SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1977
Bis 1978
Bestätigte Opfer 3
Vermutete Opfer 8
Aktionsradius Columbus, U.S.A.
Opfergruppen Überwiegend ältere, allein lebende Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Strangulieren, sexualisierte Gewalt, Misshandlung

Rechtliches

Festnahmejahr 1978
Urteil Todesstrafe, Giftspritze
Haftform Georgia Diagnostic and Classification Prison
Hinrichtungsjahr 2018
Bild 1
Bei dem Bild handelt es sich um ein sogenanntes Mugshot ein offiziellen US Behörde, daher gemeinfrei.


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Der „Stocking Strangler“ – Angst in Columbus
Eine unsichtbare Bedrohung schwebte Ende der 1970er Jahre über der Stadt Columbus. Es handelte sich nicht um eine laute oder offensichtliche Bedrohung. Sie schlich sich leise und im Verborgenen ein – durch offene Türen, durch Fenster, durch die vermeintliche Geborgenheit des eigenen Heims. Es handelte sich bei den Opfern um Frauen. In einem höheren Alter. Und jemand hatte es absichtlich auf sie abgesehen.

Zwischen 1977 und 1978 begann eine Serie brutaler Angriffe, die die Stadt in Angst und Panik versetzte. Nachts drang der Täter in Wohnungen ein, überraschte seine Opfer im Schlaf oder in der trügerischen Sicherheit ihrer eigenen vier Wände. Was folgte, war entsetzlich: sexualisierte Gewalt, Misshandlungen – und schließlich der Tod. Oft durch Strangulation mit einer Strumpfhose. Ein Detail, das sich einprägte. Ein Detail, das ihm später seinen Namen geben sollte: Stocking Strangler. Mit jedem neuen Angriff wuchs die Furcht. Vor allem ältere Frauen lebten plötzlich in ständiger Angst. Türen wurden doppelt verriegelt, Fenster sorgfältig verschlossen – doch die Unsicherheit blieb. Der Täter schien seine Opfer gezielt zu wählen. Er war geduldig. Methodisch. Unsichtbar. Die Polizei stand unter enormem Druck. Hinweise waren spärlich, Spuren widersprüchlich. Doch eines stand außer Zweifel: Die Verbrechen folgten einem klaren Muster.

1978 geriet schließlich ein Mann ins Visier der Ermittler: Carlton Michael Gary. Ein junger Mann mit krimineller Vergangenheit – geprägt von Einbrüchen und Diebstählen. Doch war er auch ein Serienmörder? Für die Ermittler bestand kaum Zweifel. Sie verknüpften ihn mit mehreren der grausamen Taten. Doch die Beweislage erwies sich als schwierig: vieles war indirekt, manches widersprüchlich. Es war ein Fall, der sich nicht schnell entscheiden ließ – ein Fall, der Jahre brauchte, um vor Gericht zu einem endgültigen Urteil zu führen.

1986 fiel schließlich das Urteil: schuldig. Todesstrafe. Doch der Fall blieb von Anfang an von Zweifeln begleitet. Carlton Michael Gary beteuerte seine Unschuld – nicht nur im Gerichtssaal, sondern bis zu seinem letzten Atemzug. Seine Verteidigung stellte zentrale Beweise infrage, kritisierte die Ermittlungsarbeit und verwies auf mögliche Fehler im Verfahren. Auch Jahrzehnte später riss die Kontroverse nicht ab. Immer wieder wurden neue DNA-Analysen ins Gespräch gebracht, doch keine davon führte zu einer endgültigen Neubewertung, die das Urteil erschüttert hätte. Die Justiz blieb bei ihrer Entscheidung. Am 15. März 2018 wurde Gary im Georgia Diagnostic and Classification Prison hingerichtet – durch eine Giftinjektion. Er war 64 Jahre alt. Seine letzten Worte? Er wich nicht von seiner Version ab: unschuldig.

Der „Stocking Strangler“ zählt bis heute zu den bekanntesten Kriminalfällen im US-Bundesstaat Georgia: eine Serie grausamer Morde, eine Stadt in lähmender Angst – und ein Urteil, das die Zweifel nie ganz zum Schweigen brachte. War Carlton Michael Gary tatsächlich der Täter hinter all diesen Verbrechen? Oder liegt ein Teil der Wahrheit bis heute im Dunkeln? Was bleibt, ist eine Geschichte geprägt von Gewalt, Furcht – und Fragen, auf die es womöglich nie eine endgültige Antwort geben wird.


Weitere dokumentierte Hinweise

1

Opferliste des „Stocking Strangler“
Gerichtlich nachgewiesene Opfer. Diese Fälle führten zur Verurteilung von Carlton Gary.

Kathleen Woodruff
Alter: 74 Jahre
Tatdatum: 1977
Fundort: Columbus

Kathleen Woodruff wurde in ihrem eigenen Zuhause Opfer eines nächtlichen Überfalls. Der Täter drang unbemerkt ein, überraschte sie und ging mit brutaler Gewalt vor. Sie wurde sexuell missbraucht und schließlich mit einem Kleidungsstück – vermutlich Strumpfmaterial – erdrosselt. Dieser Fall bildete einen der zentralen Pfeiler der Anklage gegen Carlton Michael Gary und spielte eine entscheidende Rolle bei seiner späteren Verurteilung.

Lula Mae Davis
Alter: ca. 60–70 Jahre (genaue Angaben variieren je nach Quelle)
Tatdatum: 1977
Fundort: Columbus

Auch sie lebte allein – und auch sie wurde in den eigenen vier Wänden überrascht. Der Täter drang nachts ein, ging mit brutaler Gewalt vor und tötete sie schließlich durch Strangulation. Die Tat wies deutliche Parallelen zu anderen Angriffen auf und fügte sich in ein wiederkehrendes Muster. Für die Ermittler war dieser Fall ein weiterer wichtiger Baustein bei der Erstellung des Täterprofils rund um Carlton Michael Gary.

(Drittes bestätigtes Opfer – je nach Quelle unterschiedlich benannt)
Die Quellenlage ist hier uneinheitlich. In mehreren Berichten wird ein drittes Mordopfer genannt, jedoch variieren Name und Details je nach Dokumentation.

Zugeschriebene (nicht vollständig bewiesene) Opfer
Diese Fälle werden Ermittlern zufolge dem „Stocking Strangler“ zugerechnet, konnten jedoch nicht alle zweifelsfrei vor Gericht bewiesen werden.

Mildred Smith
Alter: ältere Frau
Tatort: Columbus

Typisches Muster: allein lebend, nächtlicher Überfall, Strangulation.

Dorothy Mae Sapp
Alter: ältere Frau
Tatort: Columbus

Auch hier Hinweise auf sexualisierte Gewalt und das bekannte Vorgehen.

Kathleen Woodruff (Versuch/zusätzliche Zuordnung in Serienkontext)
Wird in manchen Darstellungen sowohl als gesicherter Mord als auch als Teil der gesamten Mordserie hervorgehoben.

Weitere mögliche Opfer
Ermittler gehen davon aus, dass insgesamt 7 bis 8 Frauen Opfer der Serie wurden, nicht alle Fälle eindeutig einem Täter zugeordnet werden konnten. Gründe: fehlende oder beschädigte Beweise, damalige Ermittlungsstandards und spätere Zweifel an DNA-Auswertungen.

2

Weitere Details

Späte DNA-Analysen (und neue Zweifel)
Jahrzehnte nach den Taten griff man auf moderne DNA-Analysen zurück – in der Hoffnung, die ursprünglichen Beweise eindeutig zu bestätigen. Doch das Ergebnis blieb ambivalent: Die Resultate entlasteten Carlton Michael Gary nicht klar, lieferten aber zugleich nicht die erhoffte eindeutige Belastung. Die Verteidigung nutzte genau diesen Umstand und verwies auf mögliche Kontaminationen sowie auf eine unsachgemäße Lagerung der Beweismittel über Jahrzehnte hinweg.

Die Gerichte hielten die Beweise dennoch für ausreichend, um das Urteil aufrechtzuerhalten.

Einer der umstrittensten Fälle in Georgia
Der Fall gilt als einer der kontroversesten Todesstrafenfälle im Bundesstaat Georgia. Kritikpunkte: starke Abhängigkeit von Indizienbeweisen und widersprüchliche Zeugenaussagen

Rassistische Spannungen im Prozess
Gary war Afroamerikaner, die Opfer waren überwiegend weiße ältere Frauen. Der Fall spielte sich im Süden der USA ab – mit historisch belastetem Hintergrund. Dadurch entstand zusätzliche Kritik: mögliche Voreingenommenheit der Jury und gesellschaftlicher Druck auf Ermittler und Justiz.

Frühere Verbrechen
Vor den Mordanklagen war Gary bereits mehrfach strafrechtlich aufgefallen: Einbruch und Diebstahl, Raubdelikte, teilweise Haftstrafen. Diese Vorgeschichte wurde im Prozess genutzt, um sein Täterprofil zu untermauern.

Verbindung zu ähnlichen Mordserien
In den 1970er Jahren gab es in Columbus bereits eine frühere Mordserie mit ähnlichem Muster. Diese wurde einem anderen Täter zugeschrieben. Einige Kritiker vermuteten: mögliche Verwechslung oder Vermischung von Fällen und nicht alle Morde stammen zwingend vom gleichen Täter.

Letzte Stunden & Aussagen
Gary beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Seine Verteidiger versuchten noch kurz vor der Hinrichtung: neue DNA-Tests durchzusetzen. Diese Anträge wurden abgelehnt.


Carlton Michael Gary war nicht nur als „Stocking Strangler“ bekannt, sondern auch als zentrale Figur eines der umstrittensten Mordprozesse in Georgia. Jahrzehnte nach seiner Verurteilung war der Fall weiterhin Gegenstand juristischer und öffentlicher Debatten, insbesondere aufgrund fragwürdiger DNA-Ergebnisse, möglicher Verfahrensfehler und gesellschaftlicher Spannungen. Trotz zahlreicher Berufungen wurde das Urteil nie aufgehoben.

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