Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Francis Heaulme gilt als einer der berüchtigtsten Serienmörder Frankreichs. Die französische Justiz geht heute davon aus, dass er mindestens elf Menschen ermordet hat. Ermittler vermuten jedoch, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegen könnte. Aufgrund seiner unsteten Lebensweise, seiner geistigen Auffälligkeiten und seiner enormen Reisetätigkeit erhielt er in den Medien den Beinamen „Le routard du crime“ – der „Wanderer des Verbrechens“.
Francis Heaulme wurde am 25. Februar 1959 in Metz im französischen Département Moselle geboren. Er wuchs in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Mehrere Berichte ehemaliger Bekannter und psychiatrischer Gutachter beschreiben eine Kindheit, die von Gewalt, Demütigungen und psychischer Instabilität geprägt gewesen sein soll. Sein Vater galt als gewalttätig und alkoholabhängig. Heaulme entwickelte schon früh massive soziale Probleme, zeigte auffälliges Verhalten und hatte Schwierigkeiten, stabile Beziehungen aufzubauen. Seine schulische und berufliche Laufbahn verliefen chaotisch. Er arbeitete zeitweise als Hilfsarbeiter und Gelegenheitsarbeiter, führte jedoch über Jahre hinweg ein nomadenhaftes Leben ohne festen Wohnsitz.
Spätere psychiatrische Untersuchungen beschrieben eine schwere Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Zügen, emotionaler Abstumpfung und eingeschränkter Empathiefähigkeit. Gleichzeitig galt Heaulme nicht als hochintelligenter Täter im klassischen Sinne. Er wurde häufig als geistig eingeschränkt, sozial unbeholfen und psychisch auffällig beschrieben. Gerade diese Kombination machte ihn für die Ermittler schwer einschätzbar. Er wirkte oftmals verwirrt, teilnahmslos oder beinahe harmlos, war jedoch zu plötzlichen Gewaltausbrüchen fähig.
In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren zog Guy Georges Heaulme quer durch Frankreich. Er nutzte Züge, trampte durch das Land oder wanderte von Ort zu Ort. Genau diese Mobilität erschwerte die Ermittlungen erheblich. Viele der Tatorte, die später mit ihm in Verbindung gebracht wurden, lagen hunderte Kilometer voneinander entfernt. Oft hielt er sich nur kurz in einer Region auf, bevor er weiterzog.
Seine Opfer waren unterschiedlich alt und stammten aus verschiedenen sozialen Schichten. Im Gegensatz zu vielen Serienmördern hatte Heaulme keinen klaren, immer gleichen Opfertyp. Zu seinen Opfern gehörten Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer. Die Taten wirkten oft impulsiv und äußerst brutal. Viele Opfer wurden erschlagen, misshandelt oder mit massiver körperlicher Gewalt getötet. Einige Ermittler kamen zu dem Schluss, dass spontane Aggressionsausbrüche eine zentrale Rolle gespielt haben könnten.
Der sogenannte Fall von Montigny-lès-Metz aus dem Jahr 1986, bei dem zwei Jungen, Cyril Beining und Alexandre Beckrich, nahe Bahngleisen brutal ermordet wurden, ist besonders bekannt. Jahrzehntelang wurde Patrick Dils für diese Tat verantwortlich gemacht und später verurteilt. Erst Jahre später geriet Francis Heaulme in den Fokus der Ermittler, da er sich nachweislich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe aufgehalten hatte. Der Fall entwickelte sich zu einem der größten Justizskandale Frankreichs. Patrick Dils wurde schließlich freigesprochen, während Heaulme später wegen der Doppelmorde verurteilt wurde.
Ein weiterer bekannter Mordfall ereignete sich im Jahr 1989 in Port-Grimaud. Ein Mann wurde dort brutal getötet. Auch in anderen Regionen Frankreichs tauchte Heaulmes Name im Zusammenhang mit ungeklärten Tötungsdelikten auf. Seine Aussagen gegenüber den Ermittlern waren oft widersprüchlich. So gestand er teilweise Taten, zog seine Aussagen später wieder zurück oder lieferte kryptische Hinweise auf Verbrechen. Die Ermittler beschrieben ihn als manipulativen Täter, der Aufmerksamkeit genoss, aber nur selten vollständige Geständnisse ablegte.
Im Jahr 1992 wurde schließlich Francis Heaulme festgenommen. Auslöser war zunächst kein Serienmord, sondern sein auffälliges Verhalten und seine Gewalttätigkeit. Während der Verhöre begann er jedoch, Informationen zu verschiedenen Tötungsdelikten preiszugeben. Die Ermittler bemerkten schnell, dass Heaulme über Insiderwissen zu mehreren ungelösten Mordfällen verfügte. In den folgenden Jahren rekonstruierten Polizei und Justiz zahlreiche seiner Aufenthaltsorte und konnten ihn nach und nach mit verschiedenen Verbrechen in Verbindung bringen.
Heaulme wurde im Laufe mehrerer Prozesse wegen zahlreicher Morde verurteilt. Die französische Justiz sprach mehrfach lebenslange Freiheitsstrafen gegen ihn aus. Aufgrund seiner psychischen Auffälligkeiten spielte die Frage seiner Schuldfähigkeit immer wieder eine Rolle. Dennoch stuften ihn die Gerichte als strafrechtlich verantwortlich ein.
Kriminalpsychologen stufen Francis Heaulme als atypischen Serienmörder ein. Im Gegensatz zu organisierten Tätern wie Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer handelte er oft ungeplant und chaotisch. Offenbar entstanden seine Taten häufig aus plötzlichen Gewaltausbrüchen, Frustration oder inneren Spannungen. Gleichzeitig zeigte er Merkmale eines hochgefährlichen Mehrfachtäters mit erheblichem Gewaltpotenzial.
Bis heute vermuten französische Ermittler, dass Francis Heaulme deutlich mehr Menschen getötet haben könnte, als ihm offiziell nachgewiesen wurde. Immer wieder wurde sein Name im Zusammenhang mit ungeklärten Mordfällen genannt. Aufgrund seiner jahrelangen Wanderbewegungen durch Frankreich und seiner Nähe zu zahlreichen Tatorten gilt eine vollständige Aufklärung all seiner möglichen Taten als äußerst schwierig.
Francis Heaulme verbüßt seine lebenslangen Haftstrafen bis heute in Frankreich. Er gilt dort als eines der erschütterndsten Beispiele für Serienkriminalität der Nachkriegszeit. Sein Fall führte zu intensiven Debatten über Ermittlungsfehler, falsche Verurteilungen und den Umgang mit psychisch gestörten Gewaltverbrechern.