Tatzeitraum & Opfer
Aktiv von1971
Aktiv bis1971
Bestätigte Opfer8
AktionsradiusPräfektur Gunma, Takasaki, Haruna und Matsuida
OpfergruppenÜberwiegend junge Frauen
Modus Operandi & Motive
Modus OperandiŌkubo sprach junge Frauen an, täuschte sie unter anderem mit dem Vorwand einer Modeltätigkeit und brachte sie in seinem Mazda Rotary Coupé an abgelegene Orte. Dort verübte er sexuelle Gewalt und tötete anschließend seine Opfer
HauptmotiveSexuelle Gewalt und Befriedigung standen im Zentrum seiner Taten. Die Tötungen dienten offenbar auch dazu, die Opfer als mögliche Zeuginnen seiner Sexualdelikte auszuschalten
Rechtliches
Festnahmejahr1971
UrteilTodesstrafe am 22. Februar 1973
HaftformGefängnis
Hinrichtungsjahr1976
Fallbeschreibungen
1
Die psychiatrische Begutachtung
Nach seiner Festnahme musste nicht nur geklärt werden, welche Taten Kiyoshi Ōkubo begangen hatte. Die Ermittler und später das Gericht wollten auch seinen psychischen Zustand verstehen.
Ōkubo wurde deshalb psychiatrisch begutachtet. Die Untersuchung befasste sich dabei nicht nur mit den Morden, sondern auch mit seiner Familiengeschichte, seiner Kindheit, seiner bisherigen Entwicklung sowie den zahlreichen Sexualstraftaten, die seinen Lebensweg bereits vor der Mordserie geprägt hatten. Die Gutachter stellten bei ihm eine deutlich auffällige Persönlichkeitsstruktur fest. Unter anderem wurden eine ausgeprägte Selbstdarstellung, emotionale Kälte und eine starke sexuelle Fixierung beschrieben.
Entscheidend war jedoch, dass die Begutachtung zum damaligen Zeitpunkt keine Psychose oder vergleichbare schwere psychische Erkrankung feststellte, durch die Ōkubo seine Realität nicht mehr hätte erkennen können. Damit wurde seine Verantwortung für die Taten nicht infrage gestellt. Die psychiatrische Beurteilung zeichnete das Bild eines Mannes, dessen Persönlichkeit von Egozentrik, Gefühlskälte und einem ausgeprägten sexuellen Verlangen geprägt war. Diese Einschätzung erklärt jedoch nicht automatisch, warum aus seinen früheren Sexualstraftaten schließlich eine Mordserie wurde. Eine solche einfache Ursache-Wirkungs-Erklärung lässt sich aus den historischen Gutachten nicht ableiten.
Auch Okubo selbst lieferte während des Verfahrens Erklärungen für seine Taten. Dabei stellte er unter anderem einen angeblichen Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten in den Mittelpunkt. Das Gericht bewertete diese Darstellung jedoch kritisch und sah darin keine überzeugende Erklärung für die Morde. Vielmehr wurde deutlich, dass Okubo wiederholt versuchte, sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen und sich selbst in einer bestimmten Rolle darzustellen.
Die psychiatrische Begutachtung machte einen wichtigen Punkt deutlich: Okubo war kein Täter, dessen Verbrechen sich mit einer einzigen Diagnose erklären ließen. Seine Geschichte bestand aus einer langen Reihe von Grenzüberschreitungen, Sexualstraftaten, Haftstrafen und schließlich acht Morden innerhalb weniger Wochen. Nun musste das Gericht entscheiden, inwieweit er für diese Taten verantwortlich war und welche Strafe angemessen wäre.
2
Das Gerichtsverfahren und das Todesurteil
Nach Abschluss der Ermittlungen begann am 25. Oktober 1971 vor dem Maebashi District Court der Prozess gegen Kiyoshi Ōkubo. Im Mittelpunkt standen die acht Morde, die innerhalb von nur sechs Wochen in der Präfektur Gunma begangen worden waren. Die Anklage zeichnete dabei kein Bild einzelner spontaner Gewaltdelikte, sondern einer Serie von Taten, bei denen Ōkubo junge Frauen gezielt angesprochen und unter einem Vorwand in sein Fahrzeug gelockt hatte.
Die Ermittlungen hatten die Verbindung zwischen Ōkubo und den acht Opfern rekonstruiert. Seine eigenen Aussagen und die von ihm genannten Fundorte der Leichen waren dabei wichtige Bestandteile der Aufklärung. Gleichzeitig wurde seine langjährige Vorgeschichte als Sexualstraftäter berücksichtigt.
Eine zentrale Frage des Verfahrens war Ōkubos psychischer Zustand. Die psychiatrische Begutachtung ergab keine schwere psychotische Erkrankung, die seine Schuldfähigkeit grundsätzlich aufgehoben hätte. Vielmehr wurde seine Persönlichkeit als deutlich auffällig beschrieben, geprägt von Gefühlskälte, Selbstdarstellung und einem ausgeprägten sexuellen Verlangen. Okubo selbst versuchte, seine Taten teilweise mit einem Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten zu erklären. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht als überzeugende Erklärung für die Mordserie. Stattdessen wertete es sein Verhalten als Ausdruck eigener Interessen und sexueller Begierden.
Für das Gericht war die Schwere der Taten offensichtlich. Acht junge Frauen waren innerhalb kürzester Zeit getötet worden. Okubo hatte bereits eine lange Vorgeschichte sexueller Gewalt und war erst wenige Wochen vor Beginn der Mordserie aus der Haft entlassen worden. Am 22. Februar 1973 verkündete das Maebashi District Court schließlich das Urteil: Kiyoshi Ōkubo wurde des achtfachen Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Okubo legte gegen das Urteil keine Berufung ein. Damit wurde die Todesstrafe rechtskräftig.
Für Ōkubo begann nun die letzte Phase seines Lebens. Im Gefängnis verfasste er Aufzeichnungen über sein Leben und seine Taten. Diese Schriften geben Einblick in seine persönliche Sichtweise, sind jedoch als Selbstdarstellung des Täters und nicht als unabhängige Tatsachenquelle zu betrachten. Noch fast drei Jahre sollte er auf seine Hinrichtung warten. Am 22. Januar 1976 wurde Kiyoshi Ōkubo im Tokyo Detention House hingerichtet. Er war 41 Jahre alt.
Mit seinem Tod endete der juristische Weg des Falls. Die Geschichte der acht jungen Frauen, die zwischen Ende März und Anfang Mai 1971 ihr Leben verloren hatten, blieb jedoch Teil der japanischen Kriminalgeschichte.
3
Die acht Opfer
Hinter den nüchternen Zahlen dieses Falls steckten acht junge Frauen. Sie waren zwischen 16 und 21 Jahre alt, stammten aus verschiedenen Orten der Präfektur Gunma und führten unterschiedliche Leben. Einige gingen noch zur Schule, andere standen bereits im Berufsleben. Was sie miteinander verband, war zunächst nur der Umstand, dass Kiyoshi Ōkubo ihre Wege kreuzte. Die folgende Reihenfolge entspricht der in den Fallunterlagen dokumentierten Chronologie.
Miyako Tsuda – 17 Jahre
Am 31. März 1971 wurde die 17-jährige Miyako Tsuda das erste bekannte Mordopfer Ōkubos. Sie war Schülerin und stammte aus dem Landkreis Tano. Tsuda hatte Ōkubo einige Tage zuvor kennengelernt. Am Abend des 31. März traf sie erneut auf ihn. Okubo gelang es, sie zu einer Fahrt in seinem Wagen zu überreden. Die Fahrt führte in Richtung Harunasee. Dort kam es zu einem sexuellen Übergriff. Anschließend wurde Tsuda getötet. Ihre Leiche wurde später am Ufer des Harunasees gefunden. Mit diesem Mord begann eine Mordserie, die in den folgenden Wochen immer schneller werden sollte.
Mieko Oikawa – 17 Jahre
Nur sechs Tage später, am 6. April 1971, tötete Okubo die 17-jährige Mieko Oikawa. Sie arbeitete als Kellnerin und lebte in Takasaki. Auch sie war zuvor mit Okubo in Kontakt gekommen. Er nahm sie mit seinem Fahrzeug mit und brachte sie schließlich an einen abgelegenen Ort. Ihre Leiche wurde später auf einem Gelände des ehemaligen Yawata-Industriegebiets in Takasaki entdeckt. Damit hatte Ōkubo innerhalb von nur einer Woche zwei junge Frauen getötet.
Chieko Ida – 19 Jahre
Am 17. April 1971 folgte das dritte Opfer. Die 19-jährige Chieko Ida arbeitete als Aushilfskraft bei der Präfekturverwaltung. Bei ihr war der Kontakt zu Ōkubo bereits intensiver. Den späteren Ermittlungen zufolge hatte sie ihn mehrfach getroffen. Die letzte Fahrt führte in Richtung Karuizawa. Ida wurde anschließend getötet. Ihre Leiche wurde im Bereich des Yawata-Industriegeländes gefunden. Damit hatte Ōkubo innerhalb von weniger als drei Wochen drei Frauen ermordet.
Seiko Kawabata – 17 Jahre
Nur einen Tag später, am 18. April, verschwand die 17-jährige Seiko Kawabata. Auch sie war Schülerin. Okubo nahm sie mit und fuhr mit ihr in Richtung Haruna. Später wurde ihre Leiche in einem Kiesabbaugebiet am Karasu-Fluss im damaligen Haruna-Gebiet gefunden. Zwischen dem dritten und vierten Mord lag nur ein einziger Tag.
Akemi Satō – 16 Jahre
Das jüngste der acht Opfer war Akemi Satō. Sie war 16 Jahre alt und besuchte noch die Schule. Am 27. April 1971 geriet sie in die Hände von Ōkubo. Auch sie wurde nach einer Fahrt mit ihm getötet. Ihre Leiche wurde später auf dem Gelände des Yawata-Industriegebiets gefunden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits fünf junge Frauen innerhalb von weniger als vier Wochen ermordet worden.
Kazuyo Kawaho – 18 Jahre
Am 3. Mai 1971 traf es die damals 18-jährige Kazuyo Kawahara. Sie arbeitete bei der damaligen Nippon Telegraph and Telephone Public Corporation, dem späteren NTT. Kawaho hatte Ōkubo bereits zuvor getroffen. Bei der zweiten Begegnung nahm er sie mit auf eine Fahrt. Auch diese Begegnung endete tödlich. Ihre Leiche wurde später im Bereich des Yawata-Industriegeländes gefunden. Für die Ermittler sollte später von Bedeutung sein, dass Kawaho zu den Frauen gehörte, die Ōkubo vor ihrem Tod näher kennengelernt hatte.
Reiko Takemura – 21 Jahre
Mit Reiko Takemura änderte sich die Entwicklung des Falls. Die 21-jährige Büroangestellte lebte in Fujioka. Am 9. Mai 1971 verschwand sie, nachdem sie sich mit Ōkubo getroffen hatte. Auch in diesem Fall hatte er sich ihr gegenüber als jemand dargestellt, der ihr eine Tätigkeit als Modell für einen Künstler vermitteln könne. Takemuras Verschwinden löste eine intensive Suche ihrer Familie aus. Ihr Bruder suchte nach ihr und stieß dabei auf ihr Fahrrad. Die weitere Suche führte zu Ōkubos Fahrzeug und damit letztlich zu dem entscheidenden Hinweis für die Polizei. Takemura war das siebte bekannte Opfer. Ihre Leiche wurde später in einem Maulbeerfeld im Gebiet von Matsuida gefunden.
Naoko Takanohashi – 21 Jahre
Nur einen Tag später, am 10. Mai 1971, tötete Okubo sein achtes und letztes bekanntes Opfer. Das 21-jährige Opfer, Naoko Takanohashi, arbeitete als Haushaltshilfe. Sie hatte Okubo bereits mehrfach getroffen. Nach der späteren Rekonstruktion gehörte sie zu den Frauen, mit denen er besonders häufig Kontakt gehabt hatte. Auch diese Begegnungen endeten schließlich tödlich. Ihre Leiche wurde später auf einem Feld im Gebiet von Shimonita gefunden. Damit endete am 10. Mai 1971 die Mordserie.
Innerhalb von 41 Tagen waren acht Frauen getötet worden. Keine von ihnen war älter als 21 Jahre. Die unterschiedlichen Lebenswege der Opfer – Schülerinnen, Berufstätige und junge Frauen am Beginn ihres Erwachsenenlebens – zeigen, dass Ōkubo nicht nach einem bestimmten sozialen Hintergrund suchte. Was er suchte, war die Möglichkeit, junge Frauen anzusprechen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie in eine Situation zu bringen, in der er die Kontrolle über sie übernehmen konnte. Während die Angehörigen der Opfer noch nach Antworten suchten, begann für die Polizei die entscheidende Phase der Ermittlungen. Wo genau hatte Ōkubo die Frauen hingebracht und welche Spuren hatte er an den Tat- und Ablageorten hinterlassen?
4
Tatorte, Leichenfundorte und forensische Ermittlungen
Mithilfe der Aussagen Ōkubos konnten die Ermittler die letzten Wege der Opfer zunehmend rekonstruieren. Die Orte, an denen die jungen Frauen gefunden wurden, lagen teilweise weit voneinander entfernt. Ihnen war jedoch gemeinsam, dass sie abgelegen lagen. Ōkubo hatte die Leichen nicht an einem einzigen Ort versteckt. Stattdessen verteilte er die Leichen über verschiedene Bereiche der Präfektur Gunma. Dadurch erschwerte er zunächst die Ermittlungen und verhinderte, dass die einzelnen Vermisstenfälle sofort miteinander in Verbindung gebracht wurden.
Eine wichtige Rolle spielte dabei das Gebiet um den Harunasee. Dort wurde die Leiche von Miyako Tsuda gefunden. Andere Opfer wurden auf oder in der Nähe von Industrie-, Feld- und Abbauflächen entdeckt. Zu den Fundorten zählten unter anderem das damalige Yawata-Industriegebiet bei Takasaki, ein Kiesabbaugebiet am Karasu-Fluss und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die unterschiedlichen Ablageorte machten deutlich, dass Okubo seine Opfer nach den Tötungen nicht einfach an einem festen Ort zurückließ. Stattdessen nutzte er verschiedene abgelegene Stellen, an denen er offenbar davon ausging, dass die Leichen nicht unmittelbar entdeckt würden. Für die Ermittler waren die Aussagen des Verdächtigen deshalb von großer Bedeutung. Ōkubo konnte Orte nennen, an denen sich die Leichen befanden. Die Polizei konnte diese Angaben überprüfen und die sterblichen Überreste tatsächlich auffinden. Mit jedem Fund wurde die Verbindung zwischen den einzelnen Vermisstenfällen eindeutiger.
Mithilfe der Untersuchungen konnten die Ermittler die Identität der Opfer feststellen und die Todesfälle mit Ōkubo in Verbindung bringen. Gleichzeitig konnten sie seine Angaben mit den übrigen Erkenntnissen aus der Untersuchung abgleichen. Die forensische Arbeit war somit ein wichtiger Bestandteil der späteren Anklage. Die Mordserie beruhte jedoch nicht allein auf Ōkubos Geständnissen. Seine Aussagen mussten mit den aufgefundenen Leichen, den Vermisstenfällen, den Zeugenaussagen und den übrigen Ermittlungsergebnissen zusammengeführt werden. Besonders auffällig war dabei die räumliche Verteilung der Tat- und Ablageorte. Okubo bewegte sich mit seinem Fahrzeug durch verschiedene Teile Gunmas und nutzte seine Mobilität, um seine Opfer zunächst abzuholen und anschließend an abgelegene Orte zu bringen. So konnten die Ermittler nach und nach eine geografische Struktur der Mordserie rekonstruieren.
Am Ende stand ein erschreckend klares Bild: Innerhalb weniger Wochen waren acht junge Frauen verschwunden und getötet worden – und hinter allen Taten stand derselbe Täter. Damit war die kriminalistische Aufklärung weitgehend abgeschlossen. Nun rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Ōkubo seine Opfer auswählte, wie er ihr Vertrauen gewann und warum ausgerechnet junge Frauen in sein Visier gerieten.
5
Opferauswahl und Beuteschema
Die acht Opfer Kiyoshi Ōkubos waren zwischen 16 und 21 Jahre alt. Damit zeigt sich ein auffallend enges Altersprofil. Es handelte sich ausschließlich um junge Frauen, die sich häufig allein im öffentlichen Raum aufhielten und von Ōkubo angesprochen werden konnten.
Dabei scheint es nicht darum gegangen zu sein, dass die Frauen sich untereinander ähnelten. Sie stammten aus unterschiedlichen Lebenssituationen. Einige waren noch Schülerinnen, andere standen bereits im Berufsleben. Entscheidend war, dass Okubo die Möglichkeit sah, mit ihnen in Kontakt zu kommen und sie davon zu überzeugen, mit ihm mitzufahren. Dabei trat er nicht offen als Gewalttäter auf.
Eine wichtige Rolle spielte seine Darstellung als Künstler beziehungsweise als jemand, der Frauen für eine Tätigkeit als Modell gewinnen wollte. Für eine junge Frau konnte ein solches Angebot zunächst wie eine ungewöhnliche, aber harmlose Gelegenheit erscheinen. Genau diese Täuschung verschaffte Ōkubo Zugang zu seinen späteren Opfern. Seine Vorgehensweise setzte deshalb zunächst auf Vertrauen statt auf offene Gewalt. Er sprach Frauen an, unterhielt sich mit ihnen und stellte eine Verbindung zu ihnen her. Anschließend bot er ihnen eine Fahrt an. Sobald sie in seinem Fahrzeug saßen, befanden sie sich in einer wesentlich abgeschirmteren Situation.
Die späteren Ermittlungen zeigten außerdem, dass Okubo nicht nur Frauen tötete, die er unmittelbar zuvor kennengelernt hatte. Einige seiner Opfer hatten bereits vorher Kontakt mit ihm gehabt. Dadurch konnte er teilweise über längere Zeit Vertrauen aufbauen. Das machte seine Vorgehensweise besonders gefährlich. Für die jungen Frauen war nicht erkennbar, dass hinter dem freundlichen Auftreten ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter stand. Okubo nutzte somit eine Situation aus, in der seine Opfer zunächst keinen Grund hatten, von einer unmittelbaren Gefahr auszugehen.
Ein weiteres auffälliges Merkmal war seine Mobilität. Sein Auto ermöglichte es ihm, Frauen schnell aus ihrem gewohnten Umfeld zu bringen und abgelegene Gebiete anzufahren. Die räumliche Distanz zwischen Wohnort und späterem Tat- oder Ablageort erschwerte zugleich die Rekonstruktion der Geschehnisse im Nachhinein.
Die Auswahl der Opfer lässt sich dennoch nicht auf ein einziges, eindeutig belegtes Motiv reduzieren. Es gibt keine belastbare Grundlage für die Behauptung, Okubo habe seine Opfer aufgrund ihrer Haarfarbe, ihres Aussehens oder ihrer sozialen Herkunft ausgewählt.
Deutlich erkennbar ist dagegen ein wiederkehrendes Muster: junge Frau – Kontaktaufnahme – Täuschung – Mitfahrt im Fahrzeug – abgelegener Ort – sexuelle Gewalt – Tötung. Dieses Muster macht den Fall auch aus kriminalistischer Sicht bemerkenswert. Okubo benötigte für seine Taten keine komplizierte Vorgehensweise. Entscheidend waren sein Auftreten, seine Fähigkeit zur Täuschung und die Möglichkeit, seine Opfer mit seinem Fahrzeug an Orte zu bringen, an denen sie weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten waren. Doch diese Methode hatte eine Schwachstelle.
Je häufiger Ōkubo Frauen ansprach, desto größer wurde die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sein Verhalten bemerkte oder sich später an ihn erinnerte. Tatsächlich sollte genau diese Vielzahl von Kontakten für die Ermittler schließlich zu einer wichtigen Spur werden.
6
Der Modus Operandi
Bei den später rekonstruierten Taten folgte Kiyoshi Ōkubos Vorgehensweise einem erkennbaren Muster. Die eigentliche Gefahr für seine Opfer begann dabei nicht mit offener Gewalt, sondern mit einer scheinbar harmlosen Begegnung. Okubo suchte junge Frauen, die er im öffentlichen Raum ansprechen konnte. Sein Fahrzeug war dabei ein wichtiges Mittel. Er konnte damit verschiedene Orte anfahren, Frauen ansprechen und sie anschließend aus ihrer vertrauten Umgebung herausbringen.
Bei seinen Gesprächen stellte er sich teilweise als Künstler oder Lehrer dar. Besonders wichtig war der Vorwand, eine junge Frau könne als Modell für einen Maler arbeiten. Dieses Angebot verschaffte ihm einen plausiblen Grund, die Frauen näher kennenzulernen und sie zu einer Fahrt mit ihm zu bewegen. Die Methode war nicht darauf ausgelegt, die Frauen sofort mit Gewalt zu überwältigen. Okubo setzte zunächst auf Täuschung und Vertrauen. Sobald eine Frau in seinem Wagen saß, konnte er sie an einen abgelegenen Ort bringen. Dort kam es zu sexueller Gewalt. Anschließend tötete er seine Opfer und verbarg ihre Leichen an unterschiedlichen Orten in der Präfektur Gunma. Dabei scheint sich sein Verhalten während der Mordserie zunehmend zu beschleunigen. Zwischen dem ersten und zweiten Mord lagen noch sechs Tage. Später folgten zwei Tötungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Kurz vor seiner Festnahme tötete Ōkubo sogar zwei Frauen innerhalb von nur zwei Tagen.
Sein Vorgehen hatte jedoch eine entscheidende Schwäche: Er musste immer wieder mit neuen Menschen in Kontakt treten. Je mehr Frauen er ansprach, desto mehr potenzielle Zeuginnen gab es. Einige von ihnen konnten sich an sein Aussehen, sein Fahrzeug oder die Gespräche mit ihm erinnern. Andere hatten ihn sogar begleitet, ohne Opfer seiner Gewalt zu werden. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass Okubo innerhalb der relativ kurzen Zeit zwischen seiner Haftentlassung und seiner Festnahme eine große Zahl junger Frauen angesprochen hatte. Nur ein Teil dieser Begegnungen führte dazu, dass die Frauen tatsächlich in sein Fahrzeug einstiegen. Damit wird ein wesentlicher Bestandteil seines Modus Operandi sichtbar: Seine größte Stärke als Täter – die Fähigkeit, schnell Kontakt zu jungen Frauen herzustellen – wurde gleichzeitig zu einer seiner größten Schwachstellen. Denn irgendwann begegnete er einer jungen Frau, deren Angehörige nicht einfach akzeptieren wollten, dass sie verschwunden war. Über diese Suche sollte die Polizei schließlich den Weg zu Ōkubo finden.
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Das Geständnis und die Aufklärung der Mordserie
Nach seiner Festnahme am 14. Mai 1971 stand Kiyoshi Ōkubo im Mittelpunkt einer intensiven Untersuchung. Für die Ermittler ging es zunächst darum, die Verbindung zwischen ihm und den verschwundenen Frauen zweifelsfrei zu klären. Ōkubo machte im Verlauf der Vernehmungen Angaben zu seinen Taten. Von entscheidender Bedeutung war dabei, dass er die Ermittler zu verschiedenen Orten führte, an denen die sterblichen Überreste der Opfer verborgen worden waren.
Mit jedem Fund bestätigte sich das Bild, das sich bereits aus den Vermisstenfällen und den übrigen Ermittlungen ergeben hatte. Die Polizei fand schließlich die Leichen von acht jungen Frauen. Ihre Identitäten konnten ermittelt und die einzelnen Fälle miteinander verbunden werden. Damit war klar, dass es sich nicht um voneinander unabhängige Verbrechen handelte. Hinter ihnen stand derselbe Täter.
Die Ermittler rekonstruierten die letzten Tage der Opfer und verglichen ihre Wege mit den Aussagen Ōkubos. Dabei wurden zahlreiche Details seiner Vorgehensweise sichtbar. So hatte er junge Frauen angesprochen, ihnen unter verschiedenen Vorwänden Vertrauen vermittelt und sie anschließend in seinem Fahrzeug mitgenommen.
Ōkubos Aussagen waren für die Ermittlungen wichtig, doch der Fall beruhte nicht ausschließlich auf seinem Geständnis. Die Angaben mussten mit den aufgefundenen Leichen, den Vermisstenanzeigen, Zeugenaussagen und den übrigen Ermittlungsergebnissen übereinstimmen. Gerade diese Verbindung verschiedener Beweismittel ermöglichte es, die Mordserie Schritt für Schritt zu rekonstruieren. So konnten die Ermittler den Zeitraum der Taten schließlich auf den 31. März bis 10. Mai 1971 eingrenzen. Innerhalb dieser wenigen Wochen hatte Okubo acht junge Frauen getötet.
Auffällig war auch, dass die Mordserie kurz nach seiner Haftentlassung begonnen hatte. Er war Anfang März aus dem Gefängnis gekommen. Weniger als einen Monat später wurde das erste Opfer getötet. Für die Ermittler zeichnete sich damit eine erschreckende Entwicklung ab. Die wiederholten Sexualstraftaten seiner Vergangenheit waren nicht beendet gewesen. Nach seiner Entlassung hatte sich sein Verhalten erneut zugespitzt – diesmal mit tödlichen Folgen. Die Aufklärung der acht Morde führte zu einem umfangreichen Gerichtsverfahren. Doch bevor die Richter über das endgültige Strafmaß entscheiden konnten, musste noch eine andere Frage beantwortet werden:
Wie war Kiyoshi Ōkubo psychisch beschaffen – und war er zum Zeitpunkt der Taten überhaupt voll verantwortlich für sein Handeln?
8
Das Urteil
Am 25. Oktober 1971 begann vor dem Maebashi District Court der Prozess gegen Kiyoshi Ōkubo. Die Ermittlungen hatten inzwischen das Ausmaß seiner Taten offengelegt. Acht junge Frauen waren innerhalb weniger Wochen getötet worden. Im Verfahren wurde nicht nur die Mordserie selbst betrachtet. Auch Ōkubos lange Vorgeschichte spielte eine Rolle. Bereits seit den 1950er Jahren war er wegen Sexualstraftaten verurteilt worden und hatte mehrere Haftstrafen verbüßt. Trotzdem war er nach seiner letzten Entlassung erneut straffällig geworden – diesmal mit tödlichen Folgen. Laut Anklage hatte er seine Opfer gezielt angesprochen und durch Täuschung in sein Fahrzeug gelockt. Anschließend brachte er sie an abgelegene Orte, wo es zu sexueller Gewalt und den späteren Tötungen kam.
Auch die psychiatrische Begutachtung wurde im Verfahren berücksichtigt. Eine schwere psychotische Erkrankung, die seine Verantwortlichkeit grundsätzlich aufgehoben hätte, wurde nicht festgestellt. Stattdessen wurde eine deutlich auffällige Persönlichkeitsstruktur beschrieben. Okubo selbst versuchte, seine Taten teilweise mit einem Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten zu erklären. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht. Seine Erklärungen wurden als nicht überzeugendes Motiv für die Mordserie kritisch bewertet. Die Schwere der Verbrechen stand dagegen außer Frage.
Acht junge Frauen wurden getötet. Einige der Opfer waren noch Schülerinnen. Zwischen dem ersten und dem letzten Mord lagen nur sechs Wochen. Hinzu kamen sexuelle Gewalt, Täuschung der Opfer und das Verbergen ihrer Leichen. Am 22. Februar 1973 fiel schließlich das Urteil. Das Maebashi District Court verurteilte Kiyoshi Ōkubo zum Tode. Okubo legte gegen das Urteil keine Berufung ein. Damit wurde die Todesstrafe rechtskräftig. Für die Angehörigen der Opfer bedeutete das Urteil jedoch keinen wirklichen Schlussstrich. Acht junge Frauen waren tot, und ihre Familien mussten mit dem Verlust weiterleben.
Für Ōkubo begann dagegen die letzte Phase seines Lebens hinter Gefängnismauern. Fast drei Jahre sollten zwischen dem Todesurteil und seiner Hinrichtung vergehen. In dieser Zeit schrieb er über sein Leben und seine Sicht auf die Ereignisse. Seine Aufzeichnungen geben einen Einblick in die Gedankenwelt des Verurteilten, zeigen aber auch, wie wichtig es ist, seine Darstellung von den unabhängig belegten Fakten zu unterscheiden. Am Ende blieb das Urteil bestehen. Am 22. Januar 1976 wurde es schließlich vollstreckt.