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Robert Christian Hansen – Die wahre Geschichte des „Butcher Baker“ aus Alaska
Es ist die eisige Weite Alaskas, die alles verschluckt. Geräusche. Spuren. Schreie. In den frühen 1980er-Jahren wirkt Anchorage wie eine Stadt am Rande der Welt: rau, abgelegen und ein Ort, an dem Menschen einfach verschwinden können. Genau das geschieht. Junge Frauen verschwinden spurlos. Kaum jemand stellt Fragen. Und wenn doch, führen sie ins Nichts. Mitten in dieser Stadt lebt ein Mann, der auf den ersten Blick nicht auffällt: Robert Christian Hansen. Ein Bäcker. Familienvater. Nachbar. Jemand, den man grüßt, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Täter, dessen Verbrechen zu den verstörendsten der amerikanischen Kriminalgeschichte zählen.
Hansen wurde 1939 in Estherville geboren. Schon früh war sein Leben geprägt von sozialer Isolation, Unsicherheit und Frustration. Er wurde gehänselt und fühlte sich ausgegrenzt, besonders im Umgang mit Frauen. Jahre später verwandelt sich genau dieses Gefühl in eine gefährliche Mischung aus Wut, Kontrolle und Gewalt. Erste Straftaten wie Brandstiftung und Diebstahl brachten ihn bereits in jungen Jahren mit dem Gesetz in Konflikt. Doch nichts deutete darauf hin, welches Ausmaß seine spätere Gewalt annehmen würde.
Nach seiner Zeit im Gefängnis zieht Hansen nach Alaska. Ein Neuanfang. Er baut sich ein Leben auf, gründet eine Familie und betreibt eine eigene Bäckerei. Gleichzeitig entwickelt er eine Leidenschaft, die ihn tief prägt: die Jagd. In der endlosen Wildnis Alaskas findet er Kontrolle. Macht. Überleben. Es ist ein Terrain, in dem der Stärkere gewinnt – ein Prinzip, das Hansen bald auf grausame Weise auf Menschen übertragen wird.
Zwischen den 1970er- und frühen 1980er-Jahren beginnt eine Serie von Verbrechen, die lange unentdeckt bleibt. Hansen suchte gezielt nach Frauen, die am Rand der Gesellschaft standen: Tänzerinnen, Sexarbeiterinnen und Ausreißerinnen. Frauen, deren Verschwinden weniger Aufmerksamkeit erzeugt. Er spricht sie an, bietet Geld, Hilfe oder eine Mitfahrgelegenheit. Was folgt, ist ein Albtraum.
Er lockt seine Opfer in sein Haus. Er fesselt sie. Missbraucht sie. Doch das ist nur der Anfang. Der entscheidende Unterschied zwischen ihm und vielen anderen Serienmördern liegt in dem, was danach geschieht. Mit seinem eigenen Buschflugzeug, oft einer Piper Super Cub, fliegt er seine Opfer tief in die Wildnis Alaskas. Kilometerweit entfernt von jeder Zivilisation. Keine Straßen. Keine Zeugen. Nur Wälder, Berge und absolute Stille. Dort lässt er sie frei. Für einen kurzen Moment scheint es, als gäbe es eine Chance zu entkommen. Doch diese Hoffnung ist Teil seines Systems. Hansen beginnt die Jagd. Wie ein Jäger auf der Pirsch verfolgt er seine Opfer durch die Landschaft. Bewaffnet. Geduldig. Er kennt das Terrain. Sie nicht. Am Ende steht immer dasselbe Ergebnis. Tod. Die Leichen bleiben verstreut in der Wildnis zurück. Viele werden nie gefunden. Andere erst Jahre später – wenn überhaupt.
Lange Zeit gelingt es Hansen, unentdeckt zu bleiben. Die Polizei vermutet zunächst keine Verbindung zwischen den Fällen. Die Umstände wirken zu unterschiedlich. Die Opfer sind im gesellschaftlichen Kontext zu unsichtbar. Doch im Jahr 1983 geschieht etwas, das alles verändert. Eine junge Frau überlebt. Cindy Paulson gelingt die Flucht. Gefesselt und misshandelt, aber am Leben, erreicht sie die Polizei. Sie beschreibt Hansen. Sein Haus. Sein Flugzeug. Seine Methoden. Zunächst stößt sie auf Skepsis. Der Mann, den sie beschuldigt, ist ein angesehener Bürger. Kein typischer Verdächtiger. Doch die Ermittler beginnen zu graben. Und sie finden etwas.
In Hansens Haus stoßen sie auf belastende Beweise. Schmuckstücke verschwundener Frauen. Waffen. Und schließlich finden sie eine Karte. Eine unscheinbare Landkarte Alaskas, übersät mit Markierungen. Jede Markierung steht für einen Ort. Jeder Ort ein mögliches Grab. Der Druck wächst. Hansen wird festgenommen. Im Jahr 1984 gesteht er schließlich mehrere Morde. Insgesamt werden ihm mindestens 17 Taten nachgewiesen, doch die tatsächliche Zahl könnte höher liegen. Im Rahmen eines Deals führt er die Ermittler zu einigen Leichen – ein letzter Akt der Kontrolle über seine Opfer. Das Urteil ist eindeutig: 461 Jahre Haft plus lebenslänglich. Hansen verbringt den Rest seines Lebens im Gefängnis. 2014 stirbt er im Alter von 75 Jahren in Anchorage.
Bis heute zählt sein Fall zu den verstörendsten in der Geschichte der USA. Das liegt nicht nur an der Brutalität seiner Taten, sondern auch an ihrer Methodik. Die systematische „Menschenjagd“, die Verbindung von Jagdinstinkt und Mord, macht ihn selbst unter Serienmördern zu einer Ausnahme.
Die Geschichte von Robert Hansen ist weitaus mehr als nur ein True-Crime-Fall. Sie ist ein Beispiel dafür, wie gefährlich ein Doppelleben sein kann. Sie zeigt, wie ein scheinbar unauffälliger Mensch über Jahre hinweg unvorstellbare Verbrechen begehen kann, die hinter einer Fassade aus Normalität verborgen sind. Und sie zeigt, wie entscheidend ein einzelner Moment sein kann. Denn ohne das Überleben von Cindy Paulson wäre Hansen womöglich nie gefasst worden. In den endlosen Weiten Alaskas hätte die Stille weiterhin alles verschluckt.