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Die Opferchronologie von Arwed Erich Imiela
In zentralen Punkten war der Fall Arwed Erich Imiela ein Indizienprozess. Zwei Opfer wurden nie gefunden und zahlreiche Details der konkreten Tatabläufe blieben ungeklärt. Die folgende Chronologie basiert auf gerichtlich belegten Fakten, Ermittlungsakten und zeitgenössischer Berichterstattung. Wo Abläufe nicht vollständig belegt sind, wird dies kenntlich gemacht.
Ende 1968
Annemarie Schröder:
Die wohlhabende Witwe gerät in den Bann eines „Diplom-Astrologen“. Ende der 1960er Jahre trat ein Mann in das Leben von Annemarie Schröder, der einen ungewöhnlichen Eindruck auf viele Menschen machte. Arwed Erich Imiela wirkte kultiviert. Intelligent. Fast weltmännisch. Er sprach über Sterne, Charaktereigenschaften und Lebenswege. Als selbsternannter „Diplom-Astrologe” vermittelte er den Eindruck, die Sorgen seiner Klienten zu verstehen und Antworten auf ihre Unsicherheiten zu haben. Annemarie Schröder, die Ehefrau eines Frankfurter Kaufmanns, gehörte zu den Menschen, die ihm vertrauten. Wie eng die Beziehung zwischen beiden tatsächlich wurde, ist heute nicht vollständig dokumentiert. Fest steht jedoch, dass Imiela zunehmend Zugang zu ihrem privaten Umfeld erhielt. Und irgendwann verschwand Annemarie Schröder plötzlich. Zunächst schien nichts unmittelbar auf ein Verbrechen hinzuweisen. Menschen verschwinden. Besonders wohlhabende Personen reisen gelegentlich spontan oder ziehen sich zurück. Doch mit jedem Tag wurde die Situation merkwürdiger. Denn niemand hörte mehr von ihr. Es gab keine glaubwürdigen Lebenszeichen. Keine Rückkehr. Es gab keine nachvollziehbaren Erklärungen. Später gingen die Ermittler davon aus, dass Annemarie Schröder Ende 1968 von Imiela ermordet wurde. Die Leiche wurde jedoch nie gefunden. Bis heute zählt ihr Verschwinden zu den großen, ungelösten Rätseln.
Ende 1968
Anna-Maria Kieferle:
Eine Mutter sucht ihre Tochter – und verschwindet selbst. Als Anna-Maria Kieferle, die Mutter von Annemarie Schröder, bemerkte, dass etwas nicht stimmte, begann sie offenbar, nach Antworten zu suchen. Nach späteren Erkenntnissen zog sie zeitweise zu ihrer Tochter beziehungsweise hielt sich in deren Umfeld auf. Dann geschah etwas Erschreckendes. Auch sie verschwand. Fast spurlos. Plötzlich gab es nicht nur eine vermisste Frau, sondern zwei. Eine Tochter und ihre Mutter. Beide hatten sich zuletzt in einem Umfeld bewegt, in dem sich auch Arwed Imiela aufhielt. Für die Ermittler entstand später ein immer düstereres Bild. Zuerst verschwand die vermögende Tochter. Dann verschwand die Mutter, die möglicherweise begann, Fragen zu stellen. Gerade dieses Muster wirkte auf die Ermittler alarmierend. Denn es taucht immer wieder in Kriminalfällen auf. Menschen, die zu nah an eine gefährliche Wahrheit geraten, werden selbst Teil der Geschichte. Gerichtlich wurde Imiela später auch für ihren Mord verantwortlich gemacht. Doch wie im Fall von Annemarie Schröder blieb eine zentrale Frage ungelöst. Was ist mit der Leiche geschehen? Bis heute wurde Anna-Maria Kieferle nicht gefunden.
1969
Ilse Evels:
Das Vertrauen einer Familie und ein fataler Fehler des Täters. Hätte es die mutmaßlichen Taten von 1968 nicht gegeben, wäre die Mordserie womöglich unentdeckt geblieben. Doch 1969 begann sich das Muster zu wiederholen. Diesmal geriet Ilse Evels in den Fokus. Sie war die Tante von Ulrike Roland, Imielas damaliger Verlobter. Imiela hatte sich inzwischen tief in soziale Beziehungen integriert. Er wirkte vertrauenswürdig, gebildet und fast charmant. Doch hinter der Fassade, so die Überzeugung der späteren Ermittler, verbarg sich längst ein kalkulierendes System. Irgendwann verschwand auch Ilse Evels. Wieder gab es offene Fragen. Wieder Unklarheit. Doch diesmal blieb es nicht beim Verschwinden. Die Ermittlungen führten später zu einem grausamen Fund. Es wurden sterbliche Überreste entdeckt. In diesem Moment nahm der Verdacht gegen Imiela eine greifbare Form an. Plötzlich war aus einer Reihe rätselhafter Vermisstenfälle ein möglicher Mehrfachmord geworden.
1969
Urte Evels:
Mutter und Tochter verschwinden gemeinsam. Besonders erschütternd war für die Ermittler der Fall von Urte Evels. Sie verschwand gemeinsam mit ihrer Mutter Ilse. Eine Mutter. Eine Tochter. Ein doppeltes Familienverschwinden. Für die Polizei entstand zunehmend der Eindruck eines klaren Musters. Es waren Frauen, die verschwanden, oft Menschen, die Imiela vertrauten. Menschen, die finanziell abgesichert waren. Menschen, deren Verschwinden ihm wirtschaftliche Vorteile verschaffen konnte. Im Verlauf der Ermittlungen wurden auch die sterblichen Überreste von Urte Evels gefunden. Dieser Fund verstärkte die Überzeugung der Strafverfolger. Hier handelte es sich nicht um Zufall, sondern um ein System. Sondern um ein wiederkehrendes System.
Trotz der Verurteilung bleiben zentrale Rätsel ungelöst. Was ist mit Annemarie Schröder und Anna-Maria Kieferle geschehen? Ihre Leichen wurden nie gefunden. Wie genau hat Imiela seine Opfer getötet? Viele Details der Tatabläufe konnten nie rekonstruiert werden. Gab es weitere Opfer? Diese Frage wurde immer wieder diskutiert. Belegbare Beweise dafür existieren jedoch nicht. Und obwohl er wegen vierfachen Mordes verurteilt wurde, starb Imiela 1982 im Gefängnis, ohne je ein Geständnis abzulegen.
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Der „Blaubart von Fehmarn“ – kriminalpsychologische Rekonstruktion eines manipulativen Frauenmörders
Zu Arwed Erich Imiela existieren keine modernen forensisch-psychologischen Gutachten im heutigen Sinne, die öffentlich bekannt sind. Das folgende Profil basiert auf gerichtlichen Feststellungen, belegbaren Verhaltensmustern, der Tatdynamik, bekannten biografischen Faktoren sowie kriminalpsychologischen Vergleichsmustern ähnlicher Täter. Es handelt sich dabei um eine forensisch-psychologische Hypothese und nicht um eine medizinische Diagnose oder eine Tatsachenbehauptung.
Kurzprofil (Behavioral Summary)
Tätersubtyp: Organisierter, manipulativer Beziehungstäter
Primäres Motiv: Habgier und Macht/Kontrolle
Täterorganisation: Hoch organisiert
Gewaltstilm Instrumentell, verdeckt
Sozialverhalten: Charmant, manipulativ, maskenhaft angepasst
Opferwahl: Emotional zugängliche, finanziell abgesicherte Frauen
Psychologische Kernstrukturm Antisoziale und narzisstische Züge
Risikocharakteristikm Hochgefährlich im Nahbeziehungsbereich
Der organisierte Beziehungs- und Vertrauenskiller
Beim FBI-Profiling wird zwischen organisierten und desorganisierten Tätern unterschieden. Bei Arwed Imiela sprechen nahezu alle bekannten Fakten für einen hoch organisierten Täter.
Hinweise auf Organisation:
1. Langfristige Manipulation statt spontane Gewalt.
Offensichtlich handelte Imiela nicht impulsiv. Er baute Beziehungen auf. Er baute Vertrauen auf. Er gewann emotionale Nähe, und erst später verschwanden seine Opfer. Das spricht gegen Affekttaten, spontane Wutgewalt oder chaotische Eskalationen und eher für ein kalkuliertes, zielgerichtetes Vorgehen.
2. Opferselektion
Seine mutmaßlichen Opfer hatten auffällige Ähnlichkeiten. Es handelte sich um Frauen, die emotional zugänglich, sozial isoliert oder verletzlich waren und über ein finanzielles Polster verfügten. Diese Wiederholung spricht für eine gezielte Opferwahl statt Zufall. Viele Serienmörder handeln opportunistisch. Imiela scheint hingegen ein klares Suchschema gehabt zu haben.
3. Verdeckte Tötung
Das war besonders auffällig. Zwei Opfer sind dauerhaft verschwunden. Das ist kriminalpsychologisch bedeutsam. Denn die erfolgreichste Leiche ist die, die nie gefunden wird. Das spricht für eine Planung und Nachbereitung der Tat, forensische Vorsicht und Kontrolle über die Tatorte. Ein impulsiver Täter hätte dagegen häufiger sichtbare Gewalt, Panikreaktionen und chaotische Fehler hinterlassen.
Die Persönlichkeit hinter der Fassade
Hypothese: „Der soziale Chamäleon-Täter“. Imiela wirkte auf viele Menschen intelligent, charmant und gebildet – und dadurch vertrauenswürdig. Gerade das macht ihn kriminalpsychologisch interessant. Viele hochfunktionale Beziehungstäter besitzen eine soziale Tarnpersönlichkeit. Nach außen sind sie freundlich, kultiviert und empathisch. Im Inneren sind sie emotional distanziert und handeln instrumentell. Ihr Motto lautet oft: „Menschen sind Mittel zum Zweck.“
Psychopathische Merkmale (Hypothese)
Der Begriff „Psychopath“ ist keine pauschale Beleidigung, sondern ein forensischer Fachbegriff. Es gibt mehrere bekannte Verhaltensweisen, die auffällig dazu passen.
Oberflächlicher Charme:
Imiela gewann das Vertrauen seiner Umgebung sehr erfolgreich. Dies deutet auf soziale Intelligenz, Manipulationsfähigkeit sowie maskenhaftes Verhalten hin. Viele Opfer schienen ihn als besonders angenehm wahrgenommen zu haben.
Pathologisches Lügen:
In seinem Leben kam es wiederholt zu Identitätsbetrug. Er erfand neue Namen, Bildungsabschlüsse und soziale Rollen. Bereits in jungen Jahren erschuf er künstliche Biografien. Aus kriminalpsychologischer Sicht spricht das für Identitätsmanipulation als Kernkompetenz.
Fehlende Schuld:
Bis zu seinem Tod bestritt Imiela jede Verantwortung. Selbst nach seiner Verurteilung. Dies kann auf echte Verdrängung, narzisstische Selbstrechtfertigung und eine geringe emotionale Schuldfähigkeit hindeuten. Viele antisoziale Täter denken: „Ich habe getan, was nötig war.“
Emotionale Kälte:
Wenn die gerichtlichen Feststellungen zutreffen, konnte Imiela Frauen emotional binden, sie finanziell ausnutzen und anschließend töten, ohne erkennbare Reue zu zeigen. Dies spricht für starke Empathiedefizite.
Das wahrscheinliche Hauptmotiv:
Primärmotiv: Habgier. Imiela unterscheidet sich von den klassischen Lustmördern. Es gab keine sexualisierte Gewalt, keinen Nachweis von Sadismus und keine ritualisierten Tatmuster. Stattdessen zeigt sich ein deutliches Muster: Geld. Die mutmaßlichen Abläufe sprechen für das Aufbauen von Vertrauen, das Erlangen von Zugang zu Vermögen, das Gewinnen von finanzieller Kontrolle und das Verschwindenlassen der Opfer. Kriminalpsychologisch wäre dies instrumenteller Serienmord aus Profitinteresse. Dies ist vergleichbar mit Heiratsschwindlern, Betrugsmördern oder „Black Widow“-Tätertypen, jedoch in männlicher Ausprägung.
Sekundärmotiv:
Macht und Kontrolle. Geld allein erklärt selten alles. Viele Täter erleben psychologische Befriedigung durch totale Kontrolle. Imiela könnte die emotionale Überlegenheit, die psychische Dominanz und die Manipulationsmacht genossen haben. Die Dynamik könnte wie folgt ausgesehen haben: „Ich bestimme dein Leben – und dein Ende.“
Die Bedeutung der Astrologie:
Aus kriminalpsychologischer Sicht ist seine Rolle als „Diplom-Astrologe“ hochinteressant. Das war vermutlich mehr als nur ein Beruf. Es verschaffte ihm Autorität. Menschen glauben Experten. Ein Astrologe erscheint vielen als wissend, intuitiv und vertrauenswürdig.
Emotionalen Zugang:
Menschen suchen oft in Krisen astrologische Beratung. Beispielsweise bei Einsamkeit, Verlust oder Liebesproblemen. Dadurch können emotionale Abhängigkeiten entstehen.
Manipulationsvorteil:
Wer intime Ängste kennt, kann gezielt darauf Einfluss nehmen. Genau das macht solche Rollen für manipulative Persönlichkeiten so attraktiv.
Warum Frauen?
Seine Opferwahl wirkt nicht zufällig. Mögliche Gründe: - Kontrollierbarkeit. Frauen in seinem Umfeld könnten aus Tätersicht leichter emotional beeinflussbar gewesen sein.
Finanzielle Motivation:
Mehrere Opfer verfügten über Vermögen.
Beziehung als Werkzeug:
Imiela scheint seine Opfer nicht zufällig gewählt zu haben. Er arbeitete über Nähe. Nicht über Überfall. Nicht über rohe Gewalt. Sondern über Vertrauen. Das ist typisch für Confidence Killer („Vertrauenskiller“).
Die Bedeutung der verschwundenen Leichen
Dass die beiden Opfer nie gefunden wurden, spricht kriminalpsychologisch für eine hohe Kontrollorientierung. Eine mögliche Denkweise wäre: „Keine Leiche = kein Mord.“ Dies deutet auf Planung, Nachdenken über Ermittlungen und strategisches Verhalten hin.
Emotionale Distanz:
Einige Täter vermeiden die Konfrontation mit den Überresten. Andere entwickeln eine beinahe technische Distanz: Die Körper werden zu „Problemen“. Nicht Menschen.
Warum flog Imiela auf?
Viele organisierte Täter scheitern an ihrer Überheblichkeit. Imielas mutmaßlicher Fehler war die Gier. Die Übertragung hoher Geldsummen wirkte auffällig. Psychologisch könnte dahinter Folgendes stehen: Grandiosität: „Ich bin schlauer als alle.“ Dies ist ein häufiges Muster narzisstisch-antisozialer Täter. Der Erfolg früherer Taten erzeugt Selbstüberschätzung.
Mögliche Diagnosebilder (rein hypothetisch)
Es handelt sich nicht um eine Tatsachenbehauptung, sondern um eine kriminalpsychologische Einordnung. Am ehesten sind antisoziale Persönlichkeitszüge denkbar. Merkmale dafür sind Täuschung, Regelbruch, geringe Reue und die Ausbeutung anderer.
Narzisstische Züge:
Überlegenheitsgefühl, Manipulation und Selbstinszenierung.
Subklinische Psychopathie:
Oberflächlicher Charme, emotionale Kälte, instrumentelles Denken und fehlendes Mitgefühl.
Kriminalpsychologisch könnte Arwed Erich Imiela als hoch organisierter, manipulativer Beziehungstäter mit stark instrumenteller Gewaltorientierung beschrieben werden. Seine wichtigste Fähigkeit war es, Vertrauen zu schaffen, nicht rohe Gewalt auszuüben. Er wirkte kultiviert. Hilfsbereit. Spirituell. Doch hinter dieser Maske könnte sich ein Täter verborgen haben, der Menschen primär nach ihrem Nutzen bewertete. Das wahrscheinlichste Kernmotiv war Habgier, kombiniert mit dem Wunsch nach Macht und Kontrolle. Seine mutmaßliche Mordserie zeigt weniger den impulsiven Gewalttäter als vielmehr den geduldigen, strategischen Vertrauenskiller. Und genau solche Täter gehören kriminalpsychologisch zu den gefährlichsten überhaupt, da sie erst töten, nachdem ihre Opfer ihnen vertrauen.