Modus Operandi & Motive
Modus OperandiBisher unbekannt
HauptmotiveBisher unbekannt
Rechtliches
Festnahmejahr2023
HaftformMultnomah County Detention Center (MCDC) in Portland, Oregon
Fallbeschreibungen
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Jesse Lee Calhoun verbüßte eine Haftstrafe für seine vorherigen Straftaten, die eine Entlassung im Jahr 2022 vorsah. Während seiner Inhaftierung nahm er an der Bekämpfung der schweren Waldbrände teil, die Oregon im Jahr 2020 getroffen hatten. Im Jahr 2021 verkürzte die damalige Gouverneurin Kate Brown seine Haftstrafe im Rahmen einer bedingten Strafverkürzung. Dadurch wurde Calhoun am 22. Juli 2021 – etwa elf Monate früher als nach dem damaligen regulären Vollstreckungsplan vorgesehen – aus der Haft entlassen. Die vorzeitige Entlassung war jedoch an Bedingungen geknüpft. Dazu gehörte insbesondere die Verpflichtung, keine neuen staatlichen oder bundesstaatlichen Straftaten zu begehen. Nach seiner Entlassung geriet Calhoun erneut mit den Strafverfolgungsbehörden in Konflikt. Im Juni 2023 wurde er wegen Verstößen gegen seine Auflagen festgenommen und wieder in staatliche Haft genommen. Anschließend wurde die zuvor gewährte Strafverkürzung durch Gouverneurin Tina Kotek aufgehoben. Calhoun musste deshalb den noch offenen Teil seiner ursprünglichen Haftstrafe verbüßen. Die zeitliche Nähe zwischen seiner Entlassung und den später untersuchten Todesfällen führte zu einer öffentlichen Debatte über die Entscheidung zur Strafverkürzung. Daraus darf jedoch nicht abgeleitet werden, dass die vorzeitige Entlassung die später angeklagten Tötungen verursacht oder ermöglicht hat. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung gab es keine gerichtlichen Feststellungen, die ihn mit den späteren Tötungsdelikten in Verbindung brachten. Die Ermittlungen zu den Frauen begannen erst nach deren Verschwinden beziehungsweise Tod. Die Entscheidung über seine Strafverkürzung muss deshalb als eigenständiges politisches und rechtliches Thema betrachtet werden, das von den eigentlichen Mordvorwürfen getrennt ist.
Für die Rekonstruktion des Falls ist insbesondere der zeitliche Ablauf relevant. Calhoun kam im Juli 2021 frei. Die später angeklagten Tötungen sollen laut aktueller Anklage erst ab November 2022 stattgefunden haben. Im Juni 2023 kehrte er wieder in Haft zurück.
Welche konkreten Beweise die Ermittler gegen Jesse Lee Calhoun zusammengetragen haben, ist bislang nur teilweise bekannt. Die Strafverfolgungsbehörden haben wesentliche Einzelheiten der Ermittlungen nicht veröffentlicht. Somit lässt sich aus öffentlich zugänglichen Informationen kein vollständiges Bild der Beweiskette rekonstruieren. Fest steht jedoch, dass die Ermittlungen von zahlreichen Behörden gemeinsam geführt wurden. Beteiligt waren unter anderem das Portland Police Bureau, das Multnomah County Sheriff’s Office, die Oregon State Police, mehrere örtliche Polizeibehörden, die zuständigen Medical Examiner sowie kriminaltechnische Labore in Oregon und Washington. Auch das FBI war an den Ermittlungen beteiligt. Die Zusammenarbeit war insbesondere deshalb wichtig, da die untersuchten Todesfälle nicht alle in einem einzigen Zuständigkeitsbereich stattfanden. Die Ermittler mussten deshalb Informationen aus unterschiedlichen Behörden und Bundesstaaten zusammenführen. Zu den beteiligten Stellen gehörten die Oregon State Police, das Office of the Medical Examiner und das Crime Laboratory der Oregon State Police sowie das Crime Laboratory der Washington State Patrol. Mit der ersten Mordanklage im Mai 2024 wurde öffentlich, dass die Ermittler Calhoun nicht mehr lediglich als Person von Interesse betrachteten. Eine Grand Jury erhob damals drei Anklagen wegen Mordes zweiten Grades sowie drei Anklagen wegen Misshandlung einer Leiche zweiten Grades. Die Entscheidung der Grand Jury basierte auf den von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Ermittlungsergebnissen. Welche einzelnen Beweismittel dabei ausschlaggebend waren, wurde öffentlich jedoch nicht vollständig erläutert. Ein im Zusammenhang mit der Anklage bekannt gewordenes Gerichtsdokument enthielt Angaben zu insgesamt 16 Personen, die vor der Grand Jury als Zeugen ausgesagt hatten. Daraus lässt sich erkennen, dass die Anklage nicht auf einer einzigen Zeugenaussage beruhte. Die genaue Bedeutung der jeweiligen Aussagen für die einzelnen Tatvorwürfe ist allerdings nicht vollständig nachvollziehbar. Auch die spätere Ausweitung der Anklagen zeigt, dass die Ermittlungen über einen längeren Zeitraum fortgeführt wurden. Im Jahr 2025 kam der Vorwurf im Zusammenhang mit Kristin Smith hinzu, 2026 folgte die Anklage wegen des Todes von Ashley Real. Damit wurde der strafrechtliche Umfang des Falls schrittweise erweitert. Im Mai 2026 erklärte Multnomah County District Attorney Nathan Vasquez, dass die Größe des Falls erheblich sei. Zugleich machte er deutlich, dass er aufgrund der geltenden rechtlichen und ethischen Vorgaben nur begrenzt über die vorhandenen Beweise sprechen könne. Somit bleibt der Öffentlichkeit ein wesentlicher Teil der tatsächlichen Beweislage bis zu einem möglichen Gerichtsverfahren verborgen.
Für die Bewertung des Falls ist eine klare Trennung deshalb notwendig. Die Anklagen dokumentieren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, stellen jedoch keinen Beweis für die Schuld des Angeklagten dar. Erst ein Gerichtsverfahren kann klären, welche der vorgelegten Beweise Bestand haben und ob sie für eine Verurteilung ausreichen.
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Der aktuelle Stand des Strafverfahrens
Mit der Anklage wegen des Todes von Ashley Real im Mai 2026 erreichte das Strafverfahren gegen Jesse Lee Calhoun eine neue Dimension. Gegen ihn liegen inzwischen fünf Anklagen wegen Mordes zweiten Grades vor. Die Staatsanwaltschaft strebt eine gemeinsame Verhandlung aller fünf Fälle an. Laut Multnomah County District Attorney Nathan Vasquez gibt es aus Sicht der Anklage Faktoren und Gründe, die ein gemeinsames Verfahren rechtfertigen. Ob und in welcher Form die Fälle tatsächlich gemeinsam verhandelt werden, hängt vom weiteren gerichtlichen Verfahren ab. Calhoun befindet sich weiterhin in Haft. Im Zusammenhang mit den ursprünglichen drei Mordanklagen hatte er auf „nicht schuldig” plädiert. Eine solche Erklärung stellt jedoch keine Aussage über die tatsächliche Beweislage dar, sondern ist Bestandteil des Strafverfahrens. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die Ermittlungen weiterhin als laufend. Im Mai 2026 erklärte Senior Deputy District Attorney Melissa Marrero zudem, dass zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Opfer bestätigt würden. Somit lässt sich der öffentlich bekannte Umfang des Verfahrens von fünf Mordanklagen nicht als abschließende Feststellung werten, dass Calhoun für sämtliche untersuchten Todesfälle verantwortlich war. Für den weiteren Verlauf kommt dem Gerichtsverfahren deshalb eine entscheidende Bedeutung zu. Dort muss die Anklage ihre jeweiligen Vorwürfe anhand zulässiger Beweise nachweisen. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt Calhoun als unschuldig.
Der Fall befindet sich somit weiterhin in der strafrechtlichen Aufarbeitung und nicht in einer abgeschlossenen historischen Bewertung. Die fünf Mordanklagen stellen den derzeit öffentlich bekannten Umfang der schwersten Vorwürfe dar, die gegen Jesse Lee Calhoun erhoben wurden.
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Der Vorwurf der Misshandlung von Leichen
Neben den Mordvorwürfen erhob eine Grand Jury im Mai 2024 gegen Jesse Lee Calhoun drei Anklagen wegen „Abuse of a Corpse in the Second Degree”. Diese zusätzlichen Anklagen stehen im Zusammenhang mit den Todesfällen von Charity Perry, Bridget Webster und Joanna Speaks. Bei diesem Straftatbestand handelt es sich um ein eigenständiges Delikt des Bundesstaates Oregon. Nach dem dort geltenden Recht macht sich strafbar, wer vorsätzlich eine Leiche misshandelt, ausgräbt, entfernt oder wegträgt, sofern dies nicht gesetzlich erlaubt ist. Das Delikt wird als Verbrechen der Klasse C eingestuft. Der Begriff der Misshandlung ist im Gesetz weiter definiert. Er umfasst unter anderem eine Behandlung eines Leichnams, die nicht den allgemein anerkannten Standards der Gesellschaft entspricht. Die konkrete rechtliche Bewertung hängt deshalb von den Umständen des jeweiligen Falles ab. Die drei Anklagen wegen dieses Delikts wurden von den Mordvorwürfen getrennt. Sie bedeuteten daher nicht automatisch, dass die Staatsanwaltschaft Calhoun die Angeklagte wegen einer bestimmten Form der Behandlung der Leichen verurteilt sehen würde. Vielmehr musste auch dieser eigenständige Vorwurf im Rahmen des Strafverfahrens bewiesen werden. Bemerkenswert ist, dass die Staatsanwaltschaft in diesen drei Fällen neben dem jeweiligen Mordvorwurf auch die Behandlung der Leichen zum Gegenstand einer Anklage machte. Welche konkreten Handlungen Calhoun dabei nach Auffassung der Anklagebehörde vorgenommen haben soll, wurde öffentlich nicht vollständig dargelegt.
Die Anklagen wegen Leichenmisshandlung sind ein weiterer Bestandteil des Strafverfahrens. Sie dürfen jedoch nicht mit einer Feststellung der Schuld gleichgesetzt werden. Auch in Bezug auf diese Vorwürfe gilt für Jesse Lee Calhoun die Unschuldsvermutung, solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt.
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Die behördenübergreifende Zusammenarbeit
Die Ermittlungen gegen Jesse Lee Calhoun waren von Beginn an keine Angelegenheit einer einzigen Polizeibehörde. An der Aufarbeitung der Todesfälle waren zahlreiche Strafverfolgungs- und Ermittlungsstellen beteiligt. Zu den beteiligten Behörden gehörten unter anderem Polizeidienststellen aus dem Großraum Portland, das Multnomah County Sheriff’s Office und die Oregon State Police. Hinzu kamen weitere örtliche Behörden sowie Einrichtungen der Gerichtsmedizin und Kriminaltechnik. Eine besondere Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit zwischen Oregon und dem benachbarten Bundesstaat Washington. Teile der Ermittlungen betrafen deshalb unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche. Auch kriminaltechnische Untersuchungen wurden von Einrichtungen beider Bundesstaaten unterstützt. Darüber hinaus war das Federal Bureau of Investigation an den Ermittlungen beteiligt. Die Einbindung dieser Bundesbehörde bedeutete jedoch nicht, dass die untersuchten Taten automatisch als Bundesstraftaten eingestuft wurden. Das FBI unterstützte die beteiligten Behörden bei der Untersuchung des Fallkomplexes. Durch die Zusammenarbeit konnten die Ermittler Informationen aus unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen zusammenführen. Gerade bei Fällen, bei denen eine Person oder ein möglicher Tatablauf mehrere Regionen betrifft, können solche gemeinsamen Ermittlungsstrukturen entscheidend sein. Die Verantwortung für die spätere strafrechtliche Verfolgung lag letztlich bei den zuständigen Staatsanwaltschaften und Gerichten. Dabei sind die polizeilichen Ermittlungen und die juristische Bewertung der gesammelten Erkenntnisse voneinander zu unterscheiden.
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Tatorte und Fundorte
Die öffentlich bekannten Informationen zum Fall von Jesse Lee Calhoun zeigen, dass die untersuchten Todesfälle mehrere Orte im Pazifischen Nordwesten betreffen. Dadurch waren die Ermittler gezwungen, Informationen aus unterschiedlichen örtlichen Zuständigkeitsbereichen zusammenzuführen. Die Fundorte der Leichen lagen nicht in allen Fällen dort, wo den späteren Anklagen zufolge die jeweiligen Tötungen stattgefunden haben sollen. Ein solcher Unterschied ist für die strafrechtliche Bewertung von Bedeutung, da der Fundort einer Leiche nicht automatisch mit dem Tatort gleichzusetzen ist. Dies wird besonders deutlich beim Fall Bridget Webster. Ihre Leiche wurde im April 2023 im Clark County des Bundesstaates Washington gefunden. Die strafrechtliche Anklage gegen Calhoun ordnet den ihr zugeschriebenen Tötungsvorwurf jedoch einem bestimmten Datum zu, ohne sämtliche Einzelheiten eines möglichen Tatortes öffentlich offenzulegen. Auch bei den anderen Fällen sind die öffentlich zugänglichen Angaben zu den konkreten Tatorten begrenzt. Die Ermittlungsbehörden haben nicht alle Orte veröffentlicht, an denen sich die jeweiligen Ereignisse nach ihrer Einschätzung abgespielt haben könnten. Für die Ermittler stellte die räumliche Verteilung dennoch eine besondere Herausforderung dar. Unterschiedliche Polizeibehörden, Gerichtsmediziner und kriminaltechnische Einrichtungen mussten Informationen austauschen und Spuren aus verschiedenen Zuständigkeitsbereichen berücksichtigen. Aus der räumlichen Verteilung allein lässt sich allerdings kein bestimmtes Tatmuster beweisen. Ebenso wenig kann automatisch vom Fundort auf den Ort der Tötung oder die Vorgehensweise des Beschuldigten geschlossen werden.
Die geografische Dimension des Falls ist vor allem für das Verständnis der Ermittlungsarbeit relevant. Sie erklärt, warum mehrere Behörden beteiligt waren und warum die Zusammenführung von Informationen aus Oregon und Washington für die Untersuchung von großer Bedeutung war.
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Die forensische Untersuchung der Todesfälle
Bei der Aufklärung der Todesfälle spielte die gerichtsmedizinische Untersuchung eine zentrale Rolle. Zunächst mussten die Ermittler klären, woran die Frauen gestorben waren und wie ihre Todesfälle einzuordnen waren. Als die Behörden im Juli 2023 erstmals öffentlich erklärten, dass vier der Fälle miteinander in Verbindung standen, war diese Frage noch nicht abschließend beantwortet. Das Oregon State Medical Examiner’s Office hatte zu diesem Zeitpunkt weder die Todesursache noch die Todesart der vier Frauen endgültig festgestellt. Damit war auch zu diesem Zeitpunkt öffentlich nicht bewiesen, dass es sich bei allen vier Todesfällen um Tötungsdelikte handelte. Die Ermittler untersuchten die Fälle deshalb zunächst als Todesermittlungen und mussten neben einem möglichen Tötungsdelikt auch andere Erklärungen berücksichtigen. An den späteren Ermittlungen waren mehrere gerichtsmedizinische und kriminaltechnische Einrichtungen beteiligt. Dazu gehörten das Oregon State Police Medical Examiner’s Office, das Clark County Medical Examiner’s Office sowie kriminaltechnische Labore der Oregon State Police und der Washington State Patrol. Die Untersuchungen konnten dabei unterschiedliche Arten von Informationen liefern. Dazu gehören unter anderem Befunde der Obduktion, Spuren am Körper oder an der Auffindesituation sowie kriminaltechnische Untersuchungsergebnisse. Welche konkreten Befunde in den einzelnen Fällen vorlagen und welche davon später für die Anklagen gegen Calhoun von Bedeutung waren, ist jedoch nur teilweise öffentlich bekannt. Auch die späteren Mordanklagen änderten nichts daran, dass die medizinische Untersuchung und die strafrechtliche Schuld zwei unterschiedliche Fragen darstellen. Die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft einen Todesfall als Mord anklagt, ersetzt weder die forensische Beweisführung noch den Nachweis der individuellen Verantwortlichkeit des Angeklagten. Die zeitliche Entwicklung ist deshalb besonders wichtig: Zu Beginn der öffentlichen Ermittlungen waren wesentliche medizinische Fragen noch ungeklärt. Erst im weiteren Verlauf konnten aus den zunächst ungeklärten Todesfällen konkrete strafrechtliche Vorwürfe gegen Jesse Lee Calhoun abgeleitet werden. Die vollständige forensische Beweislage bleibt der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen. Gerade deshalb wäre es unseriös, aus nicht veröffentlichten Obduktionsbefunden oder vermuteten Spuren bestimmte Tatabläufe abzuleiten. Der derzeit belegbare Stand erlaubt somit die folgende klare Aussage: Die Gerichtsmedizin war ein wesentlicher Bestandteil der Ermittlungen, doch nicht alle medizinischen Einzelheiten der fünf Fälle wurden öffentlich gemacht. Aussagen über konkrete Todesursachen oder Verletzungsmuster müssen sich deshalb auf tatsächlich veröffentlichte Befunde beschränken.
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Warum der Fall als Serienmordfall bezeichnet wird
In der öffentlichen Berichterstattung wurde der Name Jesse Lee Calhoun mit dem Begriff „Serienkiller“ in Verbindung gebracht. Juristisch ist dies jedoch keine feststehende Bezeichnung für einen Straftatbestand. Grundlage für diese Einordnung sind die gegen Calhoun erhobenen Mordanklagen im Zusammenhang mit fünf Frauen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen November 2022 und April 2023 getötet zu haben. Für die Einstufung als Serienmordfall ist entscheidend, dass mehrere voneinander getrennte Tötungsvorwürfe gegen dieselbe Person erhoben wurden. Das unterscheidet einen solchen Fall von einem einzelnen mehrfachen Tötungsdelikt, bei dem mehrere Menschen im Rahmen eines einzigen Ereignisses ums Leben kommen. Die Bezeichnung „Serienkiller” darf im Fall Calhoun allerdings nicht mit einer gerichtlichen Feststellung gleichgesetzt werden. Es existiert bislang kein rechtskräftiges Urteil, das seine Verantwortung für die fünf Todesfälle bestätigt. Auch die Ermittler und Staatsanwälte müssen zwischen der Untersuchung mehrerer zusammenhängender Todesfälle und einem endgültig bewiesenen Tatgeschehen unterscheiden. Die Existenz von fünf Mordanklagen bedeutet daher nicht, dass sämtliche Einzelheiten der behaupteten Taten bereits gerichtlich festgestellt wurden. Der Fall befindet sich weiterhin in der strafrechtlichen Aufarbeitung. Die Einstufung als möglicher Serienmordfall beschreibt deshalb den Charakter der gegen Calhoun erhobenen Vorwürfe und die Verbindung mehrerer Todesfälle mit einem Beschuldigten, jedoch nicht das Ergebnis eines abgeschlossenen Gerichtsverfahrens.
Für eine sachliche Darstellung ist die Formulierung „mutmaßlicher“ oder „angeklagter Serienkiller“ daher angemessener als die Aussage, Calhoun sei ein rechtskräftig überführter Serienmörder.
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Ashley Reals frühere Gewaltanzeige
Bereits im November 2022, mehrere Monate vor ihrem Tod, geriet Ashley Real wegen eines Vorfalls mit Jesse Lee Calhoun in den Blick der Polizei. Laut ihrem Vater Jose Real kam Ashley damals weinend zu seinem Haus in Portland. Sie habe Verletzungen beziehungsweise sichtbare Spuren am Hals gehabt und ihrem Vater erklärt, Calhoun habe sie gewürgt. Jose Real brachte seine Tochter anschließend in ein Krankenhaus und wandte sich gemeinsam mit ihr an die Polizei. Eine Polizeibeamtin bzw. ein Polizeibeamter nahm den Vorfall zunächst auf. Ashley Real soll dabei auch den Namen Jesse Lee Calhoun genannt haben. Laut Jose Real wurde die Angelegenheit anschließend an das Multnomah County Sheriff’s Office weitergeleitet, da sich der mutmaßliche Tatort außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Portland Police befand. Was danach genau geschah, ist öffentlich nicht vollständig dokumentiert. Die beteiligten Behörden verwiesen wegen der laufenden Ermittlungen darauf, dass sie zu einzelnen Vorgängen keine näheren Angaben machen könnten. Der Vorfall ist besonders relevant, da Ashley Real nur wenige Monate später verschwand und später tot aufgefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft Calhoun heute vor, sie am oder um den 27. März 2023 getötet zu haben. Aus der früheren Anzeige allein lässt sich jedoch kein Beweis für den späteren Mordvorwurf ableiten. Ebenso wenig ist öffentlich festgestellt worden, dass die damalige Anzeige bei einer anderen Bearbeitung den späteren Tod von Ashley Real hätte verhindern können.
Der Vorgang zeigt dennoch, dass zwischen Real und Calhoun bereits vor deren Verschwinden ein dokumentierter Kontakt mit dem Vorwurf körperlicher Gewalt bestand. Für die spätere Betrachtung des Falles ist diese Verbindung von Bedeutung, auch wenn sich daraus keine gerichtliche Feststellung über den damaligen oder den späteren Vorfall ableiten lässt.
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Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass für Jesse Lee Calhoun die Unschuldsvermutung gilt. Sobald es neue Entwicklungen in diesem Fall gibt, könnt ihr diese selbstverständlich hier bei True Crime – Serienkiller nachlesen.