TRUE CRIME – SERIENKILLER

Robert William „Willie“ Pickton

Geboren am 24.10.1949 in Vancouver, British Columbia, Kanada. Gestorben am 31.05.2014.

NationalitätKanadisch
LandKanada
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Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von1990
Aktiv bis2002
Bestätigte Opfer6
Vermutete Opfer26
AktionsradiusVancouver und Port Coquitlam, British Columbia, Kanada
OpfergruppenSexarbeiterinnen und sozial marginalisierte Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus OperandiPickton lockte überwiegend sozial marginalisierte Frauen auf sein abgelegenes Grundstück, tötete sie dort und zerlegte anschließend ihre Körper, um die Überreste zu beseitigen
HauptmotiveNicht eindeutig geklärt; sexuelle Gewalt, Macht/Kontrolle und ein mögliches Bedürfnis nach Dominanz werden im Zusammenhang mit den Taten diskutiert
Festnahmejahr2002
UrteilLebenslange Freiheitsstrafen mit einer Mindesthaftzeit von 25 JahreGefängnis
HaftformGefängnis
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Robert William Pickton
Robert William Pickton wurde am 24. Oktober 1949 in Vancouver, British Columbia, Kanada, geboren. Er wuchs gemeinsam mit seinem Bruder David und seiner Schwester Linda auf dem landwirtschaftlichen Familienbesitz der Picktons in Port Coquitlam, östlich von Vancouver, auf.

Die Familie betrieb dort eine Schweinezucht. Das Grundstück befand sich in einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gegend und sollte später zu einem zentralen Ort der Ermittlungen gegen Pickton werden. Pickton besuchte das Vancouver College, verließ die Schule jedoch bereits als Jugendlicher. Anschließend arbeitete er auf dem elterlichen Betrieb und übernahm zunehmend Aufgaben in der Schweinezucht. Das Verhältnis von Pickton und seinem Bruder zur Außenwelt war offenbar stark vom abgeschirmten Leben auf dem Familiengrundstück geprägt. Die Familie lebte und arbeitete über Jahrzehnte auf dem Anwesen. Pickton heiratete nie und hatte keine eigenen Kinder. Gemeinsam mit seinem Bruder David führte er die Schweinezucht weiter. Später betrieben die beiden außerdem ein Unternehmen, das mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Schweinefleisch verbunden war. Das mehrere Hektar große Grundstück in Port Coquitlam verwilderte im Laufe der Jahrzehnte zunehmend und entwickelte sich zu einem weitläufigen Gelände mit Wohnhaus, Ställen, einem Schlachtbereich und verschiedenen Nebengebäuden. Noch bevor Pickton wegen der späteren Mordserie international bekannt wurde, war er bereits einmal mit der Polizei in Konflikt geraten. Im Jahr 1997 wurde er wegen eines gewalttätigen Angriffs auf eine Frau angeklagt. Dieser frühere Fall sollte später bei der Untersuchung der Ermittlungen gegen Pickton eine besondere Bedeutung erlangen. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt gab es einen konkreten Hinweis darauf, dass von Pickton eine erhebliche Gewaltgefahr ausging. Die damaligen Vorwürfe führten jedoch nicht zu einer Verurteilung wegen versuchten Mordes, da das Verfahren schließlich eingestellt wurde. Die spätere Untersuchung der Ermittlungsarbeit stellte deshalb auch die Frage, ob die Behörden bereits Jahre vor der eigentlichen Mordermittlung die Gelegenheit gehabt hatten, Pickton genauer zu überprüfen. Damit beginnt der kriminalhistorische Hintergrund des Falls: Noch bevor die späteren Vermisstenfälle zu einer großen Mordermittlung zusammengeführt wurden, war Pickton den Behörden bereits wegen eines schweren Gewaltdelikts bekannt.

Das Familiengrundstück der Picktons in Port Coquitlam war über Jahrzehnte hinweg der Mittelpunkt des Lebens von Robert und David Pickton. Auf dem weitläufigen Gelände befanden sich neben dem Wohnhaus zahlreiche Gebäude und Einrichtungen des landwirtschaftlichen Betriebs. Dazu gehörten unter anderem Schweineställe, Werkstätten und Bereiche zur Verarbeitung der Tiere. Mit zunehmendem Alter der Geschwister wurde der Betrieb immer mehr von Robert und David geprägt. Beide lebten weitgehend zurückgezogen und führten einen Lebensstil, der sich deutlich von dem ihrer Umgebung unterschied. Gleichzeitig entwickelte sich auf dem Grundstück ein ungewöhnliches soziales Umfeld. Die Picktons veranstalteten dort regelmäßig Partys und Veranstaltungen, zu denen auch Personen aus dem Rotlicht- und Drogenmilieu Vancouvers kamen. Insbesondere Menschen aus dem Umfeld von Vancouver’s Downtown Eastside hielten sich zeitweise auf dem Anwesen auf. Dieser Stadtteil war bereits damals durch Armut, Drogenabhängigkeit, Prostitution und eine hohe Zahl sozial marginalisierter Menschen geprägt. Dadurch verfügte Pickton über Kontakte zu Personen, die sich häufig in schwierigen persönlichen und sozialen Situationen befanden. Das Grundstück bot durch seine Größe und die Vielzahl an Gebäuden zudem eine ungewöhnlich abgeschirmte Umgebung. Für die spätere Mordermittlung sollte sich genau diese Kombination als entscheidend erweisen: ein abgelegenes, weitläufiges Privatgrundstück und Kontakte zu Frauen aus einem sozial besonders gefährdeten Umfeld. Die Untersuchung des Grundstücks sollte später zeigen, dass sich dort zahlreiche Spuren befanden, die mit den Vermisstenfällen in Verbindung gebracht werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht bekannt, dass das Anwesen später zum zentralen Tatort eines der größten Mordfälle in der Geschichte Kanadas werden würde.

Robert Pickton geriet 1997 wegen eines schweren Vorfalls mit einer Frau in den Fokus der Polizei. Auf seinem Grundstück in Port Coquitlam kam es zu einem Streit zwischen ihm und einer Frau, die sich dort aufhielt. Laut späteren Ermittlungen griff Pickton die Frau mit einem Messer an. Die Frau erlitt Verletzungen, konnte aber schließlich vom Grundstück fliehen. Sie gelangte zu einer nahegelegenen Tankstelle, von wo aus die Polizei verständigt wurde. Pickton wurde anschließend wegen versuchten Mordes angeklagt. Im Verlauf des Verfahrens wurde die Anklage jedoch auf eine weniger schwere Straftat reduziert. Pickton bekannte sich schließlich der Körperverletzung schuldig und erhielt eine Bewährungsstrafe. Der Fall war für die spätere Aufarbeitung von Bedeutung, da er zeigte, dass Pickton bereits mehrere Jahre vor Beginn der großen Mordermittlungen wegen eines schweren Gewaltdelikts mit einer Frau polizeilich bekannt geworden war. Die spätere Untersuchung der Mordfälle beschäftigte sich deshalb auch mit der Frage, warum dieser frühere Vorfall nicht zu einer weitergehenden strafrechtlichen Verfolgung geführt hatte. Der Angriff aus dem Jahr 1997 war jedoch kein Bestandteil der späteren Mordverurteilungen.

Die späteren Opfer Picktons stammten überwiegend aus dem Stadtviertel Downtown Eastside in Vancouver. In diesem Gebiet leben viele Menschen in Armut, sind drogenabhängig und haben instabile Lebensverhältnisse. Unter den verschwundenen Frauen befanden sich zahlreiche Sexarbeiterinnen. Viele von ihnen hatten zugleich mit Drogenproblemen oder anderen sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein erheblicher Teil der Frauen verschwand über einen längeren Zeitraum hinweg, ohne dass ihr Verschwinden zunächst als zusammenhängender Fall erkannt wurde. Die Angehörigen und Freunde der Frauen meldeten Vermisstenfälle. Dennoch blieb die Aufklärung schwierig, da die Betroffenen häufig keinen stabilen Alltag hatten und ihren Aufenthaltsort regelmäßig wechselten. Im Laufe der 1990er- und frühen 2000er-Jahre häuften sich die Vermisstenmeldungen aus diesem Umfeld. Besonders auffällig war die große Zahl von Frauen aus demselben sozialen Milieu, die verschwunden waren. Die Polizei begann deshalb, die Fälle miteinander zu vergleichen. Ein entscheidender Punkt war dabei, dass einige der Frauen nachweislich Kontakt zum Pickton-Anwesen beziehungsweise zu Pickton oder Personen aus seinem Umfeld gehabt hatten. Damit entstand erstmals eine konkrete Verbindung zwischen den Vermisstenfällen und dem Grundstück in Port Coquitlam.

Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre wuchs bei den Ermittlern der Verdacht, dass die zahlreichen Vermisstenfälle in Vancouvers Stadtteil Downtown Eastside miteinander zusammenhängen könnten. Im Jahr 2001 wurde beim Vancouver Police Department die „Missing Women Investigation” eingerichtet. Das Ziel bestand darin, die Fälle der verschwundenen Frauen systematisch zusammenzuführen und mögliche Gemeinsamkeiten zu untersuchen. Die Ermittler überprüften unter anderem die letzten bekannten Aufenthaltsorte der Frauen, ihre Kontakte sowie ihre Verbindungen zum Rotlicht- und Drogenmilieu. Dabei rückte zunehmend das Anwesen von Pickton in Port Coquitlam in den Mittelpunkt. Mehrere vermisste Frauen hatten Kontakt zu Pickton oder waren auf seinem Grundstück gewesen. Dadurch entstand der Verdacht, dass das Anwesen mehr als nur ein zufälliger gemeinsamer Bezugspunkt sein könnte. Die Ermittlungen wurden daraufhin erheblich ausgeweitet. Gleichzeitig stand die Polizei vor einem schwierigen Problem: Viele der verschwundenen Frauen lebten unter prekären Bedingungen, wodurch sich ihre Bewegungen und persönlichen Kontakte nur schwer lückenlos rekonstruieren ließen. Die Zahl der Vermissten stieg weiter an. Schließlich wurden 26 Frauen als mögliche Opfer eines Zusammenhangs mit Pickton untersucht. Diese Zahl bezeichnet jedoch nicht 26 gerichtlich bewiesene Morde. Sie umfasst die Frauen, deren Verschwinden im Rahmen der Ermittlungen mit Pickton in Verbindung gebracht wurde. Der tatsächliche Umfang der Ermittlungen sollte erst durch die spätere Durchsuchung seines Grundstücks sichtbar werden.

Im Februar 2002 erhielt die Polizei einen konkreten Anlass, das Anwesen von Pickton in Port Coquitlam intensiver zu untersuchen. Bei der Durchsuchung des Grundstücks fanden die Ermittler Schusswaffen und andere Gegenstände, die im Zusammenhang mit den Vermisstenfällen von Bedeutung sein konnten. Auf dem Grundstück wurden außerdem persönliche Gegenstände gefunden, die den vermissten Frauen zugeordnet werden konnten. Das Gelände wurde daraufhin nicht mehr nur als möglicher Aufenthaltsort der Frauen, sondern auch als möglicher Tatort betrachtet. Die Ermittler weiteten die Untersuchung aus und sicherten zahlreiche Gegenstände und Spuren. Zu diesem Zeitpunkt lagen jedoch noch nicht genügend Beweise vor, um Pickton wegen Mordes anzuklagen. Die Ermittlungen liefen deshalb zunächst weiter, während die Polizei die gefundenen Gegenstände mit den Vermisstenfällen abglich. Dadurch nahm die Bedeutung des Grundstücks erheblich zu. Je mehr persönliche Gegenstände und Spuren untersucht wurden, desto stärker verdichtete sich der Verdacht, dass Pickton mit dem Verschwinden mehrerer Frauen in Verbindung stand. Die Ermittlungen führten schließlich zu einer zweiten, wesentlich umfangreicheren Durchsuchung.

Bereits im Februar 2002 war das Anwesen von Pickton durchsucht worden. Die Ermittlungen führten jedoch zunächst nicht zu einer Mordanklage. Erst nachdem weitere Erkenntnisse zusammengetragen worden waren, fand im Februar 2002 eine zweite, umfassende Ermittlungsphase auf dem Grundstück statt. Dabei stießen die Behörden auf eine große Zahl von Beweismitteln. Am 22. Februar 2002 wurde Robert Pickton festgenommen. Die Polizei hatte inzwischen genügend konkrete Anhaltspunkte gesammelt, um ihn zunächst wegen illegalen Waffenbesitzes festzunehmen. Während der weiteren Untersuchungen wurden auf dem Anwesen immer mehr Gegenstände und biologische Spuren entdeckt, die mit den Vermisstenfällen in Verbindung gebracht wurden. Die Ermittler durchsuchten deshalb das gesamte Gelände systematisch. Dies entwickelte sich zu einer der größten forensischen Operationen in der Geschichte British Columbias. Im Zuge der Arbeiten wurden schließlich menschliche Überreste auf dem Grundstück gefunden. Damit wandelte sich der Fall endgültig von einer Vermisstenermittlung zu einer umfassenden Morduntersuchung. Die Polizei begann, die gefundenen Überreste und DNA-Spuren mit den seit Jahren vermissten Frauen abzugleichen.

Nach der Festnahme wurde das Anwesen von Pickton über einen längeren Zeitraum kriminaltechnisch untersucht. Aufgrund der Größe und Beschaffenheit des Grundstücks war die Suche äußerst aufwendig. Die Ermittler mussten Wohngebäude, Ställe, Werkstätten, Fahrzeuge, Bodenflächen und zahlreiche weitere Bereiche untersuchen. Im Verlauf der Arbeiten wurden menschliche Überreste und biologische Spuren gefunden. Forensiker untersuchten die gefundenen Materialien mit unterschiedlichen Methoden. Einen wesentlichen Bestandteil bildeten DNA-Analysen, mit deren Hilfe die Überreste bzw. biologischen Spuren einzelnen vermissten Frauen zugeordnet werden konnten. Die Untersuchungen ergaben außerdem, dass sich auf dem Grundstück Gegenstände befanden, die den vermissten Frauen gehört hatten. Die kriminaltechnische Arbeit dauerte mehrere Monate und erforderte die Sicherung und Auswertung einer sehr großen Zahl einzelner Beweisstücke. Die DNA-Untersuchungen waren für das spätere Strafverfahren von besonderer Bedeutung. Sie ermöglichten es den Ermittlern, einen direkten Zusammenhang zwischen Picktons Grundstück und mehreren verschwundenen Frauen herzustellen. Das Anwesen wurde somit zu einem der wichtigsten Beweisorte des gesamten Verfahrens. Die forensischen Untersuchungen bildeten schließlich die Grundlage für weitere Mordanklagen gegen Pickton.

Nach der Auswertung der ersten forensischen Beweise wurde Robert Pickton zunächst wegen zweier Morde angeklagt. Am 22. April 2002 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen der Tötung von Mona Wilson und Sereena Abotsway. Nachdem die Ermittler zusätzliche Beweise vom Pickton-Anwesen ausgewertet hatten, folgten weitere Anklagen. Bis zum Jahr 2005 war die Zahl der Mordanklagen auf insgesamt 26 angestiegen. Damit wurde Pickton offiziell mit dem Verschwinden und der mutmaßlichen Tötung von 26 Frauen in Verbindung gebracht. Die Anklagen bezogen sich auf Frauen, die überwiegend aus dem Umfeld des Stadtviertels „Downtown Eastside” stammten und über längere Zeiträume verschwunden waren. Die Staatsanwaltschaft musste für jeden einzelnen Fall nachweisen, dass die betreffende Frau tatsächlich getötet worden war und dass Pickton dafür verantwortlich war. Die große Zahl der Anklagen führte zu einem außergewöhnlich umfangreichen Strafverfahren. Gleichzeitig war absehbar, dass nicht alle 26 Fälle gleichzeitig vor einer Jury verhandelt werden konnten. Die Staatsanwaltschaft musste deshalb entscheiden, welche Fälle zunächst verhandelt werden sollten. Diese Entscheidung sollte später eine zentrale Rolle für den Ablauf des Prozesses spielen.

Im ersten Mordprozess gegen Pickton konzentrierte sich die Staatsanwaltschaft auf sechs Fälle. Pickton wurde wegen der Morde an Sereena Abotsway, Marnie Frey, Mona Wilson, Andrea Joesbury, Georgina Papin und Brenda Wolfe angeklagt. Dies bedeutete jedoch nicht, dass die Ermittler die übrigen Fälle aufgegeben hatten. Vielmehr sollten die sechs Fälle zunächst stellvertretend für die umfassendere Untersuchung vor Gericht gebracht werden. Die Staatsanwaltschaft musste die einzelnen Tötungsdelikte anhand der verfügbaren Beweise nachweisen. Dabei spielten insbesondere DNA-Spuren, persönliche Gegenstände der Frauen und Erkenntnisse aus der Untersuchung des Pickton-Anwesens eine wichtige Rolle. Der Prozess wurde deshalb nicht als allgemeine Verhandlung über alle 26 verschwundenen Frauen geführt. Gegenstand des Verfahrens waren ausschließlich die sechs konkret angeklagten Morde. Diese Beschränkung war für die spätere rechtliche Bewertung entscheidend. Pickton musste sich zunächst für sechs konkrete Tötungsdelikte verantworten, während die Ermittlungen zu den übrigen 20 Fällen unabhängig davon weitergeführt wurden.

Der Prozess gegen Robert Pickton begann im Januar 2007 vor dem Supreme Court of British Columbia in New Westminster. Die Staatsanwaltschaft legte der Jury Beweise aus sechs ausgewählten Mordfällen vor. Einen wichtigen Bestandteil bildeten die DNA-Ergebnisse, die Verbindungen zwischen Pickton, seinem Grundstück und den vermissten Frauen belegten. Daneben wurden zahlreiche weitere Beweismittel präsentiert, darunter persönliche Gegenstände der Opfer sowie Gegenstände, die auf dem Anwesen von Pickton gefunden worden waren. Die Verteidigung stellte die Beweislage infrage und argumentierte unter anderem, dass die gefundenen Beweise nicht eindeutig belegten, dass Pickton die Frauen getötet hatte. Ein wesentlicher Bestandteil des Verfahrens war außerdem die Frage, welche Bedeutung den Aussagen und Handlungen Picktons zukam. Der Prozess dauerte mehrere Monate und gehörte zu den umfangreichsten Strafverfahren in der Geschichte British Columbias. Im Dezember 2007 kam die Jury zu ihrem Urteil. Pickton wurde in sechs Mordfällen wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen. Damit stand erstmals gerichtlich fest, dass er für sechs der verschwundenen Frauen verantwortlich war.

Im Dezember 2007 wurde Robert Pickton nach dem Schuldspruch zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Für jeden der sechs Mordfälle wurde eine lebenslange Freiheitsstrafe ausgesprochen. Das Gericht setzte die Möglichkeit einer Bewährung nach 25 Jahren fest. Damit war Pickton für sechs Tötungsdelikte rechtskräftig verurteilt, während die übrigen 20 Mordanklagen zunächst weiterhin offenstanden. Das Urteil bedeutete zugleich, dass die Staatsanwaltschaft die sechs Fälle anhand der vorgelegten Beweise erfolgreich nachweisen konnte. Pickton legte gegen seine Verurteilung Berufung ein. Der Fall gelangte anschließend vor das Supreme Court of Canada, das die rechtliche Behandlung des Verfahrens überprüfte. Die Entscheidung des höchsten kanadischen Gerichts sollte klären, ob die sechs Schuldsprüche Bestand haben konnten.

Nach der Berufung gelangte der Fall bis vor den Supreme Court of Canada. Das höchste kanadische Gericht entschied im Jahr 2010, die sechs Schuldsprüche wegen Mordes aufrechtzuerhalten. Damit war die Verurteilung Picktons wegen der sechs Tötungsdelikte endgültig bestätigt. Das Gericht beschäftigte sich insbesondere mit Fragen der Beweisführung sowie der korrekten Behandlung bestimmter Aussagen und Beweismittel im Prozess. Die lebenslange Freiheitsstrafe blieb somit bestehen. Somit sind rechtlich gesichert sechs Mordopfer, für deren Tötung Pickton endgültig verurteilt wurde. Die übrigen gegen ihn erhobenen Mordanklagen führten durch diese Entscheidung nicht zu weiteren Verurteilungen. Sie bleiben Gegenstand eines separaten juristischen Verfahrens.

Neben den sechs Fällen, die vor Gericht zu einer Verurteilung führten, hatte die Staatsanwaltschaft Pickton wegen 20 weiterer Morde angeklagt. Diese Anklagen bezogen sich auf Frauen, deren Verschwinden im Rahmen der großen Ermittlungen mit Pickton in Verbindung gebracht worden war. Nachdem der Supreme Court of Canada die sechs Schuldsprüche bestätigt hatte, entschied die Staatsanwaltschaft, die verbleibenden Verfahren nicht weiterzuführen. Im Jahr 2010 wurden die 20 noch offenen Mordanklagen schließlich eingestellt. Somit kam es zu keiner gerichtlichen Feststellung der Schuld Picktons in diesen Fällen. Die Ermittlungsbehörden gingen allerdings weiterhin davon aus, dass die 26 Vermisstenfälle miteinander in Verbindung standen und dass Picktons Grundstück eine zentrale Rolle spielte. Für die kriminalhistorische Darstellung muss deshalb zwischen drei Zahlen unterschieden werden:

6: rechtskräftig festgestellte Morde.
20: weitere Mordanklagen, die 2010 eingestellt wurden.
26: Frauen, deren Verschwinden Gegenstand der Mordermittlungen und Anklagen gegen Pickton war.

Die Zahl 26 darf daher nicht als die Zahl der rechtskräftig bewiesenen Mordopfer bezeichnet werden. Gerichtliche Schuldsprüche gibt es nur in sechs Fällen.

Während der Ermittlungen und des späteren Verfahrens wurden auch Aussagen bekannt, die Pickton selbst zugeschrieben wurden und über die sechs gerichtlich festgestellten Morde hinausgingen. Besonders bekannt wurde die Aussage, er habe 49 Frauen getötet. Diese Zahl stammt aus einer polizeilichen Vernehmung und wurde durch entsprechende Gerichtsverfahren nicht bestätigt. Die Ermittler untersuchten deshalb auch weitere Vermisstenfälle und mögliche Verbindungen zu Pickton. Für die kriminalhistorische Bewertung ist entscheidend, dass eine solche Täterangabe nicht automatisch als Beweis für eine konkrete Tötung gelten kann. Die Zahl 49 wird deshalb häufig in Darstellungen des Falles erwähnt, sie darf aber nicht als bewiesene Opferzahl angegeben werden. Gesichert bleibt ausschließlich die rechtskräftige Verurteilung wegen sechs Morden.

Die Ermittlungen gegen Robert Pickton führten später zu erheblicher Kritik an den zuständigen Polizeibehörden. Ein zentraler Kritikpunkt war, dass die zahlreichen Vermisstenmeldungen aus dem Stadtteil Downtown Eastside über Jahre hinweg nicht als zusammenhängendes Phänomen erkannt worden waren. Familienangehörige und Unterstützer der verschwundenen Frauen hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass ungewöhnlich viele Frauen aus demselben sozialen Umfeld verschwunden waren. Auch der bereits erwähnte Angriff auf eine Frau im Jahr 1997 wurde nach Picktons Festnahme erneut betrachtet. Kritiker stellten die Frage, ob die damalige Behandlung des Falls eine verpasste Gelegenheit gewesen sei, Pickton früher intensiver zu untersuchen. Nach der Festnahme wurde bekannt, dass die Polizei bereits vor der entscheidenden Mordermittlung Hinweise auf mögliche Verbindungen zwischen Pickton und einigen der vermissten Frauen gehabt hatte. Die spätere öffentliche Untersuchung beschäftigte sich deshalb ausführlich mit der Frage, warum die Behörden nicht früher wirksam reagiert hatten. Dabei wurden unter anderem Probleme bei der Zusammenarbeit verschiedener Polizeibehörden, bei der Bewertung von Vermisstenmeldungen und bei der Koordination der Ermittlungen festgestellt. Die Kritik richtete sich jedoch nicht nur gegen einzelne Polizeibeamte. Vielmehr wurde auch untersucht, ob strukturelle Probleme dazu beigetragen hatten, dass die Vermisstenfälle über Jahre nicht mit ausreichender Konsequenz verfolgt wurden. Dadurch entwickelte sich die Aufarbeitung des Falles zu einer grundlegenden Untersuchung darüber, wie Behörden mit dem Verschwinden sozial marginalisierter Menschen umgehen.

Nach dem Strafverfahren wurde die staatliche Aufarbeitung der Vermisstenfälle fortgesetzt. Die Regierung von British Columbia setzte eine von Wally Oppal geleitete öffentliche Untersuchung ein. Sie trug den Titel „Missing Women Commission of Inquiry”. Die Untersuchung, die sich mit den Umständen befasste, unter denen die Frauen verschwunden waren, sowie mit der Arbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft, begann 2010. Ein zentraler Untersuchungsgegenstand war die Frage, warum die Behörden trotz der wachsenden Zahl vermisster Frauen über Jahre keine ausreichende gemeinsame Ermittlungsstrategie entwickelt hatten. Die Kommission hörte zahlreiche Zeugen und untersuchte umfangreiche Polizeiunterlagen. Dabei wurden erhebliche Defizite bei der polizeilichen Zusammenarbeit und bei der Behandlung der Vermisstenfälle festgestellt. Der 2012 veröffentlichte Abschlussbericht trug den Titel „Forsaken“. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass es zu schwerwiegenden Versäumnissen gekommen war. Besonders problematisch war laut der Kommission die unzureichende Reaktion auf die Hinweise aus dem „Downtown Eastside“. Anschließend formulierte die Kommission zahlreiche Empfehlungen zur Verbesserung der Polizeiarbeit, insbesondere im Umgang mit vermissten und ermordeten Frauen sowie bei der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeibehörden. Die Untersuchung beschäftigte sich somit nicht mehr ausschließlich mit Pickton selbst, sondern mit der Frage, wie es möglich war, dass seine Taten über einen so langen Zeitraum unentdeckt blieben.

Die forensischen Untersuchungen des Anwesens von Pickton gehörten zu den umfangreichsten kriminaltechnischen Arbeiten in der Geschichte British Columbias. Auf dem Grundstück wurden menschliche Überreste, DNA-Spuren, persönliche Gegenstände und weitere Beweismittel gesichert. Die DNA-Analysen waren für die Identifizierung von entscheidender Bedeutung. Durch den Vergleich mit DNA-Proben von Angehörigen konnten die menschlichen Überreste bzw. die biologischen Spuren bestimmten vermissten Frauen zugeordnet werden. Unter den auf dem Grundstück gefundenen Spuren befanden sich zudem DNA- und Gegenstandsspuren, die Pickton mit einzelnen Opfern in Verbindung brachten. Die Ermittler mussten eine sehr große Zahl einzelner Beweisstücke dokumentieren und untersuchen. Das Verfahren dauerte deshalb über einen langen Zeitraum. Die forensischen Erkenntnisse bildeten einen wesentlichen Teil der Beweisgrundlage für die sechs Fälle, die schließlich vor Gericht verhandelt wurden. Gleichzeitig zeigte die forensische Untersuchung auch die Grenzen der Beweislage: Das Vorhandensein von DNA oder persönlichen Gegenständen einer vermissten Person auf dem Grundstück bewies nicht automatisch, dass diese Person von Pickton getötet wurde. Gerade diese Unterscheidung war für die spätere Entscheidung über die 20 zusätzlichen Mordanklagen von Bedeutung. Die forensische Untersuchung lieferte somit sowohl entscheidende Beweise für die sechs Schuldsprüche als auch Erkenntnisse, die den Verdacht auf weitere Tötungen stützten, ohne in allen Fällen einen gerichtsfesten Nachweis zu ermöglichen.

Nach der rechtskräftigen Bestätigung seiner sechs Mordurteile blieb Robert Pickton in einer kanadischen Bundesvollzugsanstalt inhaftiert. Seine lebenslange Freiheitsstrafe bedeutete, dass er grundsätzlich erst nach 25 Jahren eine Bewährungschance erhalten konnte. Eine automatische Entlassung war damit jedoch nicht verbunden. Am 19. Mai 2024 wurde Pickton in der Port-Cartier Institution in Québec von einem anderen Insassen angegriffen. Pickton erlitt dabei schwere Verletzungen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort medizinisch behandelt. Am 31. Mai 2024 starb er an den Folgen des Angriffs. Er wurde 74 Jahre alt. Damit endete seine lebenslange Haft durch seinen Tod. Eine Entlassung aus dem Strafvollzug fand nicht statt.

Fallbeschreibungen

1
Motivlage und Täterpersönlichkeit
Bei Robert Pickton lässt sich kein eindeutiges persönliches Einzelmotiv für die sechs gerichtlich festgestellten Morde sicher belegen. Die Beweislage zeigt jedoch, dass er Frauen aus dem Drogen- und Sexarbeitsmilieu des Stadtviertels „Downtown Eastside” gezielt auf sein Grundstück brachte und dort sexuelle Kontakte mit ihnen suchte. Laut der Darstellung der Staatsanwaltschaft lockte er die Frauen unter anderem mit Geld oder Drogen auf den abgelegenen Hof. Die späteren Taten waren von erheblicher Gewalt und einem hohen Maß an Kontrolle geprägt. Auf seinem Grundstück wurden Fesselungsmittel gefunden, außerdem persönliche Gegenstände und DNA-Spuren mehrerer Opfer in seinem Wohnbereich. Besonders auffällig war die Verbindung zwischen Picktons Tätigkeit als Schweinezüchter und der späteren Behandlung menschlicher Überreste. Die gerichtsmedizinischen Befunde zeigten bei mehreren Opfern eine Zerlegung der Körper, die laut Supreme Court deutliche Ähnlichkeiten mit der Art aufwies, wie Pickton Schweine zerlegte. Eine psychiatrische Diagnose wie „Psychopath” sollten wir ihm für die Website nicht ohne eine belastbare diagnostische Quelle zuschreiben. Ebenso wäre es falsch, aus seiner Lebensgeschichte nachträglich eine eindeutige psychologische Ursache für die Morde abzuleiten. Fest steht hingegen das Bild eines Täters, der seine Opfer an einen abgelegenen Ort brachte, sie misshandelte und anschließend die Leichen zerlegte und beseitigte. Auch Picktons eigene Aussagen müssen vorsichtig bewertet werden. So behauptete er gegenüber einem verdeckten Ermittler, 49 Frauen getötet zu haben und eine fünfzigste töten zu wollen. Diese Aussage wurde jedoch nicht durch entsprechende Schuldsprüche bestätigt und darf deshalb nicht als bewiesene Opferzahl dargestellt werden.
2
Modus operandi
Den Ermittlungen zufolge nahm Pickton vor allem Frauen aus dem Stadtteil Downtown Eastside mit auf sein Grundstück in Port Coquitlam. Dort konnte er sie in einer abgeschirmten Umgebung unter Kontrolle bringen. Die Frauen wurden dort getötet, anschließend wurden die Leichen zerlegt und die Überreste teilweise beseitigt beziehungsweise auf dem Schweinezuchtbetrieb verarbeitet. Das weitläufige Grundstück mit seinen Ställen, Werkstätten und anderen Gebäuden bot ihm dabei eine Umgebung, in der Spuren und Überreste über längere Zeit verborgen werden konnten.
3
Die wichtigsten Ermittlungs- und Tatspuren
Die Ermittlungen gegen Pickton stützten sich nicht auf einen einzigen Beweis, sondern auf eine Vielzahl unterschiedlicher Spuren. Von besonderer Bedeutung waren DNA-Spuren, die auf dem Grundstück und an verschiedenen Gegenständen gefunden wurden. Sie ermöglichten es, Verbindungen zwischen Pickton, seinem Anwesen und einzelnen vermissten Frauen herzustellen. Hinzu kamen persönliche Gegenstände der Frauen, die auf dem Grundstück gefunden wurden. Dazu gehörten unter anderem Schmuck und Kleidung, die bestimmten Vermissten zugeordnet werden konnten. Die Ermittler fanden außerdem Gegenstände, die für die Rekonstruktion der Taten von unmittelbarer Bedeutung waren, darunter Waffen und Fesselungsmaterial. Ein weiterer wichtiger Beweis war eine Videokassette, auf der Pickton gegenüber einem verdeckten Ermittler die Tötung von Frauen gestand. Diese Aufnahme wurde später im Strafverfahren verwendet. Die Beweise wurden jeweils im Zusammenhang mit den einzelnen Mordfällen bewertet. Entscheidend war nicht, ob Pickton lediglich Kontakt zu einer verschwundenen Frau gehabt hatte, sondern ob die Gesamtheit der Beweise einen Schuldspruch wegen ihrer Tötung rechtfertigte. Gerade diese umfassende Beweisführung ermöglichte schließlich die Verurteilung in sechs Fällen, während die Beweislage bei den übrigen 20 angeklagten Fällen nicht zu weiteren Schuldsprüchen führte.
4
Die Rolle des verdeckten Ermittlers
Ein wichtiger Wendepunkt in den Ermittlungen war der Einsatz eines verdeckten Ermittlers, der sich gegenüber Pickton als Mitgefangener bzw. Kontaktperson ausgab. Während dieser Gespräche sprach Pickton über die verschwundenen Frauen und belastete sich dabei selbst. Besonders bedeutsam war eine Aussage, in der er behauptete, 49 Frauen getötet zu haben. Außerdem berichtete er, wie er mit den Leichen umgegangen sei. Die Gespräche wurden heimlich aufgezeichnet. Die Aufnahmen wurden später als Beweismittel im Strafverfahren verwendet. Sie waren für die Anklage von Bedeutung, da sie Aussagen enthielten, die Pickton selbst zugerechnet werden konnten. Die Verteidigung stellte unter anderem die Zuverlässigkeit und Bedeutung dieser Aussagen in Frage. Das Gericht musste deshalb nicht nur die Inhalte der Gespräche berücksichtigen, sondern auch den Beweiswert der Äußerungen im Zusammenhang mit den übrigen Beweismitteln beurteilen.
5
Die Verarbeitung der Leichen
Bei der Untersuchung des Pickton-Anwesens wurden Hinweise darauf gefunden, dass die Leichen der Opfer nach der Tötung zerlegt worden waren. Bei der forensischen Untersuchung wurden in unterschiedlichen Bereichen des Grundstücks menschliche Überreste gefunden. Weitere Spuren wurden in Bereichen entdeckt, die mit Picktons Schweinezucht und der Verarbeitung von Schweinefleisch in Verbindung standen. Die Ermittler fanden zudem Hinweise darauf, dass menschliches Gewebe mit Tierkadavern vermischt worden sein könnte. Die forensische Untersuchung musste deshalb klären, welchen Opfern die einzelnen Überreste zuzuordnen waren und welche Spuren tatsächlich mit den einzelnen Mordfällen zusammenhingen. Einige der Überreste waren durch Behandlung und Zersetzung stark verändert. Dadurch war eine vollständige Identifizierung in jedem Fall nicht möglich. Die Art der Spuren auf dem Grundstück war jedoch ein wesentlicher Bestandteil der späteren Beweisführung. Besonders auffällig war, dass die Ermittler bei der Untersuchung des Grundstücks die DNA mehrerer vermisster Frauen fanden. Die Verarbeitung der Leichen war somit nicht nur für die Frage der Spurenbeseitigung relevant, sondern wurde auch zu einem wichtigen Bestandteil der Rekonstruktion dessen, was nach den Tötungen geschehen war.
6
Psychologische Untersuchung
Im Rahmen des Strafverfahrens wurde Robert William Pickton psychologisch untersucht. Der Psychologe Dr. Krywaniuk führte unter anderem Tests zu seinen kognitiven Fähigkeiten und seiner verbalen Intelligenz mit ihm durch. Die Untersuchung ergab niedrige Leistungen im Bereich der verbalen Intelligenz. Daraus allein ließ sich jedoch keine Aussage über eine bestimmte psychische Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung ableiten. Die Untersuchung spielte später auch im Berufungsverfahren eine Rolle. Dabei wurde unter anderem diskutiert, ob Picktons kognitive Fähigkeiten Einfluss auf die Glaubwürdigkeit beziehungsweise die Bedeutung bestimmter Aussagen haben könnten. Die Ergebnisse lieferten jedoch keinen Hinweis darauf, dass Pickton aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten nicht in der Lage gewesen wäre, komplexe Handlungen auszuführen. Dazu gehörten nach der im Verfahren erörterten Einschätzung das Aufsuchen bzw. Anwerben von Frauen, ihre Tötung sowie der anschließende Umgang mit den Leichen und die Beseitigung von Spuren. Ihm sollte deshalb keine belastbare psychiatrische Diagnose wie Psychopathie oder eine bestimmte Persönlichkeitsstörung zugeschrieben werden, sofern dafür keine entsprechende diagnostische Quelle vorliegt.

Für eine sachliche Darstellung lässt sich lediglich festhalten: Pickton wurde im Rahmen des Strafverfahrens psychologisch untersucht. Dabei wurden unter anderem niedrige verbale Intelligenzleistungen festgestellt; eine daraus abgeleitete psychiatrische Diagnose ist jedoch nicht belegt.
7
Quellen
Supreme Court of Canada – R. v. Pickton, 2010 SCC 32
Supreme Court of Canada – Fallakte 33288
Government of British Columbia – Missing Women Commission of Inquiry
„Forsaken“ – Final Report of the Missing Women Commission of Inquiry
Correctional Service Canada – Death of an inmate from Port-Cartier Institution
Correctional Service Canada – Board of Investigation: Pickton
CityNews – The Robert Pickton case: A timeline
The Canadian Encyclopedia – Robert Pickton