Edmund Kemper Opferchronologie
Die folgende Opferchronologie basiert ausschließlich auf belegbaren Ermittlungsakten, Gerichtsunterlagen, Geständnissen und öffentlich dokumentierten Fakten. Sie ist im dramatischen True-Crime-Story-Stil verfasst, ohne dass dabei belegte Tatsachen verändert wurden.
27. August 1964 – Maude Matilda Kemper
Der erste Mord: die Großmutter. An einem Sommertag in Kalifornien tat ein 15-Jähriger etwas, das selbst erfahrene Ermittler später sprachlos machen sollte. Edmund Emil Kemper III., groß für sein Alter, intelligent und bereits als schwierig beschrieben, lebte damals bei seinen Großeltern väterlicherseits auf einer Ranch in North Fork, Kalifornien. Am 27. August 1964 eskalierte die Situation. Im Haus befand sich seine 66-jährige Großmutter Maude Matilda Kemper. Öffentlich bekannten Aussagen zufolge kam es zuvor zu Spannungen. Später erklärte Edmund Kemper selbst, sie habe ihn ständig kritisiert und sich über ihn beschwert. Dann griff der Jugendliche zu einer Waffe. Mit einem Gewehr erschoss er seine Großmutter in der Küche. Später gab er an, er habe sie nicht in einem plötzlichen Affekt getötet. Stattdessen sagte er später selbst, er habe wissen wollen, „wie es sich anfühlt, jemanden zu töten”. Es war die erste nachweisliche Tötung in seinem Leben. Doch der Horror war noch nicht vorbei.
27. August 1964 – Edmund Emil Kemper Jr.
Der Großvater kehrt heim. Nach dem Mord an seiner Großmutter wartete Edmund Kemper. Als sein Großvater Edmund Emil Kemper Jr. (72) später nach Hause kam, erschoss der Jugendliche auch ihn. Kemper selbst erklärte später, er habe seinen Großvater töten wollen, damit dieser den Tod seiner Ehefrau nicht erleben müsse. Andere Aussagen deuten jedoch darauf hin, dass er eine wütende Reaktion seines Großvaters gefürchtet habe. Nach der Tat geschah etwas Ungewöhnliches: Kemper flüchtete nicht. Er rief seine Mutter an. Danach kontaktierte er die Polizei. Als die Beamten eintrafen, wartete der Jugendliche ruhig. Für die Ermittler begann ein Fall, der bereits damals hätte ahnen lassen können, wie gefährlich Edmund Kemper werden würde.
1964–1969 – Die Jahre in der Psychiatrie
Nach den Doppelmorden wurde Edmund Kemper nicht in ein gewöhnliches Gefängnis gebracht. Er kam in das Atascadero State Hospital, eine Hochsicherheitspsychiatrie für psychisch auffällige Straftäter. Dort stellten Gutachter zunächst unter anderem die Diagnose paranoide Schizophrenie. Besonders brisant ist rückblickend, dass Kemper als intelligent, freundlich und kooperativ galt. Er sprach mit Psychologen, absolvierte Tests und arbeitete teilweise sogar unterstützend in psychologischen Bereichen der Einrichtung. 1969 wurde er entlassen. Er war 21 Jahre alt. Und frei. Niemand ahnte, dass seine gefährlichste Phase erst beginnen sollte.
7. Mai 1972 – Mary Ann Pesce (18) und Anita Luchessa (18)
Zwei Studentinnen stiegen in das falsche Auto. Fast acht Jahre nach den Großelternmorden schien Edmund Kemper nach außen hin ein normales Leben zu führen. Doch laut seinen späteren Aussagen hatten sich innerlich Gewalt- und Sexualfantasien verstärkt. Am 7. Mai 1972 hielten die beiden 18-jährigen Studentinnen Mary Ann Pesce und Anita Luchessa als Anhalterinnen nahe der Stanford University an. Sie wollten nach Hause. Edmund Kemper hielt an. Für die jungen Frauen wirkte der riesige Mann zunächst offenbar nicht gefährlich. Vielleicht erschien er ihnen sogar freundlich. Vielleicht glaubten sie, einfach Glück mit einer Mitfahrgelegenheit gehabt zu haben. Es war ein fataler Irrtum. Kemper fuhr mit ihnen in eine abgelegene Gegend. Später gestand er, die jungen Frauen getötet zu haben. Öffentlich dokumentiert ist, dass beide Opfer erschossen, erstochen oder erstickt wurden – die genauen Details variieren je nach Quelle und Rekonstruktion. Danach zerstückelte Kemper die Körper. Monate später wurden die Überreste in abgelegenen Gebieten entdeckt. Santa Cruz hatte seinen Serienmörder. Nur wusste das noch niemand.
14. September 1972 – Aiko Koo (15)
Die Schülerin, die nie nach Hause zurückkehrte. Der Sommer ging vorbei. Doch Edmund Kemper hatte nicht aufgehört. Am 14. September 1972 verschwand die 15-jährige Schülerin Aiko Koo. Sie trampte in Richtung Tanzunterricht. Kemper hielt an. Später gestand er, das Mädchen in sein Fahrzeug aufgenommen und getötet zu haben. Laut öffentlichen Aussagen brachte er sie unter Kontrolle, bevor er sie ermordete. Ihre Leiche wurde später in einem abgelegenen Gebiet entdeckt. Aiko Koo war erst 15 Jahre alt. Für die Öffentlichkeit schien ihr Verschwinden zunächst wie ein tragischer Einzelfall. Doch im Hintergrund begann sich ein Muster zu bilden. Junge Frauen verschwanden. Viele von ihnen waren allein unterwegs. Viele von ihnen wurden zuletzt beim Trampen gesehen. Und irgendwo auf den Straßen Kaliforniens wartete ein Mann, der immer wieder anhielt.
Ende 1972 – Die Angst wächst
Mit jedem verschwundenen Mädchen wuchs die Unsicherheit in Nordkalifornien. Die Eltern wurden vorsichtiger. Studentinnen diskutierten über Sicherheit. Die Polizei suchte nach Zusammenhängen, ohne zu wissen, dass sich der Täter teilweise bereits mitten unter ihnen bewegte. Edmund Kemper saß zu dieser Zeit in Bars, sprach mit Menschen, beobachtete die Ermittlungen und wirkte nach außen hin oft ruhig, intelligent und kontrolliert. Niemand ahnte, dass die schlimmsten Monate seiner Mordserie noch bevorstanden.
8. Januar 1973 – Cindy Schall (18/19)
Eine junge Studentin verschwindet. Der Jahresbeginn 1973 markierte die brutalste Phase in Edmund Kempers Mordserie. Am 8. Januar 1973 verschwand die Studentin Cindy Schall, die in der Nähe des Cabrillo College in Kalifornien unterwegs war. Wie mehrere spätere Opfer trampte sie. Edmund Kemper hielt an. Für Außenstehende dürfte die Situation harmlos gewirkt haben: eine junge Frau, die nach Hause wollte, und ein Fahrer, der ihr half. Doch die Fahrt endete tödlich. Kemper gestand später, Cindy Schall in sein Auto gelockt und getötet zu haben. Öffentlich dokumentiert ist, dass er ihre Leiche anschließend zerstückelte. Besonders verstörend: Kemper brachte Teile der Überreste zeitweise in das Haus seiner Mutter. Später entsorgte er die Körperteile in abgelegenen Regionen an der kalifornischen Küste. Für die Ermittler wirkte der Fall zunächst rätselhaft. Doch die Serie ging weiter.
5. Februar 1973 – Rosalind Thorpe (23) und Alice Liu (21)
In derselben Nacht verschwinden zwei Freundinnen. Weniger als einen Monat später schlug Edmund Kemper erneut zu. Am 5. Februar 1973 verschwanden die Studentinnen Rosalind Thorpe (23) und Alice Helen Liu (21) nach einer Veranstaltung auf dem Campus der University of California in Santa Cruz. Die beiden jungen Frauen waren befreundet. Sie ahnten nicht, dass ihr letzter Weg sie in das Auto eines Serienmörders führen würde. Kemper nahm beide mit. Später erklärte er selbst, dass das Töten von zwei Opfern gleichzeitig für ihn ein gesteigertes Risiko bedeutete – und dennoch setzte er die Tat um. Öffentlich bekannten Ermittlungen zufolge wurden beide Frauen ermordet und anschließend zerstückelt. Ihre Überreste wurden Monate später in unterschiedlichen Gebieten gefunden. Für die Angehörigen begann ein Albtraum. Zunächst gab es Hoffnung. Dann Unsicherheit. Und schließlich die grausame Gewissheit.
Frühjahr 1973 – Der Serienmörder lebt unter Verdachtlosigkeit
Während die Menschen in Santa Cruz zunehmend in Angst lebten, konnte Edmund Kemper beinahe unbehelligt weitermachen. Er arbeitete zeitweise. Er fuhr Auto. Er sprach mit Menschen. Und er bewegte sich weiterhin im Umfeld lokaler Polizeibeamter. Gerade das gehört zu den bizarrsten Aspekten seines Falls: Während die Ermittler fieberhaft nach dem sogenannten „Co-Ed Killer“ suchten, verbrachte der Täter selbst Zeit in Bars, die auch von Polizisten besucht wurden. Dort diskutierte man sogar über den unbekannten Mörder. Und Edmund Kemper hörte zu. Ruhig. Kontrolliert. Fast freundlich. Niemand ahnte, dass das wahre Ziel seiner Wut nie ausschließlich junge Frauen gewesen sein könnten.
20. auf den 21. April 1973 – Clarnell Strandberg (52)
Der Mord an seiner Mutter. In Interviews erklärte Edmund Kemper später mehrfach, dass die Beziehung zu seiner Mutter Clarnell Strandberg zentral für seine innere Wut gewesen sei. Viele dieser Aussagen stammen direkt von Kemper selbst und sollten als Täteraussagen betrachtet werden. In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1973 eskalierte die Situation schließlich. Seine Mutter schlief. Edmund Kemper betrat ihr Schlafzimmer. Dann erschlug er sie mit einem Hammer. Anschließend schnitt er ihr die Kehle durch und enthauptete sie. Öffentlich dokumentiert ist zudem, dass Kemper den Körper verstümmelte. Einige besonders drastische Details stammen aus seinen späteren Aussagen und sollten in einer seriösen Berichterstattung vorsichtig eingeordnet werden. Für Kriminalisten markierte diese Tat einen Wendepunkt. Denn laut Kempers späteren Aussagen war der Mord an seiner Mutter das eigentliche Zentrum seiner jahrelangen Wut.
21. April 1973 – Sally Hallett (59)
Zur falschen Zeit am falschen Ort. Am Morgen nach dem Mord an Clarnell Strandberg erschien Sally Hallett (59), eine Freundin der Mutter des Opfers, am Haus. Sie wusste nichts von den Ereignissen. Nichts deutete darauf hin, dass sie in Lebensgefahr schwebte. Doch Sally Hallett wurde Edmund Kempers letztes Opfer. Er tötete sie im Haus. Später erklärte Kemper, er habe den Eindruck vermeiden wollen, dass seine Mutter plötzlich verschwunden sei. Der Mord an Sally Hallett gilt kriminalistisch häufig als Tat zur Spurenkontrolle – belegbar ist jedoch nur, dass Kemper sie tötete und später gestand.
April 1973 – Die Flucht nach Colorado
Nach den letzten Morden verließ Edmund Kemper Kalifornien. Er fuhr Richtung Colorado. Allein. Mit zunehmender Distanz schien sich etwas zu verändern. Der Mann, der über Monate hinweg junge Frauen ermordet hatte, griff schließlich selbst zum Telefon. Er rief die Polizei an. Und gestand. Zunächst wurde sein Geständnis offenbar nicht vollständig ernst genommen. Doch Edmund Kemper blieb hartnäckig. Er erklärte Details, die nur der Täter wissen konnte. Schließlich wurde klar: Der gesuchte Serienmörder hatte sich selbst gemeldet.
Das Ende des „Co-Ed Killers“
Im Jahr 1973 wurde Edmund Kemper festgenommen. Seine Verteidigung plädierte vor Gericht auf Schuldunfähigkeit wegen psychischer Erkrankung. Doch die gerichtlich bestellten Psychiater erklärten ihn für zurechnungsfähig. Kemper wurde wegen achtfachen Mordes ersten Grades schuldig gesprochen. Er beantragte selbst die Todesstrafe. Kalifornien hatte diese jedoch zu jener Zeit ausgesetzt. Stattdessen erhielt er mehrere lebenslange Haftstrafen. Bis heute sitzt er in Haft. Er ist eines der intelligentesten Serienmörder Amerikas. Er hinterließ mehr als eine Spur von Gewalt. Sein Fall beeinflusste die moderne Täterpsychologie, FBI-Profiler und die Forschung über organisierte Serienmörder nachhaltig. Denn Kemper war nicht der stereotype Monster-Täter. Er war intelligent. Sprachgewandt. Er war manipulativ. Und gerade deshalb so gefährlich. Viele seiner Opfer stiegen freiwillig in sein Auto. In dem Glauben, sicher ans Ziel zu kommen. Doch manchmal sitzt das Grauen bereits hinter dem Steuer.
Die folgende Opferchronologie basiert ausschließlich auf belegbaren Ermittlungsakten, Gerichtsunterlagen, Geständnissen und öffentlich dokumentierten Fakten. Sie ist im dramatischen True-Crime-Story-Stil verfasst, ohne dass dabei belegte Tatsachen verändert wurden.
27. August 1964 – Maude Matilda Kemper
Der erste Mord: die Großmutter. An einem Sommertag in Kalifornien tat ein 15-Jähriger etwas, das selbst erfahrene Ermittler später sprachlos machen sollte. Edmund Emil Kemper III., groß für sein Alter, intelligent und bereits als schwierig beschrieben, lebte damals bei seinen Großeltern väterlicherseits auf einer Ranch in North Fork, Kalifornien. Am 27. August 1964 eskalierte die Situation. Im Haus befand sich seine 66-jährige Großmutter Maude Matilda Kemper. Öffentlich bekannten Aussagen zufolge kam es zuvor zu Spannungen. Später erklärte Edmund Kemper selbst, sie habe ihn ständig kritisiert und sich über ihn beschwert. Dann griff der Jugendliche zu einer Waffe. Mit einem Gewehr erschoss er seine Großmutter in der Küche. Später gab er an, er habe sie nicht in einem plötzlichen Affekt getötet. Stattdessen sagte er später selbst, er habe wissen wollen, „wie es sich anfühlt, jemanden zu töten”. Es war die erste nachweisliche Tötung in seinem Leben. Doch der Horror war noch nicht vorbei.
27. August 1964 – Edmund Emil Kemper Jr.
Der Großvater kehrt heim. Nach dem Mord an seiner Großmutter wartete Edmund Kemper. Als sein Großvater Edmund Emil Kemper Jr. (72) später nach Hause kam, erschoss der Jugendliche auch ihn. Kemper selbst erklärte später, er habe seinen Großvater töten wollen, damit dieser den Tod seiner Ehefrau nicht erleben müsse. Andere Aussagen deuten jedoch darauf hin, dass er eine wütende Reaktion seines Großvaters gefürchtet habe. Nach der Tat geschah etwas Ungewöhnliches: Kemper flüchtete nicht. Er rief seine Mutter an. Danach kontaktierte er die Polizei. Als die Beamten eintrafen, wartete der Jugendliche ruhig. Für die Ermittler begann ein Fall, der bereits damals hätte ahnen lassen können, wie gefährlich Edmund Kemper werden würde.
1964–1969 – Die Jahre in der Psychiatrie
Nach den Doppelmorden wurde Edmund Kemper nicht in ein gewöhnliches Gefängnis gebracht. Er kam in das Atascadero State Hospital, eine Hochsicherheitspsychiatrie für psychisch auffällige Straftäter. Dort stellten Gutachter zunächst unter anderem die Diagnose paranoide Schizophrenie. Besonders brisant ist rückblickend, dass Kemper als intelligent, freundlich und kooperativ galt. Er sprach mit Psychologen, absolvierte Tests und arbeitete teilweise sogar unterstützend in psychologischen Bereichen der Einrichtung. 1969 wurde er entlassen. Er war 21 Jahre alt. Und frei. Niemand ahnte, dass seine gefährlichste Phase erst beginnen sollte.
7. Mai 1972 – Mary Ann Pesce (18) und Anita Luchessa (18)
Zwei Studentinnen stiegen in das falsche Auto. Fast acht Jahre nach den Großelternmorden schien Edmund Kemper nach außen hin ein normales Leben zu führen. Doch laut seinen späteren Aussagen hatten sich innerlich Gewalt- und Sexualfantasien verstärkt. Am 7. Mai 1972 hielten die beiden 18-jährigen Studentinnen Mary Ann Pesce und Anita Luchessa als Anhalterinnen nahe der Stanford University an. Sie wollten nach Hause. Edmund Kemper hielt an. Für die jungen Frauen wirkte der riesige Mann zunächst offenbar nicht gefährlich. Vielleicht erschien er ihnen sogar freundlich. Vielleicht glaubten sie, einfach Glück mit einer Mitfahrgelegenheit gehabt zu haben. Es war ein fataler Irrtum. Kemper fuhr mit ihnen in eine abgelegene Gegend. Später gestand er, die jungen Frauen getötet zu haben. Öffentlich dokumentiert ist, dass beide Opfer erschossen, erstochen oder erstickt wurden – die genauen Details variieren je nach Quelle und Rekonstruktion. Danach zerstückelte Kemper die Körper. Monate später wurden die Überreste in abgelegenen Gebieten entdeckt. Santa Cruz hatte seinen Serienmörder. Nur wusste das noch niemand.
14. September 1972 – Aiko Koo (15)
Die Schülerin, die nie nach Hause zurückkehrte. Der Sommer ging vorbei. Doch Edmund Kemper hatte nicht aufgehört. Am 14. September 1972 verschwand die 15-jährige Schülerin Aiko Koo. Sie trampte in Richtung Tanzunterricht. Kemper hielt an. Später gestand er, das Mädchen in sein Fahrzeug aufgenommen und getötet zu haben. Laut öffentlichen Aussagen brachte er sie unter Kontrolle, bevor er sie ermordete. Ihre Leiche wurde später in einem abgelegenen Gebiet entdeckt. Aiko Koo war erst 15 Jahre alt. Für die Öffentlichkeit schien ihr Verschwinden zunächst wie ein tragischer Einzelfall. Doch im Hintergrund begann sich ein Muster zu bilden. Junge Frauen verschwanden. Viele von ihnen waren allein unterwegs. Viele von ihnen wurden zuletzt beim Trampen gesehen. Und irgendwo auf den Straßen Kaliforniens wartete ein Mann, der immer wieder anhielt.
Ende 1972 – Die Angst wächst
Mit jedem verschwundenen Mädchen wuchs die Unsicherheit in Nordkalifornien. Die Eltern wurden vorsichtiger. Studentinnen diskutierten über Sicherheit. Die Polizei suchte nach Zusammenhängen, ohne zu wissen, dass sich der Täter teilweise bereits mitten unter ihnen bewegte. Edmund Kemper saß zu dieser Zeit in Bars, sprach mit Menschen, beobachtete die Ermittlungen und wirkte nach außen hin oft ruhig, intelligent und kontrolliert. Niemand ahnte, dass die schlimmsten Monate seiner Mordserie noch bevorstanden.
8. Januar 1973 – Cindy Schall (18/19)
Eine junge Studentin verschwindet. Der Jahresbeginn 1973 markierte die brutalste Phase in Edmund Kempers Mordserie. Am 8. Januar 1973 verschwand die Studentin Cindy Schall, die in der Nähe des Cabrillo College in Kalifornien unterwegs war. Wie mehrere spätere Opfer trampte sie. Edmund Kemper hielt an. Für Außenstehende dürfte die Situation harmlos gewirkt haben: eine junge Frau, die nach Hause wollte, und ein Fahrer, der ihr half. Doch die Fahrt endete tödlich. Kemper gestand später, Cindy Schall in sein Auto gelockt und getötet zu haben. Öffentlich dokumentiert ist, dass er ihre Leiche anschließend zerstückelte. Besonders verstörend: Kemper brachte Teile der Überreste zeitweise in das Haus seiner Mutter. Später entsorgte er die Körperteile in abgelegenen Regionen an der kalifornischen Küste. Für die Ermittler wirkte der Fall zunächst rätselhaft. Doch die Serie ging weiter.
5. Februar 1973 – Rosalind Thorpe (23) und Alice Liu (21)
In derselben Nacht verschwinden zwei Freundinnen. Weniger als einen Monat später schlug Edmund Kemper erneut zu. Am 5. Februar 1973 verschwanden die Studentinnen Rosalind Thorpe (23) und Alice Helen Liu (21) nach einer Veranstaltung auf dem Campus der University of California in Santa Cruz. Die beiden jungen Frauen waren befreundet. Sie ahnten nicht, dass ihr letzter Weg sie in das Auto eines Serienmörders führen würde. Kemper nahm beide mit. Später erklärte er selbst, dass das Töten von zwei Opfern gleichzeitig für ihn ein gesteigertes Risiko bedeutete – und dennoch setzte er die Tat um. Öffentlich bekannten Ermittlungen zufolge wurden beide Frauen ermordet und anschließend zerstückelt. Ihre Überreste wurden Monate später in unterschiedlichen Gebieten gefunden. Für die Angehörigen begann ein Albtraum. Zunächst gab es Hoffnung. Dann Unsicherheit. Und schließlich die grausame Gewissheit.
Frühjahr 1973 – Der Serienmörder lebt unter Verdachtlosigkeit
Während die Menschen in Santa Cruz zunehmend in Angst lebten, konnte Edmund Kemper beinahe unbehelligt weitermachen. Er arbeitete zeitweise. Er fuhr Auto. Er sprach mit Menschen. Und er bewegte sich weiterhin im Umfeld lokaler Polizeibeamter. Gerade das gehört zu den bizarrsten Aspekten seines Falls: Während die Ermittler fieberhaft nach dem sogenannten „Co-Ed Killer“ suchten, verbrachte der Täter selbst Zeit in Bars, die auch von Polizisten besucht wurden. Dort diskutierte man sogar über den unbekannten Mörder. Und Edmund Kemper hörte zu. Ruhig. Kontrolliert. Fast freundlich. Niemand ahnte, dass das wahre Ziel seiner Wut nie ausschließlich junge Frauen gewesen sein könnten.
20. auf den 21. April 1973 – Clarnell Strandberg (52)
Der Mord an seiner Mutter. In Interviews erklärte Edmund Kemper später mehrfach, dass die Beziehung zu seiner Mutter Clarnell Strandberg zentral für seine innere Wut gewesen sei. Viele dieser Aussagen stammen direkt von Kemper selbst und sollten als Täteraussagen betrachtet werden. In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1973 eskalierte die Situation schließlich. Seine Mutter schlief. Edmund Kemper betrat ihr Schlafzimmer. Dann erschlug er sie mit einem Hammer. Anschließend schnitt er ihr die Kehle durch und enthauptete sie. Öffentlich dokumentiert ist zudem, dass Kemper den Körper verstümmelte. Einige besonders drastische Details stammen aus seinen späteren Aussagen und sollten in einer seriösen Berichterstattung vorsichtig eingeordnet werden. Für Kriminalisten markierte diese Tat einen Wendepunkt. Denn laut Kempers späteren Aussagen war der Mord an seiner Mutter das eigentliche Zentrum seiner jahrelangen Wut.
21. April 1973 – Sally Hallett (59)
Zur falschen Zeit am falschen Ort. Am Morgen nach dem Mord an Clarnell Strandberg erschien Sally Hallett (59), eine Freundin der Mutter des Opfers, am Haus. Sie wusste nichts von den Ereignissen. Nichts deutete darauf hin, dass sie in Lebensgefahr schwebte. Doch Sally Hallett wurde Edmund Kempers letztes Opfer. Er tötete sie im Haus. Später erklärte Kemper, er habe den Eindruck vermeiden wollen, dass seine Mutter plötzlich verschwunden sei. Der Mord an Sally Hallett gilt kriminalistisch häufig als Tat zur Spurenkontrolle – belegbar ist jedoch nur, dass Kemper sie tötete und später gestand.
April 1973 – Die Flucht nach Colorado
Nach den letzten Morden verließ Edmund Kemper Kalifornien. Er fuhr Richtung Colorado. Allein. Mit zunehmender Distanz schien sich etwas zu verändern. Der Mann, der über Monate hinweg junge Frauen ermordet hatte, griff schließlich selbst zum Telefon. Er rief die Polizei an. Und gestand. Zunächst wurde sein Geständnis offenbar nicht vollständig ernst genommen. Doch Edmund Kemper blieb hartnäckig. Er erklärte Details, die nur der Täter wissen konnte. Schließlich wurde klar: Der gesuchte Serienmörder hatte sich selbst gemeldet.
Das Ende des „Co-Ed Killers“
Im Jahr 1973 wurde Edmund Kemper festgenommen. Seine Verteidigung plädierte vor Gericht auf Schuldunfähigkeit wegen psychischer Erkrankung. Doch die gerichtlich bestellten Psychiater erklärten ihn für zurechnungsfähig. Kemper wurde wegen achtfachen Mordes ersten Grades schuldig gesprochen. Er beantragte selbst die Todesstrafe. Kalifornien hatte diese jedoch zu jener Zeit ausgesetzt. Stattdessen erhielt er mehrere lebenslange Haftstrafen. Bis heute sitzt er in Haft. Er ist eines der intelligentesten Serienmörder Amerikas. Er hinterließ mehr als eine Spur von Gewalt. Sein Fall beeinflusste die moderne Täterpsychologie, FBI-Profiler und die Forschung über organisierte Serienmörder nachhaltig. Denn Kemper war nicht der stereotype Monster-Täter. Er war intelligent. Sprachgewandt. Er war manipulativ. Und gerade deshalb so gefährlich. Viele seiner Opfer stiegen freiwillig in sein Auto. In dem Glauben, sicher ans Ziel zu kommen. Doch manchmal sitzt das Grauen bereits hinter dem Steuer.
