Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
John Joseph Joubert IV wurde am 2. Juli 1963 in Lawrence, Massachusetts (USA), geboren und am 17. Juli 1996 im Staatsgefängnis von Nebraska durch den elektrischen Stuhl hingerichtet. Er gilt als US-amerikanischer Serienmörder, der nachweislich drei Jungen in den Bundesstaaten Maine und Nebraska ermordet hat. Seine Taten fanden zwischen 1982 und 1983 statt. Er wurde als „The Nebraska Boy Snatcher” und teilweise als „The Woodford Slasher” bezeichnet.
Joubert wuchs in problematischen familiären Verhältnissen auf. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er etwa sechs Jahre alt war. Danach zog er zunächst mit seiner Mutter und Schwester weiter und später nach Portland, Maine. Laut Aussagen von Lehrern und späteren Ermittlern durfte er seinen Vater kaum bzw. gar nicht sehen, was erheblichen emotionalen Einfluss auf ihn hatte. Mehrere Personen aus seinem Umfeld beschrieben seine Mutter später als streng, kontrollierend und emotional distanziert. Diese Einschätzungen stammen aus Zeugenaussagen und Interviews, stellen jedoch keine gerichtlich festgestellten Tatsachen über Misshandlung dar.
Schulisch galt Joubert als intelligent, höflich und leistungsstark. Er war Ehrenstudent, spielte Klarinette in der Schulband, war Mitglied im Leichtathletikteam und engagierte sich bei den Pfadfindern. Gleichzeitig beschrieben ihn Lehrer als sozial isoliert, schüchtern und häufig gemobbt. Mehrere Aussagen ehemaliger Lehrer deuten darauf hin, dass er Probleme damit hatte, sich gegenüber Mitschülern durchzusetzen.
Es ist belegt, dass Joubert bereits im Jugendalter Gewaltfantasien entwickelte. Laut späteren psychiatrischen Gutachten berichtete er selbst, dass ihn die Vorstellung, andere Menschen zu kontrollieren, ihnen Schmerz zuzufügen und sie zu ängstigen, sexuell erregte. Diese Aussagen stammen aus kriminalpsychiatrischen Untersuchungen, die nach seiner Festnahme durchgeführt wurden.
Joubert gestand nachweislich frühere Gewalttaten. So stach er mit 13 Jahren ein Mädchen mit einem Bleistift und gab später an, sexuell stimuliert worden zu sein, als das Opfer vor Schmerz schrie. Kurz darauf verletzte er ein weiteres Mädchen mit einer Rasierklinge, als er an ihr vorbeifuhr. Für diese Delikte wurde er nie identifiziert oder strafrechtlich verfolgt; sie wurden erst nach seiner Festnahme bekannt. Später rekonstruierten FBI-Ermittler außerdem zwei weitere Messerangriffe in Maine um 1980, bei denen ein Junge und eine Lehrerin schwer verletzt wurden. Joubert wurde damit nachträglich in Verbindung gebracht. Nach der Schule trat er in die United States Air Force ein und wurde als Radartechniker auf der Offutt Air Force Base in Nebraska stationiert. Ermittler vermuteten später, dass der Militärdienst auch eine Möglichkeit gewesen sein könnte, seine frühere Umgebung in Maine hinter sich zu lassen. Diese Einschätzung basiert auf FBI-Profiling und Meinungen von Ermittlern, ist aber nicht endgültig belegbar.
Am 11. Januar 1984 bemerkte eine Kindergartenleiterin in Nebraska ein verdächtiges Fahrzeug in der Nähe einer Vorschule und notierte das Kennzeichen. Als der Fahrer sie bemerkte, bedrohte er sie. Sie alarmierte die Polizei. Das Fahrzeug führte die Ermittler zu Joubert, der damals bei der Air Force diente. Sein eigenes Fahrzeug, ein hellbrauner Chevrolet Nova, entsprach der Beschreibung von Zeugen aus den Entführungsfällen. Es befand sich zum fraglichen Zeitpunkt in Reparatur. Bei der Durchsuchung seines Zimmers fanden die Ermittler Seile, die zu den Fesselungen passten, sowie militärisches Material und weitere belastende Hinweise auf seine Verbindung zu den Morden. Unter Verhör gestand Joubert schließlich die Nebraska-Morde.
Der berühmte FBI-Profiler Robert K. Ressler, Mitbegründer der modernen Täterprofilerstellung, arbeitete an dem Fall. Gemeinsam mit der Kriminologin Ann Burgess entwickelte er ein Täterprofil, das laut FBI nahezu exakt auf Joubert passte: junger weißer Mann, intelligent und sozial unauffällig, möglicher militärischer Hintergrund, sadistische sexuelle Fantasien und Kontrolle über die Opfer als zentraler Faktor. Außerdem spielten Bissspurenanalyse, Faserspuren und das Tatmuster eine wesentliche Rolle bei der Verbindung zu Maine.
Nach seiner Festnahme wurden mehrere psychiatrische Begutachtungen durchgeführt. Dokumentiert sind folgende Einschätzungen: Zwangsstörung (Obsessive-Compulsive Disorder/OCD), schizoide Persönlichkeitsstörung sowie sadistische Neigungen bzw. sexuelle Sadismus-Elemente. Joubert wurde ausdrücklich nicht als psychotisch eingestuft, d. h. er galt zum Tatzeitpunkt nicht als realitätsverlustig oder wahnsinnig. Er galt als schuldfähig. Joubert bekannte sich schließlich schuldig an den beiden Nebraska-Morden. Ein Richtergremium verurteilte ihn zum Tode. In Maine wurde er zusätzlich wegen des Mordes an Ricky Stetson zu lebenslanger Haft verurteilt, da die Todesstrafe dort nicht bestand. Mehrere Berufungen scheiterten. Später argumentierten seine Anwälte, die Todesstrafe sei verfassungswidrig verhängt worden, unterlagen jedoch vor höheren Gerichten. John Joubert wurde am 17. Juli 1996 in Nebraska durch den elektrischen Stuhl hingerichtet. Er war erst der zweite Häftling, der nach der Wiedereinführung der Todesstrafe in Nebraska hingerichtet wurde. Seine letzten Worte lauteten sinngemäß, dass er seine Taten bereue und die Familien Frieden finden mögen. Er wählte Pizza mit Paprika und Zwiebeln, Erdbeer-Käsekuchen und schwarzen Kaffee als letzte Mahlzeit. In späteren Gerichtsunterlagen wurde erwähnt, dass er während der Exekution Verbrennungen und Blasen am Kopf erlitt. Dies wurde später in Debatten über den elektrischen Stuhl thematisiert.
Nachweislich belegte Besonderheiten des Falls
Dies war einer der frühesten Fälle, in denen das FBI-Profiling öffentlich große Bedeutung erlangte. Die Bissspurenforensik spielte eine bedeutende Rolle. Der Täter wirkte nach außen hin unauffällig, intelligent und sozial angepasst, was die Ermittler später hervorhoben. Der Fokus lag auf jungen männlichen Opfern im Alter von 11 bis 13 Jahren. Laut seinen eigenen Aussagen in Gutachten gab es nachweislich eine sexuelle Komponente in Verbindung mit Angst, Kontrolle und Schmerz.