechen innerhalb des Polizeipräsidiums. Eine Verurteilung Pinzners selbst erfolgte jedoch nicht. Seine Einordnung als Auftragsmörder und die ihm zugerechneten Tötungsdelikte beruhen auf den Ermittlungsergebnissen, seinen eigenen Aussagen und der späteren strafrechtlichen Aufarbeitung seines Umfelds.

Fallbeschreibungen

1
Quellen
1. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Werner Pinzner: Der Auftragskiller, der St. Pauli schockte“
2. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „St.-Pauli-Killer Pinzner: Das blutige Drama im Polizeipräsidium“
3. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Als die Killer auf den Kiez kamen“
4. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Polizeieinsatz im Rotlichtmilieu: Kampf gegen das Verbrechen“
5. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Blutbad im Polizeipräsidium“
6. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Sex & Crime auf der Reeperbahn: Der Kampf gegen das Verbrechen“
7. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „Storytelling über Werner Pinzner: Der Killer von St. Pauli“
8. Norddeutscher Rundfunk (NDR): „1986: Hamburger Polizei kesselt Atomkraftgegner ein“