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Tony Alvin Ables
Er war kaum älter als ein Junge, als er ins Verbrechen abglitt. Tony Alvin Ables wuchs in St. Petersburg, Florida, auf, eine typische Biografie für spätere Gewalttäter: brüchig, früh belastet, von kleinen Delikten durchzogen. Im Alter von 15 oder 16 Jahren eskalierte ein Raubüberfall tödlich. Ein Mann wurde erschossen. Ables gestand und wurde 1971 wegen Totschlags zu lebenslanger Haft verurteilt.
Doch das Strafsystem gab ihm eine zweite Chance. Nach rund zwölf Jahren wurde er 1983 auf Bewährung entlassen. Er kehrte in eine Gesellschaft zurück, die nicht ahnte, dass sie bald erneut mit seinem Namen konfrontiert werden würde.
Am 25. Juni 1983 wurde die 84-jährige Adeline McLaughlin tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie war beraubt, sexuell misshandelt und mit einem Kissen erstickt worden. Der Mord erschütterte die Nachbarschaft, doch die Ermittler kamen nicht voran. Auch der Mord an der 31-jährigen Deborah Kisor, deren Leiche im Februar 1987 nahe des Roser Parks mit Spuren sexueller Gewalt entdeckt wurde, blieb zunächst ungeklärt. Zwei Frauen, zwei grausame Verbrechen und jahrzehntelang keine Antworten.
Die Verurteilung, die Ables schließlich ins Gefängnis brachte, beruhte zunächst auf einer anderen Tat. Am 4. Juni 1990 wurde er nach einem eskalierenden Streit mit seiner damaligen Partnerin Marlene Burns festgenommen. Zeugen berichteten, dass sie schwer misshandelt worden sei. Nachbarn hatten die Polizei gerufen und beobachtet, wie Ables Blut von seinen Händen wischte. 1992 sprach ihn eine Jury schuldig und empfahl die Todesstrafe. Der Richter entschied sich jedoch für eine lebenslange Haftstrafe.
Erst Jahre später wurden die offenen Kapitel der Vergangenheit geschlossen. Mit moderner DNA-Technik untersuchten Ermittler in St. Petersburg alte Spuren neu. Im Jahr 2006 ergab der Abgleich, dass die DNA von Ables mit den biologischen Spuren an den Körpern von Adeline McLaughlin und Deborah Kisor übereinstimmte. Was jahrzehntelang unbeantwortet geblieben war, erhielt plötzlich eine Antwort.
In Kisors Fall verzichteten die Behörden auf eine weitere formelle Anklage, da sie mit Ables liiert gewesen war. Der Mord an McLaughlin gilt offiziell als aufgeklärt. Ermittler schlossen jedoch nicht aus, dass Ables noch mit weiteren ungeklärten Taten in Verbindung stehen könnte.
Der Fall Tony Ables steht exemplarisch für zwei zentrale Realitäten moderner Strafverfolgung: die Risiken frühzeitiger Entlassungen bei hochgefährlichen Gewalttätern und die Macht der forensischen Wissenschaft. DNA kann kein Leben zurückbringen, aber sie kann der Wahrheit einen Namen geben. Für die Angehörigen der Opfer ist das oft der einzige späte, aber unverzichtbare Trost.