SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1971
Bis 1971
Bestätigte Opfer 8
Aktionsradius Präfektur Gunma, Takasaki, Haruna und Matsuida
Opfergruppen Überwiegend junge Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Ōkubo sprach junge Frauen an, täuschte sie unter anderem mit dem Vorwand einer Modeltätigkeit und brachte sie in seinem Mazda Rotary Coupé an abgelegene Orte. Dort verübte er sexuelle Gewalt und tötete anschließend seine Opfer
Hauptmotive Sexuelle Gewalt und Befriedigung standen im Zentrum seiner Taten. Die Tötungen dienten offenbar auch dazu, die Opfer als mögliche Zeuginnen seiner Sexualdelikte auszuschalten

Rechtliches

Festnahmejahr 1971
Urteil Todesstrafe am 22. Februar 1973
Haftform Gefängnis
Hinrichtungsjahr 1976
Bild 1
Zu diesem Täter gibt es leider kein gemeinfreies Foto.


Bei den aufgeführten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn Sie über einen solchen Link etwas kaufen oder ein Abo abschließen, erhalten wir ggf. eine kleine Provision und unterstützen uns beim Erstellen und Erhalt dieser Website. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten. Vielen Dank... ❤️

Kiyoshi Ōkubo: Der Serienmörder von Gunma
Im Frühjahr 1971 begann in der japanischen Präfektur Gunma eine Mordserie, bei der innerhalb weniger Wochen acht junge Frauen ihr Leben verloren. Die Opfer waren zwischen 16 und 21 Jahre alt. Was zunächst wie eine Reihe voneinander unabhängiger Vermisstenfälle erschien, entwickelte sich zu einem der aufsehenerregendsten Kriminalfälle Japans jener Zeit.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand Kiyoshi Ōkubo. Der damals 36-Jährige hatte bereits eine lange Vorgeschichte als Sexualstraftäter und hatte mehrere Haftstrafen verbüßt. Er war Anfang März 1971 aus dem Gefängnis entlassen worden. Nur wenige Wochen später begann die Mordserie.

Zwischen dem 31. März und dem 10. Mai 1971 verschwanden acht junge Frauen. Okubo sprach seine späteren Opfer häufig im öffentlichen Raum an und nutzte dabei sein Auto. Er gab sich unter anderem als Künstler oder Lehrer aus und stellte den Frauen eine Tätigkeit als Modell in Aussicht. So gelang es ihm, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie dazu zu bringen, in sein Auto einzusteigen.

Später stellten die Ermittler fest, dass Ōkubo die Frauen an abgelegene Orte gebracht hatte. Dort kam es zu sexueller Gewalt, anschließend wurden die Frauen getötet. Die Leichen wurden an verschiedenen Orten in der Region versteckt oder vergraben. Der entscheidende Durchbruch kam nach dem Verschwinden der 21-jährigen Reiko Takemura. Die Suche nach ihr führte die Ermittler zu einem auffälligen Fahrzeug und schließlich zu dessen Besitzer. Am 14. Mai 1971 wurde Kiyoshi Ōkubo festgenommen. Die Ermittlungen brachten nach und nach das Ausmaß seiner Taten ans Licht. Okubo führte die Polizei zu den Fundorten der Opfer und gestand schließlich acht Morde. Das Verfahren vor dem Maebashi District Court endete am 22. Februar 1973 mit einem Todesurteil.

Okubo legte keine Berufung ein. Fast drei Jahre später, am 22. Januar 1976, wurde er im Tokyo Detention House hingerichtet. Er war 41 Jahre alt. Doch die Mordserie war nur der sichtbarste Teil einer kriminellen Entwicklung, die viele Jahre zuvor begonnen hatte. Um zu verstehen, wie Okubo zum Täter werden konnte, muss man in seine Kindheit und Jugend zurückgehen – in eine Zeit, in der erste Auffälligkeiten und sexuelle Grenzüberschreitungen dokumentiert wurden, lange bevor die späteren Morde begangen wurden.

Kiyoshi Ōkubo wurde am 17. Januar 1935 in der Präfektur Gunma geboren. Sein Geburtsort war das damalige Yawata-mura im Landkreis Usui, ein ländlich geprägtes Gebiet, das heute zur Stadt Takasaki gehört. Er wuchs in einer größeren Familie auf. Sein Vater arbeitete bei der japanischen Eisenbahn, während seine Mutter sich um die Familie kümmerte.

Über Ōkubos Kindheit existieren zahlreiche spätere Darstellungen. Manche beschreiben ihn als Jungen, der innerhalb der Familie stark umsorgt wurde und bereits früh ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit entwickelte. Andere Berichte konzentrieren sich auf familiäre Spannungen und Auffälligkeiten, die sich später in seinem Verhalten gegenüber Frauen gezeigt haben sollen. Allerdings lassen sich nicht alle diese Angaben unabhängig voneinander bestätigen.

Bereits während seiner Schulzeit fiel Okubo durch problematisches Verhalten auf. Besonders sein Umgang mit Mädchen und Frauen wurde später als auffällig beschrieben. Eine Episode aus seiner frühen Jugend, die in den Fallunterlagen und späteren Darstellungen überliefert ist, betrifft das Jahr 1946, als Ōkubo elf Jahre alt war. Er soll sich gegenüber einem vierjährigen Mädchen sexuell übergriffig verhalten haben.

Diese frühe Episode ist wichtig, da sie zeigt, dass seine späteren Sexualstraftaten nicht plötzlich mit Beginn seines Erwachsenenlebens einsetzten. Gleichzeitig wäre es jedoch falsch, aus diesem einen Ereignis rückblickend eine geradlinige Entwicklung zum späteren Serienmörder abzuleiten. Zwischen seiner Kindheit und der späteren Mordserie lagen Jahrzehnte, in denen sich sein Leben immer wieder veränderte.

Mit zunehmendem Alter wurden seine Probleme immer deutlicher. Okubo entwickelte ein auffälliges Interesse an Frauen und Sexualität und geriet schließlich mit dem Gesetz in Konflikt. Mitte der 1950er Jahre beging er seine ersten gerichtlich verfolgten Sexualstraftaten.

Damit begann eine lange Reihe von Straftaten, die ihn immer wieder mit Polizei und Justiz in Berührung bringen sollten. Von den späteren Morden war noch nichts zu erkennen. Doch die Grenze zwischen sexueller Fantasie, Übergriff und tatsächlicher Gewalt hatte er bereits überschritten.

Sein weiteres Leben sollte zunehmend von diesen Konflikten geprägt sein. Mehrfach wurde er verurteilt und verbüßte Haftstrafen. Und obwohl ihm die Justiz wiederholt die Gelegenheit gab, in die Gesellschaft zurückzukehren, änderte sich sein Verhalten nicht nachhaltig.

Die erste dieser dokumentierten Sexualstraftaten führte schließlich im Jahr 1955 zu seiner Verurteilung – und damit zu einem weiteren entscheidenden Abschnitt in der Vorgeschichte des späteren Serienmörders.

Die ersten Sexualstraftaten und Haftstrafen
Kiyoshi Ōkubo war im Jahr 1955 20 Jahre alt, als seine kriminelle Entwicklung erstmals eindeutig aktenkundig wurde. Am 12. Juli desselben Jahres vergewaltigte er in Maebashi eine 17-jährige Schülerin. Diese Tat führte zu seiner ersten bekannten Verurteilung wegen eines Sexualdelikts. Doch die Strafe bedeutete für Ōkubo keinen dauerhaften Bruch mit seinem bisherigen Verhalten. Noch im selben Jahr geriet er erneut wegen eines Sexualdelikts mit dem Gesetz in Konflikt. Am 26. Dezember 1955 versuchte er, eine weitere Frau zu vergewaltigen. Der Versuch scheiterte. Die Justiz reagierte zunächst mit einer vergleichsweise milden Behandlung. Die zunächst ausgesetzte Strafe wurde nach seinem erneuten Fehlverhalten jedoch widerrufen und Ōkubo musste eine längere Freiheitsstrafe verbüßen.

Auch nach seiner Entlassung schaffte er keinen dauerhaften Neuanfang. So wurde am 16. April 1960 erneut ein Vergewaltigungsversuch gegen eine Frau aktenkundig. Wieder blieb die Tat beim Versuch. Damit hatte sich ein Muster herausgebildet. Okubo suchte die Nähe zu Frauen, überschritt ihre Grenzen und setzte sexuelle Gewalt ein. Die Justiz hatte bereits mehrfach eingegriffen, doch die bisherigen Haftstrafen konnten ihn nicht davon abhalten, erneut straffällig zu werden.

In den folgenden Jahren versuchte Okubo zeitweise, ein gewöhnliches Leben zu führen. Er heiratete und bekam Kinder. Doch auch diese familiäre Phase führte nicht zu einer dauerhaften Veränderung. Ende 1966 und Anfang 1967 kam es erneut zu Sexualdelikten. Am 23. Dezember 1966 und am 24. Februar 1967 wurden weitere Taten gegen Frauen dokumentiert. Okubo wurde erneut verurteilt und musste wieder ins Gefängnis.

Diese Haftstrafe sollte für seine spätere Geschichte von besonderer Bedeutung sein. Denn während seiner Zeit im Gefängnis war die Gefahr nicht gebannt, sondern lediglich aus der Öffentlichkeit verschwunden. Anfang März 1971 kam Okubo schließlich wieder frei. Zu diesem Zeitpunkt war er 36 Jahre alt und hatte bereits mehrfach gezeigt, dass frühere Strafen sein Verhalten nicht dauerhaft verändert hatten. Nur wenige Wochen nach seiner Entlassung verschwand in Gunma eine junge Frau.

Damit begann am 31. März 1971 eine Mordserie, die innerhalb von nur sechs Wochen acht Menschenleben fordern sollte.

Der Beginn der Mordserie
Nach seiner Haftentlassung Anfang März 1971 dauerte es nur wenige Wochen, bis Kiyoshi Ōkubo erneut mit jungen Frauen in Kontakt kam. Diesmal sollten seine Taten eine völlig neue Dimension erreichen.

Am 31. März 1971 verschwand die 17-jährige Miyako Tsuda. Sie wurde das erste Opfer einer Mordserie, die Gunma in den folgenden Wochen erschüttern sollte.

Okubo verfügte über ein Fahrzeug und war damit in der Region unterwegs. Er sprach junge Frauen an und suchte gezielt nach Möglichkeiten, ihr Vertrauen zu gewinnen. Dabei konnte er sich überzeugend als jemand darstellen, der ihnen eine interessante Gelegenheit bieten wollte. Ein wiederkehrendes Täuschungsmittel war das Versprechen, als Modell für einen Maler arbeiten zu können. Okubo gab sich dabei teilweise als Künstler oder Lehrer aus. Für junge Frauen konnte dieses Angebot zunächst harmlos wirken. Es gab ihnen einen plausiblen Grund, sich mit ihm zu unterhalten und schließlich in sein Fahrzeug einzusteigen. Was danach geschah, spielte sich abseits des öffentlichen Lebens ab. Okubo brachte die Frauen an abgelegene Orte. Dort kam es zu sexueller Gewalt und anschließend zu den Tötungen. Die Leichen versteckte oder vergrub er, sodass die Opfer zunächst spurlos verschwanden.

Bereits wenige Tage nach dem ersten Mord folgte der nächste. Am 6. April 1971 wurde die 17-jährige Mieko Oikawa getötet.

Nur wenige Tage später verschwand erneut eine junge Frau. Am 17. April wurde die 19-jährige Chieko Ida Opfer Ōkubos. Bereits am folgenden Tag traf es die 17-jährige Seiko Kawabata.

Innerhalb weniger Wochen verdichtete sich damit ein erschreckendes Muster: Junge Frauen verschwanden, nachdem sie Kontakt zu einem Mann gehabt hatten, der ihnen scheinbar harmlose Angebote gemacht hatte.

Am 27. April wurde die 16-jährige Akemi Satō getötet. Am 3. Mai folgte die 18-jährige Kazuyo Kawahara.

Die Abstände zwischen den Taten wurden immer kürzer. Während die Polizei weiterhin versuchte, die einzelnen Vermisstenfälle miteinander in Verbindung zu bringen, bewegte sich Ōkubo weiter durch Gunma.

Am 9. Mai verschwand die 21-jährige Reiko Takemura. Ihr Verschwinden sollte schließlich den entscheidenden Wendepunkt der gesamten Mordserie markieren.

Denn dieses Mal gab es jemanden, der nicht bereit war, einfach abzuwarten. Takemuras Familie begann, selbst nach ihr zu suchen. Dabei stießen die Angehörigen auf eine Spur, die schließlich zu einem Fahrzeug und damit zu einem Mann führen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht bekannt, dass dieser Mann bereits mit sieben weiteren jungen Frauen in Verbindung stand.

Am 10. Mai 1971, nur einen Tag nach Takemuras Verschwinden, wurde die 21-jährige Naoko Takanohashi das achte und letzte Opfer der Mordserie. Vier Tage später sollte Kiyoshi Ōkubo erstmals endgültig mit den Vermisstenfällen in Verbindung gebracht werden. Die Polizei war ihm auf der Spur.

Die Spur führt zu Kiyoshi Ōkubo
Als Reiko Takemura am 9. Mai 1971 verschwand, begann ihre Familie sofort, nach ihr zu suchen. Die 21-Jährige war bereits das siebte Opfer innerhalb weniger Wochen, doch das gesamte Ausmaß der Mordserie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Bei der Suche stießen die Angehörigen auf Takemuras Fahrrad. Es war zurückgeblieben und wurde zu einem wichtigen Hinweis. Kurz darauf fiel ein Mann auf, der mit einem auffälligen Fahrzeug in der Nähe des Fahrrads erschien. Als er angesprochen wurde, entfernte er sich. Das Fahrzeug rückte damit in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Es handelte sich um einen Mazda Rotary Coupé. Über die Fahrzeugdaten gelang es den Ermittlern, den Besitzer ausfindig zu machen. Kiyoshi Ōkubo.

Dieser Hinweis war für die Polizei von besonderer Bedeutung. Okubo war kein Unbekannter. Er hatte bereits mehrere Sexualstraftaten begangen und war erst wenige Wochen zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden. Nun musste geklärt werden, ob es sich lediglich um einen Zufall handelte oder ob Okubo tatsächlich etwas mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun hatte. Die Ermittler begannen, seine Bewegungen und Kontakte zu überprüfen. Dabei stießen sie auf weitere Verbindungen zu jungen Frauen, die in den vergangenen Wochen verschwunden waren. Das Bild wurde zunehmend eindeutiger.

Okubo hatte Frauen angesprochen und ihnen unter anderem eine Tätigkeit als Modell angeboten. Mehrere von ihnen waren anschließend in seinem Fahrzeug gesehen worden oder waren verschwunden. Die zeitliche Nähe der Fälle und die Verbindung zu demselben Mann ließen keinen Zufall mehr zu. Am 14. Mai 1971 wurde Kiyoshi Ōkubo schließlich von der Polizei der Präfektur Gunma festgenommen. Mit seiner Festnahme endete die Mordserie. Doch für die Ermittler begann damit erst die eigentliche Arbeit.

Okubo musste nun erklären, was mit den verschwundenen Frauen geschehen war. Während die Vernehmungen begannen, führte eine Spur nach der anderen weg von den Vermisstenfällen und hin zu Orten, an denen die Polizei die Opfer schließlich finden sollte.

Die Ermittlungen und die gefundenen Opfer
Nach der Festnahme Kiyoshi Ōkubos am 14. Mai 1971 konzentrierten sich die Ermittler auf seine Verbindung zu den verschwundenen Frauen. Im Verlauf der Vernehmungen machte Ōkubo Angaben zu seinen Taten und führte die Ermittler schließlich zu verschiedenen Orten in der Präfektur Gunma, wo sie die sterblichen Überreste der Frauen fanden. Dort fanden sie die sterblichen Überreste jener Frauen, deren Verschwinden die Ermittler zuvor beschäftigt hatte. Die Fundorte lagen überwiegend abseits dicht besiedelter Gebiete. Okubo hatte die Leichen an unterschiedlichen Stellen versteckt oder vergraben. Dadurch waren die Opfer zunächst nicht gefunden worden und die einzelnen Fälle schienen voneinander unabhängig zu sein. Mit jedem neuen Fund wurde jedoch deutlicher, dass die Ermittler es nicht mit einem einzelnen Mordfall zu tun hatten.

Die Untersuchungen ergaben, dass Okubo für den Tod von acht jungen Frauen verantwortlich war. Die Opfer waren zwischen 16 und 21 Jahre alt. Zwischen dem ersten Mord am 31. März und dem letzten bekannten Mord am 10. Mai lagen lediglich 40 Tage. Besonders auffällig war die Geschwindigkeit, mit der sich die Ereignisse entwickelt hatten. Okubo war Anfang März aus der Haft entlassen worden. Weniger als einen Monat später begann die Mordserie. Innerhalb von nur sechs Wochen waren acht junge Frauen tot.

Zunehmend konnten die Ermittler auch die Vorgehensweise des Täters rekonstruieren. Okubo hatte seine Opfer nicht zufällig ausgewählt. Er suchte gezielt nach jungen Frauen, sprach sie an und gewann ihr Vertrauen. Dabei spielte sein Fahrzeug eine wichtige Rolle.

Das Versprechen, als Modell für einen Maler arbeiten zu können, bot ihm einen Vorwand, die Frauen näher kennenzulernen. Sobald sie in seinem Wagen saßen, befanden sie sich jedoch in einer Situation, in der Okubo die Kontrolle übernehmen konnte.

Die Ermittlungen brachten außerdem seine lange Vorgeschichte ans Licht. Bereits seit den 1950er Jahren war er wegen Sexualdelikten mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die Mordserie stand somit nicht isoliert in seinem Leben, sondern entwickelte sich aus einer über Jahre dokumentierten Geschichte sexueller Gewalt.

Für die Polizei stellte sich nun die entscheidende Frage: Warum hatte Okubo getötet? Die Antwort darauf sollte später nicht nur im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens stehen. Auch die psychiatrischen Gutachter beschäftigten sich ausführlich mit seiner Persönlichkeit und der Frage, wie es zu einer derart schnellen Eskalation seiner Gewalt kommen konnte.


1

Die psychiatrische Begutachtung

Nach seiner Festnahme musste nicht nur geklärt werden, welche Taten Kiyoshi Ōkubo begangen hatte. Die Ermittler und später das Gericht wollten auch seinen psychischen Zustand verstehen.

Ōkubo wurde deshalb psychiatrisch begutachtet. Die Untersuchung befasste sich dabei nicht nur mit den Morden, sondern auch mit seiner Familiengeschichte, seiner Kindheit, seiner bisherigen Entwicklung sowie den zahlreichen Sexualstraftaten, die seinen Lebensweg bereits vor der Mordserie geprägt hatten. Die Gutachter stellten bei ihm eine deutlich auffällige Persönlichkeitsstruktur fest. Unter anderem wurden eine ausgeprägte Selbstdarstellung, emotionale Kälte und eine starke sexuelle Fixierung beschrieben.

Entscheidend war jedoch, dass die Begutachtung zum damaligen Zeitpunkt keine Psychose oder vergleichbare schwere psychische Erkrankung feststellte, durch die Ōkubo seine Realität nicht mehr hätte erkennen können. Damit wurde seine Verantwortung für die Taten nicht infrage gestellt. Die psychiatrische Beurteilung zeichnete das Bild eines Mannes, dessen Persönlichkeit von Egozentrik, Gefühlskälte und einem ausgeprägten sexuellen Verlangen geprägt war. Diese Einschätzung erklärt jedoch nicht automatisch, warum aus seinen früheren Sexualstraftaten schließlich eine Mordserie wurde. Eine solche einfache Ursache-Wirkungs-Erklärung lässt sich aus den historischen Gutachten nicht ableiten.

Auch Okubo selbst lieferte während des Verfahrens Erklärungen für seine Taten. Dabei stellte er unter anderem einen angeblichen Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten in den Mittelpunkt. Das Gericht bewertete diese Darstellung jedoch kritisch und sah darin keine überzeugende Erklärung für die Morde. Vielmehr wurde deutlich, dass Okubo wiederholt versuchte, sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen und sich selbst in einer bestimmten Rolle darzustellen.

Die psychiatrische Begutachtung machte einen wichtigen Punkt deutlich: Okubo war kein Täter, dessen Verbrechen sich mit einer einzigen Diagnose erklären ließen. Seine Geschichte bestand aus einer langen Reihe von Grenzüberschreitungen, Sexualstraftaten, Haftstrafen und schließlich acht Morden innerhalb weniger Wochen. Nun musste das Gericht entscheiden, inwieweit er für diese Taten verantwortlich war und welche Strafe angemessen wäre.

2

Das Gerichtsverfahren und das Todesurteil

Nach Abschluss der Ermittlungen begann am 25. Oktober 1971 vor dem Maebashi District Court der Prozess gegen Kiyoshi Ōkubo. Im Mittelpunkt standen die acht Morde, die innerhalb von nur sechs Wochen in der Präfektur Gunma begangen worden waren. Die Anklage zeichnete dabei kein Bild einzelner spontaner Gewaltdelikte, sondern einer Serie von Taten, bei denen Ōkubo junge Frauen gezielt angesprochen und unter einem Vorwand in sein Fahrzeug gelockt hatte.

Die Ermittlungen hatten die Verbindung zwischen Ōkubo und den acht Opfern rekonstruiert. Seine eigenen Aussagen und die von ihm genannten Fundorte der Leichen waren dabei wichtige Bestandteile der Aufklärung. Gleichzeitig wurde seine langjährige Vorgeschichte als Sexualstraftäter berücksichtigt.

Eine zentrale Frage des Verfahrens war Ōkubos psychischer Zustand. Die psychiatrische Begutachtung ergab keine schwere psychotische Erkrankung, die seine Schuldfähigkeit grundsätzlich aufgehoben hätte. Vielmehr wurde seine Persönlichkeit als deutlich auffällig beschrieben, geprägt von Gefühlskälte, Selbstdarstellung und einem ausgeprägten sexuellen Verlangen. Okubo selbst versuchte, seine Taten teilweise mit einem Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten zu erklären. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht als überzeugende Erklärung für die Mordserie. Stattdessen wertete es sein Verhalten als Ausdruck eigener Interessen und sexueller Begierden.

Für das Gericht war die Schwere der Taten offensichtlich. Acht junge Frauen waren innerhalb kürzester Zeit getötet worden. Okubo hatte bereits eine lange Vorgeschichte sexueller Gewalt und war erst wenige Wochen vor Beginn der Mordserie aus der Haft entlassen worden. Am 22. Februar 1973 verkündete das Maebashi District Court schließlich das Urteil: Kiyoshi Ōkubo wurde des achtfachen Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Okubo legte gegen das Urteil keine Berufung ein. Damit wurde die Todesstrafe rechtskräftig.

Für Ōkubo begann nun die letzte Phase seines Lebens. Im Gefängnis verfasste er Aufzeichnungen über sein Leben und seine Taten. Diese Schriften geben Einblick in seine persönliche Sichtweise, sind jedoch als Selbstdarstellung des Täters und nicht als unabhängige Tatsachenquelle zu betrachten. Noch fast drei Jahre sollte er auf seine Hinrichtung warten. Am 22. Januar 1976 wurde Kiyoshi Ōkubo im Tokyo Detention House hingerichtet. Er war 41 Jahre alt.

Mit seinem Tod endete der juristische Weg des Falls. Die Geschichte der acht jungen Frauen, die zwischen Ende März und Anfang Mai 1971 ihr Leben verloren hatten, blieb jedoch Teil der japanischen Kriminalgeschichte.

3

Die acht Opfer
Hinter den nüchternen Zahlen dieses Falls steckten acht junge Frauen. Sie waren zwischen 16 und 21 Jahre alt, stammten aus verschiedenen Orten der Präfektur Gunma und führten unterschiedliche Leben. Einige gingen noch zur Schule, andere standen bereits im Berufsleben. Was sie miteinander verband, war zunächst nur der Umstand, dass Kiyoshi Ōkubo ihre Wege kreuzte. Die folgende Reihenfolge entspricht der in den Fallunterlagen dokumentierten Chronologie.

Miyako Tsuda – 17 Jahre
Am 31. März 1971 wurde die 17-jährige Miyako Tsuda das erste bekannte Mordopfer Ōkubos. Sie war Schülerin und stammte aus dem Landkreis Tano. Tsuda hatte Ōkubo einige Tage zuvor kennengelernt. Am Abend des 31. März traf sie erneut auf ihn. Okubo gelang es, sie zu einer Fahrt in seinem Wagen zu überreden. Die Fahrt führte in Richtung Harunasee. Dort kam es zu einem sexuellen Übergriff. Anschließend wurde Tsuda getötet. Ihre Leiche wurde später am Ufer des Harunasees gefunden. Mit diesem Mord begann eine Mordserie, die in den folgenden Wochen immer schneller werden sollte.

Mieko Oikawa – 17 Jahre
Nur sechs Tage später, am 6. April 1971, tötete Okubo die 17-jährige Mieko Oikawa. Sie arbeitete als Kellnerin und lebte in Takasaki. Auch sie war zuvor mit Okubo in Kontakt gekommen. Er nahm sie mit seinem Fahrzeug mit und brachte sie schließlich an einen abgelegenen Ort. Ihre Leiche wurde später auf einem Gelände des ehemaligen Yawata-Industriegebiets in Takasaki entdeckt. Damit hatte Ōkubo innerhalb von nur einer Woche zwei junge Frauen getötet.

Chieko Ida – 19 Jahre
Am 17. April 1971 folgte das dritte Opfer. Die 19-jährige Chieko Ida arbeitete als Aushilfskraft bei der Präfekturverwaltung. Bei ihr war der Kontakt zu Ōkubo bereits intensiver. Den späteren Ermittlungen zufolge hatte sie ihn mehrfach getroffen. Die letzte Fahrt führte in Richtung Karuizawa. Ida wurde anschließend getötet. Ihre Leiche wurde im Bereich des Yawata-Industriegeländes gefunden. Damit hatte Ōkubo innerhalb von weniger als drei Wochen drei Frauen ermordet.

Seiko Kawabata – 17 Jahre
Nur einen Tag später, am 18. April, verschwand die 17-jährige Seiko Kawabata. Auch sie war Schülerin. Okubo nahm sie mit und fuhr mit ihr in Richtung Haruna. Später wurde ihre Leiche in einem Kiesabbaugebiet am Karasu-Fluss im damaligen Haruna-Gebiet gefunden. Zwischen dem dritten und vierten Mord lag nur ein einziger Tag.

Akemi Satō – 16 Jahre
Das jüngste der acht Opfer war Akemi Satō. Sie war 16 Jahre alt und besuchte noch die Schule. Am 27. April 1971 geriet sie in die Hände von Ōkubo. Auch sie wurde nach einer Fahrt mit ihm getötet. Ihre Leiche wurde später auf dem Gelände des Yawata-Industriegebiets gefunden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits fünf junge Frauen innerhalb von weniger als vier Wochen ermordet worden.

Kazuyo Kawaho – 18 Jahre
Am 3. Mai 1971 traf es die damals 18-jährige Kazuyo Kawahara. Sie arbeitete bei der damaligen Nippon Telegraph and Telephone Public Corporation, dem späteren NTT. Kawaho hatte Ōkubo bereits zuvor getroffen. Bei der zweiten Begegnung nahm er sie mit auf eine Fahrt. Auch diese Begegnung endete tödlich. Ihre Leiche wurde später im Bereich des Yawata-Industriegeländes gefunden. Für die Ermittler sollte später von Bedeutung sein, dass Kawaho zu den Frauen gehörte, die Ōkubo vor ihrem Tod näher kennengelernt hatte.

Reiko Takemura – 21 Jahre
Mit Reiko Takemura änderte sich die Entwicklung des Falls. Die 21-jährige Büroangestellte lebte in Fujioka. Am 9. Mai 1971 verschwand sie, nachdem sie sich mit Ōkubo getroffen hatte. Auch in diesem Fall hatte er sich ihr gegenüber als jemand dargestellt, der ihr eine Tätigkeit als Modell für einen Künstler vermitteln könne. Takemuras Verschwinden löste eine intensive Suche ihrer Familie aus. Ihr Bruder suchte nach ihr und stieß dabei auf ihr Fahrrad. Die weitere Suche führte zu Ōkubos Fahrzeug und damit letztlich zu dem entscheidenden Hinweis für die Polizei. Takemura war das siebte bekannte Opfer. Ihre Leiche wurde später in einem Maulbeerfeld im Gebiet von Matsuida gefunden.

Naoko Takanohashi – 21 Jahre
Nur einen Tag später, am 10. Mai 1971, tötete Okubo sein achtes und letztes bekanntes Opfer. Das 21-jährige Opfer, Naoko Takanohashi, arbeitete als Haushaltshilfe. Sie hatte Okubo bereits mehrfach getroffen. Nach der späteren Rekonstruktion gehörte sie zu den Frauen, mit denen er besonders häufig Kontakt gehabt hatte. Auch diese Begegnungen endeten schließlich tödlich. Ihre Leiche wurde später auf einem Feld im Gebiet von Shimonita gefunden. Damit endete am 10. Mai 1971 die Mordserie.


Innerhalb von 41 Tagen waren acht Frauen getötet worden. Keine von ihnen war älter als 21 Jahre. Die unterschiedlichen Lebenswege der Opfer – Schülerinnen, Berufstätige und junge Frauen am Beginn ihres Erwachsenenlebens – zeigen, dass Ōkubo nicht nach einem bestimmten sozialen Hintergrund suchte. Was er suchte, war die Möglichkeit, junge Frauen anzusprechen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie in eine Situation zu bringen, in der er die Kontrolle über sie übernehmen konnte. Während die Angehörigen der Opfer noch nach Antworten suchten, begann für die Polizei die entscheidende Phase der Ermittlungen. Wo genau hatte Ōkubo die Frauen hingebracht und welche Spuren hatte er an den Tat- und Ablageorten hinterlassen?

4

Tatorte, Leichenfundorte und forensische Ermittlungen
Mithilfe der Aussagen Ōkubos konnten die Ermittler die letzten Wege der Opfer zunehmend rekonstruieren. Die Orte, an denen die jungen Frauen gefunden wurden, lagen teilweise weit voneinander entfernt. Ihnen war jedoch gemeinsam, dass sie abgelegen lagen. Ōkubo hatte die Leichen nicht an einem einzigen Ort versteckt. Stattdessen verteilte er die Leichen über verschiedene Bereiche der Präfektur Gunma. Dadurch erschwerte er zunächst die Ermittlungen und verhinderte, dass die einzelnen Vermisstenfälle sofort miteinander in Verbindung gebracht wurden.

Eine wichtige Rolle spielte dabei das Gebiet um den Harunasee. Dort wurde die Leiche von Miyako Tsuda gefunden. Andere Opfer wurden auf oder in der Nähe von Industrie-, Feld- und Abbauflächen entdeckt. Zu den Fundorten zählten unter anderem das damalige Yawata-Industriegebiet bei Takasaki, ein Kiesabbaugebiet am Karasu-Fluss und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die unterschiedlichen Ablageorte machten deutlich, dass Okubo seine Opfer nach den Tötungen nicht einfach an einem festen Ort zurückließ. Stattdessen nutzte er verschiedene abgelegene Stellen, an denen er offenbar davon ausging, dass die Leichen nicht unmittelbar entdeckt würden. Für die Ermittler waren die Aussagen des Verdächtigen deshalb von großer Bedeutung. Ōkubo konnte Orte nennen, an denen sich die Leichen befanden. Die Polizei konnte diese Angaben überprüfen und die sterblichen Überreste tatsächlich auffinden. Mit jedem Fund wurde die Verbindung zwischen den einzelnen Vermisstenfällen eindeutiger.

Mithilfe der Untersuchungen konnten die Ermittler die Identität der Opfer feststellen und die Todesfälle mit Ōkubo in Verbindung bringen. Gleichzeitig konnten sie seine Angaben mit den übrigen Erkenntnissen aus der Untersuchung abgleichen. Die forensische Arbeit war somit ein wichtiger Bestandteil der späteren Anklage. Die Mordserie beruhte jedoch nicht allein auf Ōkubos Geständnissen. Seine Aussagen mussten mit den aufgefundenen Leichen, den Vermisstenfällen, den Zeugenaussagen und den übrigen Ermittlungsergebnissen zusammengeführt werden. Besonders auffällig war dabei die räumliche Verteilung der Tat- und Ablageorte. Okubo bewegte sich mit seinem Fahrzeug durch verschiedene Teile Gunmas und nutzte seine Mobilität, um seine Opfer zunächst abzuholen und anschließend an abgelegene Orte zu bringen. So konnten die Ermittler nach und nach eine geografische Struktur der Mordserie rekonstruieren.

Am Ende stand ein erschreckend klares Bild: Innerhalb weniger Wochen waren acht junge Frauen verschwunden und getötet worden – und hinter allen Taten stand derselbe Täter. Damit war die kriminalistische Aufklärung weitgehend abgeschlossen. Nun rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Ōkubo seine Opfer auswählte, wie er ihr Vertrauen gewann und warum ausgerechnet junge Frauen in sein Visier gerieten.

5

Opferauswahl und Beuteschema
Die acht Opfer Kiyoshi Ōkubos waren zwischen 16 und 21 Jahre alt. Damit zeigt sich ein auffallend enges Altersprofil. Es handelte sich ausschließlich um junge Frauen, die sich häufig allein im öffentlichen Raum aufhielten und von Ōkubo angesprochen werden konnten.

Dabei scheint es nicht darum gegangen zu sein, dass die Frauen sich untereinander ähnelten. Sie stammten aus unterschiedlichen Lebenssituationen. Einige waren noch Schülerinnen, andere standen bereits im Berufsleben. Entscheidend war, dass Okubo die Möglichkeit sah, mit ihnen in Kontakt zu kommen und sie davon zu überzeugen, mit ihm mitzufahren. Dabei trat er nicht offen als Gewalttäter auf.

Eine wichtige Rolle spielte seine Darstellung als Künstler beziehungsweise als jemand, der Frauen für eine Tätigkeit als Modell gewinnen wollte. Für eine junge Frau konnte ein solches Angebot zunächst wie eine ungewöhnliche, aber harmlose Gelegenheit erscheinen. Genau diese Täuschung verschaffte Ōkubo Zugang zu seinen späteren Opfern. Seine Vorgehensweise setzte deshalb zunächst auf Vertrauen statt auf offene Gewalt. Er sprach Frauen an, unterhielt sich mit ihnen und stellte eine Verbindung zu ihnen her. Anschließend bot er ihnen eine Fahrt an. Sobald sie in seinem Fahrzeug saßen, befanden sie sich in einer wesentlich abgeschirmteren Situation.

Die späteren Ermittlungen zeigten außerdem, dass Okubo nicht nur Frauen tötete, die er unmittelbar zuvor kennengelernt hatte. Einige seiner Opfer hatten bereits vorher Kontakt mit ihm gehabt. Dadurch konnte er teilweise über längere Zeit Vertrauen aufbauen. Das machte seine Vorgehensweise besonders gefährlich. Für die jungen Frauen war nicht erkennbar, dass hinter dem freundlichen Auftreten ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter stand. Okubo nutzte somit eine Situation aus, in der seine Opfer zunächst keinen Grund hatten, von einer unmittelbaren Gefahr auszugehen.

Ein weiteres auffälliges Merkmal war seine Mobilität. Sein Auto ermöglichte es ihm, Frauen schnell aus ihrem gewohnten Umfeld zu bringen und abgelegene Gebiete anzufahren. Die räumliche Distanz zwischen Wohnort und späterem Tat- oder Ablageort erschwerte zugleich die Rekonstruktion der Geschehnisse im Nachhinein.

Die Auswahl der Opfer lässt sich dennoch nicht auf ein einziges, eindeutig belegtes Motiv reduzieren. Es gibt keine belastbare Grundlage für die Behauptung, Okubo habe seine Opfer aufgrund ihrer Haarfarbe, ihres Aussehens oder ihrer sozialen Herkunft ausgewählt.

Deutlich erkennbar ist dagegen ein wiederkehrendes Muster: junge Frau – Kontaktaufnahme – Täuschung – Mitfahrt im Fahrzeug – abgelegener Ort – sexuelle Gewalt – Tötung. Dieses Muster macht den Fall auch aus kriminalistischer Sicht bemerkenswert. Okubo benötigte für seine Taten keine komplizierte Vorgehensweise. Entscheidend waren sein Auftreten, seine Fähigkeit zur Täuschung und die Möglichkeit, seine Opfer mit seinem Fahrzeug an Orte zu bringen, an denen sie weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten waren. Doch diese Methode hatte eine Schwachstelle.

Je häufiger Ōkubo Frauen ansprach, desto größer wurde die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sein Verhalten bemerkte oder sich später an ihn erinnerte. Tatsächlich sollte genau diese Vielzahl von Kontakten für die Ermittler schließlich zu einer wichtigen Spur werden.

6

Der Modus Operandi

Bei den später rekonstruierten Taten folgte Kiyoshi Ōkubos Vorgehensweise einem erkennbaren Muster. Die eigentliche Gefahr für seine Opfer begann dabei nicht mit offener Gewalt, sondern mit einer scheinbar harmlosen Begegnung. Okubo suchte junge Frauen, die er im öffentlichen Raum ansprechen konnte. Sein Fahrzeug war dabei ein wichtiges Mittel. Er konnte damit verschiedene Orte anfahren, Frauen ansprechen und sie anschließend aus ihrer vertrauten Umgebung herausbringen.

Bei seinen Gesprächen stellte er sich teilweise als Künstler oder Lehrer dar. Besonders wichtig war der Vorwand, eine junge Frau könne als Modell für einen Maler arbeiten. Dieses Angebot verschaffte ihm einen plausiblen Grund, die Frauen näher kennenzulernen und sie zu einer Fahrt mit ihm zu bewegen. Die Methode war nicht darauf ausgelegt, die Frauen sofort mit Gewalt zu überwältigen. Okubo setzte zunächst auf Täuschung und Vertrauen. Sobald eine Frau in seinem Wagen saß, konnte er sie an einen abgelegenen Ort bringen. Dort kam es zu sexueller Gewalt. Anschließend tötete er seine Opfer und verbarg ihre Leichen an unterschiedlichen Orten in der Präfektur Gunma. Dabei scheint sich sein Verhalten während der Mordserie zunehmend zu beschleunigen. Zwischen dem ersten und zweiten Mord lagen noch sechs Tage. Später folgten zwei Tötungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Kurz vor seiner Festnahme tötete Ōkubo sogar zwei Frauen innerhalb von nur zwei Tagen.

Sein Vorgehen hatte jedoch eine entscheidende Schwäche: Er musste immer wieder mit neuen Menschen in Kontakt treten. Je mehr Frauen er ansprach, desto mehr potenzielle Zeuginnen gab es. Einige von ihnen konnten sich an sein Aussehen, sein Fahrzeug oder die Gespräche mit ihm erinnern. Andere hatten ihn sogar begleitet, ohne Opfer seiner Gewalt zu werden. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass Okubo innerhalb der relativ kurzen Zeit zwischen seiner Haftentlassung und seiner Festnahme eine große Zahl junger Frauen angesprochen hatte. Nur ein Teil dieser Begegnungen führte dazu, dass die Frauen tatsächlich in sein Fahrzeug einstiegen. Damit wird ein wesentlicher Bestandteil seines Modus Operandi sichtbar: Seine größte Stärke als Täter – die Fähigkeit, schnell Kontakt zu jungen Frauen herzustellen – wurde gleichzeitig zu einer seiner größten Schwachstellen. Denn irgendwann begegnete er einer jungen Frau, deren Angehörige nicht einfach akzeptieren wollten, dass sie verschwunden war. Über diese Suche sollte die Polizei schließlich den Weg zu Ōkubo finden.

7

Das Geständnis und die Aufklärung der Mordserie
Nach seiner Festnahme am 14. Mai 1971 stand Kiyoshi Ōkubo im Mittelpunkt einer intensiven Untersuchung. Für die Ermittler ging es zunächst darum, die Verbindung zwischen ihm und den verschwundenen Frauen zweifelsfrei zu klären. Ōkubo machte im Verlauf der Vernehmungen Angaben zu seinen Taten. Von entscheidender Bedeutung war dabei, dass er die Ermittler zu verschiedenen Orten führte, an denen die sterblichen Überreste der Opfer verborgen worden waren.

Mit jedem Fund bestätigte sich das Bild, das sich bereits aus den Vermisstenfällen und den übrigen Ermittlungen ergeben hatte. Die Polizei fand schließlich die Leichen von acht jungen Frauen. Ihre Identitäten konnten ermittelt und die einzelnen Fälle miteinander verbunden werden. Damit war klar, dass es sich nicht um voneinander unabhängige Verbrechen handelte. Hinter ihnen stand derselbe Täter.

Die Ermittler rekonstruierten die letzten Tage der Opfer und verglichen ihre Wege mit den Aussagen Ōkubos. Dabei wurden zahlreiche Details seiner Vorgehensweise sichtbar. So hatte er junge Frauen angesprochen, ihnen unter verschiedenen Vorwänden Vertrauen vermittelt und sie anschließend in seinem Fahrzeug mitgenommen.

Ōkubos Aussagen waren für die Ermittlungen wichtig, doch der Fall beruhte nicht ausschließlich auf seinem Geständnis. Die Angaben mussten mit den aufgefundenen Leichen, den Vermisstenanzeigen, Zeugenaussagen und den übrigen Ermittlungsergebnissen übereinstimmen. Gerade diese Verbindung verschiedener Beweismittel ermöglichte es, die Mordserie Schritt für Schritt zu rekonstruieren. So konnten die Ermittler den Zeitraum der Taten schließlich auf den 31. März bis 10. Mai 1971 eingrenzen. Innerhalb dieser wenigen Wochen hatte Okubo acht junge Frauen getötet.

Auffällig war auch, dass die Mordserie kurz nach seiner Haftentlassung begonnen hatte. Er war Anfang März aus dem Gefängnis gekommen. Weniger als einen Monat später wurde das erste Opfer getötet. Für die Ermittler zeichnete sich damit eine erschreckende Entwicklung ab. Die wiederholten Sexualstraftaten seiner Vergangenheit waren nicht beendet gewesen. Nach seiner Entlassung hatte sich sein Verhalten erneut zugespitzt – diesmal mit tödlichen Folgen. Die Aufklärung der acht Morde führte zu einem umfangreichen Gerichtsverfahren. Doch bevor die Richter über das endgültige Strafmaß entscheiden konnten, musste noch eine andere Frage beantwortet werden:

Wie war Kiyoshi Ōkubo psychisch beschaffen – und war er zum Zeitpunkt der Taten überhaupt voll verantwortlich für sein Handeln?

8

Das Urteil
Am 25. Oktober 1971 begann vor dem Maebashi District Court der Prozess gegen Kiyoshi Ōkubo. Die Ermittlungen hatten inzwischen das Ausmaß seiner Taten offengelegt. Acht junge Frauen waren innerhalb weniger Wochen getötet worden. Im Verfahren wurde nicht nur die Mordserie selbst betrachtet. Auch Ōkubos lange Vorgeschichte spielte eine Rolle. Bereits seit den 1950er Jahren war er wegen Sexualstraftaten verurteilt worden und hatte mehrere Haftstrafen verbüßt. Trotzdem war er nach seiner letzten Entlassung erneut straffällig geworden – diesmal mit tödlichen Folgen. Laut Anklage hatte er seine Opfer gezielt angesprochen und durch Täuschung in sein Fahrzeug gelockt. Anschließend brachte er sie an abgelegene Orte, wo es zu sexueller Gewalt und den späteren Tötungen kam.

Auch die psychiatrische Begutachtung wurde im Verfahren berücksichtigt. Eine schwere psychotische Erkrankung, die seine Verantwortlichkeit grundsätzlich aufgehoben hätte, wurde nicht festgestellt. Stattdessen wurde eine deutlich auffällige Persönlichkeitsstruktur beschrieben. Okubo selbst versuchte, seine Taten teilweise mit einem Hass auf Frauen und staatliche Autoritäten zu erklären. Das Gericht folgte dieser Darstellung jedoch nicht. Seine Erklärungen wurden als nicht überzeugendes Motiv für die Mordserie kritisch bewertet. Die Schwere der Verbrechen stand dagegen außer Frage.

Acht junge Frauen wurden getötet. Einige der Opfer waren noch Schülerinnen. Zwischen dem ersten und dem letzten Mord lagen nur sechs Wochen. Hinzu kamen sexuelle Gewalt, Täuschung der Opfer und das Verbergen ihrer Leichen. Am 22. Februar 1973 fiel schließlich das Urteil. Das Maebashi District Court verurteilte Kiyoshi Ōkubo zum Tode. Okubo legte gegen das Urteil keine Berufung ein. Damit wurde die Todesstrafe rechtskräftig. Für die Angehörigen der Opfer bedeutete das Urteil jedoch keinen wirklichen Schlussstrich. Acht junge Frauen waren tot, und ihre Familien mussten mit dem Verlust weiterleben.

Für Ōkubo begann dagegen die letzte Phase seines Lebens hinter Gefängnismauern. Fast drei Jahre sollten zwischen dem Todesurteil und seiner Hinrichtung vergehen. In dieser Zeit schrieb er über sein Leben und seine Sicht auf die Ereignisse. Seine Aufzeichnungen geben einen Einblick in die Gedankenwelt des Verurteilten, zeigen aber auch, wie wichtig es ist, seine Darstellung von den unabhängig belegten Fakten zu unterscheiden. Am Ende blieb das Urteil bestehen. Am 22. Januar 1976 wurde es schließlich vollstreckt.

© 2026
Informationsplattform
Sachlich. Dokumentarisch. Neutral.

Diese Website dient ausschließlich der Aufklärung und Analyse.
Gewaltverherrlichung oder Sensationalismus werden ausdrücklich abgelehnt.

Impressum | Disclaimer