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Motivlage und Täterpersönlichkeit
Bei Robert Pickton lässt sich kein eindeutiges persönliches Einzelmotiv für die sechs gerichtlich festgestellten Morde sicher belegen. Die Beweislage zeigt jedoch, dass er Frauen aus dem Drogen- und Sexarbeitsmilieu des Stadtviertels „Downtown Eastside” gezielt auf sein Grundstück brachte und dort sexuelle Kontakte mit ihnen suchte. Laut der Darstellung der Staatsanwaltschaft lockte er die Frauen unter anderem mit Geld oder Drogen auf den abgelegenen Hof. Die späteren Taten waren von erheblicher Gewalt und einem hohen Maß an Kontrolle geprägt. Auf seinem Grundstück wurden Fesselungsmittel gefunden, außerdem persönliche Gegenstände und DNA-Spuren mehrerer Opfer in seinem Wohnbereich. Besonders auffällig war die Verbindung zwischen Picktons Tätigkeit als Schweinezüchter und der späteren Behandlung menschlicher Überreste. Die gerichtsmedizinischen Befunde zeigten bei mehreren Opfern eine Zerlegung der Körper, die laut Supreme Court deutliche Ähnlichkeiten mit der Art aufwies, wie Pickton Schweine zerlegte. Eine psychiatrische Diagnose wie „Psychopath” sollten wir ihm für die Website nicht ohne eine belastbare diagnostische Quelle zuschreiben. Ebenso wäre es falsch, aus seiner Lebensgeschichte nachträglich eine eindeutige psychologische Ursache für die Morde abzuleiten. Fest steht hingegen das Bild eines Täters, der seine Opfer an einen abgelegenen Ort brachte, sie misshandelte und anschließend die Leichen zerlegte und beseitigte. Auch Picktons eigene Aussagen müssen vorsichtig bewertet werden. So behauptete er gegenüber einem verdeckten Ermittler, 49 Frauen getötet zu haben und eine fünfzigste töten zu wollen. Diese Aussage wurde jedoch nicht durch entsprechende Schuldsprüche bestätigt und darf deshalb nicht als bewiesene Opferzahl dargestellt werden.
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Modus operandi
Den Ermittlungen zufolge nahm Pickton vor allem Frauen aus dem Stadtteil Downtown Eastside mit auf sein Grundstück in Port Coquitlam. Dort konnte er sie in einer abgeschirmten Umgebung unter Kontrolle bringen. Die Frauen wurden dort getötet, anschließend wurden die Leichen zerlegt und die Überreste teilweise beseitigt beziehungsweise auf dem Schweinezuchtbetrieb verarbeitet. Das weitläufige Grundstück mit seinen Ställen, Werkstätten und anderen Gebäuden bot ihm dabei eine Umgebung, in der Spuren und Überreste über längere Zeit verborgen werden konnten.
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Die wichtigsten Ermittlungs- und Tatspuren
Die Ermittlungen gegen Pickton stützten sich nicht auf einen einzigen Beweis, sondern auf eine Vielzahl unterschiedlicher Spuren. Von besonderer Bedeutung waren DNA-Spuren, die auf dem Grundstück und an verschiedenen Gegenständen gefunden wurden. Sie ermöglichten es, Verbindungen zwischen Pickton, seinem Anwesen und einzelnen vermissten Frauen herzustellen. Hinzu kamen persönliche Gegenstände der Frauen, die auf dem Grundstück gefunden wurden. Dazu gehörten unter anderem Schmuck und Kleidung, die bestimmten Vermissten zugeordnet werden konnten. Die Ermittler fanden außerdem Gegenstände, die für die Rekonstruktion der Taten von unmittelbarer Bedeutung waren, darunter Waffen und Fesselungsmaterial. Ein weiterer wichtiger Beweis war eine Videokassette, auf der Pickton gegenüber einem verdeckten Ermittler die Tötung von Frauen gestand. Diese Aufnahme wurde später im Strafverfahren verwendet. Die Beweise wurden jeweils im Zusammenhang mit den einzelnen Mordfällen bewertet. Entscheidend war nicht, ob Pickton lediglich Kontakt zu einer verschwundenen Frau gehabt hatte, sondern ob die Gesamtheit der Beweise einen Schuldspruch wegen ihrer Tötung rechtfertigte. Gerade diese umfassende Beweisführung ermöglichte schließlich die Verurteilung in sechs Fällen, während die Beweislage bei den übrigen 20 angeklagten Fällen nicht zu weiteren Schuldsprüchen führte.
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Die Rolle des verdeckten Ermittlers
Ein wichtiger Wendepunkt in den Ermittlungen war der Einsatz eines verdeckten Ermittlers, der sich gegenüber Pickton als Mitgefangener bzw. Kontaktperson ausgab. Während dieser Gespräche sprach Pickton über die verschwundenen Frauen und belastete sich dabei selbst. Besonders bedeutsam war eine Aussage, in der er behauptete, 49 Frauen getötet zu haben. Außerdem berichtete er, wie er mit den Leichen umgegangen sei. Die Gespräche wurden heimlich aufgezeichnet. Die Aufnahmen wurden später als Beweismittel im Strafverfahren verwendet. Sie waren für die Anklage von Bedeutung, da sie Aussagen enthielten, die Pickton selbst zugerechnet werden konnten. Die Verteidigung stellte unter anderem die Zuverlässigkeit und Bedeutung dieser Aussagen in Frage. Das Gericht musste deshalb nicht nur die Inhalte der Gespräche berücksichtigen, sondern auch den Beweiswert der Äußerungen im Zusammenhang mit den übrigen Beweismitteln beurteilen.
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Die Verarbeitung der Leichen
Bei der Untersuchung des Pickton-Anwesens wurden Hinweise darauf gefunden, dass die Leichen der Opfer nach der Tötung zerlegt worden waren. Bei der forensischen Untersuchung wurden in unterschiedlichen Bereichen des Grundstücks menschliche Überreste gefunden. Weitere Spuren wurden in Bereichen entdeckt, die mit Picktons Schweinezucht und der Verarbeitung von Schweinefleisch in Verbindung standen. Die Ermittler fanden zudem Hinweise darauf, dass menschliches Gewebe mit Tierkadavern vermischt worden sein könnte. Die forensische Untersuchung musste deshalb klären, welchen Opfern die einzelnen Überreste zuzuordnen waren und welche Spuren tatsächlich mit den einzelnen Mordfällen zusammenhingen. Einige der Überreste waren durch Behandlung und Zersetzung stark verändert. Dadurch war eine vollständige Identifizierung in jedem Fall nicht möglich. Die Art der Spuren auf dem Grundstück war jedoch ein wesentlicher Bestandteil der späteren Beweisführung. Besonders auffällig war, dass die Ermittler bei der Untersuchung des Grundstücks die DNA mehrerer vermisster Frauen fanden. Die Verarbeitung der Leichen war somit nicht nur für die Frage der Spurenbeseitigung relevant, sondern wurde auch zu einem wichtigen Bestandteil der Rekonstruktion dessen, was nach den Tötungen geschehen war.
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Psychologische Untersuchung
Im Rahmen des Strafverfahrens wurde Robert William Pickton psychologisch untersucht. Der Psychologe Dr. Krywaniuk führte unter anderem Tests zu seinen kognitiven Fähigkeiten und seiner verbalen Intelligenz mit ihm durch. Die Untersuchung ergab niedrige Leistungen im Bereich der verbalen Intelligenz. Daraus allein ließ sich jedoch keine Aussage über eine bestimmte psychische Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung ableiten. Die Untersuchung spielte später auch im Berufungsverfahren eine Rolle. Dabei wurde unter anderem diskutiert, ob Picktons kognitive Fähigkeiten Einfluss auf die Glaubwürdigkeit beziehungsweise die Bedeutung bestimmter Aussagen haben könnten. Die Ergebnisse lieferten jedoch keinen Hinweis darauf, dass Pickton aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten nicht in der Lage gewesen wäre, komplexe Handlungen auszuführen. Dazu gehörten nach der im Verfahren erörterten Einschätzung das Aufsuchen bzw. Anwerben von Frauen, ihre Tötung sowie der anschließende Umgang mit den Leichen und die Beseitigung von Spuren. Ihm sollte deshalb keine belastbare psychiatrische Diagnose wie Psychopathie oder eine bestimmte Persönlichkeitsstörung zugeschrieben werden, sofern dafür keine entsprechende diagnostische Quelle vorliegt.
Für eine sachliche Darstellung lässt sich lediglich festhalten: Pickton wurde im Rahmen des Strafverfahrens psychologisch untersucht. Dabei wurden unter anderem niedrige verbale Intelligenzleistungen festgestellt; eine daraus abgeleitete psychiatrische Diagnose ist jedoch nicht belegt.
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Quellen
Supreme Court of Canada – R. v. Pickton, 2010 SCC 32
Supreme Court of Canada – Fallakte 33288
Government of British Columbia – Missing Women Commission of Inquiry
„Forsaken“ – Final Report of the Missing Women Commission of Inquiry
Correctional Service Canada – Death of an inmate from Port-Cartier Institution
Correctional Service Canada – Board of Investigation: Pickton
CityNews – The Robert Pickton case: A timeline
The Canadian Encyclopedia – Robert Pickton