SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1984
Bis 1992
Bestätigte Opfer 11
Vermutete Opfer 40
Aktionsradius Frankreich
Opfergruppen Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Spontane, massive körperlicher Gewalt
Hauptmotive Offenbar extreme Gewalt als Ventil innerer Spannungen, Macht, Kontrolle, jedoch nicht eindeutig geklärt

Rechtliches

Festnahmejahr 1992
Urteil Mehrfach lebenslange Freiheitsstrafen
Haftform Gefängnis
Bild 1
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Francis Heaulme gilt als einer der berüchtigtsten Serienmörder Frankreichs. Die französische Justiz geht heute davon aus, dass er mindestens elf Menschen ermordet hat. Ermittler vermuten jedoch, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegen könnte. Aufgrund seiner unsteten Lebensweise, seiner geistigen Auffälligkeiten und seiner enormen Reisetätigkeit erhielt er in den Medien den Beinamen „Le routard du crime“ – der „Wanderer des Verbrechens“.

Francis Heaulme wurde am 25. Februar 1959 in Metz im französischen Département Moselle geboren. Er wuchs in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Mehrere Berichte ehemaliger Bekannter und psychiatrischer Gutachter beschreiben eine Kindheit, die von Gewalt, Demütigungen und psychischer Instabilität geprägt gewesen sein soll. Sein Vater galt als gewalttätig und alkoholabhängig. Heaulme entwickelte schon früh massive soziale Probleme, zeigte auffälliges Verhalten und hatte Schwierigkeiten, stabile Beziehungen aufzubauen. Seine schulische und berufliche Laufbahn verliefen chaotisch. Er arbeitete zeitweise als Hilfsarbeiter und Gelegenheitsarbeiter, führte jedoch über Jahre hinweg ein nomadenhaftes Leben ohne festen Wohnsitz.

Spätere psychiatrische Untersuchungen beschrieben eine schwere Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Zügen, emotionaler Abstumpfung und eingeschränkter Empathiefähigkeit. Gleichzeitig galt Heaulme nicht als hochintelligenter Täter im klassischen Sinne. Er wurde häufig als geistig eingeschränkt, sozial unbeholfen und psychisch auffällig beschrieben. Gerade diese Kombination machte ihn für die Ermittler schwer einschätzbar. Er wirkte oftmals verwirrt, teilnahmslos oder beinahe harmlos, war jedoch zu plötzlichen Gewaltausbrüchen fähig.

In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren zog Guy Georges Heaulme quer durch Frankreich. Er nutzte Züge, trampte durch das Land oder wanderte von Ort zu Ort. Genau diese Mobilität erschwerte die Ermittlungen erheblich. Viele der Tatorte, die später mit ihm in Verbindung gebracht wurden, lagen hunderte Kilometer voneinander entfernt. Oft hielt er sich nur kurz in einer Region auf, bevor er weiterzog.

Seine Opfer waren unterschiedlich alt und stammten aus verschiedenen sozialen Schichten. Im Gegensatz zu vielen Serienmördern hatte Heaulme keinen klaren, immer gleichen Opfertyp. Zu seinen Opfern gehörten Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer. Die Taten wirkten oft impulsiv und äußerst brutal. Viele Opfer wurden erschlagen, misshandelt oder mit massiver körperlicher Gewalt getötet. Einige Ermittler kamen zu dem Schluss, dass spontane Aggressionsausbrüche eine zentrale Rolle gespielt haben könnten.

Der sogenannte Fall von Montigny-lès-Metz aus dem Jahr 1986, bei dem zwei Jungen, Cyril Beining und Alexandre Beckrich, nahe Bahngleisen brutal ermordet wurden, ist besonders bekannt. Jahrzehntelang wurde Patrick Dils für diese Tat verantwortlich gemacht und später verurteilt. Erst Jahre später geriet Francis Heaulme in den Fokus der Ermittler, da er sich nachweislich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe aufgehalten hatte. Der Fall entwickelte sich zu einem der größten Justizskandale Frankreichs. Patrick Dils wurde schließlich freigesprochen, während Heaulme später wegen der Doppelmorde verurteilt wurde.

Ein weiterer bekannter Mordfall ereignete sich im Jahr 1989 in Port-Grimaud. Ein Mann wurde dort brutal getötet. Auch in anderen Regionen Frankreichs tauchte Heaulmes Name im Zusammenhang mit ungeklärten Tötungsdelikten auf. Seine Aussagen gegenüber den Ermittlern waren oft widersprüchlich. So gestand er teilweise Taten, zog seine Aussagen später wieder zurück oder lieferte kryptische Hinweise auf Verbrechen. Die Ermittler beschrieben ihn als manipulativen Täter, der Aufmerksamkeit genoss, aber nur selten vollständige Geständnisse ablegte.

Im Jahr 1992 wurde schließlich Francis Heaulme festgenommen. Auslöser war zunächst kein Serienmord, sondern sein auffälliges Verhalten und seine Gewalttätigkeit. Während der Verhöre begann er jedoch, Informationen zu verschiedenen Tötungsdelikten preiszugeben. Die Ermittler bemerkten schnell, dass Heaulme über Insiderwissen zu mehreren ungelösten Mordfällen verfügte. In den folgenden Jahren rekonstruierten Polizei und Justiz zahlreiche seiner Aufenthaltsorte und konnten ihn nach und nach mit verschiedenen Verbrechen in Verbindung bringen.

Heaulme wurde im Laufe mehrerer Prozesse wegen zahlreicher Morde verurteilt. Die französische Justiz sprach mehrfach lebenslange Freiheitsstrafen gegen ihn aus. Aufgrund seiner psychischen Auffälligkeiten spielte die Frage seiner Schuldfähigkeit immer wieder eine Rolle. Dennoch stuften ihn die Gerichte als strafrechtlich verantwortlich ein.

Kriminalpsychologen stufen Francis Heaulme als atypischen Serienmörder ein. Im Gegensatz zu organisierten Tätern wie Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer handelte er oft ungeplant und chaotisch. Offenbar entstanden seine Taten häufig aus plötzlichen Gewaltausbrüchen, Frustration oder inneren Spannungen. Gleichzeitig zeigte er Merkmale eines hochgefährlichen Mehrfachtäters mit erheblichem Gewaltpotenzial.

Bis heute vermuten französische Ermittler, dass Francis Heaulme deutlich mehr Menschen getötet haben könnte, als ihm offiziell nachgewiesen wurde. Immer wieder wurde sein Name im Zusammenhang mit ungeklärten Mordfällen genannt. Aufgrund seiner jahrelangen Wanderbewegungen durch Frankreich und seiner Nähe zu zahlreichen Tatorten gilt eine vollständige Aufklärung all seiner möglichen Taten als äußerst schwierig.

Francis Heaulme verbüßt seine lebenslangen Haftstrafen bis heute in Frankreich. Er gilt dort als eines der erschütterndsten Beispiele für Serienkriminalität der Nachkriegszeit. Sein Fall führte zu intensiven Debatten über Ermittlungsfehler, falsche Verurteilungen und den Umgang mit psychisch gestörten Gewaltverbrechern.


Weitere dokumentierte Hinweise

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Bekannte Opfer
Da einige Fälle bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind, unterscheiden sich die Informationsstände stark voneinander. Viele Opfer wurden erst Jahre später eindeutig mit ihm in Verbindung gebracht.

Cyril Beining und Alexandre Beckrich (1986)
Zu den wohl bekanntesten Opfern zählten die beiden achtjährigen Jungen Cyril Beining und Alexandre Beckrich aus Montigny-lès-Metz in Frankreich. Sie wurden am 28. September 1986 nahe Bahngleisen tot aufgefunden. Die Kinder waren massiv misshandelt und mit extremer Gewalt erschlagen worden. Der Fall löste enorme öffentliche Empörung aus. Zunächst wurde der Jugendliche Patrick Dils verurteilt. Später stellte sich jedoch heraus, dass sich Heaulme zur Tatzeit nachweislich in unmittelbarer Nähe befand. Zeugenaussagen und neue Ermittlungen führten Jahrzehnte später zu seiner Verurteilung wegen der Doppelmorde. Die Tat gilt als besonders brutal, da beide Kinder zahlreiche schwere Kopfverletzungen aufwiesen. Die Ermittler gingen von einem plötzlichen Gewaltausbruch aus.

Jean-Joseph Clément (1989)
Im Jahr 1989 wurde der Rentner Jean-Joseph Clément in Port-Grimaud ermordet. Das Opfer war ein älterer Mann, dem Heaulme offenbar zufällig begegnet war. Clément wurde schwer misshandelt und getötet. Die Ermittler sahen darin ein typisches Muster Heaulmes: zufällige Opfer, spontane Eskalation und extreme körperliche Gewalt.

Joris, Caroline und Alexandra (1986)
Ein besonders schockierender Fall ereignete sich im Jahr 1986, als drei junge Menschen angegriffen wurden. Zwei Mädchen und ein Junge wurden in der Nähe einer stillgelegten Bahntrasse attackiert. Der Junge Joris überlebte schwer verletzt, während die Mädchen Caroline und Alexandra getötet wurden. Die Opfer waren Jugendliche beziehungsweise Kinder. Auch hier spielte massive stumpfe Gewalt eine zentrale Rolle.

Mehrere weitere Opfer
Zu seinen Opfern zählten Wanderer, Obdachlose, alleinreisende Personen, Kinder und Jugendliche sowie zufällige Begegnungen entlang seiner Reiserouten. Viele Taten geschahen in abgelegenen Waldgebieten, in der Nähe von Bahnhöfen, in ländlichen Gegenden oder an Orten, an denen Heaulme kurzfristig arbeitete oder durchreiste.

Im Gegensatz zu vielen Serienmördern hatte Francis Heaulme kein klar definiertes Beuteschema. Seine Opfer unterschieden sich stark in Bezug auf Alter, Geschlecht und sozialen Hintergrund. Das machte ihn für die Ermittler besonders schwer greifbar. Kriminalpsychologen vermuten, dass bei ihm keine sexuellen oder Machtfantasien, sondern plötzliche Gewaltimpulse, Frustration, psychische Instabilität und sadistische Aggressionen im Vordergrund standen. Französische Ermittler gehen davon aus, dass zahlreiche ungeklärte Tötungsdelikte der 1980er- und frühen 1990er-Jahre ebenfalls auf Heaulme zurückgehen könnten. Da er jahrelang mit der Bahn durchs Land reiste, trampte und keine feste Adresse hatte, ließ sich sein Aufenthaltsort oft kaum rekonstruieren. Deshalb gilt eine vollständige Liste seiner Opfer bis heute als unwahrscheinlich.

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Zu Francis Heaulme gibt es zahlreiche weitere belegbare Informationen aus Gerichtsverfahren, psychiatrischen Gutachten, Polizeiermittlungen und französischen Medienarchiven. Auffällig ist, dass er in vielerlei Hinsicht nicht dem klassischen Bild eines hochorganisierten Serienmörders entspricht.

Körperliche Auffälligkeiten und Erscheinungsbild
Heaulme fiel vielen Zeugen durch sein ungewöhnliches Auftreten auf: Er hatte eine kräftige Statur, langsame Bewegungen, oft ein ungepflegtes Erscheinungsbild, eine monotone Sprache und auffällige Gesichtszüge. Er wirkte auf viele Menschen geistig eingeschränkt oder sozial unbeholfen. Genau dadurch wurde er häufig unterschätzt. Mehrere Ermittler beschrieben ihn später als jemanden, der harmlos wirkte, aber innerhalb von Sekunden extrem gewalttätig werden konnte.

Seine nomadenhafte Lebensweise
Eine der wichtigsten belegbaren Tatsachen ist seine extreme Mobilität. Zwischen den 1980er- und den frühen 1990er-Jahren reiste er quer durch Frankreich, schlief in Notunterkünften, arbeitete als Hilfsarbeiter, zog entlang von Bahnlinien durchs Land und lebte zeitweise auf der Straße. Dadurch tauchte er in zahlreichen Regionen Frankreichs kurz vor oder nach ungeklärten Tötungsdelikten auf. Die Polizei rekonstruierte später hunderte seiner Aufenthaltsorte.

Verhalten nach den Taten
Auffällig war, dass Heaulme teilweise noch längere Zeit in Tatortnähe blieb. Er sprach sogar mit Zeugen oder Polizisten, beobachtete die Ermittlungen und kehrte später an die Tatorte zurück. Dieses Verhalten gilt unter Kriminalpsychologen als typisches Merkmal mancher Serienmörder, die die emotionale Kontrolle über das Geschehen behalten wollen.

Seine Verhöre
Die Vernehmungen mit Francis Heaulme gelten bis heute als äußerst schwierig. Er sprach oft wirr, widersprach sich häufig, gab kryptische Hinweise, deutete Taten nur indirekt an und wechselte ständig seine Aussagen. Teilweise führte er die Ermittler auch absichtlich in die Irre. Dennoch konnte die Polizei mehrfach nachweisen, dass er Täterwissen besaß, das nur der Mörder haben konnte.

Psychiatrische Gutachten
Mehrere psychiatrische Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach litt er unter einer schweren Persönlichkeitsstörung, sadistischen Gewaltfantasien, einer geringen Impulskontrolle, emotionaler Verarmung und eingeschränkten sozialen Fähigkeiten. Er galt jedoch nicht als schuldunfähig. Einige Gutachter beschrieben ihn als „emotional kalt, aber psychisch chaotisch“.

Kein typischer sexueller Serienmörder
Ein wichtiger Punkt ist, dass bei Heaulme sexuelle Motive meist nicht eindeutig im Vordergrund standen. Das unterscheidet ihn deutlich von Tätern wie Ted Bundy, Andrei Chikatilo oder Jeffrey Dahmer. Bei ihm dominierten offenbar Gewaltimpulse, Kontrollverlust, Frustration und spontane Aggression.

Ermittlungsfehler und Justizskandale
Der Fall Heaulme ist in Frankreich eng mit mehreren Justizirrtümern verbunden. Besonders bekannt ist der Fall Patrick Dils. der Fall Patrick Dils. Dils wurde als Jugendlicher wegen der Morde an zwei Kindern verurteilt, obwohl sich Heaulme am Tatort befand. Erst Jahre später wurde Dils freigesprochen. Der Fall führte zu massiver Kritik an Polizei und Justiz sowie zu Reformdiskussionen und Debatten über falsche Geständnisse in Frankreich.

Mögliche weitere Opfer
Die Ermittler überprüften Heaulme im Zusammenhang mit über 40 ungeklärten Tötungsdelikten, dem Verschwinden von Kindern und brutalen Angriffen entlang von Bahnlinien. Viele dieser Verfahren konnten jedoch nie endgültig bewiesen werden. Die tatsächliche Opferzahl bleibt daher bis heute ungeklärt.

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