Weitere interessante Fakten
Die Zahl der Todesfälle verdoppelte sich während seiner Schichte
Ein äußerst brisanter Punkt: Im Klinikum Delmenhorst stellten die Ermittler später fest, dass die Zahl der Todesfälle auffällig anstieg, wenn Högel Dienst hatte. Untersuchungen ergaben, dass ein großer Teil der Todesfälle zeitlich mit seinen Schichten zusammenfiel. In einzelnen Auswertungen standen sogar 73 % der Todesfälle im Jahr 2005 in Verbindung mit seinen Dienstzeiten. Dies wurde später zu einem zentralen Ermittlungsansatz.
Kollegen wurden bereits Jahre vor der Festnahme misstrauisch
Högel fiel intern deutlich früher auf, als viele denken. Belegbare Hinweise sind unter anderem ungewöhnlich viele Reanimationen während seiner Dienste, mehrfach unerklärliche medizinische Notfälle und leere Medikamentenampullen ohne ärztliche Verordnung. Zudem äußerten bereits in Oldenburg Ärzte Verdacht gegen ihn. Trotzdem erhielt er beim Wechsel nach Delmenhorst ein gutes Arbeitszeugnis, in dem seine Arbeit sogar ausdrücklich gelobt wurde, obwohl intern bereits Misstrauen gegen ihn gehegt wurde. Dies gilt heute als einer der größten Klinikskandale.
Er wurde praktisch „weitergereicht“
Anstatt sofort gestoppt zu werden, wurde Högel im Jahr 2002 faktisch aus Oldenburg entfernt und wechselte nach Delmenhorst, wo viele der später nachgewiesenen Morde geschahen. Dieser Punkt ist wichtig, da die Angehörigen später massiv kritisierten, dass der bereits verdächtige Pfleger nicht konsequent überprüft wurde. Der Fall gilt deshalb auch als Systemversagen des Gesundheitswesens.
Seine Tochter spielte in seiner eigenen Aussage eine verstörende Rolle
Ein besonders verstörendes Detail aus seinen Aussagen. Nach der Geburt seiner Tochter im Juli 2004 beschrieb Högel eine Phase der Euphorie. Später gab er an, in seiner ersten Nachtschicht danach einem Patienten erneut Medikamente verabreicht zu haben, um das Gefühl von Spannung bzw. den emotionalen „Kick“ aufrechtzuerhalten. Dieses Detail tauchte in späteren Gerichtsunterlagen auf. Das ist psychologisch hochinteressant, da es aufzeigt, wie stark sein Bedürfnis nach emotionaler Stimulation gewesen sein muss.
Er hatte Alkohol- und Schmerzmittelprobleme
Weniger bekannt ist, dass Högel laut Berichten eine Vorgeschichte mit Alkoholmissbrauch hatte. Ob dies direkten Einfluss auf seine Taten hatte, ist nicht belegt, gehört aber zu seinem psychologischen Gesamtbild.
Die größte Exhumierungsaktion der deutschen Kriminalgeschichte
Für die Ermittlungen wurden 134 Leichen exhumiert, darunter sogar einige aus dem Ausland (Deutschland, Polen und der Türkei). Die Ermittler überprüften Friedhöfe in großem Umfang. Viele Opfer konnten jedoch nie zweifelsfrei nachgewiesen werden, da die Leichen bereits stark verwest waren, die eingenommenen Medikamente nicht mehr nachweisbar waren und zahlreiche Opfer eingeäschert worden waren. Daher gehen die Ermittler bis heute davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegt als die gerichtlich bewiesenen 85 Morde.
Der Prozess musste in eine Veranstaltungshalle verlegt werden
Aufgrund der großen Zahl von Nebenklägern und Angehörigen fand der Prozess nicht in einem normalen Gerichtssaal, sondern in den Weser-Ems-Hallen in Oldenburg statt. Es gab rund 120 Nebenkläger, eine enorme Medienpräsenz und zeitweise fast 200 Zuschauer. Dies verdeutlicht die historische Dimension des Falls.
Er gestand nur teilweise und erinnerte sich angeblich an vieles nicht
Im großen Verfahren von 2018/2019 gestand Högel 43 Morde. In 52 Fällen erklärte er, sich nicht erinnern zu können, und bestritt fünf Fälle vollständig. Ein Aussagepsychologe bewertete Teile seiner Geständnisse später dennoch als glaubwürdig und sah keine Hinweise auf ein Falschgeständnis.
Seine Vorgesetzten standen selbst vor Gericht
Im Jahr 2022 wurden sieben ehemalige Klinikverantwortliche angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten Hinweise auf Högel ignoriert, um den Ruf der Kliniken zu schützen. Am Ende wurden alle freigesprochen.
Wegen Högel änderten Kliniken ihre Abläufe
Betroffene Kliniken führten als direkte Konsequenz neue Kontrollmechanismen ein, darunter eine qualifizierte Leichenschau nach dem „Vier-Augen-Prinzip“, um verdächtige Todesfälle schneller zu erkennen. Der Fall veränderte damit dauerhaft Teile der Krankenhauskontrolle in Deutschland.
Warum der Fall bis heute nicht abgeschlossen wirkt
Obwohl Niels Högel rechtskräftig verurteilt wurde, bleibt eine Kernfrage offen. Wie viele Menschen hat Niels Högel wirklich getötet? Ermittler gingen zeitweise von über 300 möglichen Opfern aus. Gerichtlich beweisbar waren jedoch lediglich 85 Morde. Damit bleibt eine ungewöhnliche Lücke zwischen Verdacht und juristisch gesicherter Wahrheit bestehen.
Die Zahl der Todesfälle verdoppelte sich während seiner Schichte
Ein äußerst brisanter Punkt: Im Klinikum Delmenhorst stellten die Ermittler später fest, dass die Zahl der Todesfälle auffällig anstieg, wenn Högel Dienst hatte. Untersuchungen ergaben, dass ein großer Teil der Todesfälle zeitlich mit seinen Schichten zusammenfiel. In einzelnen Auswertungen standen sogar 73 % der Todesfälle im Jahr 2005 in Verbindung mit seinen Dienstzeiten. Dies wurde später zu einem zentralen Ermittlungsansatz.
Kollegen wurden bereits Jahre vor der Festnahme misstrauisch
Högel fiel intern deutlich früher auf, als viele denken. Belegbare Hinweise sind unter anderem ungewöhnlich viele Reanimationen während seiner Dienste, mehrfach unerklärliche medizinische Notfälle und leere Medikamentenampullen ohne ärztliche Verordnung. Zudem äußerten bereits in Oldenburg Ärzte Verdacht gegen ihn. Trotzdem erhielt er beim Wechsel nach Delmenhorst ein gutes Arbeitszeugnis, in dem seine Arbeit sogar ausdrücklich gelobt wurde, obwohl intern bereits Misstrauen gegen ihn gehegt wurde. Dies gilt heute als einer der größten Klinikskandale.
Er wurde praktisch „weitergereicht“
Anstatt sofort gestoppt zu werden, wurde Högel im Jahr 2002 faktisch aus Oldenburg entfernt und wechselte nach Delmenhorst, wo viele der später nachgewiesenen Morde geschahen. Dieser Punkt ist wichtig, da die Angehörigen später massiv kritisierten, dass der bereits verdächtige Pfleger nicht konsequent überprüft wurde. Der Fall gilt deshalb auch als Systemversagen des Gesundheitswesens.
Seine Tochter spielte in seiner eigenen Aussage eine verstörende Rolle
Ein besonders verstörendes Detail aus seinen Aussagen. Nach der Geburt seiner Tochter im Juli 2004 beschrieb Högel eine Phase der Euphorie. Später gab er an, in seiner ersten Nachtschicht danach einem Patienten erneut Medikamente verabreicht zu haben, um das Gefühl von Spannung bzw. den emotionalen „Kick“ aufrechtzuerhalten. Dieses Detail tauchte in späteren Gerichtsunterlagen auf. Das ist psychologisch hochinteressant, da es aufzeigt, wie stark sein Bedürfnis nach emotionaler Stimulation gewesen sein muss.
Er hatte Alkohol- und Schmerzmittelprobleme
Weniger bekannt ist, dass Högel laut Berichten eine Vorgeschichte mit Alkoholmissbrauch hatte. Ob dies direkten Einfluss auf seine Taten hatte, ist nicht belegt, gehört aber zu seinem psychologischen Gesamtbild.
Die größte Exhumierungsaktion der deutschen Kriminalgeschichte
Für die Ermittlungen wurden 134 Leichen exhumiert, darunter sogar einige aus dem Ausland (Deutschland, Polen und der Türkei). Die Ermittler überprüften Friedhöfe in großem Umfang. Viele Opfer konnten jedoch nie zweifelsfrei nachgewiesen werden, da die Leichen bereits stark verwest waren, die eingenommenen Medikamente nicht mehr nachweisbar waren und zahlreiche Opfer eingeäschert worden waren. Daher gehen die Ermittler bis heute davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegt als die gerichtlich bewiesenen 85 Morde.
Der Prozess musste in eine Veranstaltungshalle verlegt werden
Aufgrund der großen Zahl von Nebenklägern und Angehörigen fand der Prozess nicht in einem normalen Gerichtssaal, sondern in den Weser-Ems-Hallen in Oldenburg statt. Es gab rund 120 Nebenkläger, eine enorme Medienpräsenz und zeitweise fast 200 Zuschauer. Dies verdeutlicht die historische Dimension des Falls.
Er gestand nur teilweise und erinnerte sich angeblich an vieles nicht
Im großen Verfahren von 2018/2019 gestand Högel 43 Morde. In 52 Fällen erklärte er, sich nicht erinnern zu können, und bestritt fünf Fälle vollständig. Ein Aussagepsychologe bewertete Teile seiner Geständnisse später dennoch als glaubwürdig und sah keine Hinweise auf ein Falschgeständnis.
Seine Vorgesetzten standen selbst vor Gericht
Im Jahr 2022 wurden sieben ehemalige Klinikverantwortliche angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten Hinweise auf Högel ignoriert, um den Ruf der Kliniken zu schützen. Am Ende wurden alle freigesprochen.
Wegen Högel änderten Kliniken ihre Abläufe
Betroffene Kliniken führten als direkte Konsequenz neue Kontrollmechanismen ein, darunter eine qualifizierte Leichenschau nach dem „Vier-Augen-Prinzip“, um verdächtige Todesfälle schneller zu erkennen. Der Fall veränderte damit dauerhaft Teile der Krankenhauskontrolle in Deutschland.
Warum der Fall bis heute nicht abgeschlossen wirkt
Obwohl Niels Högel rechtskräftig verurteilt wurde, bleibt eine Kernfrage offen. Wie viele Menschen hat Niels Högel wirklich getötet? Ermittler gingen zeitweise von über 300 möglichen Opfern aus. Gerichtlich beweisbar waren jedoch lediglich 85 Morde. Damit bleibt eine ungewöhnliche Lücke zwischen Verdacht und juristisch gesicherter Wahrheit bestehen.
