TRUE CRIME – SERIENKILLER

Jesse Lee Calhoun

Geboren am 19.03.1985 in Oregon, USA.

NationalitätUS amerikanisch
LandUSA
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Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von2022
Aktiv bis2023
Bestätigte Opfer5
OpfergruppenFrauen

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiBisher unbekannt
HauptmotiveBisher unbekannt
Festnahmejahr2023
HaftformMultnomah County Detention Center (MCDC) in Portland, Oregon
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Jesse Lee Calhoun

In diesem Fall bitte beachten! Jesse Lee Calhoun wurde für die aufgeführten fünf Morde bisher nur als verdächtiger und Angeklagter geführt! Rechtskräftig verurteilt wurde er bisher nicht. Es gilt auch hier die Unschuldsvermutung!

Jesse Lee Calhoun wurde am 19. März 1985 im US-Bundesstaat Oregon geboren. Über seine frühe Kindheit und seine familiären Verhältnisse sind deutlich weniger belastbare Informationen dokumentiert als über seine spätere kriminelle Laufbahn. Seine Verbindung zu Oregon blieb auch im Erwachsenenalter bestehen. Insbesondere die Region um Portland und das Baker County spielen in seiner dokumentierten Biografie eine Rolle. Bereits als junger Erwachsener geriet Calhoun mit dem Gesetz in Konflikt. Die ersten schwerwiegenderen Straftaten, die dokumentiert sind, stammen aus den frühen 2000er-Jahren. So wurde er im Jahr 2004 in Baker County wegen Körperverletzung verurteilt. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Kontakten mit den Strafverfolgungsbehörden. Die Ermittlungsakten und späteren Gerichtsverfahren zeichnen dabei das Bild einer zunehmenden kriminellen Belastung, die sich zunächst vor allem auf Gewalt- und Eigentumsdelikte bezog. Im Jahr 2008 wurde Calhoun in Baker City wegen eines Vorfalls festgenommen, bei dem ihm Körperverletzung und die Entführung einer Frau vorgeworfen wurden. Im Rahmen einer Vereinbarung bekannte er sich der Körperverletzung schuldig, woraufhin der Entführungsvorwurf fallengelassen wurde. Von Januar 2009 bis Januar 2011 verbüßte er eine Haftstrafe im Zusammenhang mit einem weiteren Körperverletzungsdelikt. Seine spätere Laufbahn war zunehmend von Eigentums- und Fahrzeugdelikten geprägt. Damit hatte er bereits Jahre vor den späteren Mordermittlungen eine umfangreiche Vorgeschichte mit den Strafverfolgungsbehörden. Es gibt keine belastbare Grundlage für die Behauptung, dass Calhoun bereits in seiner Jugend mit Tötungsdelikten begonnen habe. Ebenso wäre es nicht seriös, aus seiner frühen Kriminalität rückwirkend eine Entwicklung zum später angeklagten Mehrfachmörder abzuleiten. Die dokumentierte Biografie vor 2022 zeigt somit einen Mann mit langjähriger krimineller Vorgeschichte, aus der sich jedoch keine Beteiligung an den späteren Tötungsdelikten ableiten lässt.

Die Ermittlungen gegen Jesse Lee Calhoun stehen im Zusammenhang mit dem Tod von fünf Frauen aus dem Großraum Portland im US-Bundesstaat Oregon. Die Fälle wurden zunächst unabhängig voneinander untersucht, bevor die Ermittlungsbehörden einen möglichen Zusammenhang feststellten. Das erste der später mit Calhoun in Verbindung gebrachten Opfer war Kristin Smith. Die 22-Jährige wurde den später erhobenen Vorwürfen zufolge am 20. November 2022 getötet. Ihr Verschwinden wurde im Dezember 2022 gemeldet. Am 8. März 2023 soll Charity Lynn Perry, 24 Jahre alt, getötet worden sein. Auch ihr Tod wurde später Bestandteil der Ermittlungen gegen Calhoun. Als drittes Opfer wird Joanna Speaks geführt. Die 32-Jährige soll laut Anklage am 18. März 2023 getötet worden sein. Am 26. April 2023 soll Bridget Leanne Webster, 31 Jahre alt, getötet worden sein. Damit erstreckte sich der Zeitraum der zunächst vier miteinander verbundenen Fälle von November 2022 bis April 2023. Ashley Real wurde später als fünftes Opfer in das Verfahren aufgenommen. Die Anklage gegen Calhoun wirft ihm vor, die Frau am oder um den 27. März 2023 getötet zu haben. Die Leichen der Frauen wurden zwischen Februar und Mai 2023 in bewaldeten Gebieten verschiedener Countys im Nordwesten Oregons gefunden. Die Ermittlungen wurden von mehreren Strafverfolgungsbehörden gemeinsam geführt. Im Juli 2023 teilten die Behörden erstmals öffentlich mit, dass sie einen Zusammenhang zwischen den Fällen von Kristin Smith, Charity Perry, Bridget Webster und Ashley Real festgestellt hatten. Gleichzeitig erklärten sie, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Person wegen der Todesfälle angeklagt worden war. Zunächst wurde Calhoun lediglich als Person von Interesse mit den vier Fällen in Verbindung gebracht. Erst im Mai 2024 erhob eine Grand Jury Mordanklagen gegen ihn wegen der Morde an Charity Perry, Bridget Webster und Joanna Speaks. Im August 2025 kam eine weitere Mordanklage im Zusammenhang mit Bridget Webster hinzu. Die fünfte Anklage wegen des Todes von Ashley Real wurde schließlich im Mai 2026 erhoben. Die heutige Verfahrenslage unterscheidet sich damit deutlich von der Situation zu Beginn der Ermittlungen. Aus einem zunächst ungeklärten Zusammenhang mehrerer Todesfälle ist inzwischen ein Strafverfahren mit fünf Mordanklagen geworden. Eine gerichtliche Feststellung seiner Schuld liegt jedoch weiterhin nicht vor.

Kristin Smith war 22 Jahre alt und lebte im Raum Portland. Ihr Verschwinden wurde am 22. Dezember 2022 bei der Polizei in Gresham gemeldet. Am 19. Februar 2023 wurde sie tot aufgefunden. Damit war ihr Fall der erste der später miteinander verbundenen Todesfälle, der öffentlich bekannt wurde. Die Ermittlungen wurden von der Portland Police Bureau geführt. Zu Beginn war nicht geklärt, unter welchen Umständen Smith gestorben war. Auch im Juli 2023 erklärten die Ermittler ausdrücklich, dass die Todesart und die Todesursache bei den vier miteinander verbundenen Fällen zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschließend feststanden. Im weiteren Verlauf wurde der Fall Bestandteil der Ermittlungen gegen Jesse Lee Calhoun. Laut der später erhobenen Anklage wurde Smith am oder um den 20. November 2022 getötet. Damit liegt zwischen dem angenommenen Todeszeitpunkt und dem Auffinden ihres Körpers ein Zeitraum von mehreren Monaten. Diese zeitliche Differenz ist bei der Rekonstruktion des Falls von Bedeutung, da das genaue Geschehen am Todestag nicht durch ein Gerichtsverfahren festgestellt wurde. Im Mai 2024 wurde Calhoun zunächst wegen der Tötungen von Charity Perry, Bridget Webster und Joanna Speaks angeklagt. Kristin Smith gehörte zu diesem Zeitpunkt zwar zum Ermittlungszusammenhang, war aber noch nicht Bestandteil dieser drei Mordanklagen. Mit der späteren Anklage wegen Smiths Tod wurde ihr Fall schließlich ebenfalls Teil des Strafverfahrens gegen Calhoun. Nach dem derzeitigen Stand handelt es sich bei der gegen Calhoun erhobenen Darstellung um einen Anklagevorwurf. Es liegt keine rechtskräftige gerichtliche Feststellung vor, dass Calhoun Kristin Smith getötet hat.

Charity Lynn Perry war 24 Jahre alt und lebte im Raum Portland. Sie verschwand im März 2023 und soll nach späteren Ermittlungen am oder um den 8. März 2023 getötet worden sein. Ihr Leichnam wurde am 24. März 2023 im Gebiet von Eagle Creek im Clackamas County entdeckt. Der Fundort lag in einem bewaldeten Gebiet außerhalb des dicht besiedelten Stadtgebiets. Dies war eine der Auffindesituationen, durch die die Ermittler später Verbindungen zu anderen ungeklärten Todesfällen untersuchten. Perrys Tod wurde zunächst als eigenständiger ungeklärter Todesfall behandelt. Erst nachdem weitere Leichen gefunden worden waren, untersuchten die Behörden die Fälle gemeinsam und prüften mögliche Zusammenhänge. Im Juli 2023 erklärten die beteiligten Behörden öffentlich, dass sie davon ausgingen, dass der Tod von Perry mit den Fällen von Kristin Smith, Bridget Webster und Ashley Real zusammenhängen könnte. Zu diesem Zeitpunkt war Jesse Lee Calhoun noch nicht wegen eines dieser Todesfälle angeklagt. Im Mai 2024 wurde gegen Calhoun eine Mordanklage wegen Perrys Tod erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord zweiten Grades vor. Die Anklage stellt einen konkreten Tatvorwurf dar, ersetzt jedoch kein Urteil. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt auch im Fall Charity Perry die Unschuldsvermutung. Über die genauen Umstände, unter denen Perry starb, sind öffentlich nur begrenzt belastbare Einzelheiten bekannt. Spätere Darstellungen, die einen detaillierten Tatablauf behaupten, sollten deshalb nicht als gesicherte Tatsachen übernommen werden. Charity Perrys Fall ist einer von fünf Todesfällen, die heute Gegenstand des Strafverfahrens gegen Jesse Lee Calhoun sind.

Joanna Speaks war 32 Jahre alt und gehörte zu den Frauen, deren Tod im Frühjahr 2023 zu den später zusammengeführten Ermittlungen im Raum Portland führte. Nach der Anklageerhebung gegen Jesse Lee Calhoun soll Speaks am oder um den 18. März 2023 getötet worden sein. Ihr Tod wurde zunächst als eigenständiger Fall untersucht. Erst die gemeinsame Betrachtung mehrerer ungeklärter Todesfälle führte dazu, dass die Ermittler mögliche Verbindungen zwischen den Fällen prüften. Im Juli 2023 erklärten die beteiligten Behörden öffentlich, dass die Todesfälle von mehreren Frauen möglicherweise miteinander zusammenhingen. Zu diesem Zeitpunkt war Calhoun noch nicht wegen eines der Tötungsdelikte angeklagt. Im Mai 2024 erhob eine Grand Jury schließlich Anklage gegen Calhoun wegen des Todes von Joanna Speaks sowie der Tötungen von Charity Perry und Bridget Webster. In allen drei Fällen lautet der Vorwurf Mord zweiten Grades. Damit wurde Speaks einer der ersten Fälle, für den Calhoun im Zusammenhang mit der Serie mutmaßlicher Tötungsdelikte strafrechtlich angeklagt wurde. Über die genauen Umstände ihres Todes sind öffentlich nicht genügend belastbare Einzelheiten bekannt, um einen konkreten Tatablauf als Tatsache darzustellen. Auch im Fall von Joanna Speaks muss deshalb zwischen den Ermittlungsergebnissen und dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft unterschieden werden. Ihr Tod ist heute Bestandteil des Strafverfahrens gegen Calhoun. Eine rechtskräftige gerichtliche Feststellung seiner Schuld liegt auch in diesem Fall nicht vor.

Bridget Leanne Webster war 31 Jahre alt. Ihr Tod gehört zu den Fällen, die im Frühjahr 2023 im Zusammenhang mit mehreren ungeklärten Todesfällen im Raum Portland untersucht wurden. Laut späterer Anklagevorwürfe wurde Webster am oder um den 26. April 2023 getötet. Ihr Leichnam wurde am 30. April 2023 im Gebiet von Ridgefield im Clark County im Bundesstaat Washington entdeckt. Damit unterscheidet sich ihr Fall von den anderen untersuchten Todesfällen, deren Fundorte sich alle innerhalb Oregons befanden. Die Ermittler prüften den Tod von Webster gemeinsam mit weiteren Fällen. Im Juli 2023 erklärten die Behörden öffentlich, dass sie einen Zusammenhang zwischen mehreren Todesfällen vermuteten. Zu diesem Zeitpunkt war noch niemand wegen der Tötungen angeklagt. Im Mai 2024 wurde Calhoun wegen des Todes von Webster des Mordes zweiten Grades angeklagt. Der Fall war damit von Beginn des späteren Strafverfahrens an ein zentraler Bestandteil der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Im August 2025 wurde die Anklage im Zusammenhang mit Webster nochmals erweitert. Dabei legte die Staatsanwaltschaft einen weiteren Mordvorwurf gegen Calhoun vor. Die öffentlich zugänglichen Unterlagen liefern jedoch keine ausreichende Grundlage für eine vollständige Rekonstruktion des konkreten Tatablaufs. Aussagen über eine bestimmte Tötungsmethode oder einen detaillierten Ablauf dürfen deshalb nicht als gesicherte Tatsachen dargestellt werden. Der Fall Bridget Webster gehört somit zu den fünf Tötungsdelikten, die Jesse Lee Calhoun derzeit vorgeworfen werden. Wie bei den übrigen Fällen handelt es sich um Anklagevorwürfe und nicht um rechtskräftig festgestellte Schuld.

Ashley Real wurde nur 22 Jahre alt. Ihr Tod steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu mehreren Frauen, deren Leichen im Frühjahr 2023 in verschiedenen bewaldeten Gebieten entdeckt wurden. Laut der gegen Jesse Lee Calhoun erhobenen Anklage soll Real am oder um den 27. März 2023 getötet worden sein. Ihr Fall wurde zunächst gemeinsam mit den anderen Todesfällen untersucht. Sie gehörte jedoch nicht zu den ersten drei Mordanklagen, die 2024 gegen Calhoun erhoben wurden. Bereits 2023 hatten die Ermittlungsbehörden erklärt, dass sie einen möglichen Zusammenhang zwischen mehreren Todesfällen untersuchten. Dabei wurde auch der Fall von Ashley Real in den größeren Ermittlungszusammenhang einbezogen. Erst im Mai 2026 erhob eine Grand Jury eine weitere Mordanklage gegen Calhoun wegen des Todes von Real. Damit wurde sie zum fünften Opfer, dessen Tod Gegenstand eines Mordverfahrens gegen ihn ist. Die Anklage lautet auch in diesem Fall auf Mord zweiten Grades. Welche konkreten Beweise der Staatsanwaltschaft für den Vorwurf zugrunde liegen, ist nicht in allen Einzelheiten öffentlich bekannt. Ein detaillierter Tathergang lässt sich aus der derzeit zugänglichen Aktenlage daher nicht seriös rekonstruieren. Insbesondere sollten Vermutungen über Tatmotiv, Tatwaffe oder konkrete Abläufe nicht als Tatsachen dargestellt werden. Mit der Anklage wegen Ashley Reals Tod umfasst das Verfahren gegen Jesse Lee Calhoun derzeit fünf Mordvorwürfe. Ob die Staatsanwaltschaft diese Vorwürfe in einem späteren Verfahren vollständig beweisen kann, ist eine Frage des noch ausstehenden Gerichtsverfahrens. Ashley Real ist somit nicht lediglich Bestandteil einer historischen Verdachtsliste, sondern eines aktuell erhobenen strafrechtlichen Vorwurfs. Eine rechtskräftige Verurteilung wegen ihres Todes liegt bislang nicht vor.

Die Ermittlungen zu den Todesfällen von Kristin Smith, Charity Perry, Bridget Webster und Ashley Real wurden zunächst von verschiedenen Polizeibehörden geführt. Da sich die Fälle in verschiedenen Countys ereigneten, wurden sie nicht von Beginn an als ein gemeinsames Verfahren behandelt. Im Verlauf der Untersuchungen tauschten die beteiligten Behörden jedoch ihre Erkenntnisse aus. Insgesamt waren neun Strafverfolgungsbehörden an der gemeinsamen Ermittlungsarbeit beteiligt. Am 17. Juli 2023 gaben die Behörden bekannt, dass sie einen Zusammenhang zwischen den vier Fällen festgestellt hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie jedoch noch niemanden wegen eines der Todesfälle angeklagt. Jesse Lee Calhoun wurde dabei als eine Person von Interesse genannt, die mit allen vier Verstorbenen in Verbindung stand. Die Ermittler veröffentlichten bewusst keine Details darüber, welche Informationen den Zusammenhang zwischen den Fällen hergestellt hatten. Von besonderer Bedeutung war zu diesem Zeitpunkt, dass die Todesursache und die Todesart bei den vier Frauen laut der gemeinsamen Mitteilung des Multnomah County District Attorney und der beteiligten Polizeibehörden noch nicht feststanden. Die Ermittler baten deshalb weiterhin die Öffentlichkeit um Hinweise. Gleichzeitig erklärten sie, dass nach damaligem Kenntnisstand keine unmittelbare Gefahr für die Allgemeinheit bestanden habe. Die öffentliche Bekanntgabe markierte einen entscheidenden Wendepunkt. Aus vier einzelnen Todesermittlungen wurde ein gemeinsamer kriminalistischer Komplex, in dessen Mittelpunkt zunehmend Jesse Lee Calhoun stand. Eine Anklage erfolgte jedoch erst später. Im Mai 2024 legte eine Grand Jury Calhoun Mordvorwürfe wegen der Todesfälle von Charity Perry, Bridget Webster und Joanna Speaks zur Last. Damit begann die strafrechtliche Phase des Falles, die sich deutlich von den ursprünglichen Ermittlungen unterscheidet. Während die Polizei im Jahr 2023 zunächst Zusammenhänge untersuchte, musste die Staatsanwaltschaft später konkrete Tatvorwürfe gegen Calhoun vor Gericht bringen. Die Ermittlungen entwickelten sich weiter und führten schließlich zur heutigen Anklage wegen fünf Tötungsdelikten.

Jesse Lee Calhoun befand sich bereits vor den Mordanklagen im Strafvollzug. Seine frühere Inhaftierung sollte sich später als wichtiger Bestandteil der Ermittlungen und der öffentlichen Berichterstattung über den Fall erweisen. Im Zusammenhang mit den Todesfällen wurde Calhoun zunächst als Person von Interesse geführt. Zu diesem Zeitpunkt lagen gegen ihn noch keine öffentlich bekannten Mordanklagen vor. Im Mai 2024 erhob eine Grand Jury erstmals mehrere Mordanklagen zweiten Grades gegen ihn. Damit wechselte der Fall von einer umfangreichen kriminalistischen Untersuchung zu einer konkreten strafrechtlichen Auseinandersetzung. Calhoun bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die Anklagen stellten zu diesem Zeitpunkt ausschließlich die Behauptung der Staatsanwaltschaft dar und waren noch keine gerichtliche Feststellung seiner Schuld. Das Verfahren wurde anschließend durch weitere Anklagen erweitert. Dadurch vergrößerte sich der Umfang der Vorwürfe gegen Calhoun schrittweise. Die heutige Anklagesituation umfasst fünf Mordvorwürfe zweiten Grades. Die einzelnen Fälle wurden bereits in den vorangegangenen Kapiteln behandelt und werden an dieser Stelle nicht erneut aufgeführt. Für die rechtliche Bewertung ist entscheidend, dass sich Calhoun weiterhin in einem Strafverfahren befindet. Solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt für sämtliche Anklagepunkte die Unschuldsvermutung. Der bisherige Verfahrensverlauf zeigt somit vor allem die schrittweise Entwicklung von einer gemeinsamen Mordermittlung zu einem umfangreichen Strafverfahren gegen einen konkreten Beschuldigten.

Fallbeschreibungen

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Jesse Lee Calhoun verbüßte eine Haftstrafe für seine vorherigen Straftaten, die eine Entlassung im Jahr 2022 vorsah. Während seiner Inhaftierung nahm er an der Bekämpfung der schweren Waldbrände teil, die Oregon im Jahr 2020 getroffen hatten. Im Jahr 2021 verkürzte die damalige Gouverneurin Kate Brown seine Haftstrafe im Rahmen einer bedingten Strafverkürzung. Dadurch wurde Calhoun am 22. Juli 2021 – etwa elf Monate früher als nach dem damaligen regulären Vollstreckungsplan vorgesehen – aus der Haft entlassen. Die vorzeitige Entlassung war jedoch an Bedingungen geknüpft. Dazu gehörte insbesondere die Verpflichtung, keine neuen staatlichen oder bundesstaatlichen Straftaten zu begehen. Nach seiner Entlassung geriet Calhoun erneut mit den Strafverfolgungsbehörden in Konflikt. Im Juni 2023 wurde er wegen Verstößen gegen seine Auflagen festgenommen und wieder in staatliche Haft genommen. Anschließend wurde die zuvor gewährte Strafverkürzung durch Gouverneurin Tina Kotek aufgehoben. Calhoun musste deshalb den noch offenen Teil seiner ursprünglichen Haftstrafe verbüßen. Die zeitliche Nähe zwischen seiner Entlassung und den später untersuchten Todesfällen führte zu einer öffentlichen Debatte über die Entscheidung zur Strafverkürzung. Daraus darf jedoch nicht abgeleitet werden, dass die vorzeitige Entlassung die später angeklagten Tötungen verursacht oder ermöglicht hat. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung gab es keine gerichtlichen Feststellungen, die ihn mit den späteren Tötungsdelikten in Verbindung brachten. Die Ermittlungen zu den Frauen begannen erst nach deren Verschwinden beziehungsweise Tod. Die Entscheidung über seine Strafverkürzung muss deshalb als eigenständiges politisches und rechtliches Thema betrachtet werden, das von den eigentlichen Mordvorwürfen getrennt ist.

Für die Rekonstruktion des Falls ist insbesondere der zeitliche Ablauf relevant. Calhoun kam im Juli 2021 frei. Die später angeklagten Tötungen sollen laut aktueller Anklage erst ab November 2022 stattgefunden haben. Im Juni 2023 kehrte er wieder in Haft zurück.

Welche konkreten Beweise die Ermittler gegen Jesse Lee Calhoun zusammengetragen haben, ist bislang nur teilweise bekannt. Die Strafverfolgungsbehörden haben wesentliche Einzelheiten der Ermittlungen nicht veröffentlicht. Somit lässt sich aus öffentlich zugänglichen Informationen kein vollständiges Bild der Beweiskette rekonstruieren. Fest steht jedoch, dass die Ermittlungen von zahlreichen Behörden gemeinsam geführt wurden. Beteiligt waren unter anderem das Portland Police Bureau, das Multnomah County Sheriff’s Office, die Oregon State Police, mehrere örtliche Polizeibehörden, die zuständigen Medical Examiner sowie kriminaltechnische Labore in Oregon und Washington. Auch das FBI war an den Ermittlungen beteiligt. Die Zusammenarbeit war insbesondere deshalb wichtig, da die untersuchten Todesfälle nicht alle in einem einzigen Zuständigkeitsbereich stattfanden. Die Ermittler mussten deshalb Informationen aus unterschiedlichen Behörden und Bundesstaaten zusammenführen. Zu den beteiligten Stellen gehörten die Oregon State Police, das Office of the Medical Examiner und das Crime Laboratory der Oregon State Police sowie das Crime Laboratory der Washington State Patrol. Mit der ersten Mordanklage im Mai 2024 wurde öffentlich, dass die Ermittler Calhoun nicht mehr lediglich als Person von Interesse betrachteten. Eine Grand Jury erhob damals drei Anklagen wegen Mordes zweiten Grades sowie drei Anklagen wegen Misshandlung einer Leiche zweiten Grades. Die Entscheidung der Grand Jury basierte auf den von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Ermittlungsergebnissen. Welche einzelnen Beweismittel dabei ausschlaggebend waren, wurde öffentlich jedoch nicht vollständig erläutert. Ein im Zusammenhang mit der Anklage bekannt gewordenes Gerichtsdokument enthielt Angaben zu insgesamt 16 Personen, die vor der Grand Jury als Zeugen ausgesagt hatten. Daraus lässt sich erkennen, dass die Anklage nicht auf einer einzigen Zeugenaussage beruhte. Die genaue Bedeutung der jeweiligen Aussagen für die einzelnen Tatvorwürfe ist allerdings nicht vollständig nachvollziehbar. Auch die spätere Ausweitung der Anklagen zeigt, dass die Ermittlungen über einen längeren Zeitraum fortgeführt wurden. Im Jahr 2025 kam der Vorwurf im Zusammenhang mit Kristin Smith hinzu, 2026 folgte die Anklage wegen des Todes von Ashley Real. Damit wurde der strafrechtliche Umfang des Falls schrittweise erweitert. Im Mai 2026 erklärte Multnomah County District Attorney Nathan Vasquez, dass die Größe des Falls erheblich sei. Zugleich machte er deutlich, dass er aufgrund der geltenden rechtlichen und ethischen Vorgaben nur begrenzt über die vorhandenen Beweise sprechen könne. Somit bleibt der Öffentlichkeit ein wesentlicher Teil der tatsächlichen Beweislage bis zu einem möglichen Gerichtsverfahren verborgen.

Für die Bewertung des Falls ist eine klare Trennung deshalb notwendig. Die Anklagen dokumentieren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, stellen jedoch keinen Beweis für die Schuld des Angeklagten dar. Erst ein Gerichtsverfahren kann klären, welche der vorgelegten Beweise Bestand haben und ob sie für eine Verurteilung ausreichen.
2
Der aktuelle Stand des Strafverfahrens
Mit der Anklage wegen des Todes von Ashley Real im Mai 2026 erreichte das Strafverfahren gegen Jesse Lee Calhoun eine neue Dimension. Gegen ihn liegen inzwischen fünf Anklagen wegen Mordes zweiten Grades vor. Die Staatsanwaltschaft strebt eine gemeinsame Verhandlung aller fünf Fälle an. Laut Multnomah County District Attorney Nathan Vasquez gibt es aus Sicht der Anklage Faktoren und Gründe, die ein gemeinsames Verfahren rechtfertigen. Ob und in welcher Form die Fälle tatsächlich gemeinsam verhandelt werden, hängt vom weiteren gerichtlichen Verfahren ab. Calhoun befindet sich weiterhin in Haft. Im Zusammenhang mit den ursprünglichen drei Mordanklagen hatte er auf „nicht schuldig” plädiert. Eine solche Erklärung stellt jedoch keine Aussage über die tatsächliche Beweislage dar, sondern ist Bestandteil des Strafverfahrens. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die Ermittlungen weiterhin als laufend. Im Mai 2026 erklärte Senior Deputy District Attorney Melissa Marrero zudem, dass zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Opfer bestätigt würden. Somit lässt sich der öffentlich bekannte Umfang des Verfahrens von fünf Mordanklagen nicht als abschließende Feststellung werten, dass Calhoun für sämtliche untersuchten Todesfälle verantwortlich war. Für den weiteren Verlauf kommt dem Gerichtsverfahren deshalb eine entscheidende Bedeutung zu. Dort muss die Anklage ihre jeweiligen Vorwürfe anhand zulässiger Beweise nachweisen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt Calhoun als unschuldig.

Der Fall befindet sich somit weiterhin in der strafrechtlichen Aufarbeitung und nicht in einer abgeschlossenen historischen Bewertung. Die fünf Mordanklagen stellen den derzeit öffentlich bekannten Umfang der schwersten Vorwürfe dar, die gegen Jesse Lee Calhoun erhoben wurden.
3
Der Vorwurf der Misshandlung von Leichen
Neben den Mordvorwürfen erhob eine Grand Jury im Mai 2024 gegen Jesse Lee Calhoun drei Anklagen wegen „Abuse of a Corpse in the Second Degree”. Diese zusätzlichen Anklagen stehen im Zusammenhang mit den Todesfällen von Charity Perry, Bridget Webster und Joanna Speaks. Bei diesem Straftatbestand handelt es sich um ein eigenständiges Delikt des Bundesstaates Oregon. Nach dem dort geltenden Recht macht sich strafbar, wer vorsätzlich eine Leiche misshandelt, ausgräbt, entfernt oder wegträgt, sofern dies nicht gesetzlich erlaubt ist. Das Delikt wird als Verbrechen der Klasse C eingestuft. Der Begriff der Misshandlung ist im Gesetz weiter definiert. Er umfasst unter anderem eine Behandlung eines Leichnams, die nicht den allgemein anerkannten Standards der Gesellschaft entspricht. Die konkrete rechtliche Bewertung hängt deshalb von den Umständen des jeweiligen Falles ab. Die drei Anklagen wegen dieses Delikts wurden von den Mordvorwürfen getrennt. Sie bedeuteten daher nicht automatisch, dass die Staatsanwaltschaft Calhoun die Angeklagte wegen einer bestimmten Form der Behandlung der Leichen verurteilt sehen würde. Vielmehr musste auch dieser eigenständige Vorwurf im Rahmen des Strafverfahrens bewiesen werden. Bemerkenswert ist, dass die Staatsanwaltschaft in diesen drei Fällen neben dem jeweiligen Mordvorwurf auch die Behandlung der Leichen zum Gegenstand einer Anklage machte. Welche konkreten Handlungen Calhoun dabei nach Auffassung der Anklagebehörde vorgenommen haben soll, wurde öffentlich nicht vollständig dargelegt.

Die Anklagen wegen Leichenmisshandlung sind ein weiterer Bestandteil des Strafverfahrens. Sie dürfen jedoch nicht mit einer Feststellung der Schuld gleichgesetzt werden. Auch in Bezug auf diese Vorwürfe gilt für Jesse Lee Calhoun die Unschuldsvermutung, solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt.
4
Die behördenübergreifende Zusammenarbeit
Die Ermittlungen gegen Jesse Lee Calhoun waren von Beginn an keine Angelegenheit einer einzigen Polizeibehörde. An der Aufarbeitung der Todesfälle waren zahlreiche Strafverfolgungs- und Ermittlungsstellen beteiligt. Zu den beteiligten Behörden gehörten unter anderem Polizeidienststellen aus dem Großraum Portland, das Multnomah County Sheriff’s Office und die Oregon State Police. Hinzu kamen weitere örtliche Behörden sowie Einrichtungen der Gerichtsmedizin und Kriminaltechnik. Eine besondere Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit zwischen Oregon und dem benachbarten Bundesstaat Washington. Teile der Ermittlungen betrafen deshalb unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche. Auch kriminaltechnische Untersuchungen wurden von Einrichtungen beider Bundesstaaten unterstützt. Darüber hinaus war das Federal Bureau of Investigation an den Ermittlungen beteiligt. Die Einbindung dieser Bundesbehörde bedeutete jedoch nicht, dass die untersuchten Taten automatisch als Bundesstraftaten eingestuft wurden. Das FBI unterstützte die beteiligten Behörden bei der Untersuchung des Fallkomplexes. Durch die Zusammenarbeit konnten die Ermittler Informationen aus unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen zusammenführen. Gerade bei Fällen, bei denen eine Person oder ein möglicher Tatablauf mehrere Regionen betrifft, können solche gemeinsamen Ermittlungsstrukturen entscheidend sein. Die Verantwortung für die spätere strafrechtliche Verfolgung lag letztlich bei den zuständigen Staatsanwaltschaften und Gerichten. Dabei sind die polizeilichen Ermittlungen und die juristische Bewertung der gesammelten Erkenntnisse voneinander zu unterscheiden.
5
Tatorte und Fundorte
Die öffentlich bekannten Informationen zum Fall von Jesse Lee Calhoun zeigen, dass die untersuchten Todesfälle mehrere Orte im Pazifischen Nordwesten betreffen. Dadurch waren die Ermittler gezwungen, Informationen aus unterschiedlichen örtlichen Zuständigkeitsbereichen zusammenzuführen. Die Fundorte der Leichen lagen nicht in allen Fällen dort, wo den späteren Anklagen zufolge die jeweiligen Tötungen stattgefunden haben sollen. Ein solcher Unterschied ist für die strafrechtliche Bewertung von Bedeutung, da der Fundort einer Leiche nicht automatisch mit dem Tatort gleichzusetzen ist. Dies wird besonders deutlich beim Fall Bridget Webster. Ihre Leiche wurde im April 2023 im Clark County des Bundesstaates Washington gefunden. Die strafrechtliche Anklage gegen Calhoun ordnet den ihr zugeschriebenen Tötungsvorwurf jedoch einem bestimmten Datum zu, ohne sämtliche Einzelheiten eines möglichen Tatortes öffentlich offenzulegen. Auch bei den anderen Fällen sind die öffentlich zugänglichen Angaben zu den konkreten Tatorten begrenzt. Die Ermittlungsbehörden haben nicht alle Orte veröffentlicht, an denen sich die jeweiligen Ereignisse nach ihrer Einschätzung abgespielt haben könnten. Für die Ermittler stellte die räumliche Verteilung dennoch eine besondere Herausforderung dar. Unterschiedliche Polizeibehörden, Gerichtsmediziner und kriminaltechnische Einrichtungen mussten Informationen austauschen und Spuren aus verschiedenen Zuständigkeitsbereichen berücksichtigen. Aus der räumlichen Verteilung allein lässt sich allerdings kein bestimmtes Tatmuster beweisen. Ebenso wenig kann automatisch vom Fundort auf den Ort der Tötung oder die Vorgehensweise des Beschuldigten geschlossen werden.

Die geografische Dimension des Falls ist vor allem für das Verständnis der Ermittlungsarbeit relevant. Sie erklärt, warum mehrere Behörden beteiligt waren und warum die Zusammenführung von Informationen aus Oregon und Washington für die Untersuchung von großer Bedeutung war.
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Die forensische Untersuchung der Todesfälle
Bei der Aufklärung der Todesfälle spielte die gerichtsmedizinische Untersuchung eine zentrale Rolle. Zunächst mussten die Ermittler klären, woran die Frauen gestorben waren und wie ihre Todesfälle einzuordnen waren. Als die Behörden im Juli 2023 erstmals öffentlich erklärten, dass vier der Fälle miteinander in Verbindung standen, war diese Frage noch nicht abschließend beantwortet. Das Oregon State Medical Examiner’s Office hatte zu diesem Zeitpunkt weder die Todesursache noch die Todesart der vier Frauen endgültig festgestellt. Damit war auch zu diesem Zeitpunkt öffentlich nicht bewiesen, dass es sich bei allen vier Todesfällen um Tötungsdelikte handelte. Die Ermittler untersuchten die Fälle deshalb zunächst als Todesermittlungen und mussten neben einem möglichen Tötungsdelikt auch andere Erklärungen berücksichtigen. An den späteren Ermittlungen waren mehrere gerichtsmedizinische und kriminaltechnische Einrichtungen beteiligt. Dazu gehörten das Oregon State Police Medical Examiner’s Office, das Clark County Medical Examiner’s Office sowie kriminaltechnische Labore der Oregon State Police und der Washington State Patrol. Die Untersuchungen konnten dabei unterschiedliche Arten von Informationen liefern. Dazu gehören unter anderem Befunde der Obduktion, Spuren am Körper oder an der Auffindesituation sowie kriminaltechnische Untersuchungsergebnisse. Welche konkreten Befunde in den einzelnen Fällen vorlagen und welche davon später für die Anklagen gegen Calhoun von Bedeutung waren, ist jedoch nur teilweise öffentlich bekannt. Auch die späteren Mordanklagen änderten nichts daran, dass die medizinische Untersuchung und die strafrechtliche Schuld zwei unterschiedliche Fragen darstellen. Die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft einen Todesfall als Mord anklagt, ersetzt weder die forensische Beweisführung noch den Nachweis der individuellen Verantwortlichkeit des Angeklagten. Die zeitliche Entwicklung ist deshalb besonders wichtig: Zu Beginn der öffentlichen Ermittlungen waren wesentliche medizinische Fragen noch ungeklärt. Erst im weiteren Verlauf konnten aus den zunächst ungeklärten Todesfällen konkrete strafrechtliche Vorwürfe gegen Jesse Lee Calhoun abgeleitet werden. Die vollständige forensische Beweislage bleibt der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen. Gerade deshalb wäre es unseriös, aus nicht veröffentlichten Obduktionsbefunden oder vermuteten Spuren bestimmte Tatabläufe abzuleiten. Der derzeit belegbare Stand erlaubt somit die folgende klare Aussage: Die Gerichtsmedizin war ein wesentlicher Bestandteil der Ermittlungen, doch nicht alle medizinischen Einzelheiten der fünf Fälle wurden öffentlich gemacht. Aussagen über konkrete Todesursachen oder Verletzungsmuster müssen sich deshalb auf tatsächlich veröffentlichte Befunde beschränken.
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Warum der Fall als Serienmordfall bezeichnet wird
In der öffentlichen Berichterstattung wurde der Name Jesse Lee Calhoun mit dem Begriff „Serienkiller“ in Verbindung gebracht. Juristisch ist dies jedoch keine feststehende Bezeichnung für einen Straftatbestand. Grundlage für diese Einordnung sind die gegen Calhoun erhobenen Mordanklagen im Zusammenhang mit fünf Frauen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen November 2022 und April 2023 getötet zu haben. Für die Einstufung als Serienmordfall ist entscheidend, dass mehrere voneinander getrennte Tötungsvorwürfe gegen dieselbe Person erhoben wurden. Das unterscheidet einen solchen Fall von einem einzelnen mehrfachen Tötungsdelikt, bei dem mehrere Menschen im Rahmen eines einzigen Ereignisses ums Leben kommen. Die Bezeichnung „Serienkiller” darf im Fall Calhoun allerdings nicht mit einer gerichtlichen Feststellung gleichgesetzt werden. Es existiert bislang kein rechtskräftiges Urteil, das seine Verantwortung für die fünf Todesfälle bestätigt. Auch die Ermittler und Staatsanwälte müssen zwischen der Untersuchung mehrerer zusammenhängender Todesfälle und einem endgültig bewiesenen Tatgeschehen unterscheiden. Die Existenz von fünf Mordanklagen bedeutet daher nicht, dass sämtliche Einzelheiten der behaupteten Taten bereits gerichtlich festgestellt wurden. Der Fall befindet sich weiterhin in der strafrechtlichen Aufarbeitung. Die Einstufung als möglicher Serienmordfall beschreibt deshalb den Charakter der gegen Calhoun erhobenen Vorwürfe und die Verbindung mehrerer Todesfälle mit einem Beschuldigten, jedoch nicht das Ergebnis eines abgeschlossenen Gerichtsverfahrens.

Für eine sachliche Darstellung ist die Formulierung „mutmaßlicher“ oder „angeklagter Serienkiller“ daher angemessener als die Aussage, Calhoun sei ein rechtskräftig überführter Serienmörder.
8
Ashley Reals frühere Gewaltanzeige
Bereits im November 2022, mehrere Monate vor ihrem Tod, geriet Ashley Real wegen eines Vorfalls mit Jesse Lee Calhoun in den Blick der Polizei. Laut ihrem Vater Jose Real kam Ashley damals weinend zu seinem Haus in Portland. Sie habe Verletzungen beziehungsweise sichtbare Spuren am Hals gehabt und ihrem Vater erklärt, Calhoun habe sie gewürgt. Jose Real brachte seine Tochter anschließend in ein Krankenhaus und wandte sich gemeinsam mit ihr an die Polizei. Eine Polizeibeamtin bzw. ein Polizeibeamter nahm den Vorfall zunächst auf. Ashley Real soll dabei auch den Namen Jesse Lee Calhoun genannt haben. Laut Jose Real wurde die Angelegenheit anschließend an das Multnomah County Sheriff’s Office weitergeleitet, da sich der mutmaßliche Tatort außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Portland Police befand. Was danach genau geschah, ist öffentlich nicht vollständig dokumentiert. Die beteiligten Behörden verwiesen wegen der laufenden Ermittlungen darauf, dass sie zu einzelnen Vorgängen keine näheren Angaben machen könnten. Der Vorfall ist besonders relevant, da Ashley Real nur wenige Monate später verschwand und später tot aufgefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft Calhoun heute vor, sie am oder um den 27. März 2023 getötet zu haben. Aus der früheren Anzeige allein lässt sich jedoch kein Beweis für den späteren Mordvorwurf ableiten. Ebenso wenig ist öffentlich festgestellt worden, dass die damalige Anzeige bei einer anderen Bearbeitung den späteren Tod von Ashley Real hätte verhindern können.

Der Vorgang zeigt dennoch, dass zwischen Real und Calhoun bereits vor deren Verschwinden ein dokumentierter Kontakt mit dem Vorwurf körperlicher Gewalt bestand. Für die spätere Betrachtung des Falles ist diese Verbindung von Bedeutung, auch wenn sich daraus keine gerichtliche Feststellung über den damaligen oder den späteren Vorfall ableiten lässt.
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Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass für Jesse Lee Calhoun die Unschuldsvermutung gilt. Sobald es neue Entwicklungen in diesem Fall gibt, könnt ihr diese selbstverständlich hier bei True Crime – Serienkiller nachlesen.