Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Erich Hauert
Erich Hauert galt schon lange als gefährlich, bevor sein Name in der gesamten Schweiz bekannt wurde. Psychiater warnten vor ihm und in Gefängnisakten wurde er als hochgradig gewaltbereit beschrieben. Dennoch sollte das Vertrauen in seine mögliche Resozialisierung zu einer der schockierendsten Fehlentscheidungen der Schweizer Justizgeschichte führen. Der Fall Hauert wurde später zum Symbol dafür, wie fatal es sein kann, die Gefährlichkeit eines sexualsadistischen Täters zu unterschätzen.
Bereits in jungen Jahren fiel Hauert durch massive psychische Auffälligkeiten auf. Er wirkte oft sozial isoliert und emotional instabil und zeigte bereits in jungen Jahren aggressive Verhaltensweisen gegenüber Frauen. Hinter seiner teilweise ruhigen äußeren Erscheinung verbarg sich ein gefährliches Muster aus sexuellen Gewaltfantasien, Kontrollbedürfnis und wachsendem Frauenhass. Schon als junger Erwachsener geriet er wegen Gewalt- und Sexualdelikten mit dem Gesetz in Konflikt. Ermittlungsakten und spätere Gutachten zeichneten das Bild eines Mannes, der Probleme damit hatte, zwischen Fantasie und Gewaltimpuls zu unterscheiden.
Experten beschrieben ihn in psychiatrischen Einschätzungen später als schwer gestört, emotional kalt und extrem rückfallgefährdet. Besonders alarmierend war dabei die Kombination aus sexueller Motivation und sadistischen Gewaltfantasien. Mehrere Gutachter warnten ausdrücklich davor, Hauert zu früh wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Doch trotz dieser Einschätzungen bestand die Hoffnung, dass eine Therapie und ein kontrollierter Strafvollzug ihn stabilisieren könnten.
Im Jahr 1983 eskalierte seine Gewalt endgültig. Hauert tötete erstmals eine Frau. Diese Tat wies bereits jene Merkmale auf, die später sein Täterprofil prägen sollten: sexuelle Motivation, massive Gewalt und ein auffälliges Bedürfnis nach totaler Kontrolle über das Opfer. Nach dem Mord wurde er festgenommen und inhaftiert. Für viele schien klar, dass von diesem Mann dauerhaft eine erhebliche Gefahr ausging.
Während seiner Haftzeit beschäftigten sich Psychiater und Vollzugsbehörden intensiv mit seiner Persönlichkeit. Die Gutachten zeichneten ein düsteres Bild. Hauert zeigte kaum echte Reue. Seine Gewaltfantasien und seine sexuelle Fixierung auf Dominanz und Unterwerfung bestanden weiter. Dennoch setzte sich innerhalb des damaligen Strafvollzugs zunehmend die Vorstellung durch, dass auch Schwerverbrecher schrittweise resozialisiert werden sollten. Unter strengen Bedingungen erhielt Hauert zunächst kleinere Lockerungen, später begleitete Ausgänge und schließlich sogar Hafturlaube.
Diese Entscheidungen sollten sich später als katastrophaler Fehler erweisen.
Im Jahr 1987 erhielt Hauert erneut Urlaub aus dem Maßnahmenvollzug. Dies sollte nach außen Teil seiner Wiedereingliederung sein. In Wirklichkeit befand sich jedoch ein hochgefährlicher Gewaltstraftäter zeitweise wieder frei in der Gesellschaft. Während dieses Hafturlaubs lernte er die beiden jungen Frauen Brigitte Meier und Jacqueline Biller kennen.
Was genau in den Stunden danach geschah, ließ sich später nur teilweise rekonstruieren. Fest steht jedoch, dass Hauert beide Frauen mitnahm und schließlich ermordete. Die Taten waren von erheblicher Brutalität geprägt. Anschließend versuchte er, die Leichen zu verstecken und seine Spuren zu verwischen. Für die Ermittler zeigte sich erneut das bekannte Muster sexualsadistischer Täter: Kontrolle, Gewalt und völlige emotionale Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern.
Als bekannt wurde, dass die Morde während eines gewährten Hafturlaubs begangen worden waren, reagierte die Schweiz mit Entsetzen. Die Öffentlichkeit stellte eine Frage, die das Land noch jahrelang beschäftigen sollte: Wie konnte ein Mann, den Experten als äußerst gefährlich eingestuft hatten, überhaupt wieder Freigänge erhalten?
Der Fall entwickelte sich zu einem der größten Justiz- und Psychiatrieskandale der Schweiz. Medien, Politiker und Angehörige der Opfer kritisierten die damaligen Resozialisierungskonzepte massiv. Besonders im Fokus standen jene Behörden und Gutachter, die Hauert Lockerungen ermöglicht hatten. Dadurch verloren viele Menschen das Vertrauen in das System des Maßnahmenvollzugs. Der Fall markierte einen Wendepunkt in der Diskussion über gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter.
Aus kriminalpsychologischer Sicht galt Hauert als klassischer sexualsadistischer Täter. Seine Gewalt richtete sich gezielt gegen Frauen, die für ihn weniger Menschen als vielmehr Objekte zur Ausübung von Kontrolle und Macht darstellten. Experten beschrieben ihn als manipulativ, emotional abgestumpft und kaum therapierbar. Seine Taten wirkten nicht impulsiv-chaotisch, sondern folgten einem inneren Muster aus Dominanzfantasien und sexueller Gewalt.
Nach den Doppelmorden wurde Hauert erneut verurteilt und blieb über Jahrzehnte im geschlossenen Vollzug beziehungsweise Maßnahmenvollzug. Immer wieder gab es Diskussionen darüber, ob ein Täter wie er jemals wieder kontrolliert in Freiheit leben könne. Viele Experten kamen zu dem Schluss, dass seine Gefährlichkeit dauerhaft bestehen würde.
Der Fall Erich Hauert gilt bis heute als eines der erschütterndsten Beispiele dafür, wie schwierig die Einschätzung hochgefährlicher Gewaltstraftäter sein kann. Seine Verbrechen hatten nachhaltige Auswirkungen auf die Schweizer Diskussion über Sicherheitsverwahrung, Tätertherapie und Haftlockerungen. Zahlreiche Regelungen im Straf- und Maßregelvollzug wurden nach seinem Fall verschärft oder neu bewertet.
Doch hinter all den juristischen Debatten bleiben vor allem die Opfer zurück. Frauen, die einem Mann begegneten, den der Staat trotz aller Warnungen erneut auf freien Fuß gesetzt hatte.